WIEN. In den früheren Männerbastionen werden der Reihe nach die ersten runden Jubiläen gefeiert. Nachdem sich die Wiener Philharmoniker im vergangenen Jahr zufrieden auf die Brust klopfen durften, weil sie bereits vor zehn Jahren die erste Frau ins Orchester aufnahmen, feiert man dieser Tage beim österreichischen Bundesheer, dass man es in den vergangenen zehn Jahren geschafft hat, über die Zahl von einem weiblichen Mitglied hinauszuwachsen. Was den Philharmonikern bisher übrigens nicht so recht glücken wollte. Sie stagnieren immer noch bei einer Harfenistin. Überlebende des Vorspiels warten aber bereits in der Pipeline auf ihr Probejahr.
Welche sind also 2008 noch die Türen, an die Frauen vergeblich klopfen? Die römisch-katholische Kirche weiht nach wie vor nur Priester männlichen Geschlechts und auch Exorzist kann man als Frau nicht werden. Wobei sich Erich Leitenberger, Sprecher der Erzdiözese Wien, zu erklären beeilt, dass Exorzist auch kein Beruf ist, sondern ein Aufgabenbereich, den ein Priester nach Beauftragung durch einen Bischof wahrnimmt. Ansonsten gibt es eine Reihe von Berufen, wo man keine Frauen vermuten würde, wo sie sich aber bis an die Wahrnehmungsschwelle durchgeschlagen haben. Sei es die Formel I, wo sich 1958 die erste Frau (Maria Teresa de Filippis) zumindest als Teilnehmerin eines großen Rennens einen Namen machte oder als Schiedsrichter im Fußball. Hier pfeift Tanja Schett in der Regionalliga, in Deutschland drang eine Kollegin in die 2. Liga vor.
Bauliche Maßnahmen schuld
Auch in Männergefängnissen arbeiten schon Frauen, die Männer „ausführen“, wie man es im Fachjargon nennt, wenn ein Häftling auf Ausgang von einem Justizwachebeamten begleitet wird. Noch keine Frauen gibt es österreichweit in den Bergwerken. Sechs Stunden Kohle schaufeln am Tag hat bisher noch nicht sehr viele Frauen angelockt. Auch die Bestattung Wien klagt, dass weder im Abholdienst (von Krankenhaus, Privathäusern und Unfallorten) noch bei den Friedhofsträgern Frauen zu den Interessenten für die Jobs gehören, was in beiden Fällen an den körperlichen Voraussetzungen liegt. 100 Kilo und mehr zu tragen, ist nicht Sache einer jeden Frau.
Die Wiener Müllabfuhr ist überhaupt nur auf Männer eingerichtet. Wenn es also eine Frau drängt, am Heck der Müllwägen durch Wien zu kurven, um Tonnen zu entleeren, so sucht sie sich am besten vorher Mitstreiterinnen. Denn hier fehlt es an den baulichen Maßnahmen, um Frauen aufzunehmen. Keine Frauentoiletten, keine Duschen und Ähnliches. „Wegen einer einzigen Frau, werden wir das nicht umbauen.“ Allerdings sei es auch abgesehen davon wenig aussichtsreich, denn die Wiener Müllabfuhr führt eine mehrjährige Warteliste für Bewerber.
Bei der MA 30, die für die Kanäle verantwortlich ist, wären alle baulichen Maßnahmen sogar doppelt vorhanden. Nur die Frauen, die im Untergrund arbeiten wollen, haben sich dort noch nicht vorgestellt. Die Arbeit sei einfach schwer. Das sei nicht so wie bei Bundesheer und Polizei, dass einfach nur ein hoher Grad an Sportlichkeit gefragt sei. So bleiben einige Branchen vorerst bis auf weiteres Männerdomänen. Aber vielleicht gibt es in zehn Jahren neue Überraschungen, mit denen heute noch niemand gerechnet hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2008)

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