WIEN (ku). Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung ortet in Österreichs Forschungspolitik Konzeptlosigkeit. Jedes Ministerium schaue nur auf sich, auch wenn das Geld anderswo effizienter eingesetzt werden könnte. „Wo keine Strategie dahinter ist, hilft auch keine gute Mittelausstattung“, sagte Günther Bonn, Vizechef des Forschungsrates, am Donnerstag vor Journalisten.
Überhaupt fehle derzeit der Dialog in der Forschungspolitik. Als symptomatisch zitiert Bonn die Entscheidung des Wissenschaftsministeriums, aus dem Kernforschungszentrum CERN auszusteigen. Das könne man natürlich machen, aber vor einer Entscheidung müsse eine breite Diskussion geführt werden.
Der Vorsitzende des Forschungsrates, Knut Consemüller, forderte mehr Flexibilität ein. Das sei umso wichtiger, weil wegen der Wirtschaftskrise zu befürchten sei, dass viele Fördermittel heuer nicht abgeholt würden – etwa im kooperativen Bereich, wo Förderungen durch Industriemittel kofinanziert werden müssen, oder bei Steuerbefreiungen für forschende Firmen. Man müsse flexibel sein, um diese Gelder in andere Bereiche umzuschichten – etwa für Exzellenz-Cluster an den Unis, die der FWF derzeit nicht finanzieren kann.
Um den Ausfall der Forschungsausgaben von Firmen auszugleichen, müsse die öffentliche Hand dagegenhalten. Consemüller: „Bei Bildung und Forschung lohnt es sich am ehesten, sich zu verschulden.“ Andernfalls werde die Forschungsquote – im Vorjahr lagen die Forschungsausgaben bei 2,66 Prozent des BIP – auf unter 2,5 Prozent sinken.
Längerfristig müsse Österreich die Mittel effizienter einsetzen. Dazu hat der Forschungsrat – ein Beratungsgremium der Bundesregierung – am Donnerstag den Entwurf der „Forschungsstrategie 2020“ vorgelegt. Der Kern: Österreich müsse sich auf jene Bereiche konzentrieren, in denen man schon stark ist. Im Kern sind das: Life Sciences, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit. Danach folgen – in abnehmender Wichtigkeit – Produktionsmanagement, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Dienstleistungen, Materialforschung, Mobilität und Lebensmittel.
Bis 7. Juni kann jedermann mitdiskutieren und über einzelne vorgeschlagene Maßnahmen abstimmen. Beim Forum Alpbach Ende August sollen die Ergebnisse vorgelegt werden.