Der Prozess gegen den Tiroler Publizisten Markus Wilhelm um den angeblichen "Schwein"-Sager von Ex-Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) ist am Mittwoch auf Oktober vertagt worden. Sowohl die Verteidigung als auch die Anklage hatten die Einvernahme weiterer Zeugen beantragt.
Wilhelm muss sich wegen des Vergehens der üblen Nachrede vor dem Innsbrucker Landesgericht verantworten. Er bekannte sich "nicht schuldig".
Van Staa, mittlerweile Landtagspräsident, war als Zeuge geladen. Er bekräftigte erneut, in Zusammenhang mit dem ehemaligen deutschen Außenminister, Joschka Fischer, nicht das Wort "Schwein", sondern "Schweigen" gebraucht zu haben.
Wilhelm hatte auf seiner Homepage einen Tonbandmitschnitt zur Verfügung gestellt, auf dem angeblich die "Schwein-Beschimpfung" zu hören ist. Sie soll am 1. September letzten Jahres auf einer Jubiläumsfeier des Deutschen Alpenvereins gefallen sei.
Die für Oktober geladenen Zeugen sollen unter anderem zur Klärung beitragen, ob Van Staa das Wort "Schwein" tatsächlich gebraucht habe. So sollen etwa die Redakteure zweier österreichischer Tageszeitungen befragt werden, die aufgrund des Tonbandmitschnittes des Angeklagten Artikel verfasst hatten. "Ich habe beiden Journalisten das Originalband zur Verfügung gestellt. Das heißt sie haben ihre Artikel aufgrund derselben Quellenlage verfasst", erklärte der Angeklagte. Wilhelm beteuerte, dass er er auf seiner Website stets die nötige Distanz erkennen ließ. "Die Beurteilung habe ich den Hörern des Bandes überlassen", sagte er.
Anklage: "Van Staa verächtlich gemacht"
Staatsanwalt Wolfgang Pilz warf Wilhelm vor, Van Staa seit dem 3. September 2007 auf seiner Website mit der Veröffentlichung des Tonband-Mitschnittes "verächtlich gemacht" zu haben. "Warum haben sie Van Staa nicht persönlich zu dem Vorfall befragt", warf der Staatsanwalt Wilhelm mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht vor.
Van Staa versicherte, das Wort "Schwein" in Bezug auf Fischer nicht gebraucht zu haben. "Das gehört gar nicht zu meinem Sprachwortschatz", betonte er. Es könne durchaus eine "Sprachschwäche" sein. Mehre Experten hätten bestätigt, dass das "g" bei "Schweigen" verschluckt werden könne. "Bei der Veranstaltung waren mehr als hundert Personen anwesend, wenn ich Derartiges gesagt hätte, hätte es mit Sicherheit einen Aufschrei gegeben", so Van Staa. Außerdem hätte es mit Sicherheit eine Reaktion des ehemaligen Außenministers gegeben.
(APA/Red.)

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