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Bei Einbruch SPÖ-Kassa geplündert

17.04.2008 | 18:12 | OLIVER PINK (Die Presse)

Politiker werden immer öfter Opfer: Erst traf es die Grünen, dann Minister Pröll. Nun schlugen Diebe bei der SPÖ zu.

Wien. Zyniker könnten fragen: Wieso bricht jemand ausgerechnet bei der SPÖ ein, wenn er Geld erbeuten will? Dennoch dürfte dies das einzige Motiv jener Täter gewesen sein, die in der Nacht auf Donnerstag in die SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße einstiegen sind, dort die Büros durchsuchten und sich am Ende mit der Handkassa aus der Portiersloge, Handys und Laptops aus dem Staub machten.

Die Mitarbeiter in der SPÖ-Zentrale staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie Donnerstagfrüh vor der Löwelstraße Nummer 18 in der Wiener Innenstadt vor verschlossenen Türen standen. Die Polizei war bereits bei der Spurensuche. „Es deutet alles auf ein Vermögensdelikt hin, ein politischer Hintergrund ist, wie es derzeit aussieht, eher auszuschließen“, meint SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina zur „Presse“.

Die genaue Schadenssumme ist noch unklar. Vom Einbruch betroffen war neben der Portiersloge beim Eingang vor allem das Call Center im Halbstock und die Büros der Wiener SPÖ im ersten Stock. Schäden sind auch am Interieur entstanden, an Türen und Fenstern. Die Alarmanlagen-gesicherten Teile der SPÖ-Zentrale wurden übrigens nicht angetastet. Es dürften also Profis am Werk gewesen zu sein. Der oder die Täter konnten noch nicht ausgeforscht werden.


Pröll-Büro: Laptops entwendet

In jüngster Zeit häufen sich die Einbrüche und Diebstähle bei Politikern. Aus Josef Prölls Landwirtschafts- und Umweltministerium wurden zuletzt immer wieder Lap-tops gestohlen, in Summe acht an der Zahl. „Bestohlen wurden nicht wahllos Beamte des Ministeriums, sondern hochrangige Staatsorgane und die engsten Mitarbeiter Prölls“, schreibt die Tageszeitung „Österreich“. Zu den Bestohlenen zählen etwa Prölls Kabinettchef Stephan Pernkopf, seine Pressesprecher Daniel Kapp und Gerhard Popp sowie zwei Sektionschefs. Einen politischen Hintergrund will man hier jedoch nicht ausschließen.


Grüne: Es war ein Vorbestrafter

Gleich neben der SPÖ-Zentrale haben die Grünen in der Löwelstraße ihr Hauptquartier. Hier wurde im Februar 2007 eingebrochen, die Abgeordneten-Büros durchstöbert, Kleidungsstücke und eine Reisetasche entwendet. Der Täter war ein Vorbestrafter, der aufgrund des genetischen Fingerabdrucks, den er am Tatort hinterlassen hatte, gefasst wurde. Ein ganz normaler Einbruch also.

Ein wenig diffiziler stellt sich jene Causa dar, die vor wenigen Wochen die Republik beschäftigte. Im „profil“ war ein Strategiepapier der ÖVP veröffentlicht worden. Die Volkspartei vermutete das Kabinett des Bundeskanzlers dahinter. Es erging sogar eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft. So soll das Papier während einer Ministerratssitzung im Parlament aus der unbeaufsichtigten Aktentasche des Kabinettschefs von Vizekanzler Wilhelm Molterer entwendet worden, kopiert und wieder hineingelegt worden sein. Alfred Gusenbauers Sprecher dementierte empört.


Strassers geklaute E-Mails

Kurz davor war auch der E-Mail-Schriftverkehr des früheren Innenministers Ernst Strasser veröffentlicht worden, in dem es um politische Interventionen im Bereich der Exekutive ging. Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass die Daten illegal besorgt wurden. Schließlich verwendete Strasser schon damals stets seinen eigenen Laptop und nicht den Festnetz-Computer. Der Ex-Minister erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)


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