Das Erstaunlichste am Buch „Kärnten neu denken“ ist, dass es überhaupt zustande gekommen ist. Josef Feldner, Obmann des Kärntner Heimatdienstes, und Marjan Sturm, Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen, sind sich im Rahmen der Konsensgruppe zur Lösung des Kärntner Ortstafelproblems näher gekommen. Unter der Moderation von zwei Friedens- und Konfliktforschern haben sich Feldner und Sturm im Mai dieses Jahres nochmals zusammen gesetzt und diese Annäherung in Buchform dokumentiert.
Beide Autoren sind mit diesem Projekt über ihren eigenen Schatten gesprungen. Sturm, seit langem Chef des linksgerichteten Flügels unter den slowenischen Organisationen, dadurch, dass er überhaupt das Gespräch mit Feldner gesucht hat. Denn lange Zeit galt das Credo, der „Kärntner Heimatdienst“ sei einfach kein Gesprächspartner für die slowenischen Organisationen. Verhandelt wird mit Vertretern von Staat und Land, nicht aber mit der nationalistischen Pressure-Group, deren einziges Ziel es in den vergangenen Jahrzehnten war, gegen Ansprüche der slowenischen Organisationen aufzutreten.
Und so ist die Annäherung Sturms an Feldner in der slowenischen Volksgruppe alles andere als wohlwollend aufgenommen worden. Feldner ist noch mehr über seinen Schatten gesprungen: Er hat, wie im Buch eindrucksvoll dokumentiert wird, in ganz zentralen Punkten seine Meinung geändert. Zu sagen, „es besteht keine Gefahr mehr für die Kärntner Landeseinheit“, oder, es sei lächerlich, mit einer geschürten „Urangst“ der Kärntner zu agitieren, mag außerhalb Kärntens als „No na“-Aussage abgetan werden. Der Chef der Kärntner Heimatverbände hat damit den Kernpunkt seiner bisherigen Argumentation verlassen. Natürlich war es der Heimatdienst selbst, der in der Vergangenheit stets diese „Urangst“ geschürt hat.
Während Sturm in seiner Organisation mit Skepsis und Nasenrümpfen konfrontiert ist, sind die Auswirkungen für Feldner viel dramatischer: Der Kärntner Abwehrkämpferbund, in den vergangenen Jahren nach dem Aussterben der Abwehrkämpfer nur noch milde belächelter Traditionsverein, hat de facto die bisherigen Aufgaben des Heimatdienstes übernommen und gemeinsam mit Landeshauptmann Jörg Haider die Ergebnisse des Feldner-Sturm-Konsenses torpediert.
Trotzdem: Wer dieses hier in Buchform vorliegende Ringen um eine Annäherung bei immer noch bestehenden fundamentalen Meinungsunterschieden liest, erfährt viel über die Grundlagen des Nationalitätenkonflikts, der außerhalb Kärntens oft nur mit Unverständnis verfolgt wird.
Kärnten neu denkenZwei Kontrahenten im Dialog
Josef Feldner/Marjan Sturm
Drava Verlag/Verlag Johannes Heyn, 258 Seiten, € 22,00
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2007)

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