WIEN (chs). „Ein Drittel der Österreicher hat rechts gewählt. Also ist auch ein Drittel rechts.“ So die recht simpel anmutende Antwort, die Armin Thurnher, Chefredakteur des Wochenmagazins „Falter“ dem Publikum bei einer Diskussion zum Thema „Wie rechts ist Österreich?“ am Mittwoch im Wiener Volkstheater gab. Dass es so einfach nicht ist, zeigte aber schon der Verlauf des Abends.
Denn bereits mit der Fragestellung wollten sich die Diskutanten – „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker, die frühere LiFChefin Heide Schmidt, Ex-ÖVPLandeshauptmann Franz Schausberger und Armin Thurnher – nicht anfreunden. Schausberger wollte lieber über „Wie populistisch ist Österreich?“ reden, Fleischhacker erklärte die Frage zur „Nichtfrage“. Zudem suggeriere sie, „dass es ein Problem wäre, wenn Österreich rechts ist“. Er jedoch würde sich eher „Sorgen um eine pluralistische Gesellschaft machen, in der nicht ein Drittel rechts wählt.“ Zumindest, solang es nicht ins Extrem gehe. Denn derzeit handle es sich bei rechter Ideologie eher um ein Problem „politischer Ästhetik“.
Wie rechts FPÖ und BZÖ, die vor allem bei Jungen punkten, wirklich sind, war denn auch der Streitpunkt. Thurnher wirft den Parteien ein „Kokettieren mit dem Rechtsextremismus“ vor, Schmidt warnt vor Verharmlosung: „Ein autoritäres System und rechte Ideologie scheinen immer attraktiver.“
Fleischhackers Einwurf, die FPÖ sei bei der Wahl mit „linkspopulistischer Programmatik samt rechtsextremer Einsprengsel“ angetreten, wollten beide nicht gelten lassen. Rechtspopulisten wegen ihrer sozialpolitischen Forderungen als links zu bezeichnen, sei zwar „chic“, zeuge aber von „ideologischer Verblendung“, so Thurnher.
Lebensrealität ernst genommen
Sind also all jene Jungwähler, die FPÖ und BZÖ das Vertrauen geschenkt haben, rechts? Fleischhacker sieht andere Gründe für den Wahlausgang: Die beiden Parteien hätten sie als einzige „in ihrer Lebensrealität ernst genommen.“ Für Schmidt eine billige Entschuldigung: „Wer aus Protest rechts wählt, muss dazu stehen, dass er Fremdenfeindlichkeit unterstützt.“
Die Beantwortung der eigentlichen Frage blieben die Diskutanten dennoch schuldig. Versöhnlich zeigte sich einzig Schausberger, der eine neue Art der Politik fordert: „Damit die Menschen gar nicht mehr FPÖ wählen müssen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2009)

Reaktionen Hoffen auf Verbesserungen, ''Blendwerk für Märkte''
Berühmte Politiker-Zitate Wer hat's gesagt?
Bloomberg, Gandhi & Co Superreiche in der Politik
Politik skurril Obama testet Marshmallow-Kanone