Die Presse: Teilen Sie die Ansicht mancher Experten, die die Briefwahl für „bedenklich“ halten?
Bernhard Raschauer: Das ist Unsinn. Es geht nur darum, wie man die Geheimhaltung gewährleisten kann. Aber das hat ja schon bisher bei der Briefwahl aus dem Ausland funktioniert: mit Hilfe des Kuverts im Kuvert. Das ist ausreichend.
Und die Manipulationsgefahr?
Raschauer: Wenn einer manipulieren will, konnte er das schon bisher tun. Man weiß zum Beispiel, wer das letzte Kuvert in die Urne geworfen hat. Gegen kriminelle Aktionen ist niemand gefeit. Dass die Briefwahl funktioniert, hat man aber auch bei anderen Wahlen gesehen: Ärztekammerwahlen, Personalvertretungs- und Ziviltechnikerwahlen. Ich sehe die Briefwahl als Beitrag, um die Welt liberaler zu gestalten und den Menschen entgegenzukommen. Für die nächste Generation ist das, was die Sechzigjährigen da diskutieren, ohnehin Schwachsinn.
Die wären wohl für E-Voting.
Raschauer: Das ist der nächste Entwicklungsschritt. Allein in meinem Institut gibt's darüber schon zwei Dissertationen. Eine reine Organisationsfrage! Zu diskutieren ist nur, ob man jene diskriminiert, die kein Internet haben. Aber dass ein sicheres Voting mit gesicherter Signatur möglich ist, das kann ja niemand ernsthaft bezweifeln.
Was halten Sie von der neuen fünfjährigen Legislaturperiode?
Raschauer: Davon war ich nie begeistert, weil man dem Bürger das in Österreich ohnehin nicht sehr ausgeprägte Mitspracherecht noch verkürzt. Aber das Abendland geht auch davon nicht unter.
Zur Person: Prof. Raschauer war Mitglied im Österreich-Konvent zur Staatsreform und leitete eine Aufgabenreformkommission.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2007)

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