Artikel versenden

Artikel drucken

Artikel kommentieren



AAA

Ex-VP-Generalsekretär Michael Graff 70-jährig verstorben

07.08.2008 | 14:33 |   (DiePresse.com)

Michael Graff verstarb bereits am 29. Juli, auf Wunsch der Familie wurde die Todesnachricht erst jetzt bekannt gegeben. Der 70-Jährige war anerkannter Justizpolitiker und scharfer Kritiker von Wolfgang Schüssel.

Der frühere ÖVP-Generalsekretär Michael Graff ist im 71. Lebensjahr verstorben. Ein Trauergottesdienst findet am 20. August in der Wiener Schottenkirche statt. Graff starb bereits am 29. Juli, auf Wunsch der Familie wurde die Todesnachricht jedoch erst am heutigen Donnerstag bekanntgegeben.

VP-Generalsekretär Hannes Missethon würdigte Graff als geradlinigen Politiker und aufrichtigen Demokraten. Graffs Familie und die ÖVP verlören mit ihm einen aufrichtigen Menschen, dynamischen Juristen und guten Freund.

Anerkannter Justizpolitiker

Graff war von 1982 bis 1987 Generalsekretär der ÖVP und anschließend Justizsprecher im Nationalrat. Auf seine Initiative wurde die Untersuchungshaft reformiert und die Grundrechtsbeschwerde beim OGH geschaffen.

Neben seinem von allen Parteien anerkannten Wirken in der Justizpolitik wird von Graff wohl vor allem seine Aussage im Präsidentschaftswahlkampf Kurt Waldheims im Jahr 1987 in Erinnerung bleiben, die er letztlich selbst als "unmöglich" qualifizierte: "Solange er nicht sechs Juden eigenhändig erwürgt hat..." kostete ihn den Posten des Generalsekretärs.

Ende 1995 kehrte der CVer in seine Anwalts-Kanzlei in der Wiener Innenstadt zurück und war dann u.a. Verteidiger im Korneuburger Baukartell-Prozess.

Scharfe Kritik an Schüssel

Der noch nie recht zurückhaltende Graff deponierte aber auch nach seinem Abgang aus der Politik noch so manchen Kommentar - in der Regel scharfe Kritik an Ex-VP-Chef Wolfgang Schüssel. So kommentierte er 1997 die Amsterdamer "Frühstücksaffäre" um Schüssel mit den Worten: "Ein überführter Lügner an der Spitze ist wohl keine Reklame für eine christliche Partei." Nach der verlorenen Wahl 2006 forderte  er als erster VP-Altgrande öffentlich Schüssels Rücktritt.

Dennoch war Graff in der ÖVP keine "persona non grata": 2004 nominierte ihn die Partei etwa in das Schiedsgericht des Fairnessabkommens im Präsidentschaftswahlkampf.

(APA)


| Artikel versendenVersenden | Artikel DruckenDrucken | AAA Schriftgröße

Bookmarken bei [?]: Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

9 Kommentare
 
1
 
Von abin am 08.08.2008 um 06:24

Bitte helfen

Kann mir jemand helfen: Was war und wann war die Amsterdamer "Frühstücksaffäre"?

Antworten Von Gast: Robin Hood am 08.08.2008 um 09:55

Re: Bitte helfen

Im Sommer 1997 wurde die sogenannte „Frühstücksaffäre“ Schüssels politischer Karriere gefährlich. Während einer informellen Frühstücksrunde mit österreichischen Journalisten am Rande des EU-Gipfels in Amsterdam habe der damalige Außenminister gemäß den Aussagen mehrerer Anwesender den deutschen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer als „richtige Sau“, (weil dieser den deutschen Finanzminister Theo Waigel hintergangen habe) und den dänischen Ministerpräsidenten und Außenminister als „Trottel“ bezeichnet. Um den Schaden seiner Äußerungen zu minimieren, reiste Schüssel unverzüglich nach Frankfurt, wo er in einem Vier-Augen-Gespräch mit Tietmeyer die Wogen glättete. Schüssel bestritt die Äußerungen öffentlich, die von mehreren Zeugen teilweise in eidesstattlichen Erklärungen bestätigt wurden. Der Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Ronald Barazon, schrieb einen Leitartikel mit dem Einleitungssatz „Wolfgang Schüssel lügt.“

Von Gast: Österreicher am 07.08.2008 um 21:27

In den letzten Jahren hat Graf sichtlich abgebaut.

Man sollte das daher nicht auf die Goldwaage legen, was er angeblich so über Schüssel gesagt hat. Als CVler war er natürlich auch gegenüber den "Schlagenden" sehr skeptisch - wie man sieht, nicht ganz zu unrecht. Daher hat er den Kurs von Schüssel nicht goutiert, wobei er aber übersieht, daß Schüssel angesichts der Reform-Resistenz der Gewerkschaftlicher nichts andere übergeblieben ist.

Von Pragmatiker am 07.08.2008 um 21:07

Auch wenn ich oft anderer Meinung war,

Graff war ein exzellenter Denker und hatte eine Rede, die es Wert war, ihr zuzuhören. Sein "Fehler" war, dass er sich eben kein Blatt vor den Mund nahm und die Dinge beim Namen nannte. R.i.P.!

Von citoyen am 07.08.2008 um 20:41

R.I.P.

Nach Withalm war er der einzige "echte" Generalsekretär. Ein brillanter Kopf, ein eloquenter Jurist und ein pointierter, scharfzüngiger Redner.

Alles, was nach ihm kam war bestenfalls Durchschnitt.

R.I.P.

Von Gast: Pour le merite am 07.08.2008 um 18:50

Hätte die ÖVP

mehr Leute vom Schlage eines Michael Graff, würde sie nicht derartig abgesackt und zum Kanonenfutter einer FPÖ geworden sein.

Fiducit.

Antworten Von Paige am 07.08.2008 um 19:03

Na ja!

Aber gut, er möge in Frieden ruh'n.

Von Dr.M.Hiermanseder am 07.08.2008 um 18:31

R.I.P.

Als eloquenter Politiker, exzellenter Anwalt und Spezialist des Verfassungsrechts, vor allem aber als geradliniger Mensch wird uns Dr. Michael Graff in Erinnerung bleiben!
Er hat sich um die Republik verdient gemacht!
Ehre seinem Andenken!
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Von Ratio am 07.08.2008 um 14:58

Ich kann mich noch gut erinnern, dass Graff im Parlament

sehr pointiert sprach. Aber auch bei Interviews. Unvergessen der Ausspruch im Zuge der Waldheim-Affäre: "Solange der Waldheim nicht eigenhändig fünf Juden erwürgt hat, so lange ist er für mich unschuldig".

 
1
 
Übersicht Politik »
zur Homepage »