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Neonazi-Prozess: BfJ-Aktivisten stehen in Wels vor Gericht

14.05.2008 | 15:54 |   (DiePresse.com)

Der Staatsanwalt wirft den fünf Angeklagten vom "Bund freier Jugend" eine "direkte Neuschöpfung der Hitler-Jugend" vor. Der Verteidiger spricht von einem "Politprozess".

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Zehn bis 20 Jahre Haft drohen den fünf Aktivisten des "Bundes freier Jugend" (BfJ), die am Mittwoch in Wels vor Gericht stehen, im Falle einer Verurteilung - sollten sie oder ihre Taten als besonders gefährlich eingestuft werden, sogar lebenslänglich. Der Staatsanwalt wirft ihnen den Aufbau einer nationalsozialistischen Organisation im Sinne des Verbotsgesetzes vor.

Drei der Männer sollen den BfJ im Zeitraum von Oktober 2001 bis Jänner 2003 "auf Basis von NS-Gedankengut" geschaffen und ihn als Leiter, dessen Stellvertreter und "Propagandachef" geleitet haben. Ihr Ziel war Staatsanwalt Franz Haas zufolge "durch dauerhafte Wiederbetätigung und Propaganda die verfassungsmäßige Struktur der Republik Österreich durch eine Volksgemeinschaft nationalsozialistischer Prägung zu ersetzen". Die beiden anderen Angeklagten seien als "Leiter der Einsatzgruppe" und rechtlicher Berater aktiv gewesen.

Der BfJ sei als "direkte Neuschöpfung der Hitler-Jugend" ins Leben gerufen worden, sagte Haas. Das Programm sei vielfach deckungsgleich mit dem Programm der NSDAP.

Die Organisation habe Kaderschulungen, Zeltlager und Kampfsporttrainings veranstaltet, um Mitglieder "fronttauglich" zu machen. Die Teilnehmer seien "im Sinne des NS-Gedankenguts gedrillt" worden. Außerdem soll die Vereinigung eine Zeitschrift herausgegeben haben, deren Inhalt und Aufmachung als nationalsozialistische Wiederbetätigung zu werten sei.

Die Ermittler hätten bei den Angeklagten auch Schulungsunterlagen sichergestellt, in denen Thesen wie "Integration ist Völkermord" und "Nein zum Türkensturm" vertreten worden seien.

Den drei Hauptangeklagten wird auch die Organisation eines Rechtsextremen-Treffen im März 2007 vorgeworfen. Damals feierten 60 amtsbekannte Teilnehmer aus Oberösterreich den "Tag der Volkstreuen Jugend". Die Polizei löste die Veranstaltung auf und beschlagnahmte einschlägige Bücher, CDs und Transparente.

Verteidiger: "Politprozess"

Der Verteidiger dreier Angeklagter, Herbert Schaller, sprach vor Gericht von einem "Politprozess". Es sei in Diktaturen üblich, politisch Andersdenkende als Kriminelle zu behandeln.

Die Angeklagten - die Schaller schon in früheren einschlägigen Verfahren vertreten hat - hätten sich "nie gegen den Staat gewendet". Sie würden ehrenamtlich politisch arbeiten und "das Schicksal ihres Volkes in die Hand nehmen wollen". Seine Mandanten hätten nie den Blick in die Vergangenheit gerichtet und sich etwa mit der Judenverfolgung befasst, sondern immer nur in die Zukunft, erklärte Schaller.

Das Wiederbetätigungsgesetz sei ein "längst verblichenes Ausnahmegesetz". Demokratie müsse von linksextrem bis rechtsextrem alles zulassen, so Schaller. 

Auch der zweite Verteidiger, Andreas Mauhart, betonte, dass die Angeklagten harmlos seien. Sie hätten lediglich eine Jugendgruppe gebildet. "Man findet in der Anklage nicht einen Menschen, der verletzt worden ist", so der Verteidiger.

Der Prozess wurde auf den 17. Juli vertagt.


§ 3a Verbotsgesetz
Eines Verbrechens macht sich schuldig und wird mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung auch mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft:

1. wer versucht, eine gesetzlich aufgelöste nationalsozialistische Organisation aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen oder mit einer solchen Organisation oder einer in ihrem Namen handelnden Person in Verbindung zu treten; als nationalsozialistische Organisationen (§ 1) gelten: die NSDAP, die SS, die SA, das NSKK, das NSFK, der NS-Soldatenring, der NS-Offiziersbund, alle sonstigen Gliederungen der NSDAP und die ihr angeschlossenen Verbände sowie jede andere nationalsozialistische Organisation;

2. wer eine Verbindung gründet, deren Zweck es ist, durch Betätigung ihrer Mitglieder im nationalsozialistischen Sinn die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Republik Österreich zu untergraben oder die öffentliche Ruhe und den Wiederaufbau Österreichs zu stören, oder wer sich in einer Verbindung dieser Art führend betätigt;

3. wer den Ausbau einer der in der Z. 1 und der Z. 2 bezeichneten Organisationen und Verbindungen durch Anwerbung von Mitgliedern, Bereitstellung von Geldmitteln oder in ähnlicher Weise fördert, die Mitglieder einer solchen Organisation oder Verbindung mit Kampfmitteln, Verkehrsmitteln oder Einrichtungen zur Nachrichtenübermittlung ausrüstet oder in ähnlicher Weise die Tätigkeit einer solchen Organisation oder Verbindung ermöglicht oder unterstützt;

4. wer für eine solche Organisation oder Verbindung Kampfmittel, Verkehrsmittel oder Einrichtungen zur Nachrichtenübermittlung herstellt, sich verschafft oder bereithält.


(APA/Red.)

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21 Kommentare
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Nazis sind Idioten - Gutmenschen sind Idioten

Nazis sind Idioten. Genauso sind Gutmenschen Idioten. Warum sperrt man die nicht auch weg?

Dann gäbe es nur noch die politische "Mitte", die sich dadurch auszeichnet, dass sie ein rotes oder schwarzes Parteibuch hat und genau das tut was die Mächtigen vorbeten.

Das nenn ich dann gelebte Demokratie :)

Antworten Gast: Christian
16.05.2008 18:26
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Was

ist eigentlich ein "Gutmensch". Und bist du dann ein Schlechtmensch?

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Re: Was

Ja ich bin ein "Schlechtmensch". Zumindest in den Augen der Gutmenschen.

Antworten Gast: Crusader
16.05.2008 08:17
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Re: Nazis sind Idioten - Gutmenschen sind Idioten

Österreich hat`s halt nicht so mit der Demokratie und der freien Meinungsäußerung -
außer es geht ín die richtige politisch erwünschte Richtung - alles andere ist soooo Staatsgefährdent.
Die paar Nudelaugen die sie jetzt im Visier haben wegen ihren Machenschaften (bzw. wegen ihres verblödeten Schwachsinns) sind ja soooo gefährlich
Ich lach micht krumm...
Ich fühl mich ja um so viel sicherer wenn ein paar Heinis im Wald keine Wehrsportübungen mehr abhalten können.....
Dann bleiben als Risiko "nur" mehr die von allen Gutmenschen hofierten Moslemfanatiker, die afrikanischen Drogendealer und das restliche kriminelle Pack aus aller Herren Länder.
Aber wichtig ist zuerst einmal ein paar "rechtsextreme Staatsgefährder" einzusperren - wir haben ja sonst kein Sicherheitsprobleme.
Glückliches Österreich.............

Antworten Antworten Gast: Christian
16.05.2008 18:25
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Was

haben Neonazi mit "freier Meinungsäußerung" zu tun?

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Re: Was

Warum soll ein Depp seine Meinung nicht sagen dürfen? Dann wissen wir wenigstens wer ein Depp ist.

koko
15.05.2008 10:20
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lächerlich

Der Staat fürchtet sich vor ein paar Jugendlichen, die auf Zeltlager gehen? Das kann doch nur ein Scherz sein. Wie bitte soll dieses Grüppchen den Staat aus den Angeln heben? Ist es schon strafbar von "Türkensturm" zu reden, obwohl das ein Faktum ist? Man muss sich nur die Äusserungen türkischer Politiker anhören, zuletzt von Präsident Erdogan in der Bundesrepublik. Auch in Österreich wird seit einigen Jahren eine türkisch-islamistische Gegengesellschaft aufgebaut, die mit unserem pluralistischen liberalen System nichts am Hut hat. Dies ist in der Tat eine der realen Bedrohungen für unsere Gesellschaft. Es ist aber verpönt, darauf hinzuweisen und es zu thematisieren.

Bombur
15.05.2008 13:00
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Re: lächerlich

Eine Demokratie hat das Recht auf Selbstverteidigung und bei solch rechtem Abschaum darf sie das gerne anwenden.

Sollte meiner Meinung nach auch für radikale Link gelten!

Antworten Antworten Gast: vernunftbegabt
16.05.2008 00:16
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Re: Re: lächerlich

wie vielsagend es doch ist, wenn ein Mensch andersdenkende Menschen als "Abschaum" bezeichnet.
Hast Du auch noch andere aggressive, Gewaltbereitschaft zeigende Bezeichnungen für Menschen?
Du, glaub ich, bist jederzeit bereit faschistischen Weltbildern zu dienen, der Diktatur nach dem Maul zu reden, bist ein Faschist, antidemokratisch.

Gegensätzlich haben die Angeklagten nur das Problem der Meinungsbeschneidung durch den Staat. Leider zeigt sich der Staat damit als bürgerfeindlicher und deutschfeindlicher ÜBELSTAAT (= mit einem großen ÜBEL behafteter, unfreier Staat). Wie heißt es: "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man(später)auch Menschen". Wollen wir das? Wieviele Bücher müssen in Österreich noch verbrannt werden, um Gesetzen der Besatzungszeit zu dienen, welche für jeden Vernunftbegabten erkennbar, krass gegen den WICHTIGEN Artikel19 der UNO-Menschenrechtserklärung verstößt.
Wer, neben der Anklage, möchte andersdenkenden, deutschen Österreichern Menschenrecht verbieten?

Gast: Peter K.
15.05.2008 09:50
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Darf es nur Links geben?

Rechte sind in einer Demokratie, so die europäischen Staaten denn welche sein wollen, ebenso zuzulassen wie Linke. Wer nur auf dem linken Auge blind ist und alles Rechte verteufelt, landet tatsächlich schnell in der Diktatur. Schließlich nannte sich die DDR selbst ja auch demokratisch.

Gast: Fischa
14.05.2008 18:37
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Die hätten ihre Aktivitäten eben besser als "Religion" bezeichnet.

Dann könnten sie unter dem Deckmantel der Glaubensfreiheit ihre staatsfeindlichen Aktivitäten durchführen. So wie andere, die nur leider zahlenmäßig ETWAS stärker sind.

diogenes
14.05.2008 17:07
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Wie lustig das doch klingt

2. wer eine Verbindung gründet, deren Zweck es ist, durch Betätigung ihrer Mitglieder im nationalsozialistischen Sinn die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Republik Österreich zu untergraben oder die öffentliche Ruhe und den Wiederaufbau Österreichs zu stören, oder wer sich in einer Verbindung dieser Art führend betätigt;
Kann man doch daraus ableiten, dass jemand der die Unabhängigkeit der Republik nicht im nationalsozialistischem Sinne sondern anderweitig untergräbt nicht strafbar ist, ebenso jemand der zu diesem Ziele keine "Verbindung" gründet, sondern nur so tätig ist ebenso....selten so gelacht!

Peregrin
14.05.2008 17:57
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Re: Wie lustig das doch klingt

Richtig, normalerweise ist nur die gewalttaetige verfassungsfeindliche Betaetigung strafbar. Sonst wuerden die EU-Befuerworter schon alle sitzen.

Gast: Bösewicht
14.05.2008 17:02
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Justitia ist einäugig

Aber der BfJ hat sicher nichts mit der N-S-DAP gemeinsam, er trägt ja sogar einen anderen Namen. Und mit H;tler hat diese Vereinigung sicher auch gar nichts am Hut.
Schließlich hat die KPÖ auch nichts mit Stalin, Mao, Pol Pot, Ho Che Ming, Breschnew, Hodscha, Honecker usw. zu tun. Naja, das Parteisymbol und der Name sind schon zufällig gleich wie die Symbole der Genannten, aber der Kommunismus der KPÖ (und so mancher JuSo Gruppe) ist sicher ganz anders. Und außerdem hat es einen Massenmord von 100 Millionen Menschen an Feinden des realen Sozialismus niemals nie nicht gegeben. Wer sowas behauptet soll lebenslänglich eingesperrt werden.

Gast: AEIOU
14.05.2008 15:33
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Ab in den Kerker

mit diesen Österreichfeinden!

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Re: Ab in den Kerker

Die kleinen Fische sind keine Österreich-Feinde. Die findest du in der Regierung und im Parlament.

panda82
14.05.2008 14:53
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Hallo liebe Österreicher!!!

Diese Herrschaften sind als politische Haeftlinge zu behandeln... Denn sie wollten schlieslich das durchführen was Mister Strache auf Wahltafeln ankündigt...

Man sollte in Österreich solche eifrige Staatsanwaelte nicht mehr beschaeftigen!!!

Antworten Gast: .
14.05.2008 16:55
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Hallo liebe Leser!

Wer sich selbst ein Bild von dem Gedankengut der Angeklagten machen will, kann deren Zeitschrift "Jugend Echo - Kampfschrift der nationalen Jugend in Österreich" im Internet nachlesen. Wer dann noch immer deren völkisch-rassistisches Gedankengut und deren politischen Vorstellungen von einer führerbezogenen Volksgemeinschaft verharmlost, dem fehlt es an historischem und poltischen Grundwissen oder er steht derem Gedankengut nahe.

Peregrin
14.05.2008 17:59
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Re: Hallo liebe Leser!

Hier im Artikel stehen aber "Zeltlager" und "Kampfsporttraining" als Hauptbosheiten.

diogenes
14.05.2008 17:19
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Re: Hallo liebe Leser!

Wer kann mir den Link sagen, unter dem man diese Schriften lesen kann ?

Antworten Antworten Antworten Gast: Oberkochem
14.05.2008 23:35
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Re: Re: Hallo liebe Leser!

Sicher nicht! Sowas funktioniert doch nur dann längere Zeit, wenn es willige Dummerln oder bezahlte Agenten machen ....

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