21.11.2009 00:50 | Meine Presse Merkliste0

Haider-Verabschiedung: „Er hat niemanden kalt gelassen“

20.10.2008 | 12:47 |  ROBERT BENEDIKT (Die Presse)

25.000 Kärntner und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland haben in Klagenfurt den tödlich verunglückten Landeshauptmann auf seinem letzten Weg begleitet.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

KLAGENFURT. Selten waren die Straßen und Plätze Klagenfurts so dicht gefüllt wie am vergangenen Samstag. Nie zuvor lagen so viel Stille und Trauer über der Kärntner Landeshauptstadt. 25.000 Kärntner gaben dem vor einer Woche tödlich verunglückten Landeshauptmann die letzte Ehre. Auch die gesamte Bundesregierung, alle Landeshauptleute und persönliche Freunde aus dem In- und Ausland verabschiedeten sich persönlich von Jörg Haider.


„Jetzt versöhnen, was im Leben nicht versöhnlich gewesen ist.“
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer

 

Allen voran zollte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer dem Verstorbenen „Respekt und Anerkennung“ und strich die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit hervor. Der Kanzler forderte Haiders Gegner auf, „jetzt zu versöhnen, was im Leben nicht versöhnlich war“. Der Kärntner Landeshauptmann sei immer vom Willen getragen gewesen, das Beste für seine Heimat zu tun, betonte Gusenbauer. Haider habe vieles gewollt, nicht alles, aber sehr vieles erreicht: „Die große Anteilnahme zeigt, dass Haider die Menschen bewegt hat. Man muss anerkennen, dass er ein außergewöhnlicher Mensch gewesen ist, der viele Menschen zu begeistern aber auch Widersprüche auszulösen vermochte: „Haider hat niemanden kalt gelassen, im positiven wie im negativen Sinn.“

Haider habe auch, so Gusenbauer ein sehr feines Gespür dafür gehabt, was sich ändern muss. Diese Sensibilität habe ihn von anderen herausgehoben, auch wenn seine Antworten nicht immer von allen anerkannt worden seien. Oft habe man den Fehler gemacht, schon seine Kritik an bestehenden Verhältnissen zu kritisieren. Das aber sei ein Fehler gewesen, weil Kritik das „Salz in der Suppe“ ist.

Nach einer Verabschiedung im engsten Familienkreis war der Eichensarg mit Haiders sterblichen Überresten im Klagenfurter Landhaushof auf eine Lafette verladen worden, die ein „Pinzgauer“ zum Neuen Platz zog. Dort wurde er von 10.000 Trauergästen, Vereinsabordnungen aus dem ganzen Land und einer Ehrenkompanie des Bundesheeres erwartet. Hunderte Sänger intonierten das Lied „Bist du nit bei mir“.

Am Rednerpult betonte der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber, dass er und seine Kollegen aus allen Bundesländern gekommen seien, um Kärnten die Verbundenheit und die Wertschätzung für den Verstorbenen auszudrücken.

Die Leistungen Haiders für das Land Kärnten würdigte Gerhard Dörfler, der bis zur Landtagswahl im März nächsten Jahres an der Spitze des Landes stehen wird. Es gehöre zum Vermächtnis Haiders, dass alle Menschen gleich seien, dass es kein Oben und kein Unten gibt. Haider habe Kärnten offener, jugendlicher, moderner und damit „sommerlicher“ gemacht. Er sei vom Ziel beseelt gewesen, dass es allen Menschen besser geht. Darüber hinaus habe er dem Land Selbstbewusstsein verliehen. „Du wirst immer da sein. Deine Spuren sind ewig“, verabschiedete sich Dörfler von seinem Vorgänger und „persönlichen Freund“.

„Der Herzkönig ist nicht mehr im Spiel!“
Bürgermeister Harald Scheucher

„Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf“, versprach der designierte BZÖ-Landesobmann Landesrat Uwe Scheuch. Er appellierte an alle Menschen, das Erbe Haiders weiter zu tragen und Kärnten nach dessen Vorstellungen weiter zu gestalten. In sehr persönlichen Worten schilderte Scheuch die Reaktion seines elfjährigen Sohnes auf die Nachricht von Haiders Tod: „Papa, das kann nicht sein. Ein Landeshauptmann kann nicht sterben“, habe der Bub gesagt. Er glaube sein Sohn habe das richtig gesagt, schloss Scheuch.

Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher nannte Haider einen „ganz Großen“, der als Politiker und als Freund neue Maßstäbe gesetzt hat. Er zog einen Vergleich mit dem Kartenspiel und meinte: „Der Herzkönig ist nicht mehr im Spiel!“ Mit dem Ruf „Du bleibst unvergessen!“ verließ Scheucher das Rednerpult und schloss Witwe Claudia Haider in aufrichtiger Anteilnahme in die Arme.

Beim anschließenden Requiem im Klagenfurter Dom waren nur geladene Gäste, rund 600, zugelassen. Im ersten Gebet dankte Diözesanbischof Alois Schwarz Gott „für das Leben und für das Wirken von Landeshauptmann Jörg Haider, der viele Jahre hindurch das Land Kärnten und die Menschen, die hier wohnen, in politischer Verantwortung begleitet und betreut hat“. Viele, die hier versammelt sind, quäle die Frage nach dem Warum.

Der Grazer Bischof Egon Kapellari würdigte in seiner Predigt den Verstorbenen als einen „brennenden und einen über sein jeweiliges Lebensalter hinaus immer mit einer jugendlichen Dynamik ausgestatteten Menschen“. Haider sei mit einer „außerordentlichen Kraft im Denken, Fühlen, Wollen und Tun“ begabt gewesen: „Sein Maß war kein Mittelmaß, er war ein Mann mit einem Kämpferherz.“ Als solcher habe der Landeshauptmann viele Auseinandersetzungen geführt, „er hat auch verletzt und wurde selbst verletzt“.

 

„Wieder ein Licht angezündet“

Für viele sei er über die soziale Dimension seiner Politik hinaus ein auch im Einzelfall bewährter Helfer gewesen. Die allgemeine Trauer um Jörg Haider sei, so Kapellari, nicht nur emotional sondern auch sachlich begründet. Deshalb sei der Respekt für seine vielgestaltige Lebensleistung auch vom politischen Gegner „vielstimmig zum Ausdruck gebracht“ worden.

Nach der Kommunion bedankte sich Witwe Claudia Haider im Namen ihrer Familie für die Anteilnahme. Diese spende „viel Trost auf dem langen, steinigen Weg der Trauer“. Vor allem Bischof Kapellari sagt sie „Danke“. Er sei für sie schon oft ein treuer Hirte gewesen, und habe ihr auch jetzt in diesen schweren Stunden „wieder ein Licht angezündet“.

Nach der Messe, bei der das Requiem in d-moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung gebracht worden war, brachte der Konduktwagen den Sarg nach Villach, wo Haiders Leichnam eingeäschert wurde. Die Beisetzung der Urne in der Kapelle St. Michael im Bärental soll im engsten Familienkreis stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Mehr zum Thema:

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: Macchiavelli
21.10.2008 10:46
0 0

Was ist das Gegenteil von kalt?

*SFG*

tier
21.10.2008 09:07
0 0

7 gute Reden

Ich war als Nicht-Kärntner beim Begräbnis und habe dem Menschen Jörg Haider meinen Respekt gezollt, unabhängig davon, daß ich ihn im September 2008 aus Überzeugung nicht gewählt habe.

Ich habe dort 7 gute Reden von 7 völlig verschiedenen Personen gehört, was mich sehr beeindruckt hat.

Die Stadt war ruhig und die Stimmung gedämpft.
25.000 Menschen, die sich diszipliniert benehmen, keinen einzigen Polizeieinsatz verursachen und kein Papierl wegschmeißen, gibt es nur in Österreich.
Kärnten hat eine beeindruckende kollektive Leistung erbracht, und muß sich keineswegs schämen.

POLEMIKER
20.10.2008 17:28
0 0

Gerade der Menasse ...


... als Kumerl hats notwendig, einen "Nachruf" auf Jörg Haider zu schreiben.

Antworten Gast: 007
20.10.2008 18:20
0 0

Re: Gerade der Menasse ...

Einem Toten ins Grab nachspucken - daß ist alles, was Linke können. Weil sie den dafür nötigen widerlichen Charakter haben.

Schlagzeilen Politik

  • Regierungsbilanz: Das verlorene Jahr
    Das Kabinett „Faymann I“ hat in seinem ersten Jahr viel getan. Nur das Wichtigste nicht. Selten war die Zeit für die Vorbereitung unpopulärer, aber notwendiger Reformen besser als im Vorjahr. Eine verpasste Chance.
    Rauer Wind gegen EU-Duo: „Schwach und unbekannt“
    Van Rompuy steht unter Druck der Länder, Ashton muss Parlament überzeugen. Sie wissen wohl, dass sie der „kleinste gemeinsame Nenner“ der 27 EU-Länder waren und sind.
    Avraham Burg: „Traumawettbewerb“
    Avraham Burg provoziert: Der Sohn eines Holocaust-Überlebenden und frühere Knessetpräsident fordert die Überwindung des Holocaust-Traumas. Leistet er damit einen Beitrag zur Schlussstrichdebatte?
  • Gasstreit: Putin als Timoschenkos Wahlhelfer
    Mit seiner „Großzügigkeit“ unterstützt Russland die einstige Erzfeindin. Die Ukraine darf fortan ohne Angst vor Sanktionen weniger Gas einkaufen als bisher vertraglich vereinbart war.
    Lafontaine-Krankheit: Zukunfts-Debatte bei Linkspartei
    Personell hat die Linke keine Reserven, programmatisch ist sie zerrissen. Im Jänner will Lafontaine entscheiden, ob und in welcher Form er seine politische Arbeit weiterführt.
    U-Ausschuss: Eiszeit zwischen Koalition und Opposition
    Gegenseitige Blockadedrohungen im Parlament. Grund für die verhärteten Fronten sind die Vorgänge im aktuellen Spionage- und Spitzel-U-Ausschuss.
  • Vorratsdatenspeicherung: ÖVP "äußert irritiert"
    Der Gesetzesentwurf von SP-Ministerin Bures sorgt in den Ministerien des Koalitionspartners für Verstimmung. Dass der Entwurf jetzt ohne vorherige Abstimmung begutachtet werde, sei "ein bisschen ein Affront".
    Kinderrechte: Kundgebung der Kinder
    Die Kinder gingen heute in Wien auf die Straße. Bei einer Kundgebung der Kinderfreunde auf der Mariahilfer Straße wurden mehr Mitspracherechte für die Jüngsten verlangt.
    Gorbatschow will eine neue Partei gründen
    Mögliches politisches Comeback: Der letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow spielt mit der Idee einer Parteigründung in Russland. Diese Partei solle in Opposition zur Regierung stehen.
  • Sex-Skandal in Italiens Linker: Transsexueller tot
    Der Skandal um den italienischen Oppositionspolitiker Piero Marrazzo zieht weite Kreise. Ein Transsexueller, der in die Affäre verwickelt war, ist tot. Er soll noch mehrere prominente Kunden gehabt haben.
    Grüne Zukunftsdebatte mit Chaos-Potenzial
    Unter anderem "das klimafeindliche Schnitzel" wird am Wochenende bei einem sehr experimentellen Zukunftskongress der Grünen debattiert. Im Vorfeld fand eine rege Diskussion im Internet statt.
    Abbas hofft weiter auf Aussöhnung mit Hamas
    Der palästinensische Präsident und Fatah-Chef will noch im Dezember einen neuen Wahltermin fixieren. Die Hamas hatte erklärt, dass ohne "nationales Einvernehmen" keine Wahl abgehalten werden könne.