12.02.2012 10:26 | Meine Presse Merkliste0

Rechnungshof sieht 80 Mio. Einsparungspotenzial bei WGKK

22.02.2008 | 14:23 |   (DiePresse.com)

Der Rechnugnshof fordert den verstärkten Einsatz von Generika und weniger Vertragsärzte. Die Krankenkasse bezeichnet die Pläne des RH als "rein theoretisch", die Ärztekammer protestiert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Rechnungshof (RH) sieht bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ein erhebliches Einsparungspotenzial. RH-Präsident Josef Moser sprach bei der Vorstellung eines nun offiziell vorliegenden Prüfberichtes am Freitag in Wien von 80 Millionen Euro, welche die WGKK einsparen könnte. Der Rechnungshof hatte die Gebarungen der WGKK mit jener der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse im Jahr 2006 verglichen. Demnach hatte die OÖGKK mit plus 15 Mio. Euro das beste Betriebsergebnis, die WGKK mit einem Minus von 71 Mio. Euro das schlechteste eingefahren.

Die Hauptschuld für das schlechte Ergebnis sieht der RH im drastischen Anstieg der Ausgaben für ärztliche Hilfe und Heilmittel. 2006 gab die WGKK hierfür um 120 Mio. Euro mehr aus als in der OÖGKK. Ein Teil dieses Mehraufwandes, nämlich 40 Mio. Euro, sei auf die "schlechtere Entwicklung der Versichertenstruktur" zurückzuführen. Denn neue Versicherte hätten niedrigere Versicherungskosten als "alte" Versicherte. Der Anteil der Versicherten stieg bei der OÖGKK zwischen 1993 und 2006 um 17 Prozent an - dort gibt es mehr neu Versicherte. Bei der WGKK wuchs die Zahl der Versicherten hingegen nur um 3 Prozent.

Erfolglose Kostendämpfung

Die verbleibenden 80 Mio. Euro an entstandenen Mehraufwendungen seien aber darauf zurückzuführen, dass die WGKK "in der Kostendämpfung weniger erfolgreich war als die OÖGKK", so Moser. Diesen Betrag bezeichnete der Präsident als "Manövriermasse". Mögliches Sparpotenzial ortet der Rechnungshof vor allem bei der ärztlichen Hilfe und den Heilmittelkosten. So liege etwa der Generika-Anteil in Wien derzeit bei nur 40 Prozent.

Der Rechnungshof empfiehlt der WGKK, standardisierte Diagnosen und einheitliche Behandlungsrichtlinien zu fixieren. Auch bei den Tarifen müsse es zu Verbesserungen kommen. Weiters fordert der Rechnungshof eine Optimierung des Stellenplanes für Vertragsärzte, sowie eine Flexibilisierung der Ärzteverträge.

WGKK: "Rein rechnerisches Sparpotenzial"

WGKK-Direktor Jan Pazourek erklärte am Freitag, der Rechnungshof habe "richtigerweise berechnet", wie viel man theoretisch einsparen könnte, wenn die Angebotsdichte an Vertragsärzten in Wien und die Inanspruchnahme durch die Patienten gleich wäre wie in Oberösterreich. Pazourek sprach von einem "rein rechnerischen Sparpotenzial".

Erfreut gab man sich in der Kassa darüber, dass der Rechnungshofbericht den "Großstadtfaktor Wien" herausgearbeitet habe. So zeige der Bericht, dass bestimmte Krankheitsbilder in einer Großstadt besonders gehäuft auftreten. Pazourek verwies etwa auf die Kosten für die Drogensubstitution, hier sei der Wert in Wien um den Faktor zehn höher als in Oberösterreich.

Ärztekammerpräsident Walter Dorner kritisierte die Vorschläge des RH als eine "Prolongierung der Pläne zum Kaputtsparen" des österreichischen Gesundheitssystems. Die im RH-Bericht geforderte bessere Steuerung der Ausgaben für ärztliche Hilfe und Heilmittel sowie Honorarsummenbegrenzungen bedeuteten nichts anderes als "beinharte Rationalisierungen am Rücken der Patienten". Als "völlig unannehmbar" bezeichnete der Ärztekammerpräsident die Forderung des Rechnungshofs nach zeitlich befristeten Einzelverträgen für Kassenärzte.

Der billigste Arzt sei letztendlich der, der überhaupt nicht mehr tätig sei. Er, Dorner, warte nur mehr auf den Zeitpunkt, an dem auch diese Forderung noch erhoben werde: "Dann heben wir halt einfach weiter die Sozialversicherungsbeiträge ein, geben nichts mehr aus, und der Rechnungshof lobt dann WGKK-Obmann Franz Bittner, weil er so viele schwarze Zahlen schreibt."

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

10 Kommentare

Es gibt nur eine realistische Möglichkeit der Kostendämpfung im Gesundheitswesen:

Die Ärzte müssen gezwungen werden, mit den Patienten über die Kosten zu reden und der Patient zahlt einen Selbstbehalt, den er spürt. Dieser Selbstbehalt kann durchaus bei 50% aller Patienten aus sozialen Gründen entfallen, denn es ist nicht anzunehmen, daß diese Patienten dann "kostspieliger" behandelt werden.

Es ist schon eigenartig, aber derselbe Mensch

lamentiert, solange er gesund ist, über die hohen Krankenkassenbeiträge. Kaum ist er erkrankt, ist für ihn selbstverständlich nur das beste und teuerste gut genug, was er auch sofort lautstark einfordert!

tille48
24.02.2008 10:25
0 0

Der einäugige ist unter den Blinder König

Laßt doch die Kaufläute und Pfennigfuchser nicht über Medizinische Versorgung urteilen. Wichtig ist, dass die Sozialaufgaben auf eine breitere Basis gestellt werden. Krankwerden und krank sein darf nicht zum Stigma gemacht werden. Eine "Zwei-Klassen-Medizin" soll uns auf diesem Wege rascher reingedrückt werden. Wenns doch nicht anders zu finanzieren ist. Gelle ????

Antworten tille48
24.02.2008 10:26
0 0

Re: Der einäugige ist unter den Blinder König

korr. Einäugige , Kaufleute...

Gast: Geldkater
23.02.2008 17:41
0 0

Behandlung vs. Administration

Ärzte fördern die Heilung jemandes, der 3 Indikationen hat binnen kurzem zu sterben. Großartig. Daß dann 9 Monate ein Medikament unnötigerweise verschrieben wird, weil ein Spital vom anderen abschreibt ist Geldverschwendung. Daß Patientenbriefe nebulose "Empfehlungen" wie "regelmäßige Blutkontrolle" enthalten, fördert den Arztbesuch. Daß für Untersuchungen vielfache "Arztbesuche" von der KK vorgeschrieben werden mit dem Zweck des Zettelschreibens ist Vernichtung meiner Beitragszahlungen. Daß AUV-Ärzte nur durch Energie und Ertragen von Frechheiten davon abgehalten werden können, Serienuntersuchungen - die ein Monat davor gezielter durchgeführt wurden - an einer Todkranken gemacht werden, ist menschenverachtend (der entsprechende Patientenbrief wurde erst dann eines Blickes gewürdigt, als die Schreibkraft diesen mit großen Augen dem Gott in Weiß darreichte).

Gast: AEIOU
23.02.2008 15:10
0 0

Vielleicht holt Ihr Euch die Kröten einmal von den Zuzüglerclans

Wäre ja fair? Und unser BUHKA könnte sich sein Lamento sparen: Fairneß braucht das Land. Aber keine Packler.

0 0

WGKK hat eben viele Immigrantehintergrund-Mandanten

Ein harte Formulierung vom Gast "AEIUO", aber jeder, der einmal länger als ein Stunde auf einer WGKK Stelle gewartet hat, weiss, wo das Geld hinfliesst.

Gast: martin s
22.02.2008 22:07
0 0

Der Kommentar am Schluss

vom Dorner sagt ja alles: Alle tun so, als gebe es nur ein "Alles oder Nichts". Daher sehe ich dem Abschlusskommentar als "vertr.ttelte typische Ansage nach österreichischem Abwehrmuster"

NeroRosso
22.02.2008 19:16
0 0

Sparen im Gesundheitswesen

kann vielfältig sein.

Werner Schneider hat gerade in "KREBS" seine persönliche Sicht über die sogenannte heilbringende Maschinerie veröffentlicht. Darüber sollte auch nachgedacht werden.

Die Wahl der Mittel und die sind ja nicht immer die billigsten, dienen in vielen Fällen nur der "ärztlichen Statistik" - vom Patientenwohl ist da selten die Rede.
Dazu gehören so Dinge wie "Fallzahlen" etc. die die Kosten in die Höhe treiben.


Antworten Gast: ASVG-Sklave
23.02.2008 15:30
0 0

Jaja,

bevor es einen trifft, oder nachdem man von der bösen, bösen Maschinerie geheilt wurde, hat man das Maul gerne weit offen.
Nur in der klitzekleinen Zeit dazwischen, da darf es gerne etwas aufwendiger und teurer sein.
Das Wort "unnötig" hab ich von einem Patienten noch nie gehört.