Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wen die Wiener Migranten wählen

Wiener Migranten Nationalratswahl
Sirvan Ekici (ÖVP) wurde 2010 unter Kurzzeitparteichefin Christine Marek kaltgestellt. / Bild: (c) Clemens Fabry 

Die Wiener VP sendet im Wahlkampf Signale an wahlberechtigte Migranten aus. Sie ist nicht die einzige Partei. Eine Analyse zum Wahlkampfstart.

 (Die Presse)

Wien. Die Bundeshauptstadt zählt 1,7 Millionen Einwohner – knapp die Hälfte davon mit Migrationshintergrund. Vor der Nationalratswahl im Herbst wird das für die Parteien zum relevanten Faktum.

Die Wiener VP hat nun reagiert. Waren Migranten früher ein Randthema, tauchen jetzt auf der Landesliste (für die Wiener VP) bemerkenswert viele Kandidaten mit Migrationshintergrund auf. Sie sind zwar nicht auf sicheren Listenplätzen, es ist aber ein klares Signal an die Communities – was auch in der ÖVP zugegeben wird.

Der interessanteste Name findet sich auf Platz 29. Mit Sirvan Ekici kandidiert eine Wienerin, die tief in der türkischen Community verankert ist, bereits Wiener Gemeinderätin war und bei verschiedenen Urnengängen den ÖVP-Zielgruppenwahlkampf für Migranten führend gestaltet hat. Sie wurde 2010 unter Kurzzeitparteichefin Christine Marek (unsanft) kaltgestellt.

Wiens VP-Chef Manfred Juraczka hat Ekici, die seit 1999 für die VP aktiv ist, zurückgeholt. Und die macht nun in der Community Stimmung für den VP-Wahlkampf – ebenso wie die anderen VP-Kandidaten mit Migrationshintergrund.

Die Kurskorrektur hat federführend Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz durchgeführt, der mit Brigitte Jank die Wiener VP-Doppelspitze für die Nationalratswahl bildet. „Er hat Migranten auf der Wahlliste gefordert, schließlich ist er Integrationsstaatssekretär“, heißt es in der Partei.

 

Bis zu 80 Prozent wählen SPÖ

Ein Angebot an Migranten hat die ÖVP in Wien dringend notwendig. Meinungsforscher Günther Ogris (Sora-Institut) sieht die Partei im „Presse“-Gespräch, gleich mit der FPÖ an letzter Stelle. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Grundströmungen. Muslimische Zuwanderer könnten mit einer christlich-sozialen Partei wenig anfangen, so Ogris. Auch fehlt der ÖVP ein Thema, mit dem konkret Migranten angesprochen werden. Der Partei blieben hauptsächlich die katholische Zuwanderermittelschicht, beispielsweise aus Polen.

Völlig anders sieht es bei der SPÖ aus. Je nach Wahl würden geschätzte 60 bis 80 Prozent der Wiener Migranten mit türkischen Wurzeln die SPÖ wählen. Und: Die türkische Community ist laut Ogris jene der mit Abstand der höchsten Wahlbeteiligung bei den Migranten. Diese Dominanz ist auf die Gastarbeiterzuwanderung zurückzuführen. Die SPÖ ist naturgemäß im Arbeitermilieu dominant, der überwiegende Großteil der Migranten kommt aus der Arbeiterschaft. Und mit Nurten Yilmaz hat die Wiener SP ein entsprechendes Angebot. Auch ist die Wiener SP in den Communities so aktiv wie keine andere Partei, hat auf Bezirksebene viele Mandatare mit türkischen Wurzeln, die massiv Vorzugsstimmen einfahren.

Viele Migranten sind laut Ogris (auf Österreich bezogen) nicht nationalistisch. Deshalb kämpfen die Freiheitlichen in diesem Bereich mit Problemen. Sie haben sich auf die serbisch-orthodoxen Zuwanderer spezialisiert – beispielsweise mit dem Kosovo-Thema. Diese Gruppe ist allerdings sehr klein. Und die FP-Stimmungsmache gegen Migranten (ausgenommen die Serben) kommt bei Migranten naturgemäß nicht gut an.

 

Grüne profitieren nur bedingt

Die Grünen sind bei wahlberechtigten Zuwanderern laut Ogris zur zweitstärksten Partei aufgestiegen – mit deutlichem Abstand zur SPÖ, aber klar vor ÖVP und FPÖ. Mit Alev Korun, der Nationalrätin mit türkischen Wurzeln, die aktiv in der Community arbeitet, haben die Grünen ein entsprechendes Angebot. Die migrantenfreundliche Politik der Grünen bringt ihnen Stimmen, aber nicht so viele, wie sie erhoffen. Sie seien eine „Akademikerpartei“, die es im Arbeitermillieu schwer habe, so Ogris. Aber auf Migranten, die den bildungsmäßigen Aufstieg schaffen, können die Grünen zählen.

Einziger Unsicherheitsfaktor: Die Zahl der eingebürgerten Zuwanderer aus den EU-Staaten steigt ständig. Deren Wahlverhalten ist noch nicht erforscht. Diese Gruppe ist aber (noch) zu klein, um das Wahlergebnis grundlegend zu ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

197 Kommentare
 
12 3 4 5

Die wirklich cleveren Migranten


Wählen die FPÖ, weil ihnen die Nachteile auch für sie selbst bewußt sind, wenn zahlreiche destruktive, dafür aber sehr teuere Entwicklungen nicht bald gebremst werden!

Die Signale der ÖVP

bezüglich EU-beitritt der TR? Wofür oder wogegen steht diese Partei? Es geht um die Zukunft Europas!

Oha, fast 50 Prozent Migrantis?

Stimmt: Wien ist anders. Wien ist (schon fast) nicht (mehr) Österreich - nämlich eine neue Form von Provinz: eine Auslandsprovinz im Inland. Aber Hauptsache die baldige neue Minderheit betont noch immer ihr Urbansein und wie toll so eine STADT denn sei, und so schick sei das im Nasch- und Karmelitermarktmilieu und draußen jenseits von Perchtolds- und Purkersdorf ist bloß das triste dumme Restösterreich. Viel Spaß noch und Güle Güle in der STADT, das wird noch eine Hetz hier!

Re: Oha, fast 50 Prozent Migrantis?

Es ist wirklich immer wieder überraschend, wie sich die Restösterreicher, die nie in Wien sind, Wien vorstellen. So als Mischung zwischen Bronx und dem wilden Kurdistan.

Re: Re: Oha, fast 50 Prozent Migrantis?

Hm, da haben Sie leider gar nicht mal so unrecht, weil auch jenseits von Wien gibt es genug Ignoranten. Allerdings hat "Ihre" Mischung natürlich einen wahren Kern, wenngleich unter Zugabe von einigen Bobos, Studentleins, Hofräten, Burgtheatergehern und vielen, vielen kleinen Roten Männern mit Blautendenz. Allerdings: Wenn von rund 8,4 Millionen Österreichern derzeit nur etwa 1,7 Mio. Wiener sind, zeugt die Bezeichnung "Restösterreicher" für Nichtwiener doch von einer Melange aus unbegründeter Hauptstädterarroganz und schlichter Begriffsvertauschung.

Re: Oha, fast 50 Prozent Migrantis?

Wer aus der Geschichte nichts gelernt hat ist gezwungen sie zu wiederholen. Das gibt ein grausliches Erwachen...

Re: Re: Oha, fast 50 Prozent Migrantis?

Also-die tausenden Türken,mit türkischen Fahnen bewaffnet bei der Pro-Erdogan-Demo am Europaplatz-
das sollen Wiener oder Österreicher sein?Haben die Wahlrecht hier?Unglaublich und traurig.

an die övp

DANKE; damit kann und muss ich als bürgerlicher nun bzö wählen!

Man kann den Österreichern nur raten,..

soviel wie möglich Steuer zu hinterziehen, und sich dafür eine Glock mit genügend Munition zu kaufen. Noch haben wir die Mehrheit, aber sobald die Sozen Morgenluft wittern, gehts rund.

Danke ÖVP

damit macht ihr das x beim BZÖ für mich und viele meiner bürgerlichen Nachbarn nur noch verständlicher!

Ein Beweiß dafür, dass wir nur Bildungsferne Ausländer haben!

Die Klugen sagen selbst, dass es hier viel zu viel Ausländer gibt. Und das es immer noch jemand gibt der die Arbeit noch billiger macht, wissen auch bereits die mit der Hälften Gehirnleistung.

Aber die SPÖ kann stolz auf sich sein, dass Sie nur noch mithilfe von Ausländern Ihre Mehrheit schafft. Das eigene Volk wählt diese Partei schon längst nicht mehr.

wie bitte?

"Viele Migranten sind laut Ogris (auf Österreich bezogen) nicht nationalistisch. Deshalb kämpfen die Freiheitlichen in diesem Bereich mit Problemen. Sie haben sich auf die serbisch-orthodoxen Zuwanderer spezialisiert – beispielsweise mit dem Kosovo-Thema. Diese Gruppe ist allerdings sehr klein."

die serbischen einwanderer sind ja nur die drittgroesste und praktisch gleichstark wie die tuerkische community von immigranten in wien.

ich bin kein f-waehler, aber dieses ewige kleinreden mit falschinformationen ist peinlich.

Es ist nur mehr eine Frage WANN

das Wohlfahrtssystem kippt.

Wenn in einer Wohlfahrtsdemokratie nämlich die Transferempfänger die Überhand gegenüber den Leistungsträgern gewinnen und sich diese Gruppe gut bündeln kann, was in Wien anscheinend mit SPÖ und Grüne der Fall ist, spätestens dann wird das Wohlfahrtssystem und damit die dahinter stehende 'Demokratie' instabil, weil unleistbar.

Re: Es ist nur mehr eine Frage WANN

Das Problem der Sozialisten? Früher oder später geht Ihnen das Geld fremder Leute aus.....

Re: Es ist nur mehr eine Frage WANN

Das Wohlfahrtssystem steht - sagen die Linken! Die Steuern müssen bloß ständig steigen!

Vielleicht uninformierte Dummköpfe …

denkende, halbwegs informierte als migrant/innen werden sicher nicht övp wählen, wie überhaupt denkende bürger(liche). hoffentlich fallen möglichst keine migrant/innen auf diese machtbesessene heuchler-partie herein …

Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

Sehr geehrte User, hier eine Erläuterung des Autors:

Die Statistik Austria führt unter "Migrationshintergrund" nur die Zuwanderer, nicht ob ein Elternteil migrantische Wurzeln hat, also das Kind auch migrantische Wurzeln hat.

Die präziseste Erhebung zum Migrationshintergrund wurde im so genannten Wiener Integrationsmonitor gemacht, der sich genau dieses Thema angeschaut hat. Das Ergebnis (Seite 4):

"Einen Migrationshintergrund (selbst zugewandert oder zumindest ein Elternteil ist im Ausland geboren) haben mittlerweile 49% der WienerInnen."

Zur Erläuterung: Im Ausland geboren sind über 500.000 WienerInnen (31%). Deshalb kommt man auf einen Migrationshintergrund (selbst zugewandert oder zumindest ein Elternteil ist im Ausland geboren) von mittlerweile 49% der Wiener.

www.wien.gv.at/menschen/integration/pdf/monitoring-2012-kurzfassung.pdf

Re: Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

also habe ich keinen und meine schwester (im ausland geboren)schon. ok so kommt man leicht auf 49%...

Re: Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

Wahnsinn! Das heißt ja meine Schwester hat Migrationshintergrund und ich nicht.

Re: Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

Das ist so nicht korrekt, siehe Migration und Integration 2012, siehe z.B S.9.
https://www.statistik.at/web_de/dynamic/services/publikationen/2/publdetail?id=2&listid=2&detail=636

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden lt. diesem Statistik Austria Report selbst Zugewanderte oder jene deren Eltern (beide) im Ausland geboren wurden erfasst. Wenn ein Elternteil in Österreich geboren ist hat die Folgegeneration lt. Definition keinen Migrationshintergrund.

Re: Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

Das macht meinen Tag auch nicht unbedingt besser ;-)

Re: Erläuterung zu "Migrationshintergrund"

Ein Spaziergang durch die Stadt ist leider noch viel anschaulicher....und bringt noch mehr Klarheit über die 49%...

Migranten wählen mit Sicherheit

nicht die FPÖ mit Ausnahme der Serben.
Und deshalb scheuen sich die anderen Parteien, mit dem Moslemproblem auseinanderzusetzen.

Weil von unseren Politikern völlig ausgeblendet wird, dass wir schon längst ein Problem mit dem kulturell und religiös bedingten Frauenbild der Moslems haben.

Frauen sind mehr als 50% der Bevölkerung und sie haben ein Recht, dass sie die Politik vor ethnischer und religiöser Diskriminierung schützt.

Dazu eine immer unverständlicher werdende Rechtssprechung: Moslemische Männer, die Frauen und Kinder brutal misshandeln, riskieren, wie zuletzt - höchstens eine bedingte Strafe und eine Therapie gegen Aggressionen. Die Allgemeinheit darf dafür für die Therapiekosten seiner und der in die Frauen-Nothilfe geflüchteten Tochter aufkommen.

Deshalb ist es für jede Partei eine Pflicht, für die Frauenrechte verstärkt einzutreten! Und das betrifft zum Großteil die (moslemischen) Migranten!

Re: Migranten wählen mit Sicherheit

wie täglich in den Medien berichtet, gibt es doch keine Probleme bei den Islamfraktionen-in Ägypten, Syrien, im Irak etc., und daher auch nicht in Europa. Die europäischen Politiker wollen daher auch unbedingt die AKP geführte, Mursi-freundliche TR in der EU. Es dürfte sich um herbeigeredete Probleme von Islamophobikern handeln.

Kulturhauptstadt Wien?


Sozialexperiment Wien.

Bevölkerungsaustausch inklusive.

Sirvan Ekici

ÖVP-Hoffnung Sirvan Ekici und die grün-roten VorzeigeMiHiGrus würden wohl dringender am Taksim-Platz gebraucht als in Wien.

Aber dort, in diesem fernen unzivilisierten Land gibt es weder Sozialsystem noch Gutmenschlichkeit.

 
12 3 4 5

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden