03.07.2009 03:25 | Meine Presse Merkliste0

"Rede zur Lage der Nation": Molterer gegen "Vollkaskostaat"

15.05.2008 | 15:20 |   (DiePresse.com)

ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer wünscht sich für Österreich einen "neuen Patriotismus" und einen "Leistungsstaat". Die steigenden Pflegekosten will er durch Erlöse aus Privatisierungen finanzieren.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren
"Antworten auf die dringendsten Anliegen der Menschen". Das versprach die ÖVP in ihrer Ankündigung zur "Rede zur Lage der Nation" von Partei-Obmann Wilhelm Molterer. Antwort gab Molterer am Donnerstag in der Wiener Hofburg dann etwa auf die Frage, wohin sich die Gesellschaft bewegen solle. Die - wenig überraschende - Empfehlung des VP-Vizekanzlers: "In die Mitte". "Es tummeln sich in der Zwischenzeit viel zu viele an den Rändern - ob links oder rechts", so Molterer.

Außerdem müsse sich die Gesellschaft zu einem Leistungsstaat statt einem "Vollkaskostaat" bekennen. Fundamente für den Leistungsstaat seien eine starke Wirtschaft, die Teilhabe der Menschen am Wohlstand und der Zusammenhalt der Gesellschaft. Daraus müsse Österreich seine Stärke schöpfen, sagte Molterer.
Der Vizekanzler forderte außerdem einen "neuen Patriotismus". "Kein dumpfer Hurra-Patriotismus" schwebt ihm dabei vor, sondern jener Patriotismus, der Österreich als ein stolzes, starkes und menschliches Land zustehe.

Mit einem neuen Vorschlag wartete der VP-Obmann in der Pflegedebatte auf. Zur Finanzierung der künftig steigenden Pflegekosten regte Molterer die Schaffung eines "Österreich-Fonds" an, der aus Privatisierungserlösen gespeist werden sollte. Vorbild sei der von Julius Raab gegründete Familienlastenausgleichsfonds (FLAF).

Das Thema Privatisierungen sei überhaupt "auf der Tagesordnung". Die Privatisierungen der letzten Jahre hätten Österreich stark gemacht, diesen Weg müsse man weiter beschreiten.

Molterer hielt seine "Rede zur Lage der Nation" am Jahrestag der Unterzeichnung des Staatsvertrages im Jahr 1955 und einen Tag nach seinem 53. Geburtstag. Der Vizekanzler bezeichnete es als Geschenk und als Gnade, auf diese Art mit der Geschichte des Landes verwoben zu sein.

Die erste Rede zur Lage der Nation hatte vor 25 Jahren Alois Mock im Belvedere gehalten. Der ehemalige Vizekanzler, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, freute sich in einer Grußbotschaft, dass diese nun schon zur Tradition in der ÖVP geworden sei. Und er ließ den rund 1.500 Zuhörern ausrichten: "Ich bitte Euch, hört unserem Parteiobmann gut zu!"

Kritik aus anderen Parteien

Aus den anderen Parteien hagelte es nach der Rede des VP-Obmanns Kritik. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina monierte, Molterer könne sich "aus der gelebten Kälte der Schüssel-Politik nicht befreien". Verantwortungsvolle Politik bedeute, solidarisch für alle, vor allem die Schwächeren in unserer Gesellschaft einzustehen und könne nicht bedeuten, auf die Selbstregulierungskräfte eines ungezügelten Marktes zu setzen, wie das Molterer getan habe.

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen sprach im Zusammenhang mit Molterers Aussagen zum "Vollkasko-Staat" von einer Diffamierung des Sozialstaates. Molterer wolle vor allem die Reichen und Superreichen entlasten.

FP-Obmann Heinz-Christian Strache wiederum rügte vor allem Molteres Forderung nach einem "neuen Patriotismus". Dies sei "heuchlerisch", da der Vizekanzler alles dazu beitrage, dass Österreich seine Souveränität verliere. Im Zusammenhang mit dem EU-Vertrag habe Molterer "alle Interessen Österreichs verraten und verkauft".

(Ag./Red.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

14 Kommentare
Kantig
15.05.2008 18:30

Wäre dieser mann nicht bei der beichtheiligen partie, ich glaubte der will den Pensionen der beamten die glückseeligkeit der ASVGler bereiten!

Höhere beiträge und geringere pension.

Das wäre die gerechteste lösung, wenn man die minderleistung im amt, bezahlte pausen etc, nicht mitkalkuliert.

Bald kommt auf einen beamten ein beamtenpenionär mit horrender pension.

Doppelte kosten - warum reden wir nicht darüber?

Prolet
15.05.2008 18:09

Die scheinheiligen spritzen weihwasser uns schlürfen sekt

Wer bestimmt was welche leistungsentlohnung angemessen ist?

Wird das nach privaten maßstäben gemessen oder ist halbe leistung die eigenschaft der leistungträger die anderer leistung "vollverantwortilch" tragen und immer anderen die schuld an misswirtschaft, gaunereien und freunerbetrug zuschieben.

Zahlen sollen das wir, indem unsere leistung durch abzockerei geschmälert zur verhöhnung gesagt bekommen, dein erwerb ist nun steuerfrei!

Gast: drachir
15.05.2008 16:19

Österreich darf kein Vollkaskostaat werden!

Ganz recht, es kann nicht sein, dass nur derjenige eine Altersvorsorge hat, der sich eine Zusatzversicherung (=Kaskoversicherung) leisten kann! Jeder der es sich aus welchen Gründen auch immer nicht leisten kann, wird auf der Strecke bleiben und/oder wird seinen bereits einbezahlten Beitrag verlieren, wenn er unter eine Pensionshöhe fällt, ab der er eine Ausgleichzulage beanspruchen muss.
Privatisierung von staatlichen Vermögen und Betrieben füllt auch nur (wenn überhaupt) kurzfristig das Staatsbudget aber die Vermögenswerte gehen langfristig für den Staat verloren, die Zeche müssen dann die Jungen zahlen, deren Arbeitsplätze dann in aller Welt verschwinden. Der Staat gliedert schon seit Jahren Betriebe aus (Post, Telekom, Ages, Asfinag, Bahn etc.) diese werden dann zwar betriebswirtschaftlich geführt (sollten zumindest) aber sicher nicht volkswirtschaftlich. Der Steuerzahler zahlt aber den volkswirtschaftlichen Teil, so oder so.

Antworten freeman
15.05.2008 17:38

Ein Betrieb,

de nicht betriebswirtschaftlich geführt wird, wird auch nicht volkswirtschaftlich geführt. Der Staat schafft das Geld, das er für seine "Wohltaten" ausgibt ja nicht aus der Luft, sondern stiehlt es seinen Bürgern via Steuern oder Inflation.

Das umlagebasierte Pensionssystem ist ein Pyramidenspiel - einzig ein kapitalgedecktes System kann die Altersvorsorge der Bürger wirklich scihern.

Antworten Antworten Prolet
15.05.2008 18:26

Re: Ein Betrieb, - Funktionäre neben die bürger als pensionsgeißel - das ist noch sicherer!


Antworten Antworten Gospodin Pensionow
15.05.2008 18:03

Re: Ein Betrieb,/freeman

Alles gaaaaanz suuuper!!! Eine Klitzekleinigkeit bliebe halt noch zu klären: Kapitaldeckung - eh kloa!! - nur: bei wem? Die Ereignisse des letzten Jahres schon vergessen, liebe G'scheiterln? Allerdings ist auch klar: Diese Finanzgangster bringen JEDES Sicherungssystem um!

DavidMeyerhofer
15.05.2008 16:12

1. und 2.

1. Ich bewundere Kanzler Gusenbauer für seinen freudschen Versprecher!

und 2.: Keine Privilegien-Vollkasko für die österreichische Polit-Prominenz!

Himmelvater
15.05.2008 16:09

Impertinenz sondergleichen !!

Weiß der Herr Molterer als Finanzminister nicht, daß es gerade umgekehrt ist, daß wir Vollkasko-BÜRGER für den Finanzminister da sind, die total abgezockt werden, siehe Wahnsinns-Steuern beim Benzinpreis, der besonders für Pendler nicht mehr leistbar ist und wo das AMS sagt, die Österreicher müssen flexibler bei dem Arbeitsplatzwahl werden ?? Das ist die kaltschnäuzigste Verhöhnung der Österreicher!!
Er und seinesgleichen parken ihr Geld in sogenannten Stiftungen, welch Blödmann-Wort, STEUERFREI!
Herr Molterer verhöhnt also die anständigen Österreicher und zockt sie bis zum letzten Hemd ab. Pfui SCHANDE !!!

Antworten cartoon.five
17.05.2008 17:29

Re: Impertinenz sondergleichen !!

Die Forderung nach mehr Eigenverantwortung schmeckt nicht jedem - klar. Nach Jahrzehnten, in denen Gießkannenpolitik den Leuten falsche Sicherheit gegeben und Verantwortung genommen hat wundert's mich nicht.

Neue Wahrheiten erkennen und sich entsprechend (eigenverantwortlich) verhalten bringt mehr als permanent nörgeln und irgend wem Anderen die Schuld geben.


Gast: Berja
15.05.2008 15:40

Kein Vollkaskostaat?

Wirklich? Auch nicht mehr für die Bauern, die bei uns im real existierenden Agrarsozialismus leben? Glaub ich nicht. Nicht der Vaupeh.

Gerald
15.05.2008 15:26

Worten müssen auch Taten folgen!

Eine sehr schöne Rede, nur leider wohl nicht das Papier wert auf dem sie steht. Der Vollkaskostaat und vor allem die Vollkaskomentalität der Bürger gehört dringend zurecht gestutzt, weil nicht mehr länger finanzierbar. Es ist dringend Zeit für mehr Eigenverantwortung, denn nur mit Eigenverantwortung gibt es mündige, leistungsbereite Bürger.
Die Realität sieht in Österreich jedoch anders und vor allem traurig aus. Jüngstes Bsp. der Gesetzesentwurf von JM Berger mit der Beratungspflicht bei Scheidungen. Mündige Bürger sollten wohl auch mündig genug sein sich beraten zu lassen, wenn sie sich unberaten über den Tisch ziehen lassen so ist das ausschließlich ihr Problem nicht das des Staates. Das ist nur das jüngste Bsp. von vielen. Die Österreicher werden von ihren Regierenden leider wie unmündige Kleinkinder behandelt die einer allumfassenden Staatsversorgung bedürfen. Gerade das verschärft alles, denn wozu soll ich mich noch um was kümmern, wenn es eh der Staat macht?

Antworten Gospodin Pensionow
15.05.2008 18:09

Re: Worten müssen auch Taten folgen!

"...wenn sie sich über den Tisch ziehen lassen, so ist das ausschließlich ihr Problem..." Genau eben nicht so ganz. Sofern es sich dabei um Erwachsene - daher angeblich "Mündige" - handelt, kann man Ihnen beipflichten, doch voll mitgetroffen werden eben auch Menschen, die sich nicht gegen die Entscheidungen der Erwachsenen wehren können - die Kinder! Und dabei sollte sich "der Spaß" doch ein wenig aufhören!

Antworten Antworten Gerald
15.05.2008 19:40

Re: Re: Worten müssen auch Taten folgen!

Gerade um die Kinder geht es dabei nicht, denn diese sind bei der Beratung ja gar nicht dabei. Bei der Beratung geht es alleine nur um die beiden Erwachsenen und welche Rechte bzw. Pflichten diese haben. Natürlich geht es dabei auch um die Rechte und Pflichten des Sorgerechts, doch für das Wohl des Kindes ist das irrelevant, denn darüber entscheidet dann so wie bisher auch: der Richter. Die Beratung verbessert also die Position der Kinder nicht, denn dadurch erhalten sie weder besser Gehör vor Gericht noch sonstwas. Lediglich die Eltern sollten danach besser informiert sein, sich Informationen einzuholen liegt aber mMn in der Eigenverantwortung eines mündigen Bürgers.

Antworten Antworten Antworten Gospodin Pensionow
16.05.2008 08:05

Re: Re: Re: Worten müssen auch Taten folgen!/@Gerald

Natürlich haben Sie im Großen und Ganzen recht! Dennoch meine ich, dass bei einer derartigen Beratung über Rechte und Pflichten bei der Betreuung der Kinder - auch wenn die bei diesem Gespräch nicht dabei sind - eingegangen werden muss. Worum's mir allerdings im Prinzip geht: Aufwachen der derzeitigen Gesellschaft. Die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte hin zur "Gesellschaft der Verantwortungslosen" hat doch Vieles von dem ausgelöst, was uns heute so erschreckt. Das zu ändern, dazu braucht es vor allem: Nachdenken und Bereitschaft, etwas zu ändern, und weitaus weniger Geld, nach dem Viele dann schreien.

Schlagzeilen Politik