21.11.2009 17:51 | Meine Presse Merkliste0

Stundenlanges Duell ohne Moderator

24.09.2008 | 19:22 |  CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Abgrenzen, Annähern, Ausgrenzen und Aufmuntern: Wenn sich der Nationalrat vier Tage vor der Wahl trifft, ist Wahlkampf, Aktionismus und selten blendende Rhetorik gefragt.

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Wien. Es geht ja selten zimperlich zu im Nationalrat. Was die Abgeordneten und wechselweise anwesenden Regierungsmitglieder am Mittwoch abliefern, ist aber eher eine Art ausgedehntes TV-Duell denn eine Plenardebatte. Die ORF-Kameras liefern schließlich (zwischen neun und 17 Uhr) die begehrten Livebilder – unterbrochen nur von der Mittags-ZiB, aber da macht der Nationalrat sicherheitshalber Pause. Einziger Unterschied zum angekündigten Politiker-Showdown: Die grölende Fangemeinde der Spitzenkandidaten steht nicht abseits, sondern ist selbst laufend im Bild.

 

Kleine Pannen beim Klatschen

Kleine Pannen sind da durchaus inbegriffen: Als die ÖVP-Seite Wilhelm Molterer Standing Ovations angedeihen lässt, spricht sich das bis zur ersten Bankreihe zu Klubobmann Wolfgang Schüssel und seinem Stellvertreter Günter Stummvoll nicht sogleich herum. Das bringt ihnen Hohngelächter der anderen Fraktionen und die Aufforderung zur Welle ein. Was die SPÖ-Seite nicht hindert, wenig später selbst von den Bänken zu springen und Faymann dieselbe Ehre zu erweisen – bis auf ein paar rote Hinterbänkler, die hier das große Ereignis verschlafen. Der grüne Parteichef Alexander Van der Bellen ist also gewarnt, er bittet die Kollegen vom grünen Klub daher inständig, „mir keine Standing Ovations zu bereiten“.

In den Argumenten findet sich so gut wie nichts Neues – wie auch vier Tage vor der Wahl. Bloß die Koalitionen wechseln häufig und sind zuweilen sogar amüsant. Dass sich die einstigen Regierungskoordinatoren und allseits verdächtigen Großkoalitionäre Werner Faymann und Josef Pröll auf der Regierungsbank recht gut unterhalten, fällt im Plenum nicht nur positiv auf. ÖVP und BZÖ tuscheln hingegen betont auffällig miteinander, sind wieder ein Herz und eine Seele, was aber nicht weiter überrascht.

 

ÖVP mit BZÖ, FPÖ gegen alle

Rot und Blau hingegen, die finden zwar ab und an zur heraufbeschworenen Gemeinsamkeit. Die FPÖ erhofft sich aber offensichtlich durch Breitseiten gegen die SPÖ doch noch die eine oder andere wackelnde rote Wählerstimme. So mancher Freiheitliche scheut sich auch nicht vor einer Attacke auf die ÖVP und die Grünen, damit die Missgunst gleichmäßig verteilt ist. Die Grünen tun ihrerseits über weite Strecken so, als ginge sie das alles nichts an und als seien sie die Einzigen, die seriöse Politik betreiben. Und Heide Schmidt, die neue, alte LIF-Chefin, die sitzt auf der Galerie und hofft offenbar, zumindest bei dem einen oder anderen Kameraschwenk aufzufallen.

 

Und was kommt nach der Wahl?

Die Highlights der wahlkämpferischen Debatte, die am Nachmittag in einer Dringlichen Anfrage zur aufgewärmten Causa Eurofighter gipfelt, liefern aber erwartungsgemäß SPÖ- und ÖVP-Chef und die rhetorisch durchwegs geschulten Klubobleute. Eine kleine Auswahl: Molterer stellt Faymanns Fünf-Punkte-Programm „Fünf Leitlinien für fünf Jahre“ entgegen, denn: „Nach dem 28. September kommt nämlich in Wahrheit der 29.“ Was so viel heißt, wie: Nach der Wahl muss dann irgendwer mit irgendwem wohl oder übel wieder zusammenarbeiten. Faymann schießt seine Giftpfeile direkt auf Molterer ab, die zwei Stühle dazwischen sind zum Glück frei: „Ein Satz beim Herrn Finanzminister hat mir heute gefehlt, nicht, dass er mir direkt abgegangen wäre, aber: Was ist mit mehr privat und weniger Staat?“

Van der Bellen setzt wie immer auf ironische Ehrlichkeit: „Ich werde versuchen, zumindest teilweise keine Wahlkampfrede zu halten.“ SPÖ und ÖVP kommen allerdings auch bei ihm nicht ungeschoren davon: Erstere hätten eine Steuerentlastung versprochen, aber nichts dafür getan, Zweitere „in ihrem Zynismus“ nicht einmal eine angepeilt. SPÖ-Klubobmann Josef Cap stellt erneut seine jahrelange Übung als Alleinunterhalter im Dienste seiner Partei unter Beweis: „Hört's einmal auf damit, dass bei uns alles Schulden sind und bei euch sind es Wohltaten. Ihr solltet's überhaupt ein großes Nein plakatieren und darunter: ÖVP.“ FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache muss sich da offenbar bewusst abgrenzen (siehe oben) und poltert Richtung SPÖ: „Nur weil Sie keine Führungsstärke haben, müssen Sie nicht für alles die ÖVP verantwortlich machen.“ Faymann sei keine neue Wahl, sondern eine alte Qual. Dass er das BZÖ als Schoßhund der ÖVP abkanzelt, lässt wiederum der orange Klubobmann Peter Westenthaler nicht auf sich sitzen. Strache sei vom blauen Parteirebellen zum roten Mon-Chi-Chi geworden und im Übrigen Faymann nur ein Gusenbauer Nummer zwei.

 

Schüssel – kein Weihnachtsmann

Wolfgang Schüssel beliebt, den Zuhörer zu verwirren. Er hebt mit einer staatsmännischen Analyse der US-Bankenkrise an – nicht ohne den früheren US-Notenbankchef Alan Greenspan durch Sonne, Mond und Sterne zu hauen. Ein Seitenhieb auf die (SPÖ-nahe) Bawag darf freilich nicht fehlen. Und auch mit Faymann hat es der ÖVP-Klubchef nicht gar so sehr: „Alles für das Hier und Jetzt, nicht ein Wort zur Zukunft. Das reicht nicht für eine gute Politik.“ Die schwarzen Gräuel vor den roten Geschenken sind grenzenlos: „Wir sollten Weihnachten am 24. Dezember belassen und nicht Faynachten am 24. September.“

Womit auch das Geheimnis der Herkunft der verirrten Weihnachtsmänner geklärt war, die vor und im Parlament mit gruseligen Faymann-Masken und Erlagscheinen für die SPÖ-Hausbank fürs dirty campaigning sorgten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2008)

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12 Kommentare
Gast: Windwachel
25.09.2008 09:27
0 0

....ja und noch Glückwünsche............

.
.....zur vereinigten VSSTÖ-Burschenschaft.....

.

Gast: mi6
25.09.2008 08:32
0 0

Neue Steuern bringt der Faynachtsmann

Danke Faynachtsmann für die Geschenke könnte wohl so mancher Österreicher sagen, der nur den 24. September sieht. Bei ehrlicher Betrachtung sind diese Geschenke aber tückisch.
Alles was verteilt wurde, muss über höhere Abgaben zurückgeholt werden. Neue Steuern und neue Abgaben sind daher die wirklichen Geschenke von Faymann an die Österreicher.
Denn Geld gibt es in der Republik nicht im Überfluss wo wir doch ein Budgetdefizit haben. Und bei ASFINAG und bei den Krankenkassen gibts auch nur Verluste.
Tatsache ist: Faynachtsmann bringt uns neue Schulden, damit neue Steuern und Abgaben.

amornwan
25.09.2008 10:31
0 0

Re: Neue Steuern bringt der Faynachtsmann

könnte ich bei Gotschalk wetten dnn wette ich darauf viele werden rot und schwarz wählen da bekommt man Geschenke die der Faynachtsmann bringt und dann mit Zins und Ziseszins selbst bezahlen darf. Nur die Klientel dieser Schmarotzer wird dies auch in den nächsten 1000 Jahren nicht kapieren.

Der Ätzer
25.09.2008 05:54
0 0

Betrüger!

Wir sind aufgerufen zur Wahl zu gehen. Jeder wähle seinem Verstande nach das geringste Übel.

Schon sind wir betrogen - die Parteien - eine Ausnahme sah ich - verhalten sich wie Besitzer des Staates und verkaufen eine Steuersenkung als Leistung den Menschen etwas "Gutes" zu tun!

Taschentrickdiebe machen es auch so - ein leichtes Anrempeln, sich entschuldigen und schwups - die Brieftasche fehlt.

Jetzt dem Dieb dankbar sein zu müssen, wenn er nur das Geld stiehlt und die Papiere nicht, ist schon vermessen.

Es sind UNSERE Werte um die gestritten wird. Immer sind wir die Verlierer!

Lügner sind das Schlimmste - denn die Behauptung eine Steuersenkung ist besonders schlimm - dient der Angstmache - es kostet niemals mehr als die Steuersenkung.

Alles andere ist Betrug.

Gast: Gast
25.09.2008 03:29
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Ein gut gemachter Bericht

Informativ und unterhaltend!

Tom93
25.09.2008 00:43
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die vor-demokratische "Presse" hat offenbar ein problem mit dem parlamentarismus

genauso wie die övp insgesamt. aber mehrheit ist mehrheit, so funktioniert demokratie. wann wird sich die övp endlich mit der demokratie anfreunden?

Antworten Gast: Gast
25.09.2008 12:20
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Re: die vor-demokratische

Das sollte nicht vergessen werden, sobald der Wähler die Stimme abgegen hat, werden manche Delegierte patzig. So wie die grosse Dame Plasser, assistiert von Schüssel dem Wähler dann die lange Nase zeigt und darauf besteht nun der alleinige Besitzer zu sein. Da kann dann tausendmal bekannt sein, dass das Volk mit überwiegender Mehrheit eine Volksabstimmung wünscht. Pech gehabt, ihr hättet ja eure Stimme wen anderen geben können. So interpretiert ist das Volk nicht der Souverän , sondern die repräsentative Demokratie wird so interpretiert : nach der "Aufgabe" der Stimme treten solche Herrschaften als Besitzer auf, nicht als delegierte Verwalter.

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enim sententiae poderantur non nummerantur

Man soll Stimmen gewichten und nicht sie zählen, aber Krone Leser und SPÖ Wähler=98%Naturdeppen (Adi Pinter) sind halt die Mehrheit. Danke für das Basisdemokratische Gefasel

Tom93
25.09.2008 13:11
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ihr haß auf die demokratie muß grenzenlos sein

sie arroganter lümmel sind die beste bestätigung für mein posting! leute wie sie sehnen sich wohl in die dreissiger-jahre des vorigen jahrhunderts zurück, wo sie sich nicht mit "wahlen" und "demokratischen entscheidungen" herumplagen mußten! den politischen gegner einfach entrechten und das volk unterdrücken, das würde ihnen am ehesten zusagen, wie!

unterm führer hätte es parlamentsitzungen natürlich nicht gegeben...

Antworten Antworten Gast: Nikloaus Lenau
25.09.2008 12:10
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Re: enim sententiae poderantur non nummerantur

Ihrem Posting kann nur Beifall gezollt werden. Ich erlaube mir aber, Ihre lateinische Orthographie zu korrigienen, die ein "n" zuwenig und ein "m" zuviel hat:

"Enim sententiae ponderantur, non numerantur."


amornwan
25.09.2008 10:34
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Re: enim sententiae poderantur non nummerantur

Bitte diese Leute nicht beleidigen sie können für ihre Dummheit nichts.Wurde wahrscheinlich mit der Muttermilch eingenommen.

Antworten Antworten Antworten Gast: gloster
25.09.2008 11:05
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Re: Re: enim sententiae poderantur non nummerantur

überheblichkeit braucht weder kritik noch zurückweisung - sie fällt von allein von ihrem hohen ross! am ende werden die vielen "dummen" diejenigen bemitleiden, die jammernd im dreck liegen!

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