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Küng: Homo-Partnerschaft "eine Bagatellisierung der Ehe"

29.06.2008 | 18:45 |  ERICH WITZMANN (Die Presse)

Gesetzes-Novelle: Familienbischof Klaus Küng rechnet mit der Ablehnung durch Teile der ÖVP und der Freiheitlichen. "Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden", sagt er im "Presse"-Interview.

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Die Presse: Die Begutachtungsfrist ist abgelaufen, jetzt wird das neue Lebenspartnerschaftsgesetz überarbeitet. Ihre strikte Ablehnung ist geblieben?


Klaus Küng: Der Entwurf ist abzulehnen, weil mit Ausnahme des Rechtes auf Adoption eine möglichst vollständige Gleichstellung mit einer Ehe angestrebt wird. Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden, ohne ungerecht zu werden. Die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau ist von ihrem Wesen her sowohl auf gegenseitige Hingabe als auch auf Nachkommenschaft und Erziehung der Kinder ausgerichtet, sie erfüllt für die Gesellschaft wichtige Aufgaben, die ein homosexuelles Paar nicht erbringen kann. Wenn homosexuellen Partnerschaften die gleiche Rechtsstellung wie einer Ehe eingeräumt werden, bedeutet dies eine Bagatellisierung der Ehe. Es wird auch unverständlich, warum anderen Lebensgemeinschaften – wie z. B. Geschwistern, die einen gemeinsamen Haushalt führen – nicht die gleichen Vorteile eingeräumt werden. Außerdem ist im Falle einer Billigung des Lebenspartnerschaftsgesetzes eine weitere Aushöhlung der Ehegesetzgebung zu erwarten, was nicht wünschenswert ist. Im vorliegenden Entwurf wird ja eine Novellierung der Ehegesetzgebung zur Anpassung an die neue Gesetzeslage bereits angekündigt.


Freut man sich über die Unterstützung seitens der islamischen Glaubensgemeinschaft, ist man enttäuscht über die Absage der Evangelischen?


Küng: Es handelt sich bei Ehe und Familie um Zusammenhänge, die in der Natur des Menschen selbst verankert sind. Daher freut man sich über jeden, der den Äußerungen von Seiten der Kirche zustimmt, weil es zum Wohle der Gesellschaft gereicht; zugleich ist eine gewisse Enttäuschung darüber nicht ganz zu verbergen, dass manche, mit denen einen vieles verbindet, nicht mitziehen.

In welchen Punkten ist Ihrer Ansicht nach der dringendste Änderungsbedarf gegeben?


Küng: Wichtig scheint mir, dass alles vermieden wird, was eine Gleichstellung solcher Partnerschaften mit der Ehe bedeutet. Besonders das Ja-Wort vor dem Standesamt ist ein irreführendes Zeichen. Für die Kirche und andere Religionsgemeinschaften könnte zudem eine große Schwierigkeit entstehen, wenn der Paragraf 3 des Entwurfes – das absolute Diskriminierungsverbot – so stehen bliebe, wie er jetzt formuliert ist. Die Forderung nach einer Differenzierung dieser Formulierung bedeutet nicht eine generelle Geringschätzung oder abwertende Beurteilung homosexuell geneigter Personen, sondern nur, dass für die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben die Gesamtpersönlichkeit bestimmte Voraussetzungen mitbringen muss. Dazu gehört auch die sexuelle Orientierung.

Und wo könnten Sie in einem künftigen Partnerschaftsgesetz Kompromisse akzeptieren?


Küng: Kompromisse sind für uns in jenen Belangen denkbar, wo es um Anliegen wie die Bereitschaft zu gegenseitiger Fürsorge geht. Unseres Erachtens können diesbezüglich auch ohne Heranziehung des Ehe- und Familienrechts gute Lösungen gefunden werden.

Die Begutachtungsfrist ist abgeschlossen, eine Beschlussfassung im Parlament vor dem Sommer ist ausgeschlossen. Mit welchen Politikern bzw. privaten bekannten Personen kann die Kirche rechnen?


Küng: Die ÖVP ist gespalten, eine ganze Reihe maßgeblicher Politiker der ÖVP ist aber eindeutig gegen den vorliegenden Entwurf. Eine klar ablehnende Haltung haben die FPÖ und „Die Christen“. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass trotz aller Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Entschluss zum Eingehen einer festen Bindung, auch bezüglich der Dauerhaftigkeit der Ehe (Scheidung), die Mehrheit der Bevölkerung die Familie auf der Grundlage der Ehe für grundlegend und unersetzbar ansieht und jede Art von – fast – Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit Ehe ablehnt.

Die Diskussion um eine Heirat von Homosexuellen ist kein österreichisches Phänomen. Kann oder soll es dazu eine länderübergreifende Initiative geben?


Küng: Es gab in den vergangenen Jahren wiederholt eindeutige Stellungnahmen sowohl vom Heiligen Stuhl als auch von den Bischofskonferenzen der Länder, in denen ähnliche Gesetzesentwürfe diskutiert wurden. In manchen Ländern gab es beeindruckende Demonstrationen zu Gunsten der Familie. Aber abgesehen davon bin ich der Überzeugung, dass alle jene, denen die christlichen Werte wichtig sind, die Lobbyingarbeit verbessern und die Stimme möglichst auch gemeinsam erheben sollten, um die für jedes Volk grundlegenden Werte zu verteidigen. Es könnte viel Positives erreicht und so manche Katastrophe vermieden werden.

ZUR PERSON

Klaus Küng (geb. 1940) war 1989–2004 Bischof in Vorarlberg, seit 2004 in Niederösterreich (nach Kurt Krenn). In der Bischofskonferenz ist er für die Bereiche Ehe, Familie und Bioethik zuständig. Küng gilt als konservativer Kirchenmann, der aber die Zerwürfnisse in der Diözese Niederösterreich umsichtig schlichten konnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)

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49 Kommentare
 
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„Für die Kirche und andere Religionsgemeinschaften könnte zudem eine große Schwierigkeit entstehen, wenn der Paragraf 3 des Entwurfes – das absolute Diskriminierungsverbot – so stehen bliebe“ [Anmerkung - der Wortlaut des Entwurfs: „§ 3. Niemand darf wegen seiner Lebenspartnerschaft diskriminiert werden“]


AUSTRITT - zuständige Behörde:

die BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT (in Städten mit eigenem Statut: der Magistrat, in Wien: das Magistratische Bezirksamt)

erforderliche Unterlagen:

1. amtlicher LICHTBILDAUSWEIS
2. NACHWEIS DER MITGLIEDSCHAFT in der Glaubensgemeinschaft z.B.:

* Taufschein
* Trauschein, Firm- oder Konfirmationsbestätigung etc.
* sonstige Bestätigung über die Mitgliedschaft
* Zahlungsnachweis
* Zahlungsaufforderung

für den Austritt fallen KEINE GEBÜHREN an.

Quelle: http://www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html (Homepage der Bundesregierung)


Antworten Silvester
02.07.2008 07:49
0 0

Re:

gerade die haltung einiger weniger kirchlicher würdenträger zur "homo-ehe" ist für mich ein wesentlicher grund nicht auszutreten!

Gast: P.M.
01.07.2008 06:55
0 0

Aussagen wie die von Küng

tragen wohl eher zu einer Bagatellisierung der katholischen Kirche bei!

Fragender
30.06.2008 20:35
0 0

Soll die katholische Kirche diskriminieren dürfen?


.

Antworten Gast: Gast
30.06.2008 22:03
0 0

Re: Soll die katholische Kirche diskriminieren dürfen?


@ § 3 des Gesetzesentwurfs „Niemand darf wegen seiner Lebenspartnerschaft diskriminiert werden“

Verständlich, dass für die katholische Kirche dadurch „eine große Schwierigkeit entstehen“ kann.

So sind Arbeitsverträge bei katholischen Rechtsträgern durchaus üblich, die eine „christliche Lebensweise“ vorschreiben und somit auch das Privatleben einschließen. In der Praxis bedeutet es - z.B. wenn ein Arzt, ein Pfleger oder gar eine Religionslehrerin sich scheiden lassen will - dass das den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten kann.

Nun stelle man sich vor, dass ein Arbeitnehmer mit gleichgeschlechtlichem Partner in diesem Umfeld durch ein Diskriminierungsverbot geschützt wäre…


Antworten Gast: Bösewicht
30.06.2008 20:51
0 0

Re: Soll die katholische Kirche diskriminieren dürfen?

Was wolln Sie denn, Sie Freund der "Freiheit"? Sollen alle Katholiken die sich nicht den Mund verbieten lassen in ein KZ gesperrt werden, oder was hätten¿S denn gern?

Antworten Antworten Gast: ein Schelm
30.06.2008 23:13
0 0

Sie sind ein wahrer Märtyrer ;o)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))


Fragender
30.06.2008 20:34
0 0

Soll sich der Staat in die kirchliche Ehe einmischen?


.

Antworten Silvester
03.07.2008 07:55
0 0

Re: Soll sich der Staat in die kirchliche Ehe einmischen?

Nein!
Aber er soll bei der Ehegesetzgebung die natürlichen Gegebenheiten beachten, d.h. daß es Mann und Frau wohl nicht ohne Sinn und Zweck gibt und daß nur sie gemeinsam was zustande bringen können!

Fragender
30.06.2008 20:34
0 0

Soll sich die katholische Kirche bei der staatlichen Zivilehe einmischen?


.

jowmosc
30.06.2008 17:54
0 0

Auszeit und Pater,bitte um Bedenkzeit..

Herr Bischof Küng bringt hier verständliche und deutliche aspekte des sachverhaltes zum ausdruck;diese änderung stattzugeben,würde definitiv auch andere beziehungsformen betreffen.grundlegend ist,dass die gleichförmige beziehung kein fortschritt,sondern ein trauriger aspekt zum werdegang der evolution ist,da es nicht selbstverständlich ist,dass die medizin lebewesen in den körper einpflanzen kann,und dies auch praktiziert wird,folglich es geburtenreduktion in natürlicher form gleichkäme,und im gegensatz zum sinn des organismus-der fortpflanzung,-eine reine sexualkultur bleibt,vorallem da die zuneigung unter männern nicht auf gefallen basiert,sondern praxis,zudem diesbezüglich thesen,welche solche beziehungen als psych.unzulänglichkeit mit dem sexualbedürfnis klarzukommen beschreiben.österreich soll dem wunsch einer kultur,die seit 15 jahren politik macht,ohne erfahrungswerte über dieserart beziehungen,diesen sogar maximale freiheit bieten?was geschieht mit kindern bei familienverlust

Gast: NichtImmerLetzter
30.06.2008 16:49
0 0

OE ist Nachzuegler,

einmal mehr. Aber was kann man sich schon erwarten, wenn das Land von einer Bauernpartei gefuehrt wird. Fuer jeden urbanen Menschen ein Graus. Uebrigens, sollen kinderlose Ehepaare auch auf Homopartnerschaften zurueckgestutzt werden?

Antworten Silvester
01.07.2008 08:18
0 0

Re: OE ist Nachzuegler,

auch du bist ein nachzügler.
längst solltest du in "diestandard.at" posten und nicht hier das diskussionsniveau drücken!


Gast: Gast
30.06.2008 16:42
0 0

recht hat er

ungleiches kann nicht gleich behandelt werden. sehr richtig. ich bin deshalb dafür, dass ordensleute und priester etc. von der pensionsvorsorge ausgeschlossen werden, weil sie von haus aus darauf angelegt sind keine kinder zu bekommen.

Gast: Südafrikaner
30.06.2008 15:07
0 0

Durchsage an die Kirche:

In der Oeffentlichkeit bitte Haende falten und Gosch'n halten.

Was die Republik Oesterreich verfuegt oder nicht geht die Kirche nichts an. Sie kann ja weiter nur diejenigen verheiraten, die in ihren Augen geeignet sind.

Die Ablehnung eines generellen Diskriminierungsverbots spricht durchaus Baende.

Antworten Gast: Bösewicht
30.06.2008 20:59
0 0

Re: Durchsage an die Kirche:

Meinungsfreiheit gilt nur dann, wenn die Kirche beschimpft wird, gelt ja? Wer etwas anderes sagt, kommt auf das Schafott. Das ist der wahre Geist der Französischen Revolution!

Antworten Peregrin
30.06.2008 15:33
0 0

Re: Durchsage an die Kirche:

Sie wissen eh, was dieses "generelle Diskriminierungsverbot" bezwecken soll: Dass die Kirche kuenftig derartige Berufswerber nicht mehr ablehnen kann, zB als Kindergaertner.

Antworten Antworten Gast: loundy
30.06.2008 16:57
0 0

Re: Re: Durchsage an die Kirche:

äh... und...?

wäre jetzt ein homosexueller kindergärtner schlechter als ein heterosexueller...?

ich meine, ganz ehrlich, nach den letzten jahren und der erkenntnis dass die abgrundtiefsten delikte von heterosexuellen (kampusch,amstetten,...) begangen wurden wünsch ich mir für meine kinder lieber eine drag-queen als kindergartentante...

das scheint sicherer zu sein...

Antworten Antworten Gast: t
30.06.2008 16:43
0 0

Re: Re: Durchsage an die Kirche:

was genau wollen Sie damit unterstellen? dass alle homosexuellen pädophile sind und von kindergärten ferngehalten werden müssen?

Antworten Antworten Antworten Peregrin
30.06.2008 21:41
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Re: Re: Re: Durchsage an die Kirche:

Da lesen Sie ein bißchen mehr, als ich geschrieben habe. Es ist klar, daß die erzwungene Aufnahme von Menschen, die ihren unzüchtigen Lebenswandel stolz vorleben, in kirchliche Bildungseinrichtungen zum Zweck hat, diese Einrichtungen von innen zu zerstören. Dagegen wehrt sich der Bischof völlig zurecht.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Notrufnummer
01.07.2008 18:46
0 0

Psychiatrische Soforthilfe (01) 313 30

Erreichbarkeit 0 bis 24 Uhr

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: t
01.07.2008 09:11
0 0

Re: Re: Re: Re: Durchsage an die Kirche:

die kirch von innen zu zerstören?!! das macht die kirche schon selbst, wie man an den haufenweisen austritten sieht.
"Menschen, die ihren unzüchtigen Lebenswandel stolz vorleben ..." - gehts noch? Auf einem Auge blind, gell? Aber ich kann mir gut vorstellen: jemand, der bereits die 3. Ehe eingeht, oder die 4. aber mit einer Frau, der ist natürlich ungleich keuscher. Jede 2. Ehe wird in Wien schon geschieden. Klappt da was nicht so richtig mit dem züchtigen Lebenswandel? So wahnsinnig zerknirscht rennen die ja auch nicht herum. und das sind meist die, die am stolzesten das schöne fest beim ersten mal in der kirche gefeiert haben.

Wenn Sie denn so züchtig und gottesfürchtig sind: stellen Sie sich doch mal vor, Jesus käme wieder auf die Welt. Einmal war er ja schon da, das glauben Sie doch. Was würde er wohl tun mit den "Unzüchtigen"?
Liebe schön deinen Nächsten gell und wirf den ersten Stein, du Pharisäer!

Gast: Maria
30.06.2008 14:37
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Dank an DDr.Küng

Danke an die PRESSE und an DDr.Küng für diese veröffentlichte Stellungnahme! Das Thema wird von einem Großteil der Menschen genauso gesehen.

Antworten Gast: gast
30.06.2008 16:44
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Re: Dank an DDr.Küng

und vom noch größeren großteil eben nicht. (zum glück).

Gast: Peter
30.06.2008 13:35
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Wo ist das Problem?

Die Ablehnung ist mir vollkommen unverständlich und lediglich von Homophobie getragen. Was spricht dagegen, homosexuellen Partnerschaften dieselben Rechte zukommen zu lassen? Die Besonderheit der Ehe stellt für mich dar, dass zwei Menschen sich versprechen, füreinander einzustehen; emotionale Stabilität. Dies erfüllt eine Homo-Ehe ebenso wie die herkömmliche Ehe. Ein gerne gebrachtes Argument ist die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Also bitte: die Ehe ist keine Voraussetzung für Kinder, und ebenso wenig Garant. Nach dieser Logik müssten kinderreiche "wilde Ehen" deutluch besser gestellt werden, als kinderlose Ehen. Und wenn die Ehe lediglich als Legitimation für die Fortpflanzung angesehen wird, ist sie bereits bagatellisiert.

Im Übrigen sehe ich nicht, wieso Ehen beeinträchtigt sind, wenn Homosexuellen ein eigenes Rechtsinstitut zugestanden wird.

Antworten Gast: jester
30.06.2008 15:18
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Re: Wo ist das Problem?

Wenn Sie von den Vorteilen der Ehe sprechen, meinen Sie damit die Kirchliche oder die Standesamtliche ?

 
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