12.02.2012 02:10 | Meine Presse Merkliste0

Wählen mit 16: Wahlkampf in der Disco

10.07.2008 | 19:17 |  BENEDIKT MANDL (Die Presse)

Erstmals bei einer Nationalratswahl dürfen diesen Herbst 16- und 17-Jährige wählen. Parteien werben eifrig um 184.000 Stimmen der neuen Wähler.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Von den 6,35 Millionen Wahlberechtigten entfallen etwa 184.000 Jugendliche auf diese neue Wählerschicht. Womit umwerben die Parteien die „Ersttäter“?

Die SPÖ setzt auf Laura Rudas als zentrale Identifikationsfigur – sie besitze bei Jungwählern eine hohe Glaubwürdigkeit und würde relevante Kernthemen wie Bildung und soziale Gerechtigkeit optimal vermitteln, heißt es in der Parteizentrale. Die SPÖ wisse aus Erfahrung, dass man Jugendliche vor allem im direkten Kontakt überzeugen könne: Man solle mit, nicht über die Jugend reden. Im Wahlkampf werde man daher „vor Ort“ in Erscheinung treten: „In Jugendzentren, am Schwedenplatz, in und vor Discos.“ In Sachen Studiengebühren wird die SPÖ im Wahlkampf wieder für eine Abschaffung eintreten. (Im Parlament will sie den Noch-Koalitionspartner aber zum großen Ärger der SPÖ-Studenten nicht mithilfe der Opposition überstimmen.)

Die Volkspartei will junge Kernthemen erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben und verweist auf die versprochene Kürze des Wahlkampfes. Basis für das Jugendprogramm werde aber die auch bisher praktizierte „generationengerechte“ Politik sein, „bei der wir unseren Kindern in die Augen sehen können“, so ein ÖVP-Sprecher. Sei es bei den Pensionen, wo die Interessen der Jugend „von der SPÖ mit Füßen getreten“ worden seien; sei es bei mehr Finanzmitteln für die Schulen oder Förderungen für die Lehrlingsausbildung. Das Jugendwahlprogramm will die ÖVP etwa einen Monat vor der Wahl präsentieren.


Opposition: Sprache der Jugend

Die Grünen lassen mit der Aussage aufhorchen, die „Ausstrahlung von Alexander Van der Bellen“ vermittle jungen Menschen grünes Lebensgefühl. Der Wirtschaftsprofessor müsse sich dafür nicht bei Clubbings anbiedern, wie dies andere Politiker in Wahlkampfzeiten gerne tun. Junge seien den Grünen traditionell sehr wichtig.

Inhaltlich wird die Bildung Kernthema: Gegen Studiengebühren und Uni-Zugangsbeschränkungen will man auftreten, aber für eine bessere Ausstattung der Hochschulen. Die soziale Sicherung von Praktikanten sei ebenso wichtig, wie der Ausbau von billigen oder kostenlosen Öffis bis spät in die Nacht. Als Wahlkampfmedium werden die Grünen auf das Internet setzen.

Die Jugendaffinität des eigenen Spitzenkandidaten betont auch die FPÖ: Heinz-Christian Strache spreche „die Sprache der Jugend statt Politkauderwelsch“. In den Jungwählern sieht die FPÖ ein riesiges Potenzial, das sie mit einem Jugendwahlkampfpaket abschöpfen will: Alle freiheitlichen Themen sollen auch an die Bedürfnisse der Jugend angepasst werden, von der Arbeitsmarktpolitik bis zur Pensionssicherung. Die FPÖ habe Vertrauen in die Jugend, weshalb die Jugend auch ihr vertrauen könne.

Das BZÖ will auf Sachthemen und nicht auf „billige Lockangebote“ setzen und wartet mit konkreten Forderungen auf: Ein bundesweit einheitliches Jugendschutzgesetz sei nötig, Praktika während der Schulbildung sollen die Jobchancen erhöhen; und durch die Zusammenarbeit von Schulen mit Sportvereinen soll öffentliche Infrastruktur besser für die Betreuung von Jugendlichen an Nachmittagen und Wochenenden genutzt werden. Ein wichtiges Anliegen sind auch höhere Einstiegsgehälter bei flacheren Wachstumskurven: Denn junge Menschen bräuchten mehr Geld für Existenzgründung und private Pensionsvorsorge – auf die staatliche Pension sei in 30 Jahren kein Verlass mehr.

AUF EINEN BLICK

Erstmals bei Nationalratswahlen sind im Herbst Jugendliche ab 16 Jahren wahlberechtigt. Das passive Wahlrecht wurde von 19 auf 18 Jahre gesenkt.

Auf 16- und 17-Jährige entfallen rund 184.000 der 6,35 Millionen Wahlberechtigten.

Zur Urne darf, wer mit dem Wahltag (28. September) das 16. Lebensjahr beendet hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

20 Kommentare
denkI
13.07.2008 20:18
0 0

Ein Kinderstimmzettel muss her!

Jeder Elternteil (Vormund) erhält einen Kinderstimmzettel, auf dem Vati/Mutti für das Kind wählt, egal wie alt das Kind ist! Jeweils 2 Kinderstimmzettel zählen als eine Wahl-Stimme.

Das wäre im Sinne der Gleichberechtigung, Pensionisten dürfen schließlich auch wählen! Jedoch niemand hat ein Wahlrecht für Kinder - die die Zukunft der Gesellschaft darstellen!!!

Die Politik würde sich sehr rasch auf die Zukunft konzentrieren, statt immer nur die Vergangenheit zu bewahren suchen!

Gast: solo
12.07.2008 00:48
0 0

Rechtschreiben und Mathe sind nicht wichtig

Die Parteikürzel werden die 16 Schulabgänger schon entziffern können .
Und das Kreuzerl bringens auch noch zusammen.
Was will die Politik mehr !!
Stimmvieh das leicht zu manipulieren ist.
Je dümmer der Wähler desto leichter das Spiel.

Antworten Gast: 60 jahre und kein bisschen weise
14.07.2008 12:23
0 0

Re: Rechtschreiben und Mathe sind nicht wichtig, Demenz auch nicht!



was die <erwachsenen wähler > über jahrzehnte erkreuzelten und zusammenbrockten, dürfen nun die <dummen jungwähler > mit einem leben ohne rentenzusicherung > auslöffeln.

W a h l s l o g a n :

lieber pubertär und revolutionär,

als dement und impotent!

Antworten Gast: Bösewicht
12.07.2008 16:54
0 0

Na und?

Ich bin ein mehrfaches von 16 und weiß auch nicht, wen ich wählen soll.
Der Herr Westenthaler hat den bisher einzig sinnvollen Satz zur EU-Politik Österreichs gesagt. Allerdings war das überhaupt der erste und einzige sinnvolle Satz, den dieser Herr je gesprochen hat.
Herr Strache hat in manchen (!) Aspekten zur Zuwanderung völlig recht - allerdings nur dort, und die Art wie er Zuwanderung verringern will sind rechtsstaatlich nicht durchsetzbar.
Die ÖVP hat mit ihrer Pensionspolitik völlig recht, produziert aber in der EU-Politik, in der Landwirtschaftspolitik im Gesundheitsbereich und im Unibereich nur Nonsense.
Die Grünen haben völlig recht, wenn Sie den Großteil ihrer Mandatare einfach hinauswerfen - leider nicht aller Mandatare!
Die Roten machen vor der Wahl die tollsten Versprechungen, die Gott sei dank nie realisiert werden können. Schulpolitik, Verteidigungspolitik etc. sind absolut Schrott...
Wen soll man da wirklich wählen?

0 0

Politische Reife

Angeblich können mehr als 20% der 15jährigen nicht einmal richtig lesen. Ob die das bis zu ihrem 16. Geburtstag, bzw. bis zur Wahl lernen werden?

Antworten Gast: JJ
14.07.2008 17:19
0 0

Re: Politische Reife

Ich weiß ja leider nicht wo sie wohnen aber ich als fast 16-Jähriger kann ihrer Meinung keineswegs beipflichten. Denn da wo ich herkomme (Salzkammergut) ist die Schulbildung doch noch um einiges besser als in ihrer fiktiven Stadt wo angeblich 20% der 15-Jährigen nicht ordentlich lesen können.

Das_Wahre
11.07.2008 10:01
0 0

Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

Coooool..... Was für eine grandiose Idee!!! Mit 16 ist man ja bereits derart welterfahren, dass man ganz genau weiß wofür man seine Stimme hergeben soll.

Ich mein, Hey jo, weiß doch jeder dass Arbeitslosigkeit, Außenpolitik, EU, Steuersystem und Konsorten DIE Gesprächsthemen der heutigen 16-jährigen sind, da kennen die sich voll aus, legen schon mal gleich den Playboy kurz zur Seite, nehmen die MP3-Stöpsel aus den Ohren, lassen schnell das "Oida" und "Bäm" weg und mutieren zu frühreifen Erwachsenen die mit Weitblick und Erfahrung Teil nehmen an der Gestaltung unserer Welt!

Welchem Vollidioten ist das eingefallen? Kapiert denn überhaupt keiner mehr was da dahinter steckt? Da gehts doch nicht um Gestaltung, sondern um billige Wählerschichten die man noch manipulieren und indoktrinieren kann, weil sie noch keine Ahnung von irgendwas haben.

Aber alle jubeln mit und fühlen sich ja sooo modern!!

Wahrlich, jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient!

0 0

Re: Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

Wenn ich richtig informiert bin, bekommt jede Partei nach der Wahl für jede Stimme einen gewissen Betrag. 184.000 Wähler mehr! Da fällt bestimmt für jede Partei ein spürbares zusätzlichen Einkommen ab.

Antworten harbard
11.07.2008 13:17
0 0

Re: Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

alte weisheit:
"die dümmsten kälber wählen ihren schlächter selber!"

Antworten Gast: ich
11.07.2008 12:13
0 0

Re: Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

und wie viele Erwachsene gibt es, die Partei xy wählen, weil sie es schon seit 30 Jahren machen und auf sich genau gar nix dabei überlegen, weil der Horizont nicht über den Gemeindebau hinaus reicht?

Antworten Antworten Gast: sie
14.07.2008 12:53
0 0

Re: Re: Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

depp - was hat der horizont von einem gemeindebaubewohner mit der politik, ausgeführt von sog. gstudierten zu tun?

deine logik:

prolos x ist schuld am versagen der polit - intelligenzler.

frage: wo wohnst du, im dorf der verlassenen?

0 0

Re: Juhuuuu, Wählen mit 16!!!!

Besser hätt ichs auch nicht formulieren können!

0 0

Deshalb spendet ja der

Mister Haider

ständig viel Jägermeister

an junge Schülerinnen bei Landjugend-Festen

und ist in Disco¿s,

z.B. im "Tollhaus" von Spittal/Drau

immer wieder präsent.

Noah von der Arche am Berg der Freude

0 0

Studiengebühren

irgendjemand in der SPÖ muss glauben, die Wähler sind Idioten. Bereits im vergangenen Wahlkampf wurden die Studiengebühren abgeschafft. Sonderbarerweise hat genau die Partei die das forderte.... ähäm die SPÖ.... diese NICHT abgeschafft! Will man mit den selben Köder zweimal den selben Fisch fangen? Na dann Petri Heil!

Antworten pepperl
11.07.2008 09:10
0 0

Re: Studiengebühren

es werden sich leider sicher wieder genug finden, die darauf reinfallen.

Lepanto
11.07.2008 07:03
0 0

Recht geschieht den SPÖVP-Dolmen, wenn die neu zugelassenen 16-18-Jährigen überwiegend Grün oder Blau wählen!


Die Herabsetzung des Wahlalters, sodaß auch Leute wählen dürfen, die sich nicht einmal ein Moped ohne Unterschrift der Eltern kaufen können, bewegt sich gerade noch auf einem Komplexitätsniveau, das auch SPÖVP-Bonzen noch begreifen konnten.

Für eine Sanierung der kranken Kassen fehlt es dagegen schon an nötigen Gehirnschmalz.

silence
10.07.2008 23:55
0 0

Freibier für alle! Die Partei, die das beste Bier hat wird gewählt

Schaut's so aus?

0 0

Re: Freibier für alle! Die Partei, die das beste Bier hat wird gewählt

...dann bekomme ich wenigstens für einen Abend lang etwas "handfestes" für mein Kreuzerl ;-)

Anstatt für 4Jahre nur leere Versprechungen... so gesehen ist das Freibier besser als Anregung geeignet als irgend ein x-beliebiges Wahlzuckerl, dass sowieso nie eigehalten wird.

lg

Antworten Ophicus
11.07.2008 08:12
0 0

So schaut's aus.


Gast: otto
10.07.2008 20:38
0 0

Das wird ja lustig werden

Wahlwerbung in der Disco ,Frei Getränke für alle wir haben zwar nur leere Versprechungen für die Jugend aber wählt uns doch den wir sind euere Zukunft.
So könnten die Besuche der ÖVP,SPÖ,Grünen;FPÖ aussehen.