WIEN (red.). Kardinal Christoph Schönborn kritisierte am Mittwochabend bei seinem jährlichen Medienempfang in Wien den von Justizministerin Maria Berger ausgesandten Entwurf zum Lebenspartnerschaftsgesetz. Angesichts der Gesetzesentwurfes, der eine weitgehende Gleichstellung der Homosexuellenverbindung mit der Ehe vorsieht, sei er „bedrängt, bedrückt und traurig“.
Im Besonderen findet Schönborn kein Verständnis für die Absicht der Justizministerin, alle mit der Ehe zusammenhängenden Gesetze mit dem Homosexuellengesetz abzustimmen. Dafür fehle jeder Anlass, zudem würde dies die Ehegesetze verändern. Kritische Worte findet Schönborn auch zu einigen Szenen beim Wiener Life Ball am vergangenen Samstag, bei dem die Wiener Sängerknaben auf der Bühne mit teilweise nackten Akteurinnen konfrontiert wurden.
„In jüngster Zeit habe es zahlreiche Entgleisungen“ in der Medienberichterstattung gegeben, sagte Schönborn. Im Zusammenhang mit den Berichten über den Inzestfall von Amstetten fordert der Kardinal „eine ethische Selbstkontrolle unter den Medienschaffenden“.
Im Hauptteil seiner Ansprache vor den Medienleuten ging Schönborn auf das Leben des von einem NS-Gericht zum Tode verurteilten Franz Jägerstätter ein. Sein Leben und Wirken sollte der heutigen Generation Vorbild sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2008)
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