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Stieger: „Wir brauchen ein neues Pensionsmodell“

28.01.2008 | 18:23 |  THOMAS PRIOR (Die Presse)

Mit der Plattform „seniors4success“ will Leopold Stieger Bewusstsein für das Potenzial der Alten schaffen.

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WIEN. Leopold Stieger ist Betriebswirt und Professor, zählt 68 Lenze und sagt: „Ich werde nie aufhören, zu arbeiten.“ Hätte er auch nur einen Tag die Allmacht in Österreich, er würde das Pensionssystem von Grund auf reformieren.

Stieger schwebt eine „Membran aus Zu- und Abschlägen“ vor; er würde finanzielle Anreize für Menschen schaffen, die über das gesetzliche Pensionsantrittsalter (60 für Frauen, 65 für Männer) hinaus arbeiten – und im Gegenzug die Frühpension „mit ordentlichen Abschlägen“ quasi sanktionieren.


„Parameter stimmen nicht“

Mit dem heutigen Modell kann sich der 68-Jährige so gar nicht anfreunden, „weil nämlich die Parameter überhaupt nicht mehr stimmen“. Die Lebenserwartung steige stetig, und dennoch gingen die Österreicher mit durchschnittlich 59 Jahren in Frühpension. Problematisch dabei: „Sie nehmen einen Rucksack an Wissen mit, der im Ruhestand dann plötzlich brach liegt, obwohl die meisten noch 20 Jahre fit, fähig und frei sind.“

Also hat der Professor für jene, die weiter arbeiten wollen, eine Plattform ins Leben gerufen. Sie nennt sich, durchaus juvenil, „seniors4success“. Das Ziel? Bewusstsein dafür schaffen, „dass es eine Verschwendung ist, wenn das Potenzial und Know-How der älteren Generation weiter ignoriert wird, obwohl die Jungen immer weniger werden“.


Keine Wegfallbestimmungen

Als ersten Schritt würde Stieger die Wegfallbestimmungen bei der Frühpension entsorgen. Der Status quo: Personen, die ihre ASVG-Pension verfrüht in Anspruch nehmen (müssen), dürfen bis zum 65. (60.) Lebensjahr nur geringfügig dazu verdienen, maximal also 341,16 Euro monatlich.

Eine Regelung, die nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch gesamtwirtschaftlich kontraproduktiv sei: „Die Leute verlieren den Anschluss, wenn sie ein paar Jahre weg sind vom Fenster.“

In großen Teilen Europas seien die Gesetze längst nicht so rigide wie hierzulande, gibt der 68-Jährige zu bedenken. In Frankreich etwa ist ein Zuverdienst in der Frühpension dann zulässig, wenn die Summe aus allen Entgeltsformen nicht höher ist als das letzte Arbeitseinkommen vor der Pension. Und speziell in Skandinavien gebe es Anreizmodelle. Mit dem Effekt, dass deutlich mehr 55- bis 64-Jährige arbeiten, als hier. Zum Vergleich: In Österreich sind es 35,5 Prozent, in Frankreich 37,6 – und in Schweden (EU-Spitzenreiter) gar knapp 70 Prozent.

Über die Finanzierung seiner Maßnahmen hat sich der gewiefte Senior auch so seine Gedanken gemacht: „Zusatzeinkommen generieren neue Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.“ Nebenbei könnte Schwarzarbeit verhindert werden, der Zuwanderungsbedarf würde reduziert und das Gesundheitssystem würde entlastet. „Wer länger arbeitet, lebt auch länger.“


„Tod und Teufel ansprechen“

Was er tut, damit seine Thesen auch erhört werden? „Tod und Teufel ansprechen. 30 bis 50 wichtige Leute“ hat Stieger bereits kontaktiert – von der Wirtschaftskammer bis in die höchsten politischen Kreise hinauf. Aufgeben ist seine Sache nicht: „Wer nämlich rastet“, sagt er, „der rostet“.

ZUR PERSON

Im Jahr 1972 gründete Leopold Stieger in Wien die Gesellschaft für Personalentwicklung (GfP) – das Unternehmen hat der promovierte Betriebswirt mittlerweile an seine Söhne übergeben.

Heute beschäftigt sich der 68-Jährige mit dem Thema Pension.

Die Plattform „seniors4success“ ist ein Plädoyer für die ältere Generation:

www.seniors4success.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2008)

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7 Kommentare
Gast: Ombudsmann
29.01.2008 17:45
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Kein neues Pensionssystem ist gut,

welches Frauen um 5 Jahre besser stellt als Männer!

TU Student
29.01.2008 16:46
0 0

Verstehe Ich Nicht

Warum sollte jemand in Fruehpension mehr dazuverdienen duerfen? Dann ist er wohl ungerechtfertigt in Fruehpension.

Viel wichtiger: Aeltere duerfen nicht mehr alleine aufgrund ihres Alters mehr Geld bekommen als Junge.

Die sogenannte "Erfahrung" der Alten, nennt man auch Sturheit.

Ein wenig mehr Selbstkritik und etwas weniger "Die Jugend von heute ist so schlecht" wuerde den angehenden Pensionisten nicht schaden, denn wer mit der groessten Lobby im Land immer noch mehr Privilegien einfordert, der schaufelt sein eigenes Grab.

Antworten Gast: fendi
30.01.2008 09:19
0 0

Re: Verstehe Ich Nicht

Ist eine Frage des geistigen Horizonts.
Weterstudieren bis es begriffen ist.

Beowulf
29.01.2008 16:03
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Dem kann man nur zustimmen...

... und warum hindert man die heutigen Silberrücken daran, weiterhin ihre Leistung einzubringen, die Österreich zu dem gemacht hat, was es wirtschaftlich heute ist? Als Tipp empfehle ich übrigens die Plattform www.joberfahren.at!

Kantig
29.01.2008 08:40
0 0

Es begänne bei den überedimensionalen Staatspensionen!

Frohes Schaffen - es gibt viel zu tun um diesen Mißstand aufzruräumen.

Not der einen die alles verdienen müssen und prasserei derer die verwehsen (verwalten).

Gast: an presse:
28.01.2008 23:35
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kein artikel über einstellung der untersuchungen betreffend frühpensionswelle 2002 bei post-bahn-telekom?


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die Lösung: gleich wie bei den Arbeitnehmern...

... also wenn kein Platz für die Alten in Wien ist, schickt sie doch einfach nach Oberösterreich, Tirol oder nach Kärnten... oder in die West-Walachei... Flexibilität ist doch das Zauberwort, das alle Probleme löst... die Wirtschaft fordert das so... der Staat sollte so handeln!