WIEN(c.d.). Die EU-Wahl im Juni könnte für die SPÖ eine heikle Sache werden. Ob man es schafft, Platz eins zu verteidigen, ist ungewiss. „Derzeit sind wir klare Sieger, aber nur bei denen, die nicht vorhaben, zur Wahl zu gehen“, gesteht Kanzler Werner Faymann. Er suchte, wie ÖVP-Chef Josef Pröll, wochenlang nach einer glamourösen Überraschung. Die Wahl fiel im SPÖ-Vorstand am Mittwoch dann doch auf den versierten, in Brüssel hoch angesehenen Sachpolitiker Hannes Swoboda. Die weitere Reihung war wie üblich nicht frei von Friktionen zwischen den roten Ländern: Platz zwei ging an die Gewerkschafterin Evelyn Regner, ihr folgen der Steirer Jörg Leichtfried und die Niederösterreicherin Karin Kadenbach sowie Josef Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe. Unsichere Plätze haben die Burgenländerin Christa Prets und der Vorarlberger Herbert Bösch.
Swoboda trat 1996 schon bei der ersten EU-Wahl als Spitzenkandidat an, erreichte aber nur Platz zwei hinter der ÖVP. 1999 musste er Hans-Peter Martin an der Spitze der SPÖ-Liste den Vortritt lassen. 2004 fuhr Swoboda dann trotz massiver Anfeindungen der FPÖ Platz eins ein. Wenig später wurde er allerdings Vizefraktionschef der europäischen Sozialdemokraten und gab die Delegationsleitung der SPÖ-Abgeordneten an Maria Berger ab.
Der 62-Jährige ist Jurist. Er war 1988 bis 1996 Wiener Planungsstadtrat, ehe er nach Brüssel wechselte. Programmatisch schwebt Swoboda die „Rückkehr zur Idee des Wohlfahrtsstaates auf europäischer Ebene vor“. Und was tut er gegen das negative EU-Image? Das Europa, das die Konservativen in Kommission und Parlament geprägt haben, stoße auf Widerstand – nicht Europa selbst.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2009)

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