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Spindelegger: „Josef Pröll ist eine geniale Figur“

29.04.2008 | 18:10 |  OLIVER PINK (Die Presse)

Zum Homo-Pakt am Standesamt sagt Michael Spindelegger im Interview mit der "Presse" dennoch Nein.

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Die Presse: Die ÖVP leistet sich den Luxus, über die Frage Homo-Partnerschaft am Standesamt zu streiten. Auf welcher Seite stehen Sie?

Michael Spindelegger: Entscheidend ist, dass Diskriminierungen nicht mehr bestehen. Die Frage der Zeremonie sollte man pragmatisch sehen. Ich glaube, dass die Vorschläge abseits des Standesamts, die Bezirkshauptmannschaft oder das Bezirksgericht, sehr vernünftig sind. Und ich glaube, dass die Betroffenen selbst ein Interesse daran haben, dass sie nicht der Spielball der Öffentlichkeit werden.

 

Also Standesamt ja oder nein?

Spindelegger: Nein. Mir wäre eine andere Variante lieber. Weil am Standesamt der Eindruck erweckt wird, es sei eine Ehe. Es ist aber keine Ehe. Und es ist ja so, dass am Standesamt zur schönen Jahreszeit besonders gerne geheiratet wird – das führt automatisch zum Kontakt zwischen heterosexuellen und homosexuellen Paaren. Ob das so gut ist, sei dahingestellt.

 

Wäre es nicht besser zu sagen: Erledigen wir das anständig, dann haben wir das leidige Thema aus der Welt.

Spindelegger: Ich glaube auch, dass es jetzt einmal erledigt gehört. Darum erwarte ich mir, dass es in der nächsten Klubsitzung bei uns eine Diskussion darüber gibt – und auch eine Entscheidung.

 

Der Umgang mit der Homo-Partnerschaft gilt als Gradmesser der Liberalität in der ÖVP.

Spindelegger: Ich halte das nicht für den geeigneten Gradmesser. Denn es handelt sich hierbei um Menschen, die den Eindruck haben, dass sie offenbar diskriminiert werden. Das soll man auch abstellen. Aber ich glaube, dass ganz andere Fragen für die Liberalität wichtig sind. Etwa die der Globalisierung. Hier muss man da und dort jedoch auch Schranken definieren, dass es nicht zu weit geht.

 

Ist Josef Pröll seiner Partei einen Schritt voraus?

Spindelegger: Ich halte Pröll für eine geniale Figur in unserer Volkspartei, weil er mit der Perspektivengruppe Themen angerissen hat, die für unsere Fortentwicklung wichtig sind. Er wurde jetzt auch nicht abgekanzelt. Es ist nur so, dass er seine Richtung da oder dort nicht durchgesetzt hat. Er ist aber ein Ideenbringer, den wir brauchen.

 

Sind Sie für eine Vermögenszuwachssteuer?

Spindelegger: Ich kann mir vorstellen, die bestehende Spekulationssteuer – wenn ich innerhalb eines Jahres Aktien verkaufe – auf drei Jahre zu erweitern.

 

„Gott schütze die ÖVP, wenn sie das nicht einhält“, sagt Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl.

Spindelegger: Ich weise es aufs Schärfste zurück, dass man mit den religiösen Gefühlen anderer spielt. Vereinbart wurde lediglich, dass man an eine solche Steuer denkt, wenn die internen Sparmaßnahmen für die Gesundheitsreform nicht ausreichen.

 

Wird da nicht bereits versteuertes Geld noch einmal besteuert?

Spindelegger: Das ist aber auch beim Sparbuch so.

 

Die ÖVP will also kein Volk von Aktionären?

Spindelegger: Ganz im Gegenteil. Viele Leute, die nicht zu den Reichsten zählen, haben heute Aktien. Auch die Pensionssicherung haben wir zum Teil auf diesen Sektor abgestellt. Das wollen wir jetzt nicht wieder einschränken. Daher: Erhöhung der Spekulationsfrist Ja, aber keine Vermögenszuwachssteuer von der Linke träumen, indem jedes Vermögen zusätzlich eine Steuer bekommt.

 

Fürchten Sie die Rache der EU-Vertrags-Volksabstimmungs-Befürworter bei der Europa-Wahl 2009?

Spindelegger: Durch die Polarisierung ist das Thema wieder stärker am Stammtisch präsent. Das müssen wir nützen, um die Information über die EU zu verstärken. Ich plane im Herbst etwa die Veranstaltung „Europa der Generationen“ – da laden wir Schüler mit ihren Großeltern ein.

 

Soll Wolfgang Schüssel ÖVP-Klubobmann bleiben?

Spindelegger: Er ist es. Und er soll es bleiben.

ZUR PERSON

Michael Spindelegger (48) ist seit Oktober 2006 Zweiter Nationalratspräsident. Zuvor war der Niederösterreicher stellvertretender Klubobmann der ÖVP im Parlament. Der Jurist war auch außenpolitischer Sprecher seiner Partei. Er kommt vom Arbeitnehmerflügel ÖAAB und ist auch dessen NÖ-Landesobmann, sein Mentor war Robert Lichal. Zwei Jahre lang war der zweifache Familienvater Abgeordneter im EU-Parlament – als Mitglied der ersten österreichischen Abordnung in Brüssel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2008)

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10 Kommentare
Gast: Wirtschaftler
02.05.2008 18:29
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Wirtschaftskompetenz?

Ich dachte ja immer, die VPler stellen sich nur bei der heiligen Kuh "Ehe" deppert, aber das scheint sich nun auch auf die vielgerühmte "Wirtschaftskompetenz" auszuweiten. Denn rational kann wohl keiner erklären, wie denn Geld auf einem Sparbuch "doppelt besteuert" wird. Denn der Kapitalertrag, die Zinsen, kommt ja dazu - ist also nicht Bestandteil des erarbeiteten Geldes. Und somit wird auch mit der KESt nicht doppelt besteuert. An anderer Stelle, beispielsweise bei der MWSt, wo man ja mit dem bereits versteuerten Einkommen Dinge erwirbt und wirklich wieder Steuern zahlen muss, da stört ihn die faktische Doppelbesteuerung nicht. Oder bei der Mineralölsteuer, wo man Mehrwertsteuer auf eine Steuer zahlt. Völlig absurd, aber nicht komisch für die VP. Komisch ist für die dort nur, wenn man Steuern für Vermögen zahlen soll, dass einem völlig leistungsfrei zufällt (erben, schenken).

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Der "gerniale" LH Pröll...

LH Pröll muß tatsächlich "genial" sein; wäre er es nicht, dann wäre er ja kaum auf die Königsidee gekommen, als Opferanwalt für die "Kellerkinder von Amstetten" ausgerechnet einen Wirtschafts(!)anwalt vorzuschlagen. Oder möchte der "Landesvater" die ganze Causa aus Imagegründen zu einem reinen Wirtschaftsdelik herunter stufen?

Oder, zweite Möglichkeit, dieser Anwalt ist ein guter Freund von ihm und er möchte ihm die Chance auf mediale Aufmerksamkeit bieten; oder es fiel ihm auf Anhieb gerade kein anderer Namen ein und "irgendwie" muß schließlich auch der LH auf diesen Fall reagieren; oder, dritte Möglichkeit, dieser Advocat gehört "zufällig" eben der "richtigen" Partei an.

NUn ist es an sich schon richtig, daß die Politik, die Ämter, Behörden, die Exekutive bestimmte Lehren aus der Causa Fritzl ziehen MÜSSEN! Aber mit völlig undurchdachten Aktionismus bringt man auch nichts weiter.

Man holt ja schließlich auch keinen HNO-Arzt zu einer Operation am offenen Herzen...

luis
01.05.2008 17:18
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hoffentlich hat die övp noch viele spindeleggers,

denn mit solchen einstellungen, bleibt sie weiterhin nicht mehr wählbar!

was diese "partei" den menschen in oesterreich zumutet, ist an arroganz nicht mehr zu überbieten.

bei der nächsten wahl wird sie aber dafür sicherlich die rechnung präsentiert bekommen.

Gast: europäer
01.05.2008 02:16
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Gott bewahre,

da könnten ja hetero- auf homosexuelle Paare treffen -- jessas na.

Einfach nur zum Speiben.

Fragender
30.04.2008 20:49
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Hat die Volkspartei urbane Bürgerliche schon ganz aufgegeben?


.

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"..das führt automatisch zum Kontakt zwischen heterosexuellen und homosexuellen Paaren..."

hoffentlich wird dieser kontakt vermieden. am ende wird gar ein hetero schwul oder umgekehrt. und bereits vereinbarte zeremonien werden abgesagt....

dem müssen wir einen vaupee-riegel vorschieben!

schande über spindelegger und gesinnungs-freunde!

Gast: GayPrideAustria
30.04.2008 13:40
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Ist ja grauenhaft>>>

Heterosexuelle Paare könnten mit der Realität von Schwulen & Lesben konfrontiert werden - noch dazu am Standesamt, bei schönem Wetter...... Geht's noch peinlicher?
EP-Eintragungen also nur während einer als solcher abgesicherten Schlechtwetter-Periode und an einem Schalttag - oder noch besser: am St.Nimmerleinstag bei Hagel?
Und SO EINER hockt im Parlament und bezieht Geld, das auch von Schwulen & Lesben als Steuer eingehoben wird!

Gast: Benedikt
30.04.2008 10:03
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ÖVP Anno 2008

In der Parteizentrale hängt eine Bild vom Dolfuß und nach außen hin wird mit dem angeblichen „gesunden Volksempfinden“ argumentiert: Das ist sie halt, die ÖVP Anno 2008.

Gast: derökonom
30.04.2008 07:57
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Schämen Sie sich,

Herr Präsident, für die Antwort auf die zweite Frage oben. Da kommt einem wirklich das Grausen.

Heißt das jetzt, dass Lesben und Schwule nur heiraten dürfen, wenn das Wetter grauslich ist? Im November, damit es ja nur keiner sieht? Das Anschauen von Lesben und Schwulen gefährdet ja wirklich die Gesundheit! Und dann noch Kontakt mit denen zu haben, also das ist ja wirklich unerhört.

Shame on you, Mr. President!

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Kaum zu überbieten

Herr Spindelegger ist an Konservativismus kaum zu überbieten. Ihm fehlt der Betug zur Realität ebenso wie das Gefühl für eine humanistische Einstellung Andersdenkenden gegenüber. Josef Pröll als "genial" zu bezeichnen grenzt schon an Realitätsverweigerung, betrachtet man die Versäumnisse deises Herrn in der Umweltpolitik und dessen Ansichten zu manchen Themen, die durch nichts als durch Ideologie geprägt sind. Herr Spindelegger wäre wahrscheinlich in einem Kloster am besten aufgehoben, als Repräsentant des Staates ist er aber eine Zumutung.

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