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Interview: „FPÖ ist eine Partei gesichtsloser Apparatschiks“

21.03.2007 | 18:35 |  MARTINA SALOMON (Die Presse)

Rechtes Lager ohne Ideologie und Führungs-persönlichkeit: Lebt vom „Gezeter der Gegner“.

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WIEN. In der FPÖ würden gesichtslose „Apparatschiks“ herrschen – „ausgerechnet in jener Partei, die sich früher dem Kampf gegen das Apparatschiktum der Großparteien verschrieben hat!“ Der Historiker Lothar Höbelt, langjähriger kritischer Wegbegleiter des einstigen Dritten Lagers, geht mit den Blauen hart ins Gericht.

Einen Zerfall der Partei ortet er – trotz Krisen in einigen Landesorganisationen und des Abgangs von Ewald Stadler – nicht. So eine echte Krise würde Höbelt sogar positiv beurteilen, ergäbe sich damit doch eine Erneuerungschance der Partei. Doch FP-Obmann Heinz-Christian Strache, den er als „Getriebenen“ betrachtet, habe bisher alles unbeschadet überstanden. Das Wählerreservoir der FPÖ sei vorhanden, wenn auch eine klare Partei-Ideologie fehle.


FPÖ auf „Links-Kurs“

Inhaltlich sei sie – ausgenommen bei Ausländer- und Familienpolitik – „auf eindeutigem Links-Kurs“. Das BZÖ habe dem auch nichts Eigenständiges entgegenzusetzen. Dass SPÖ und ÖVP nach Meinung Höbelts die Augen vor den Folgeproblemen der Immigration verschließen, helfe der FPÖ – und den Grünen. Aber hauptsächlich lebe die FPÖ „vom Gezeter ihrer Gegner“. Das Deutschnationale und das Liberale spielten ideologisch im rechten Lager keine Rolle mehr, hätten sogar einen schalen Beigeschmack bekommen – Stichwort Deutschland als EU-Erfüllungsgehilfe, Stichwort „neoliberal“.

Wobei der Historiker überraschende Parallelen zu anderen Parteien zieht: „Wo ist der Marxismus bei der SPÖ, wo der Katholizismus bei der ÖVP?“ Auch anderswo fehle es an Ideologie sowie an starken Führungspersönlichkeiten. Die Ära der großen, medial wirksamen Figuren sei vorbei.

Für die SPÖ sei Strache allerdings ein idealer blauer Parteichef, glaubt der Historiker. Weil dieser kein Interesse am Regieren und an einer Zusammenarbeit mit der ÖVP habe – die größte Sorge der Sozialdemokraten während der Regierungsverhandlungen. Deshalb habe Alfred Gusenbauer auch nicht vor, Strache zu destabilisieren. Die SPÖ selbst beabsichtige nicht, mit den Blauen zu koalieren, hätte diese Variante aber gerne als Karte im Talon, die im Notfall spielerisch eingesetzt werden könne, glaubt der Historiker.

Den Hinauswurf des früheren Volksanwalts Ewald Stadler aus der FPÖ betrachtet Höbelt als unnötig. Jene Leute, die „kontrovers artikulationsfähig“ seien, hätten in der Partei keine Lobby mehr. Stadler sei nicht intrigant, wie behauptet werde, aber immer Sprachrohr der Kritischen gewesen, ohne selbst über ein intaktes Netzwerk zu verfügen.

Dass FPÖ und BZÖ wechselseitig eine Wiedervereinigung ausschließen, findet Höbelt grotesk. Ab der zweiten Reihe, die nicht ins Hick-Hack verwickelt sei, gebe es untereinander keine Ressentiments.


„Triumph der Dummheit“

Wie schaut die Zukunft der FPÖ aus? „Ich fürchte, sie wird stabil weiter vor sich hindümpeln.“ Die letzte Wahl sei ein „Triumph der Dummheit“ gewesen. Sowohl Rot als Blau hätten im wesentlichen mit der Botschaft gepunktet: „Kinder, wir waren so blöd, es geht uns schlecht, jetzt müsst's uns helfen. Das hat geklappt.“

ZUR PERSON

Der Historiker Lothar Höbelt (51) war früher Berater und Paradeintellektueller der FPÖ, beschäftigte sich auch wissenschaftlich mit der Partei. Von Strache und Haider distanziert er sich. Höbelt hofft auf Wiedervereinigung und Erneuerung des Lagers samt neuem Führungspersonal. [Michaela Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2007)

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7 Kommentare
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FPÖ zukunftsweisend

Die FPö ist die zukunftsweisende Partei in diesem Land. Sie hat sich aus einer 1000jährigen Geschichte mindestens schon fünf Jahre nach vorne bewegt. Sie hat zudem den größten Strache aller Zeiten (GRÖSAZ).Und Herr Höbelt ist der beste Beweis dafür, wie unzulänglich unsere universitäre Historiker-Bildung immer bleibt, wenn sie in Konkurrenz treten muss zur Äthanol-Uni, an der sich Pseudoliberale des wievielten auch immer rechten Lagers selbst ausbilden.

Gast: AEIOU
22.03.2007 09:46
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Es wendet sich der "Gast"

mit Grausen. Weil ja keine Ende abzusehen ist. Die wenigen verläßlichen Politiker halten sich zurück, weil sie, mit Recht, das Schicksal Stadlers fürchten. Eine Art Idi-Amin -Regime hat sich breitgemacht. Ob die FPÖ die nächsten Wahlen überlebt? Trotzdem die Bassenakoalitionisten unsäglich deppert sind. Ich glaube nicht. Schon. Als Steger-Partei.

Antworten Steininger
22.03.2007 15:29
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Re: Idi Amin?

Der, der damit angefangen hat war ja wohl der Herr Haider.
Die Entmachtung Norbert Stegers war ein Sündenfall erster Güte.
Seither ist es immer so weitergegangen. Wehleidig zu sein steht dem Gewalttäter nicht gut zu Gesicht, nicht wahr?
Und die Spaltungen. Na ja, das ist so wie mit der Winkelmaurerei. Wird eine Loge zu groß spaltet sie sich auf, weil nicht jeder Meister vom Stuhl sein kann...
Leute mit Führungsanspruch kann man nur kriegen, wenn sie ihren Anspruch auch durchsetzen können, sonst wenden sie sich frustriert ab.
Der Stadler hat verloren und das ist gut so.

Antworten Gast: Kreuzlschreiber
22.03.2007 12:18
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If anything goes, nothing really matters

Wenn man samt Gusi und BAWAG die Wahl gewinnt, hätte selbst ein Rosenstingl reelle Chancen auf einen Stimmenzuwachs so wie der Sascha.

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......

Ich will ja nicht behaupten dass Historiker unintelligent sind, aber solche Dinge die der behauptet sagen nur Leute die das Parteiprogramm der FPÖ gar nicht gelesen haben. Muss man ja nicht, aber dann sollte man auch nicht unsinnig irgendwas behaupten!! Die FPÖ ist die einzige Partei die für Österreicher ist und dem Volk helfen will!! Man sieht ja was die anderen Parteien vor haben, wenn man sich auch nur gering für Politik interessiert. Ich bin FPÖ Wähler und ich werd es auch immer sein! Strache für Österreich!

DAHINDÜMPELN DER FPÖ ?

Beginnen wir mit der Vermutung, daß die SPÖ nicht deswegen, weil es ihr anscheinlich schlecht gegangen sei von der ÖVP nicht ihrer Grundsatztreue oder Grundsatzuntreue wegen unterholt wurde, sondern aus einem anderen, wichtigeren Grund. Die Bevölkerung war unzufrieden mit der "Geiz ist Geil Politik" der ÖVP und ihres Wurmfortsatzes (Zitat). Nicht weil die ÖVP ihre Grundwerte nicht genügend gepflegt hat, sondern weil sie eine reine Klientelpolitik auf Kosten der Mehrzahl der Steuerzahler betrieben hat. Weiters hat anderorts das BZÖ mit dem Anspruch auf das Wort "Freiheitlich" sowohl sich selbst, als auch den eigentlichen Freiheitlichen massiv geschadet. Hätte das BZÖ einen mehr mit Inhalten geführten Wahlkampf betrieben und nicht bloß eine Schlammschlacht vom Zaum gebrochen, hätten wohl beide Parteien besser Abgeschnitten. Man kann aber wohl nicht von einem dahindümpeln der Freiheitlichen sprechen, wenn nach Umfragewerten von 3-4 Prozent letztendlich EIGENSTÄNDIG 11,4 % erreicht wurden.

Antworten Gast: AEIOU
22.03.2007 09:57
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Re: DAHINDÜMPELN DER FPÖ ?

Um mit der FPÖ geistig mitzuziehen, mußte man in den letzten Jahren mehrmals die Meinung wechseln. Das Grundthema blieb zwar immer dasselbe. Die Ausländerübrflutung. Die Bevorzugung der Sozialschmarotzer. Mittlerweile sind die ersteren so zahlreich geworden, daß sie in ihrer Hochburg, in Wien, in allen politischen Gremien bereits Hausmachtstellung haben, und das wirkt sich aus, und die nächste Zielgruppe, die Sozialschmarotzer und Sozialsystem-Trittbrettfahrer sind mittlerweile ebenso zahlreich, daß sie ihr Mentoren, die Grünen, beinahe noch in die Regierung gebracht hätten. In diese Situation ist nur eine straffe, einverstanden, intelligente Führung, nur teilweise einverstanden, die Verläßlichkeit gewährleistet ,angebracht. Was geboten wird, ist dürftig. Und das Parteiprogramm? Ähnelt mit Ausnahme der Schwerpunkte wie ein Ei dem der Bassenakoalitionisten. Wer sich an die Spitze einer Partei boxt, darf seine Animositäten nicht ausleben. Dann wird er untragbar. Und die Partei verliert.