10.02.2010 01:04 | Meine Presse Merkliste0

Vassilakou: „Die Grünen als Linkspartei etablieren“

14.01.2009 | 19:19 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Maria Vassilakou ist Klubchefin der Grünen im Wiener Rathaus und bleibt auch unter Eva Glawischnig stellvertretende Bundessprecherin. Sie will neue Positionen in der Integrationspolitik.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bilder zum Thema

Die Presse: Am Wochenende wählen die Grünen eine neue Bundessprecherin. Kommt eine neue Epoche für die Partei?

Maria Vassilakou: Ganz sicher ist es das, denn ein neuer Chef bedeutet immer einen Neubeginn.

Was kann Eva Glawischnig besser als Alexander Van der Bellen?

Vassilakou: Es geht nicht um besser, sondern um anders. Von ihrer Persönlichkeit her hat sie einen kühlen Kopf und sehr viel Sachkompetenz, aber sie ist auch eine, die auf den Tisch hauen kann.

Glawischnig hat nach der Nationalratswahl gesagt, es geht darum, die Jugend zurückzugewinnen. Wie viel ist da schon gelungen?

Vassilakou: So etwas kann man nicht von einem Tag auf den anderen erreichen. Wir haben ein Projekt gestartet, wo wir mit vielen Jugendlichen in Kontakt treten. Nicht nur mit den Gruppen, wo wir üblicherweise gut abschneiden, also Maturanten und Studenten, sondern auch mit Lehrlingen und werktätigen jungen Erwachsenen. Ich hoffe, dass wir in ein bis zwei Jahren die ersten Früchte ernten können.

Hatte die FPÖ bei der letzten Wahl das bessere Angebot für die Jungen?

Vassilakou: Die FPÖ reduziert alles auf das Ausländerthema.

Aber hat das nicht einen realen Kern? Da geht es doch um Konflikte, die die Jugendlichen ganz real betreffen.

Vassilakou: Es stimmt schon: Ein Problem, mit dem Jugendliche immer wieder konfrontiert sind, sind Konflikte und manchmal sogar Gewalt. Die Statistik belegt das eindrucksvoll, wir haben hier tatsächlich einen Anstieg. Das ist etwas, was man sehr ernst nehmen muss. Wenn Jugendliche unterschiedlicher Herkunft daran beteiligt sind, kann es sein, dass man das auf den Migrationshintergrund reduziert.

Was ist Ihre Schlussfolgerung daraus?

Vassilakou: Man muss in die Ursachen der Probleme investieren, nicht billige Antworten geben, wie die FPÖ. Gefordert ist da die Sozialarbeit an den Schulen. Wir haben in Wien ein einziges Schulsozialarbeitsprojekt gehabt, an einer schwierigen Hauptschule, in der Geblergasse, das extrem erfolgreich war. Anstatt das auf alle Schulen auszuweiten, hat man es einfach auslaufen lassen. Ich halte das für einen fatalen Fehler.

Brauchen die Grünen eine neue Position in der Ausländerpolitik?

Vassilakou: Es ist fälschlicherweise der Eindruck entstanden, dass wir über unsere Position in Asylfragen diskutieren. Die steht nicht zur Disposition. Wir wollen schnelle und faire Asylverfahren. Und wenn jemand eine schwere Straftat begeht und dafür verurteilt ist, wird er das Land verlassen müssen. Da haben die Grünen nie etwas anderes gesagt. Wo es sehr wohl eine Diskussion braucht, ist die Frage der Integrationspolitik. Wir müssen die Probleme beim Namen nennen, wir müssen aber auch aufzeigen, dass es Lösungen gibt.

Umstritten ist da bei den Grünen die Frage, welche Forderungen stelle ich an die Zuwanderer selbst.

Vassilakou: Ich finde, in der Integrationspolitik muss es darum gehen, bei den Zuwanderern ein positives Bekenntnis zu Österreich zu erreichen. Integration muss bei der Einreise nach Österreich anfangen und die Zuwanderer auf etliche Jahre begleiten. Ich trete da für kostenlose Sprach- und Orientierungskurse ein. Da muss von den Neu-Zuwanderern aber auch eingefordert werden, dass sie diese Kurse besuchen.

Mit welchen Sanktionen?

Vassilakou: Das ist typisch österreichisch – man denkt sofort an Sanktionen. Es gibt auch positive Anreize wie schnellere Aufenthaltsverfestigung und schnellerer Zugang zur Staatsbürgerschaft. In Kanada funktioniert diese Verpflichtung auch ohne Sanktionen.

Zurück zur Partei: Sollen sich die Grünen als linke Oppositionspartei positionieren?

Vassilakou: Es braucht einen neuen Linksbegriff, weil das klassische Links-Rechts-Schema überholt ist. Es geht darum, dass Österreich eine Kraft braucht, die gesellschaftlich liberal und weltoffen ist, die sich aber dafür ausspricht, dass die Wirtschaft stärker von der Politik kontrolliert wird. Und die drittens für einen starken solidarischen Sozialstaat eintritt. Wenn das links ist, bin ich dafür, die Grünen in diesem Sinne als Linkspartei zu etablieren, die es auch in Österreich geben muss, weil das Potenzial dafür ist vorhanden und groß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

72 Kommentare
0 0

Melonenpartei

der Ausdruck Melonenpartei von Andreas Khol hat die Grünen schon richtig positioniert: aussen die dünne grüne Lackschicht der Natur- und Landschaftsschützer und innen die grosse tiefrote Masse der Kommunisten. Zu guter Letzt haben sich die Grünen dann noch als die Ausländerpartei mit den Inländern als Bezahl-Gemeinschaft für grüne Einwanderungspolitik positioniert. Seither geht's zügig bergab.

Eigentlich spielt es keine Rolle mehr

wo die Grünen stehen

0 0

Was will sie da noch "links" machen?

Die Grünen sind es eh' schon die längste Zeit.
Und nicht nur das, nein, sie sind auch schon lange d i e Ausländerpartei, die die Inländer nur zum Steuernzahlen braucht!
Frau V. hat seit dem Nationalratswahldebakel Kreide gefressen, aber geglaubt wird ihr nicht.

Geldfux
15.01.2009 19:00
0 0

Alle österreichischen Parteien

sind heute schon mehr oder weniger links, selbst die ÖVP mit ihrem Herz Jesu Sozialismus, die SPÖ mit ihrem weltfremden Bürokratie-Sozialismus, à la Vienne, die Blauen mit ihrem Radau-Sozialismus. Oder sie sind sozialistisch infiltriert wie die Grünen, am wenigsten sozialistisch verdorben sind vielleicht die Epigonen des Haider - BZÖ. Am meisten an der Grünen Frau Vassilakou aus Wien gefällt mir, dass Sie die Grünen "links etablieren will", d.h. doch sich häuslich im Sozialismus niederlassen und hoffen, dass man vielleicht doch noch einmal den festgefügten Glauben der alten Kommunisten wieder finden könnte! Öllinger könnte zum Schutz- und Schmutz-Patron dieser Bewegung werden. Nein Danke, niemals wieder begehe ich den Fehler, Euch meine Stimme zu leihen.

ralshob
15.01.2009 15:16
0 0

Sg. fr. v. - ihre partei ist mir eigentlich egal - so wie all die anderen auch (keine hat in den letzten jahrzehnten etwas zuwege gebracht)..............

und ob sie nun "links" werden - naja, viel erfolg - was mich stoert ist ihr vergleich mit kanada. wie gut das dort mit der migration funktioniert - das ist schon richtig - kann aber so mit oe nicht verglichen werden. kanada hat ein kontingent an migrationswilligen - die werden aber in ihren heimatlaendern auf herz und nieren geprueft und vorbereitet. es gibt einen sprachentest, gesundheitsuntersuchung (die ist hart), qualifikationsnachweis, leumundszeugnis und, und, und - wiesoich das kenne? wir bereiten diese leute auf ihre ausreisevor - dh. wir fuehren einen teil der untersuchungen durch, und dass es dann mit der integration etwas besser funktioniert als in oe ist mir schon klar. ach ja, ein kleines vergehen in kanada gegen die gesetze = zurueck zum start - heimatland. wie gesagt, sie, ihre partei und ihre ideen sind mir egal - was mich stoert ist, dass sie halbwahrheiten verbreiten. beste gruesse

Antworten Gast: eg
15.01.2009 23:23
0 0

Re: Sg. fr. v. - ihre partei ist mir eigentlich egal - so wie all die anderen auch (keine hat in den letzten jahrzehnten etwas zuwege gebracht)..............

Diskussion in Kanada: Ein kurzer Auszug aus einem Text: F.A.Z., 05.01.2008, Nr. 4 / Seite 33
"Aus wirtschaftlichem Kalkül und aus Scham über die koloniale Vergangenheit haben sie die notwendige Diskussion um die Grenzen und Gefahren der Masseneinwanderung verdrängt. Das rächt sich jetzt. Und wieder sind es die Minderheiten, die dafür bezahlen. "Welche Minderheiten?", fragt der Mann in der Schlange hinter dem Mikrofon, wo sie den Ausführungen des großen Philosophen Taylor geduldig lauschen "In Vancouver haben die Minderheiten schon neunundvierzig Prozent, in Montreal ist es bald soweit. Werden sie uns dann auch Minderheitenrechte einräumen?" - "Wir sollten die Grenzen dichtmachen", antwortet ein anderer. "Für zehn Jahre - und einmal gründlich darüber nachdenken, was wir eigentlich wollen."

modestus
15.01.2009 14:19
0 0

noch weiter links?

also links etablieren ist doch wohl schildbürgerei.....linker ist hier in old austria doch niemand.
vielleicht eine mischung aus trotzki und walter ulbricht...das wär linker..

Gerald
15.01.2009 16:32
0 0

Re: noch weiter links?

Naja die KPÖ gibts ja auch noch. Wenn die Grünen nach diesem enormen Wählerpotential schielen, soll es mir recht sein.

modestus
15.01.2009 17:22
0 0

Re: Re: noch weiter links?

die kpö???...in wien???
in graz da war sie ein strohfeuer...auch schon wieder weg.
links ist out..fertig..geschichte...good by

durendal
15.01.2009 13:51
0 0

Neuer Name - Neues Glück

Die Grünen müssten sich dann aber auch einen neuen Namen zulegen: DIE LINKE
und auch statt der Melone den Paradeiser als neues Parteisymbol. Erst dann stimmen Wunsch und Wirklichkeit endich überein.

0 0

Die Grünen sind aus dem Spiel!


Sollte sich diese schon bisher etablierte Denkweise auch offiziell durchsetzen dann sind die Grünen de facto in der österreichischen Innenpolitik aus dem Spiel.

So wie in Deutschland die SED-Linken ist auch Österreich gut beraten die Grünlinken dann unter Quarantäne zu stellen.

Wer der Verfassungsbogen touchiert, egal ob rechts oder links, sollte dementsprechend ausgegrenzt werden.

toranaga
15.01.2009 11:17
0 0

wehret den anfängen !

"...Wenn Jugendliche unterschiedlicher Herkunft daran beteiligt sind, kann es sein, dass man das auf den Migrationshintergrund reduziert...."

allein diese aussage beweist das gefährliche leugnen des riesigen gewaltpotentials das von extrem vielen "männern mit migrationshintergrund" ausgeht !

dadurch wird zb. jegliche hilfe für die - meist muslimischen - frauen, die opfer von psychischer und physischer gewalt geworden sind extrem erschwert - denn wo es keine probleme gibt oder diese heruntergespielt werden gibt es auch keinen bedarf an hilfe und unterstützung. ("gewalt gibt es unter österreichern auch, also was hat das mit dem migrationshintergrund zu tun..")

wenn zb. auf der strasse ganze schulklassen verprügelt werden ist natürlich die fpö schuld...

so haben va. die grünen mit ihrer ewiggestrigen faschismuskeulenpolitik einen großteil der unerträglichen zustände zu verantworten!

wenn`s nicht zu spät wäre um vor den grünen zu warnen würde ich sagen: WEHRET DEN ANFÄNGEN!

0 0

Manche sind fasziniert von männlicher Gewalt,

und zu diesen bizarren Menschen scheint die Dame auch zu gehören. Jedem das Seine!

beardsley
15.01.2009 15:00
0 0

Re: Manche sind fasziniert von männlicher Gewalt,

ist doch kein wunder. wenn man sich so die grünen mausmännchen anschaut, ist es schon verständlich, daß die grünossInnen nach ausgleich lechzen.

derpradler
15.01.2009 11:06
0 0

eine neoliberale Partei

kann zwar innerhalb dieser Parteien links stehen, ein LINKE Partei ist deshalb aber nicht
Leider verstehen den Unterschied die meisten Menschen in diesem lande nicht. Weil politische Bildung beim Wahlkugelschreiber holen beginnt und aufhört!

modestus
15.01.2009 14:20
0 0

Re: eine neoliberale Partei

wer ist neoliberal in österreich???...die grünen??

harbard
15.01.2009 10:32
0 0

„Die Grünen als Linkspartei etablieren“

...war doch immer schon klar
...daß die keine etablierte rechtspartei sind!
...nur die arme maria wird ausgeschlossen
...wenn ihr der öllinger und seine freinderl draufkommen
...daß man ihren namen mit SS schreibt!!!

Tom93
15.01.2009 10:03
0 0

kein mensch braucht mehr die grünen

sie haben sich mit ihrem unsäglichen schwarz-grün-kuschelkurs mit schüssel/molterer völlig diskreditiert. und jetzt wollen sie auf einmal eine "linkspartei" sein? wie glaubwürdig ist das denn?

die grünen sind eine zeitgeistpartei der achtziger und neunziger, nach denen bald kein hahn mehr krähen wird. ihre wichtigsten themen sind und bleiben umweltschutz, und das interessiert halt in zeiten, in denen die menschen ernsthafte sorgen haben, nicht mehr. der versuch, die partei von glawischnig, anschober & co. als "links" darzustellen ist daher die verzweiflungstat von prinzipienlosen opportunisten, die merken, daß ihnen die felle davonschwimmen.

sperrt doch einfach zu, als sich als linke partei zu maskieren, die ihr einfach nicht seid!

violet
15.01.2009 12:04
0 0

"ernsthafte Sorgen"

Na, da bin ich mal gespannt. Hoffentlich müssen wir uns nicht in 20 Jahren wünschen, doch mehr für den Umweltschutz getan zu haben!
Das Problem ist einfach die Gier der Menschen, dass jeder nur an sich denkt und kaum jemand an die Zukunft ("Nach mir dir Sintflut")

Antworten Antworten Gast: Neoliberal
15.01.2009 18:55
0 0

Ja DIESE Gier

furchtbar! Die Leute sind am Ring gestanden, und dann ist er gekommen und hat mich angschaut mit seinen blauen Augen, Da habe ich gewußt, FURCHTBAR.

Tom93
15.01.2009 09:59
0 0

träumt weiter, ihr angepassten bobos


Gast: GeierSturzflug
15.01.2009 09:48
0 0

Um 2012 werden

die letzten Grünlinge mit den Kummerln fusionieren, damit sie realistische Chancen haben, nochmals ins Parlament zu kommen. (Glawischnigg hat ihre Pensionszeiten noch nicht zusammen!!!!)

Gast: Union Jack
15.01.2009 09:08
0 0

Links positionieren

Also, dass es zwei Parteien braucht, die sich gesellschaftlich liberal und zu stärkeren Eingriffen des Staates in den Wirtschaftskreislauf (sprich: sozialistisch) positionieren bezweifle ich ganz stark. Diesen Podestplatz müssten sie sich mit der SPÖ teilen und da bleibt für die Grünen nicht mehr viel Platz. Es gibt wohl die Möglichkeit einer stärkeren Radikalisierung nach Links, dazu sind aber die Österreicher im Allgemeinen zu ordnungsliebend, als dass das funktionieren könnte. Das Problem der Grünen ist halt, dass deren klassische Kernbotschaft des Umweltschutzes längst zum Mainstream geworden ist und von den Parteien näher der Mitte auch vertreten wird. Eigentlich haben sie dadurch ja ihr ursprüngliches Ziel erreicht und sind so überflüssig geworden.

antikarl
15.01.2009 11:33
0 0

Re: Links positionieren

links gibt es eine ordentliche Drängelei. Werden sich doch nicht gegenseitig auf die Zehen steigen, die Genossen?

Gast: Bösewicht
15.01.2009 08:14
0 0

Die Grünen wollen eine einfache Linkspartei werden?

Na, da steht aber dann ein ordentlicher Rechtsruck bevor.

Gast: Beobachter
15.01.2009 03:26
0 0

Ab nach Griechenland mit der Vaseline-Kuh

Dort sind ihresgleichen an der Endzerstoerung des kuerzlich von den Tuerken befreiten Landes "werktaetig", und eine mher macht auch keinen Unterschied mehr. Deutsch hat sie uebrigens klarerweise in der DDR gelernt....
Und natuerlich ist der klassische Rechts-Links Begriff ueberholt. Wie Hajek richtig vorhersagte, haben isch die Sozialisten in ALLEN Parteien etaliert. Es geht also nur noch um Richtungskaepfe (die aber sehr hart sind): Leninisten gegen Trotzkisten, Maoisten gegen Fabianisten, Austromarxisten gegen Bolivarianer. In der BRD ruft die Schwesterpartei bereits nach dem Sasi, zwecks Verfolgung von Sozialschmarotzern.