Der Rechnungshof (RH) sieht bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ein erhebliches Einsparungspotenzial. RH-Präsident Josef Moser sprach bei der Vorstellung eines nun offiziell vorliegenden Prüfberichtes am Freitag in Wien von 80 Millionen Euro, welche die WGKK einsparen könnte. Der Rechnungshof hatte die Gebarungen der WGKK mit jener der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse im Jahr 2006 verglichen. Demnach hatte die OÖGKK mit plus 15 Mio. Euro das beste Betriebsergebnis, die WGKK mit einem Minus von 71 Mio. Euro das schlechteste eingefahren.
Die Hauptschuld für das schlechte Ergebnis sieht der RH im drastischen Anstieg der Ausgaben für ärztliche Hilfe und Heilmittel. 2006 gab die WGKK hierfür um 120 Mio. Euro mehr aus als in der OÖGKK. Ein Teil dieses Mehraufwandes, nämlich 40 Mio. Euro, sei auf die "schlechtere Entwicklung der Versichertenstruktur" zurückzuführen. Denn neue Versicherte hätten niedrigere Versicherungskosten als "alte" Versicherte. Der Anteil der Versicherten stieg bei der OÖGKK zwischen 1993 und 2006 um 17 Prozent an - dort gibt es mehr neu Versicherte. Bei der WGKK wuchs die Zahl der Versicherten hingegen nur um 3 Prozent.
Erfolglose Kostendämpfung
Die verbleibenden 80 Mio. Euro an entstandenen Mehraufwendungen seien aber darauf zurückzuführen, dass die WGKK "in der Kostendämpfung weniger erfolgreich war als die OÖGKK", so Moser. Diesen Betrag bezeichnete der Präsident als "Manövriermasse". Mögliches Sparpotenzial ortet der Rechnungshof vor allem bei der ärztlichen Hilfe und den Heilmittelkosten. So liege etwa der Generika-Anteil in Wien derzeit bei nur 40 Prozent.
Der Rechnungshof empfiehlt der WGKK, standardisierte Diagnosen und einheitliche Behandlungsrichtlinien zu fixieren. Auch bei den Tarifen müsse es zu Verbesserungen kommen. Weiters fordert der Rechnungshof eine Optimierung des Stellenplanes für Vertragsärzte, sowie eine Flexibilisierung der Ärzteverträge.
WGKK: "Rein rechnerisches Sparpotenzial"
WGKK-Direktor Jan Pazourek erklärte am Freitag, der Rechnungshof habe "richtigerweise berechnet", wie viel man theoretisch einsparen könnte, wenn die Angebotsdichte an Vertragsärzten in Wien und die Inanspruchnahme durch die Patienten gleich wäre wie in Oberösterreich. Pazourek sprach von einem "rein rechnerischen Sparpotenzial".
Erfreut gab man sich in der Kassa darüber, dass der Rechnungshofbericht den "Großstadtfaktor Wien" herausgearbeitet habe. So zeige der Bericht, dass bestimmte Krankheitsbilder in einer Großstadt besonders gehäuft auftreten. Pazourek verwies etwa auf die Kosten für die Drogensubstitution, hier sei der Wert in Wien um den Faktor zehn höher als in Oberösterreich.
Ärztekammerpräsident Walter Dorner kritisierte die Vorschläge des RH als eine "Prolongierung der Pläne zum Kaputtsparen" des österreichischen Gesundheitssystems. Die im RH-Bericht geforderte bessere Steuerung der Ausgaben für ärztliche Hilfe und Heilmittel sowie Honorarsummenbegrenzungen bedeuteten nichts anderes als "beinharte Rationalisierungen am Rücken der Patienten". Als "völlig unannehmbar" bezeichnete der Ärztekammerpräsident die Forderung des Rechnungshofs nach zeitlich befristeten Einzelverträgen für Kassenärzte.
Der billigste Arzt sei letztendlich der, der überhaupt nicht mehr tätig sei. Er, Dorner, warte nur mehr auf den Zeitpunkt, an dem auch diese Forderung noch erhoben werde: "Dann heben wir halt einfach weiter die Sozialversicherungsbeiträge ein, geben nichts mehr aus, und der Rechnungshof lobt dann WGKK-Obmann Franz Bittner, weil er so viele schwarze Zahlen schreibt."

Reaktionen Hoffen auf Verbesserungen, ''Blendwerk für Märkte''
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