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Gehörlos im Parlament: „Tu so, als könntest du hören“

04.07.2009 | 17:58 |  von Christoph Schwarz (Die Presse)

Im Alter von zwei Jahren verlor die Wienerin Helene Jarmer bei einem Autounfall ihr Gehör. Knapp 35 Jahre später ist die Grüne die erste gehörlose Abgeordnete im österreichischen Nationalrat.

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Vielleicht war es genau dieser Satz, der Helene Jarmer schon damals den Weg in Richtung Politik geebnet hat: „Tu einfach so, als könntest du hören“, haben ihr ihre Eltern gesagt. Nicht aus Scham, sondern um für die Tochter einen Platz in einer Wiener Schule für Schwerhörige zu erkämpfen. Und um ihr auf diese Weise die Gehörlosenschule – eine Ausbildung „unter jedem Niveau“ – zu ersparen. „Wenn sie hinter dir stehen, dann testen sie dich, ob du sie hörst“, haben ihr die Eltern, beide selbst gehörlos, am Weg in die Direktion eingebläut. Das Mädchen spielte mit, die Finte gelang.

Heute, knapp 30 Jahre später, muss Helene Jarmer nicht mehr so tun, als könne sie hören. Und sie will es auch nicht. Die 37-Jährige folgt am Freitag der grünen EU-Kandidatin Ulrike Lunacek in den Nationalrat nach – und ist damit die erste gehörlose österreichische Abgeordnete. Jarmer ist eine auffällige Persönlichkeit, groß und gut gekleidet. Auf dem Weg durch die Gänge des Parlaments tippt sie in ihren Communicator, einen ständigen Begleiter in einer Welt, in der das meiste über Telefon läuft. Einige Schritte hinter ihr folgt Isabella Rausch. Bei offiziellen Parlamentsterminen, Sitzungen und Interviews ist die Gebärdendolmetscherin oder eine Kollegin immer mit dabei.

Eine Geschichte wie in Hollywood

Um wen es bei dem Termin geht, stellt Jarmer dennoch gleich klar. Auf dem Foto will sie alleine abgebildet sein, während des Gesprächs sitzt die Dolmetscherin am Rande des Blickfelds des Interviewers. Eine ungewöhnliche Situation, kommt die Stimme doch quasi aus der „falschen“ Richtung. Nur ob das Gespräch aufgezeichnet wird, das ist Jarmer egal. „Ist ja nicht meine Stimme. Fragen Sie die Dolmetscherin.“

Jarmers Lebensgeschichte ist ungewöhnlich. „Manche nennen es Schicksal“, sagt sie und lacht. Denn eigentlich war die Wienerin, Tochter gehörloser Eltern, gar nicht von Geburt an ohne Gehör. Verloren hat sie dieses bei einem Autounfall, im Alter von zwei Jahren. „So was passiert sonst nur in Hollywoodfilmen“, habe ein Freund einmal zu ihr gesagt. Jarmer selbst sieht ihre Einschränkung mittlerweile als Chance. „Wer weiß, wo ich sonst heute wäre. Vielleicht hätte ich eine ganz andere Karriere eingeschlagen.“

Nach der Aufnahme in die Schwerhörigenschule machte Jarmer damals ihren Weg. Die Oberstufe besuchte sie in einer Regelschule, die Lehrer waren auf ihre Bedürfnisse nicht eingestellt. Der Unterricht, der habe ihr „gar nichts gebracht. Ich habe genau null verstanden.“ Gefördert haben sie vor allem ihre Eltern. Die Mutter lernte zu Hause mit der Tochter, ließ sie Aufsätze und Zusammenfassungen schreiben. Dass das private Umfeld ebenfalls gehörlos war, sei damals regelrecht ein Vorteil gewesen. „Meine Familie wusste genau, was richtig ist für mich.“

In der Gesellschaft hingegen hatten es „Taubstumme“ – ein Ausdruck, der heute verpönt ist („Es gibt Wörter, die sind einfach gestrichen. Sie sagen ja auch nicht Neger.“) – schwer. Wer auf der Straße die Gebärdensprache verwendete, wurde verspottet. „Ich habe meine Mutter oft angefleht, nicht mit mir in der Öffentlichkeit zu reden.“ Bis heute habe sich die Einstellung der Menschen langsam verbessert. Mangeln würde es in erster Linie an den Institutionen, so Jarmer: „Das Schulsystem ist im Bereich Gehörlose desolat.“

Gehörlose können nicht lesen

Jarmer spricht dabei aus Erfahrung. Bevor sie in die Politik eingestiegen ist, machte sie die Ausbildung zur Gehörlosenlehrerin, seit 2001 ist Jarmer auch Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbunds – ein Amt, das sie auch in Zukunft behalten will. Bei ihrer Arbeit mit Kindern sei ihr aufgefallen, „dass viele gar nicht lesen oder schreiben können, weil sie auch von den Eltern nicht ordentlich gefördert werden“.

Zu wenig Förderung – für Jarmer ein generelles Problem in Österreich: Im internationalen Vergleich liege das Land bei den Angeboten für Gehörlose weit zurück. Vor allem die skandinavischen Länder, Kanada und die USA seien viel weiter. Ein Vergleich: Von den 10.000 gehörlosen Menschen in Österreich haben rund 30 einen Uni–Abschluss. In Schweden gebe es bei ebenfalls 10.000 etwa 1000 Absolventen.

Es sind Themen wie diese, denen sich Jarmer als grüne Behindertensprecherin widmen will: Bessere Bildung durch gemeinsamen, gebärdenunterstützten Unterricht, wirksame Gleichstellungsgesetze und eine spezielle Telefonvermittlung für Hörgeschädigte. Damit dann endlich auch Gehörlose vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sein könnten. So wie sie im Nationalrat: „Ich erwarte mir, dass ich dort meinen vollen Beitrag leisten kann.“ Ganz ohne Finten, dieses Mal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2009)

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48 Kommentare
 
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Gast: kerstin
19.07.2009 09:03
0 0

oh gott ...

oh gott, wie können die, die "alle fünf sinne beisammen" haben (*ironisch*) behaupten, der defizit des einen sinnes mache ihn automatisch UNFÄHIG, ein mensch zu sein?!?!?!

meine lieben, die ihr das behauptet - ihr habt NULL hintergrundwissen und JEDE MENGE vorurteile auf eurem buckel.

ich bin nur froh, dass frau mag. a jarmer im parlament ist, denn ich bin mir sicher, dass es ihr anliegen ist, behindernde und behinderte vorurteile abzubauen.

danke, frau mag.a jarmer, dass Sie es bis dahin geschafft haben, auch wenn es jede menge schweiß und blut für Sie bedeutet hat, dank dieser armseligen menschen, die glauben, alle sinne beisammen zu haben und doch keine einzigen von ihnen besitzen. ich wünsche Ihnen jede menge kraft und energie, Ihre sache durchzusetzen!


raeter
06.07.2009 16:38
0 0

Ich sehe das kritisch!

Nachdem Frau Jarmer sicher in den Nationalrat kommen wird, wünsche ich Ihr, so wie anderen auch, viel Erfolg. Ich hoffe, daß sie nicht wegen, sondern trotz Ihrer Behinderung durch gute politische Arbeit auf sich aufmerksam machen wird. In unserer Mediengesellschaft wird das - neben der Sprachproblematik - die zweite große Herausforderung sein.

raeter
06.07.2009 13:12
0 0

Wäre Frau Jarmer auch als nicht Gehörlose Abgeordnete geworden?


Antworten NewAtair
06.07.2009 14:34
0 0

Re: Wäre Frau Jarmer auch als nicht Gehörlose Abgeordnete geworden?

Ganz Provokant:

Wäre Herr Haider ohne seine Aussgagen LH geworden?
Wäre Herr Stache ohne seine Ausagen Abgeordneter geworden?
Wäre Herr Faymann ohne sein Grinsen Kanzer gworden?
Wäre Herr Häupl ohne seine Heurigenbesuche Bürgermeister geworden?
Wäre ...?
Wäre ...?
Wäre ...?

Wie Sie unschwer erkennen können, ist Ihre Frage eigentlich für den Hugo.

Antworten Antworten raeter
06.07.2009 15:56
0 0

Re: Re: Wäre Frau Jarmer auch als nicht Gehörlose Abgeordnete geworden?

Wer mißverstehen will, mißversteht.

Es wäre tatsächlich nicht uninteressant, ob die von Ihnen angeführten Eigenschaften karrierebeinflussend waren(sind).


Antworten Antworten Antworten Gast: Gaston
11.07.2009 08:16
0 0

Schade, dass Sie nicht 4 Jahre alt sind!

Dann hätten Sie dieses Posting nicht geschrieben und es wäre uns erspart geblieben.

Antworten Antworten Antworten NewAtair
06.07.2009 16:11
0 0

Re: Re: Re: Wäre Frau Jarmer auch als nicht Gehörlose Abgeordnete geworden?

Wieder liegen Sie leider voll daneben, denn was ich Ihnen aufzeigen wollte ist, dass die Frage "Was wäre wenn ..." im Grunde genommen eine der unbrauchbarsten und und blödesten Fragen (davon gibt es nur wenige) der Menscheit ist.

Was wäre wenn sie ... wären und das Internetz daher nicht benützen können. Ich bitte Sie statt den "..." irgendetwas einzugeben, z.B. "so verbohrt".

Antworten Antworten Antworten Antworten raeter
06.07.2009 16:22
0 0

Ich sehe das kritisch!

Nein, in diesem Fall ist ein unmittelbarer von keiner Seite geleugneter Zusammenhang Tätigkeit/Behinderung.
Und das ist mir zu wenig. Damit tut man Behinderten nichts Gutes.

Ob ein Abgeordneter als Mitglied einer Gruppe oder ob eines bestimmten Schicksals in den Nationalrat kommt, ist eindeutig politisch.

Könnten Sie etwas sachlicher argumentieren!

raeter
06.07.2009 10:48
0 0

Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Zitat aus dem Fremdwörterlexikon:
Das Parlament (von altfranz.: parlement „Unterredung“; franz.: parler „reden“).

Wenn jemand diese notwendige Fähigkeit nicht hat, fehlt eine Voraussetzung für diese Tätigkeit. Die kann man nun irgendwie überwinden. Idealzustand ist das keiner und Behinderteidealisierung bringt auch nicht weiter.Um den blinden Busfahrer nicht noch einmal zu bemühen, biete ich den Vergleich mit einem tauben Außendienstmitarbeiter an. Wer würde den mit Übersetzer anstellen!
Wo endet Behindertenförderung? Warum nicht auch geistig Behinderte fürs Parlament? Hätten die die Voraussetzung mit entsprechenden "Übersetzer"?
Solche Fragen sollten ohne Emotion diskutiert werden können.

Offen bleibt die Frage, wie hoch der Anteil des Übersetzers ist, bzw. ob dieser nicht in die Rolle des Volksvertreters schlüpft? Was ist, wenn der Übersetzer krank ist, wer springt für ihn ein. Kann Frau Jarmer in diesem Fall arbeiten? Wie können komplexe Sachverhalte "übersetzt" werden? Das würde mich interessieren.


Antworten Gast: Gaston
11.07.2009 08:30
0 0

Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Glauben Sie wirklich dass das "Kritik" ist, was Sie hier peinlicherweise von sich geben?

Antworten NewAtair
06.07.2009 12:26
0 0

Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Ach,

und wie ist das mit den Dolmetscher im Europäischem Parlamnet? Jeder redet dort in seiner Muttersprache und die Reden werden in allen EU-Amtsprachen übersetzt? Warum sell das auch nicht mit der ÖGS (= Österreichische Gebärdensprache gehen)? Das einzige Kriterium sind die Übersetzungsqualitäten der Dolmetscher, mehr nicht!

Ohne die Arbeit der Frau Jarmer im Detail zu kennen, beginnen Sie schon im Vorhinein sie abzuqualifizieren! Und das i erweckt in meinen Augen der Eindruck, dass sie generell Vorurteilbehaftet sind. Schade!
Das wundert mich aber im Land der Kronenzeitungsleser und Kleinkariertheit nicht wirklich.

In einigen Parlamente sind gehörlose udn schwerhörige Menschen verteten (Island, Flandern, Hessen, EU-Parlament, Griechenland usw.). Warum soll dies auch nicht in Österreich der Fall sein?

Antworten Antworten raeter
06.07.2009 13:06
0 0

Re: Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

vorurteilbehaftet? im Land der Kronenzeitungsleser......im Land der Kleinkariertheit. Dieses Land verhindert Frau Jarmer nicht. In einer Demokratie ist es allerdings üblich, über die Arbeitsfähigkeit von Abgeordneten diskutieren zu dürfen.

Juristische Texte sind auch bei Übersetzungen äußerst problematisch.
Sprache halte ich für wesentlich aussagefähriger als Gebärdensprache.
Juristerei ist Sprache und nicht Gebärdensprache.

Daß das in anderen Ländern der Fall ist, heißt noch lange nicht, daß es sinnvoll ist.

So wie sich die Diskussion entwickelt, wird daraus eine Ideologiefrage.

Antworten Antworten Antworten NewAtair
06.07.2009 14:25
0 0

Re: Re: Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

1) Wie kommen Sie darauf, dass die Gebärdensprache nicht aussagekräftig ist? Können Sie überhaupt die ÖGS?

2) Glauben Sie wirklich, dass die Gesetzestexte im Parlament genau vorgelesen werden? Nein, jeder Abgeordnete liest (sollte!) die schriftliche Vorlage lesen und dann seinen Senf dazugeben.

3) Wissen Sie überhaupt, wie das Europäische Parlament arbeitet? Mit den ganzen Übersetzungen. Lustergerweise arbeitet die Parlamentaier in Straßburg und in Brüssel genauer als in Wien.

4) Bezüglich der Arbeitsfähigkeit von Abgeordneten: ich kenne da genug nicht behinderte Abgeordete, deren Arbeitsfähigkeiten massivst anzweifeln und auch in Frage stellen würde.

5) Sie urteilen schon über die Frau Jarmer, obwohl sie noch nicht mit ihrer Arbeit angefangen hat?

6) Mit Ihren Aussagen zur Gebärdensprache und Arbeitsfähigkeit und Vorwurf der Ideologie haben Sie endgültig als vorurteilbehafteter Mensch bestätigt.

Antworten Antworten Antworten Antworten raeter
06.07.2009 16:33
0 0

Re: Re: Re: Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Ich urteile nicht über Frau Jarmer, sondern stelle fest, daß auch von Ihrer Partei als Eignungsmerkmal die Behinderung in den Vordergrund gestellt wurde. Ich lasse mich allerdings von guter Arbeit durch Frau Jarmer gerne überzeugen. Derzeit bin ich kritisch, weil ich für diese Tätigkeit die Sprache als notwendig erachte und den Dolmetscher nicht als Nebenabgeordneten im Parlament sitzen haben möchte.

Dass es im Parlament genügend ungenügende Abgeordnete gibt, sollte nicht als Argument für den Einsatz von Frau Jarmer verwendet werden. Damit diskreditieren Sie Frau Jarmer.

Ihre Reaktion bestätigt die Ideologiefrage.


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten NewAtair
07.07.2009 12:48
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Wenn Sie das mit den Dolmetscher als ein Problem ansehen, dann frage ich Sie, ob Sie es wissen, wie das ganze im EU-Parlament abläuft. Dort redet jeder Abgeordneter in seiner Mutterschprache, sarunter für uns Österreicher auch eher exotische Sprachen wie Maltesisch oder Gälisch.

Nicht umsonst gilt der Satz; Man ist eigentlich nicht behindert, sondern man WIRD behindert. Ich bitte Sie darum, Ihre Kommentare mit diesem Satz zu vergleichen udn gegegzustellen. dann werden sie darauf kommen, das der Satz leider auf Ihre Kommentare zutrifft. Leider!

Antworten Gast: Not quite like Beethoven
06.07.2009 11:28
0 0

Re: Interessant, welche emotionalen Kommentare ein bischen Kritik. bei den bekannt Toleranten auslöst!

Oh, wir können das gerne diskutieren. Ich finde "geistig Behinderte im Parlament", "Übersetzer in der Politik" und "Grenzen der Behindertenförderung" spannende und wichtige Themen.

Nur ist Frau Jarmer im Parlament kein Fall von Behindertenförderung. Das Übersetzerproblem ist eine Frage der Qualität und Professionalität der Übersetzer. Und die Frage nach geistiger Einschränkungen bei Politikern, da müssen wir über alle reden. Herauskommen würde vermutlich nicht viel schmeichelhaftes für eine ganze Reihe von "normalen" Personen - und dass leider Schlauheit in der Politik weder gefordert wird (im Unterschied zu Schläue) und auch weniger den Ausschlag bei Entscheidungen gibt als vieles andere.

Antworten Antworten raeter
06.07.2009 12:52
0 0

Ich sehe das kritisch!

Drehen wir es um: welche fachlichen Fähigkeiten/Spezialfähigkeiten hat Frau Jarmer. Wäre sie eine außergewöhnlich talentierte Juristin, mit besonderen Fähigkeiten, wäre das ein Ansatz. So ist alles mit der Behinderung verbunden. Es ist zu wenig, eine Abgeordnete als Berufsbehinderte ins Parlament zu schicken. Abgeordnete sind für alle Bürger da und sollten daher ein breiteres Feld abdecken. Dazu passt, daß im Zusammenhang mit Frau Jarmer auch von Befürwortern nur über die Behinderung geschrieben wird.

Ich denke, Frau Jarmer sollte - wenn es sachliche gerechtfertigt wäre - trotz und nicht wegen ihrer Behinderung Abgeordnete sein. Dass würde allerdings voraussetzen, daß sie ihr Handikcap kompensieren müsste, in dem sie auf anderen Gebieten bessere Leistungen bringt. Alles andere ist Aktionismus und dazu ist diese Thematik zu heikel.

Um nicht mißverstanden zu werden, ich halte diese Behinderung mit der Abgeordnetentätigkeit für unvereinbar. Mir interessieren mehr Motive, die hinter dieser Entscheidung stehen.

Wie kann ein "Übersetzer" komplexe juristische Sachverhalte mit Zeichensprache klären? Was ist die Rolle des Übersetzers, der kein Abgeordneter ist? Nicht auf Pressefotos auf zu scheinen, dürfte zuwenig sein.

Antworten Antworten Antworten Gast: Not quite like Beethoven
06.07.2009 18:01
0 0

Re: Ich sehe das kritisch!

Ich freue mich, Herr Raeter, dass Sie der Arbeit von Frau Jarmer überzeugungsbereit entgegensehen. Allerdings hat sie als Behinderte natürlich genauso wie alle anderen Abgeordneten auch das Recht, Sie (und mich) durch schlechte Arbeit zu enttäuschen. Das hat mit ihrer Gehörlosigkeit dann wenig zu tun.

Es gibt schon sehr gute Gründe dafür, warum das Parlament nicht durch die Besten (was immer das heißen mag) oder die Experten ("tolle Juristin") bestückt wird sondern durch Repräsentation. Durch die, die es geschafft haben sich wählen zu lassen - unter anderem innerhalb der Parteien auf die Parteilisten. Darüber hinaus aber hat (fast) jeder Abgeordnete ein Spezialgebiet, auf dem er in Ausschüssen arbeitet. Da bietet sich bei Frau Jarmer aufgrund ihrer Biographie ja eines an.

Dass sie "auf anderen Gebieten bessere Leistungen bieten müsste" ist, mit Verlaub, Blödsinn. Denn nähme man das ernst, was sollte es heißen? Dass sie je weniger sie hört, umso mehr riechen sollte? Oder sprechen?

Das Problem des Übersetzens und die Rolle des Übersetzers in der Politik finde ich spannend, wir werden sehen.

Übrigens: Ich finde diese Website sehr unübersichtlich zum Diskutieren. Wer möchte ist eingeladen, sie auf meinem Blog weiterzuführen.


Antworten Antworten Antworten NewAtair
06.07.2009 14:39
0 0

Re: Ich sehe das kritisch!

Ich kann Ihnen nur eines raten: Gehen sie mach nach Brüssel oder Straßbrug in das Europäische Parlament und schauen sie mal bei der Arbeit der Dolmetscher zu! Es ist irrelevant, um welche Sprache es sich handelt!
Weiters sind Dolmetscher NIE auf Pressefotos! Egal ob UNO, EU, NATO, ASEAN, EFTA, OZSE, OPEC, usw.

Gast: ProConsul
05.07.2009 18:18
0 0

meine Hochachtung Frau Jarmer

so ein Schicksal ist bitter. Hoffentlich kann sie ihre Arbeit im Parlament erledigen, was ich aber bezweifle. und was die Unterstützung der Gehörlosen angeht, so ist es wohl eine Geldfrage.

Antworten NewAtair
05.07.2009 18:56
0 0

Re: meine Hochachtung Frau Jarmer

Ich glaube nicht, dass Frau Jarmer das als bitteres Schicksal sieht. Viele gehörlose Menschen sehen das NICHT als Schicksal an, es kommt viel mehr auf die Seite der Betrachung an und deswegen gibt es immer diese Konflikte.

Gast: Not quite like Beethoven
05.07.2009 15:17
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Was mich eher wundert

ist, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, die Dolmetscherin müsse mit aufs Foto.

Da er etwas länger geworden ist, habe ich meinen Kommentar mal in meinem Blog eingestellt: http://notquitelikebeethoven.wordpress.com/2009/07/05/politik-und-autofahren-zur-kritik-an-helene-jarmer/

Antworten Gast: Condor
11.07.2009 14:38
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Mißbrauch einer guten Sache

durch die Grünen: Ich warte darauf, dass die GrünInnen einen blinden Panda, mit enger Verwandschaft zu Free Willy, nominieren. Hauptsache - a guada Gag!

evi.s
05.07.2009 12:49
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Grüner Aktionismus

Die Grünen haben schon was übrig, Randthemen unserer Gesellschaft auszureizen. So sehr ich diese Dame bedaure, aber es gibt eben einmal Berufsausschlußgründe für Personen, welche ihre fünf Sinne nicht beisammen haben. Die Steigerung der Aktion bestünde noch darin, sie von einem blinden Chauffeur heimbringen zu lassen. Frau Haidlmeier im Rollstuhl war da ob des Aufwands noch ein Segen für den Steuerzahler. Wir werden aber sicher noch weitere Aktionen erleben, beispielsweise einen Abgeordneten mit geistiger Behinderung.

Antworten Gast: g_vau
06.07.2009 08:57
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Re: Grüner Aktionismus

überstrapaziert...! wie viele von den 183 Abgeordnete im österr. Parlament oder den tausenden Politikerinnen und Politikern im Land mit Behinderung fallen mir denn so ad hoc ein?

Das ist ja wirklich unerhört, da könnte ja jeder kommen und ins Parlament wollen. Wo kommen wir denn da hin? Das wäre ja fast schon repräsentativ! Pervers.

Und ein Parlament mit Übersetzung ist wirklich auch skurril. Nicht auszudenken, dass Debatten in einem Parlament od Verhandlungen in Ausschüssen übersetzt werden müssen. Im Europäischen Parament und bei politischen Verhandlungen auf internationaler Ebene sprechen ja auch alle nur eine Sprache. Sonst würden auch die "Übersetzter" die "eigentliche Politik" machen.

Antworten Justin
05.07.2009 19:11
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Re: Grüner Aktionismus

Eine Politiker kann doch ruhig taub sein, besser als der Vorschlag blinde Richter zuzulassen... wie sollen die sich wortwörtlich ein Bild des Angeklagten machen?

 
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