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Ärztekammer fordert freie Wahl der Krankenkassen

26.03.2008 | 12:34 |   (DiePresse.com)

Unter dem Motto "Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung" fordert die Ärztekammer, dass die Krankenkassen frei um Versicherte werben sollen. Außerdem will sie von der Regierung zwei Milliarden Euro für das Gesundheitssystem.

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Die Ärztekammer holt das eigentlich schon mehrmals ad acta gelegte Konzept einer freien Wahl der Krankenkassen wieder hervor. "Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung", propagierten Präsident Walter Dorner und sein Vize Artur Wechselberger am Mittwoch. Zwar soll nach ihren Vorstellungen primär die Zuordnung der Versicherten auf die Kassen nach Berufsständen erhalten bleiben. Den Kassen sollte es aber freigestellt werden, um Versicherte zu werben.

Dazu sollten die Krankenkassen Pakete für Zusatzleistungen etwa für Präventionsmaßnahmen oder komplementärmedizinische Methoden anbieten. Die freie Wahl der Krankenkassen würde zu mehr Wettbewerb zugunsten der Versicherten führen, so die Ärztekammer-Vertreter.

Ablehnung für den Vorschlag kam am Mittwoch jedoch vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger und von der ÖVP. Der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband, Erich Laminger, sagte, damit würde man das Gesundheitssystem "künstlich verteuern". VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger warnte vor negativen Folgen für die Patienten.

 

 

"Strukturmilliarde" aus Steuergeldern

Die Ärztekammer fordert außerdem mehr Geld für das Gesundheitssystem von der Regierung.
Eine "Strukturmilliarde" soll zum Aufbau der integrierten Versorgung, zur Verbesserung der Qualität der Behandlungskette, zur Reduktion der Wartezeiten und zur Stärkung der wohnortnahen Versorgung zur Verfügung gestellt werden. Dafür könnte nach den Plänen der Ärztekammer die von der Regierung angekündigte Vermögenszuwachssteuer verwendet werden.

Etwa eine weitere Milliarde könnte zur Sanierung der Krankenkassen hereinkommen, wenn die Politik den Kassen jene Mittel geben würde, die ihnen aus Gründen der Leistungsgerechtigkeit oder der steuerlichen Systemkonformität in den letzten Jahren zukommen hätten müssen, erklärte Dorner. Als Beispiel nannte Dorner etwa den vollen Ausgleich für die Mehrwertsteuer auf Medikamente und eine Übernahme uneinbringlicher Kassenbeiträge durch den Insolvenz-Ausgleichsfonds.

Einsparungspotenziale sehen die Ärzte nicht im niedergelassenen Bereich, sondern bei den Spitälern. Man brauche zwar keine Krankenhäuser zu schließen, könnte aber Kosten senken, indem man die zu große Zahl an Akutbetten in Rehab- und Geriatriebetten umwandle.

(Ag.)

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11 Kommentare
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Alle Jahre wieder!

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern werden auch die vielen Christkindeln wach, die mit dem scheinbar so tollen Vorschlag "Versicherungspflicht - statt Pflichtversicherung", eifrig an der Demontage unseres Sozialsystemes knabbern.
Diesmal ist es die Ärztekammer und es betrifft, na logisch, die Krankenversicherung.
Ich bin fest davon überzeugt, daß Basisleistungen, wie Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Penssionssicherung und ähnliches nicht dem freien Markt zu überlassen sind! Unternehmen, die sich im Wettbewerb befinden neigen schließlich dazu Kostenfaktoren (und das sind die Versicherten in deren Augen) zu reduzieren.

Zum Schluß sucht sich nämlich nicht der Versicherte die Versicherung aus, sondern die Versicherung den Versicherten (z.B. durch die Beitragsgestaltung!)

Harad Baris
Meiereistraße 2-6
1020 Wien

leokoller3
27.03.2008 17:56
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Kammern

Die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern muss abgeschafft werden, dann wird es sehr schnell sehr still um diese Herren werden.

Gast: AEIOU
26.03.2008 20:16
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Immer wieder

melden sich die Hauptnutznießer der Kranken zu Wort. Und immer wieder sind ihre Vorschläge auf das eigene Einkommen abgestimmt. Je mehr gesägt, gebohrt, gehämmert, gemeißelt und die Pulverl-Safterl-Medikation Raum greift, umso kränker werden die Zahler. Die Patienten. Hat sich vielleicht etwas verbessert in den letzten 50 Jahren der "Sozialmedizin". Ja. Das Einkommen der Weißkittel ist in astronomische Höhen geklettert. Die Gesundheit der Patienten aber weiterhin am Boden. Das Ausbildungssystem der Medici ist krank. Deshalb werden die Sozialtöpfe immer mehr zum Gegenstand der ärztlichen Begierde. Wo bleibt der kluge Kopf, der auch Mut hat, das aufzuzeigen.

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Krankenkassenfusion

Ich halte von einem Wettbewerb zwischen den Krankenkassen nichts. Alle Krankenkassen sollten fusioniert werden und die Leistungen vollständig vereinheitlicht werden. Auch die Pensions- und Unfallversicherungsträger sollten fusioniert werden. Eine einzige Sozialversicherungsanstalt sollte für Österreich ausreichen.

Antworten leokoller3
27.03.2008 01:26
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Re: Krankenkassenfusion

Was die Krankenkassen anbelangt, haben Sie recht. Hat ein Bauer, Selbststaendiger, Beamter, Arbeiter oder Angestellter einen differenzierten Anspruch an das Gesundheitssystem? Ich glaub nicht. Haben Burgenlaender oder Vorarlberger unterschiedliche Ansprueche? Glaub ich auch nicht. Daher brauchen wir eine Krankenkasse, die ihr Geschaeft nach versicherungsmathematischen Prinzipien fuehrt. Sonst nichts.

Die Pensionsversicherung soll auf individuelle Konten umgestellt werden, dann ersparen wir uns die jaehrliche Diskussion zum Anheben des Pensionsalters und zu den Fruehpensionen. Die Beitraege und Beitragsgrundlagen werden jaehrlich genauso nach versicherungsmathematischen Prinzipien errechnet. Gehst frueher, hast weniger im Konto, arbeitest laenger, hast mehr.

Antworten Antworten dr. philpp
27.03.2008 06:50
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Re: Re: Krankenkassenfusion

GENAU SO! Und mit harter Hand führen! Sparen nicht nur beimPatieneten sondern im System!!!!

Antworten Gast: AEIOU
26.03.2008 20:22
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Re: Krankenkassenfusion

Ob die Nutznießer des Systems Ihren Auführungen folgen werden, bezweifle ich. Weder die Medici noch die Apparatschi werden das tun. Wo blieben denn dann die Pfründen? Hie die immer diskriminierten KK-Verträge, auf die jeder Mediziner geil ist, denn sie sind das Brot, das die Butter erst möglich macht. Dort die Politikerkaste, die ihr Ausgedinge zumeist in den KK-Verbänden genießt. Das richtige Wort dafür. Also es wird nix, mit der Kartharsis des KK-Unwesens. Es sei denn, die ÖSIANER wählen einmal anders. Einmal nur genügt. Und dann ist der Spuk, den unsere Ringstraßen-Schausteller inszenieren ein für alle Mal zu Ende.

Gast: Gast 99
26.03.2008 16:49
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freie Wahl - Wettbewerb

die prinzipielle Idee durch die freie Wahl der Kassen den Wettbewerb und so die Leistungen für die Versicherten zu verbessern ist gut, doch kommt es in einem Bereich wie der Gesundheitsversorgung zur negativen Auslese - diejenigen die wenig zum Arzt gehen werden geringe Selbstbehalte in Kauf nehmen, diejenigen die sehr oft zum Arzt gehen werden das Modell ohne Selbstbehalt mit etwas höheren Beiträgen wählen und enorme Kosten verursachen. so wird eine Kasse wirtschaftlich arbeiten, die andere pleite gehen. vergleiche jetzt schon die verschiedenen Zugänge der Kassen und ihre Budgets, wenn es um Selbstbehalte geht!

Gast: Anonym
26.03.2008 14:43
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Gute Idee

Dass wir uns die Krankenkasse selbst wählen können, ist eine gute Idee.

Wie komme ich schließlich dazu, dass ich für dieselbe Leistung bei der Wiener Gebietskrankenkasse seit heuer mehr als das Doppelte zahlen muss, nur weil ich in Wien wohne und arbeite? Ein Beispiel gefällig, 2007 habe ich für Schuheinlagen noch ca. 28,00 EUR Selbstbehalt gezahlt, 2008 muss ich dafür bei der Wiener Gebietskrankenkasse ca. 56,00 EUR Selbstbehalt zahlen. (Eine Erhöhung des Selbstbehaltes um mehr als das Doppelte.)

Wäre ich bei der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse müsste ich noch immer nur 28,00 EUR zahlen. Bei Arzt meinte man dazu spöttisch. "Versichern Sie sich halt [zusätzlich zur Pflichtversicherung der Wiener Gebietskrankenkasse] noch bei einer anderen Gebietskrankenkasse, dann können Sie die Einlagen über die beziehen!"

Übrigens wurde diese Erhöhung still und heimlich durchgeführt, die Zeitungen haben jedenfalls nicht darüber berichtet und kaum jemand weiß darüber Bescheid.

Gast: niedersachse
26.03.2008 14:41
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Krankenkassen- und KKH- Vielfalt

Die freie Wahl und Konkurrenz zwischen den bestehenden Kassen ist eine gute Idee - wenn sie sich sowohl durch Leistung, als auch durch Beiträge unterscheiden dürfen. Es muss jedoch immer eine "Basisversorgung" sicher sein. Problem: Sozialer Ausgleich zwischen den Kassen bei unterschiedlicher Kundenstruktur (negatives Ergebnis: Gesundheitsfonds a la Deutschland).
Krankenhäuser hingegen gibt es in Österreich viel zu viel. Beispiel Obersteiermark: Bruck/Mur, Kapfenberg, Leoben, Knittelfeld, Kalwang, Rottenmann - 6 KKH für nicht einmal 200 000 Ew. und maximal eine Autostunde voneinander entfernt! Konsequenz: KKH schließen und zusammenlegen, um sie zu retten. Versorgung am Land über Ärztezentren oder mobile Dienste. Das kommt alles sowieso.

Prolet
26.03.2008 14:21
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Es sei nochmals gesagt: der neue kammerchef hat noch alle 32 zähne und will beißen

Dafür soll die bevölkerung aufkommen - eben ein kammerstaat.

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