KLOSTERNEUBURG. Thomas Henzinger wirkt irgendwie verlegen. Bei einem Rundgang vor Fotografen und TV-Kameras vermeidet der erste Präsident des Exzellenzinstituts I.S.T. Austria (Institute of Science and Technology) plakative Aussagen. Und noch sind etwa 100 Arbeiter tätig, um die Arbeiten auf dem Campus in Klosterneuburg-Maria Gugging für die feierliche Eröffnung am 2. Juni abzuschließen. Im September wird Henzinger mit seiner ersten Forschergruppe einziehen, bis Ende des Jahres sollen drei weitere ihre Arbeit aufnehmen.
Das Areal des ehemaligen Nervenklinikums ist kaum wieder zu erkennen. Die frühere Hauptstraße wurde verschwenkt, an das alte Hauptgebäude schmiegt sich die neue Lecture Hall. 17 alte Gebäude wurden abgerissen, weitere 15 erstrahlen in neuem Glanz. Und Henzinger verweist auf die nächsten Schritte: 2010 wird ein neues Laborgebäude am Rande des Campus-Teichs fertig gestellt, im Jahresabstand folgen zwei weitere. Hand in Hand geht der wissenschaftliche Aufbau: Vorerst in den Sparten Evaluationsbiologie, Computerwissenschaften und Zellbiologie, im nächsten Jahr Materialwissenschaften, Angewandte Mathematik und voraussichtlich Hirnforschung. Die weiteren Bereiche hängen von den Berufungen ab.
Zu Kooperationen verpflichtet
Die neuen Forscher hofft Henzinger durch ein in Österreich einmaliges Karrieremodell zu rekrutieren: Erstens wird es die auf fünf Jahre bestellten Assistant-Professoren geben, die sich anschließend einer Tenure-Evaluation stellen und dann unbefristet bleiben können. Aber unbefristete Professorenanstellungen von Beginn an sind ebenso möglich. Zweitens durch das Engagement von Doktoratsstudenten, die in vier Jahren das Doktorat erwerben und sich dann in einem anderen Institut bewerben sollen. Und drittens durch die Anstellung von Post-Docs (jungen graduierten Forschern) auf die Dauer von vier bis fünf Jahren.
I.S.T.A. ist zu Kooperationen verpflichtet. Denn ein Drittel des Bundesbudgets, das sind bis 2016 100 Millionen Euro, wird nur dann ausbezahlt, wenn ein gleich hoher Betrag aus Drittmitteln eingebracht wird.
Der neue I.S.T.A.-Chef ist auf die Dauer von vier Jahren bestellt, seine Sicht reicht aber bis zum Ende der ersten Ausbaustufe im Jahr 2016: Da soll es 40 bis 50 Forschergruppen geben, eine Gruppe mit etwa zehn Mitarbeitern. Und international will man präsent sein: Durch Einladungen an renommierte Gäste zu Vorträgen und Seminaren und durch eigene Aktivitäten. „Man wird bewertet durch den Ruf in der internationalen Scientific Community“, sagt Henzinger.
Als negative Begleiterscheinung empfindet Heinzinger, dass bei allen Schwierigkeiten mit der Forschung und der Forschungsförderung stets gleich sein Institut ins Spiel gebracht werde. So habe man auch den CERN-Ausstieg mit I.S.T.A. in Verbindung gebracht. Zu diesem Ausstieg könne er nichts sagen, er sei aber „wenig hilfreich für den Ruf Österreichs als Wissenschaftsstandort“.
Einer der I.S.T.A.-Väter, der ehemalige Präsident des israelischen Weizmann-Instituts Haim Harari, sieht eben dieses Institut als Vorbild für das Vorhaben in Klosterneuburg. Und Thomas Henzinger? „Am ehesten die beiden ETH-Universitäten in der Schweiz. Das sind wissenschaftliche Spitzeneinrichtungen, die im Volk bekannt sind und auch geschätzt werden.“ Leitartikel S. 27
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2009)

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