Die Presse: Wie sieht die muslimische Community den Zuwachs am rechten Rand?
Anas Schakfeh: Selbstverständlich sind wir nicht entzückt. Aber wir haben keine Befürchtungen. Die Rechtsstaatlichkeit wird durch den Wahlerfolg einer Partei, auch einer rechtsgerichteten, nicht abgeschafft. Es werden wohl Maßnahmen getroffen, die den Zuzug erschweren. Da sind wir nicht beunruhigt, denn wir wollen auch keinen unkontrollierten Zuzug. Aber bei Familienzusammenführungen werden wir darüber verhandeln – egal mit welcher Regierung.
Könnte es wieder salonfähig werden, offen gegen Ausländer oder Muslime zu hetzen?
Schakfeh: Bei Schüssel I hat man große Befürchtungen gehabt. Aber es hat keine spürbare Verschlechterung unserer Situation gegeben. Bei Schüssel II haben wir eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit der Regierung gehabt. Es kann sein, dass das Klima rauer wird, aber so gravierend werden sich die Dinge nicht ändern.
Auch nicht, obwohl die FPÖ mit Slogans wie „Daham statt Islam“ fast 20 Prozent erreicht?
Schakfeh: Wir haben immer gewusst, es gibt ein Segment von 15 bis 20 Prozent von Rechtsradikalen, Fremdenfeindlichen. Und die 30 Prozent BZÖ und FPÖ haben wir bei Schüssel I ja auch annähernd schon gehabt.
Gibt es Gespräche mit FPÖ und BZÖ?
Schakfeh: Mit der FPÖ noch nicht, mit dem BZÖ stehen wir schon lange in Kontakt. Selbst Jörg Haider spricht mit der islamischen Gemeinde in Kärnten sehr konstruktiv.
Sie werden doch nicht ein Bauverbot für Minarette als konstruktiv bezeichnen?
Schakfeh: Jörg Haider ist Populist und nutzt jede Gelegenheit, um zu punkten, wenn er in der Bevölkerung eine Stimmung spürt. Aber ich nehme das nicht ernst. Hätten wir wirklich den Plan gehabt, eine Moschee mit Minarett in Kärnten zu bauen, hätten wir mit Haider gestritten. Vor einem dafür zuständigen Gericht. Warum streiten, wenn wir gar kein Bauvorhaben haben? Wenn es darauf ankommt, werden solche Gesetze nicht halten.
In Telfs steht ein Minarett – und die FPÖ ist dort erstmals stärkste Partei geworden.
Schakfeh: Ein Minarett à la Telfs wollen wir gar nicht. Wenn die Bevölkerung darüber entsetzt ist, kann ich das verstehen.
Es geht eher um die politische Symbolkraft – à la Minarett als „Bajonett der Islamisierung“.
Schakfeh: Moscheen, Minarette haben mit Krieg und Politik nichts zu tun. Das sind Gotteshäuser. Einen Kirchenturm bezeichnet man ja auch nicht als Rakete.
Wie sind die Reaktionen aus islamischen Ländern über die Situation in Österreich?
Schakfeh: Es werden Fragen gestellt. Und ich gebe beruhigende Antworten. Selbst wenn man manchmal nicht erfreut über manche Äußerungen ist, geht es uns besser als in anderen Ländern in Europa. Österreich bleibt für Muslime eine sichere Heimat.
Also ist eigentlich gar nichts passiert?
Schakfeh: Es geht uns Muslimen nicht nur um unsere eigenen Angelegenheiten, sondern um das Land – denn wir sind Bürger dieses Landes. Und ich sehe, dass das Regieren in diesem Land schwierig wird.
■Anas Schakfeh ist Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Der gebürtige Syrer kam 1964 zum Studieren nach Österreich, 1980 wurde er österreichischer Staatsbürger. Im Oktober 2007 kündigte er an, kein weiteres Mal für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2008)
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