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U-Ausschuss: „Smoking gun“ nicht gefunden

02.07.2008 | 18:51 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Der Untersuchungs-Ausschuss hat die Haidinger-Vorwürfe abgearbeitet. Eine endgültige Klärung ist aber nicht gelungen. Jetzt geht es um den Fall Zogaj.

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Wien. Die Regierungskrise überlagert im Moment alles – auch den Untersuchungsausschuss zum Thema Machtmissbrauch im Innenministerium. Der hat in den vergangenen Wochen zwar des Öfteren getagt, meist aber unbemerkt von der Öffentlichkeit. Zeitweise war die Kollegin von der Austria Presseagentur die einzige Journalistin, die die Zeugeneinvernahmen verfolgte.

Das liegt auch daran, dass sich die Brisanz des U-Ausschusses in letzter Zeit eher in Grenzen hielt. Da wurden teilweise Befragungen wiederholt, die schon vor einem Jahr im Banken-Untersuchungsausschuss zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt hatten. Auch, dass Zeugen reihenweise absagten, sowie der häufige Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Vernehmung von Beamten dämpften das Interesse an der Berichterstattung.

Dabei ist in diesen ersten vier Monaten das Kernthema des U-Ausschusses abgehandelt worden: Die Vorwürfe des ehemaligen Leiters des Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, gegen frühere Mitarbeiter von Ministerkabinetten. Haidinger hatte drei Vorwürfe erhoben: Kabinettsmitarbeiter hätten in der Causa Bawag gezielt Wahlkampfmunition gegen die SPÖ gesammelt; er sei beauftragt worden, Akten für den Banken-U-Ausschuss vorab an den ÖVP-Klub zu schicken. Und schließlich: Eine Evaluierung der Polizeiermittlungen im Entführungsfall Kampusch sei verhindert worden, weil man im Wahlkampf keinen Wirbel haben wollte.

„Die smoking gun ist nicht gefunden worden“, gibt Ausschuss-Vorsitzender Peter Fichtenbauer (FPÖ) zu. Aber: Haidinger sei auch nicht widerlegt worden. Es habe „durchaus schlüssige“ Behauptungen von Haidinger gegeben, aber auch Gegenbehauptungen der angegriffenen Kabinettsmitarbeiter, „die auch nicht unschlüssig waren. Das Ganze ist jetzt eine Frage der Beweiswürdigung“, so Fichtenbauer.

In puncto Weitergabe der Akten an den ÖVP-Parlamentsklub dürfte der Nachweis, dass Haidinger Recht hatte, nicht gelingen. Hier steht Aussage gegen Aussage, klärende Akten stehen nicht zur Verfügung. Anders sieht es im Komplex Bawag-SPÖ aus: Dass kurz vor der Nationalratswahl noch Beamte nach Liechtenstein und Frankreich geschickt wurden, um dort rasch Dokumente zu sichten, deutet eindeutig auf einen politischen Auftrag hin.


Reform der Ministerkabinette

Ein Ergebnis hat der U-Ausschuss als Nebenprodukt aber gebracht: Das System der Ministerkabinette gehört dringend reformiert. Die Kernfrage lautet dabei: Welche Position haben Kabinettsmitarbeiter gegenüber den Beamten des Ministeriums? Weisungsbefugt sind sie nur, wenn sie Weisungen ihres Ministers weitergeben, so weit ist die rechtliche Lage klar. Aber wann genau ist das der Fall? Offenbar hat sich zumindest im Innenressort die Praxis eingebürgert, dass Ministersekretäre Wünsche äußern – die dann von den Beamten als Weisung interpretiert wurden. „Da hat sich ein Eigenleben entwickelt, die Kabinette machen aktiv Politik“, meint der grüne Abgeordnete Albert Steinhauser dazu. Man müsse die Kompetenzen der Mitarbeiter regeln, damit sie nicht kleine Ersatzminister werden.


Fall Zogaj im Ausschuss

Im Sommer dürfte der U-Ausschuss gegenüber ursprünglichen Plänen nun doch nicht durcharbeiten. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass eine Mehrheit dafür zustande kommt. Damit stehen im Juli nur noch zwei Sitzungen am Terminkalender – die aber mit brisantem Inhalt: Es geht darum, ob es in den Fällen der Flüchtlingsfamilien Zogaj und Zeqai zu Abfragen aus dem Polizei-Datensystem Ekis gekommen ist, die dann an die Medien weitergespielt wurden. Die Grünen beschuldigen Ex-Innenminister Günther Platter (im Fall Zogaj) und den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) im Fall Zeqai der Datenweitergabe.

MONSTERPROGRAMM

Der U-Ausschuss zum Thema Machtmissbrauch im Innenministerium hat sich ein wahres Monsterprogramm vorgenommen. 100 Auskunftspersonen sollen befragt werden, die Themenpalette reicht von einer möglichen Finanzierung der SPÖ durch die Bawag über die Briefbomben-Affäre bis zu politischen Besetzungen im Innenressort. Dauern dürfte der Ausschuss mindestens noch ein Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)

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6 Kommentare
Feuervogel
02.07.2008 21:48
0 0

Die gestohlenen Laptops

haben Pilz offenbar auch nicht weitergebracht. Aus dem Innenministerium sowie aus dem Auto von Kdolsky wurden Laptops gestohlen. Natürlich würde die Presse diese Diebstähle niemals mit dem U-Ausschuss und Pilz' verzweifelten Suche nach Beweisen in Verbindung bringen. Ich gestatte mir, dass dennoch zu tun. Aber wir können uns sicher sein, dass diese Vorfälle nie untersucht werden.

Antworten Paige
03.07.2008 07:50
0 0

Richtig

Ich bin mir auch sicher, dass solche Artikeln, wo einer wie Fritzl zähneknirschend zugeben muss, dass sich all die Anschuldigungen der Herren Haidinger und Pilz nicht beweisen lassen - obwohl man dazu ganze LKWs an Akten ins Parlament gekarrt hat - niemals vorne auf der Hauptseite der Presse landen werden, nämlich in gleicher Weise wie die Anpatzungen, die hier damals täglich in der Headline prangten...

Paige
02.07.2008 20:47
0 0

Arbeiten nennen sie das?

Bassenaweiber beim Schmutzwäsche waschen. Was für ein Sammelsurium an lächerlich banalen Unterstellungen, die 1000-fach von den prüfenden Herren selbst begangen wurden und dafür machen sie so einen Deppenausschuss? Es ist nicht zu fassen. Haidinger und Itas Exfrau stehen ja außerdem schon wegen Verleumdung vor Gericht (Staatsanwaltschaft hat Verfahren eingeleitet).

Antworten daPeda
02.07.2008 21:14
0 0

Wenn ein Staatsanwalt

Ermittlungen einleitet, steht noch gar niemand vor Gericht!

Antworten Antworten Paige
02.07.2008 21:22
0 0

Verfahren

Lesen lernen.

Hier ein Auszug zum Bericht vom 25.6.08:
"Verfahren gegen Haidinger
Die Staatsanwaltschaft beabsichtigt die Einleitung von Verfahren gegen Haidinger, Doris Ita, Haidingers Vertrauten Gerhard Schneider und den früheren Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher. Ermittlungen gegen den ehemaligen Kabinettschef des Innenministeriums Philipp Ita sollen hingegen eingestellt werden. Keine rechtlichen Schritte sollen auch gegen die Ex-Kabinettsmitarbeiter der ehemaligen Innenministerin Liese Prokop (V) Bernhard Treibenreif und Andreas Pilsl gesetzt werden. Das war nach der vertraulichen Befragung von Staatsanwalt Peter Gildemeister in die Öffentlichkeit durchgesickert.

Über 1.000 Seiten an Protokollen habe er mit seinem Team durchgearbeitet, erläuterte Marent die Vorgangsweise der Kommission. ..."..."...Ziel sei es gewesen, zu den Themenbereichen entsprechende Beweislagen zu schaffen, die dann von den Gerichten strafrechtlich zu beurteilen seien." oe24.at

Antworten Gast: Ein Schuss
02.07.2008 21:00
0 0

Re: Arbeiten nennen sie das?

Haidinger hat behauptet, er könne alles beweisen. Nun haben wir den Beweis, daß er lügt. Er kann nämlich gar nichts beweisen.

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