WIEN (pri/APA). Der Dachverband der Burschenschafter, der Wiener Korporationsring (WKR), lädt zur 55. Auflage des Wiener Korporationsballes. „Eine der stilvollsten Hofburg-Veranstaltungen überhaupt“, das glaubt zumindest Udo Guggenbichler, der Sprecher des Ball-Ausschusses.
Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist da anderer Ansicht. Sie platzte sozusagen mitten in die Ballvorbereitungen mit einem offenen Brief an Bundespräsident Heinz Fischer: Er möge doch „Stellung beziehen“ gegen eine Veranstaltung, die so gar nicht ins Gedenkjahr 1938 – 2008 passe. Die ÖH stößt sich daran, dass dem Korporationsring auch Verbindungen wie die „Olympia“ angehören, die vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestuft werden.
Die Grünen sind über die Kombination aus Burschenschaftern, Hofburg und Gedenkjahr zumindest genauso „empört“. Justizsprecher Albert Steinhauser erinnert daran, dass der WKR im Vorjahr den einstigen FPÖ-Bundesrat John Gudenus als Ehrengast hofiert habe – und der stand 2006 immerhin wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht. Es könne „ja wohl nicht sein, dass im Parlament Schweigeminuten abgehalten werden und in der Hofburg die Rechtsextremisten tanzen.“
Die Präsidentschaftskanzlei sieht sich diesbezüglich nicht in der Pflicht. „Die Hofburg ist groß, das hat mit uns nichts zu tun“, verweist eine Sprecherin Fischers auf die Veranstalterfirma.
Die Burschenschafter sind jedenfalls „erschüttert“ über allerlei „kreditschädigende Äußerungen“, wie Guggenbichler im Gespräch mit der „Presse“ sagt. Gerade der Korporationsring habe sich „politisch nie geäußert“. Jetzt könnte anderntags sogar vor Gericht weiter getanzt werden, denn der WKR hat die Causa einem Rechtsanwalt übergeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2008)

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