26.05.2012 07:19 | Meine Presse Merkliste 0

ÖVP: „Jedes zehnte Spital schließen“

10.07.2009 | 18:19 |  CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Drei Milliarden Sparvolumen sind für VP-Gesundheitssprecher Rasinger zwar völlig unrealistisch. Es gäbe aber erhebliche Spar- oder zumindest Kostendämpfungspotenziale bei den Krankenanstalten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. Die Zahl kursiert seit Jahren. Einmal kommt sie vom Rechnungshof, dann wieder vom Institut für Höhere Studien oder von anderen Gesundheitsökonomen: Drei Milliarden Euro, heißt es, wären im Spitalswesen einzusparen. „Das ist völlig unrealistisch und ausgeschlossen“, meint Erwin Rasinger, Gesundheitssprecher der ÖVP im Gespräch mit der „Presse“. Sein Argument: Die gesamten Ausgaben für die Akutspitäler (ohne Unfallkliniken und Psychiatrie) belaufen sich nur auf zehn Milliarden Euro jährlich. „Das würde bedeuten, dass jedes dritte Spital zusperren müsste. Eigentlich mehr, weil da Schließungskosten nicht eingerechnet sind.“

Noch dazu seien die Kostensteigerungen im Spitalsbereich seit 1995 mit durchschnittlich 3,7 Prozent jährlich weit unter dem international üblichen Wert von sechs bis acht Prozent gelegen. „Die Belastung des Personals stieg dafür enorm, es gibt immer mehr Patienten, und gleichzeitig werden die Dokumentationsanforderungen immer größer.“ Rasinger leugnet allerdings nicht, dass es erhebliche Spar- oder zumindest Kostendämpfungspotenziale bei den Krankenanstalten gibt. Seine Rechnung: „Jedes zehnte Spital gehört geschlossen. Die Kostendämpfung läge dafür aber nur bei maximal 500 Millionen Euro.“

Wie schwierig es im föderalistisch beherrschten Spitalssystem ist, auch nur eine Abteilung zu schließen, zeigte diese Woche die Steiermark. Der Plan des dortigen Spitalslandesrats Helmut Hirt (SPÖ), die Chirurgie in den Grenzregionen Bad Aussee und Mürzzuschlag zu sperren, wurde von allen anderen Parteien torpediert. Dabei ist die Qualität in einem Spital nicht zu halten, wenn die Zahl der Eingriffe eine gewisse Menge nicht erreicht. In Großbritannien können sich die Patienten über Routine und Erfolgsquote der Krankenhäuser sogar auf der staatlichen Gesundheitshomepage informieren und selbst entscheiden, wem sie mehr vertrauen. Bei uns sind solche Daten Mangelware, www.spitalskompass.at gibt aber zumindest Grundinformationen.

 


Länder investieren Unsummen

Die Steiermark ist freilich kein Einzelfall. Rasinger: „In Salzburg werden 300 Millionen Euro in den Spitalsausbau gesteckt, Niederösterreich investiert zwei Milliarden in ein Neubauprogramm, in Oberösterreich wurde das Sparvolumen von 75 auf 15Millionen Euro reduziert, der Bau des neuen Wiener Spitals Nord kostet 850 Millionen Euro, Kärnten baut das LKH Klagenfurt neu, obwohl Villach nur 40 Kilometer entfernt ist.“ Die Liste ließe sich fortsetzen. Rasinger hat zwar nicht prinzipiell etwas gegen Investitionen. Es wäre aber besser, wenn vorher einmal kleine Spitäler geschlossen werden. Man könnte sie auch zu Gesundheitszentren oder Rehabilitationseinrichtungen oder für die Altenversorgung umbauen. Mit der oft gepriesenen Finanzierung aus einer Hand kommt man nach Rasingers Ansicht allerdings nicht weit. Derzeit sind die Kassen, die Länder, einige Gemeinden und der Bund für die Gesundheitsfinanzierung zuständig. „Was wir wirklich brauchen, ist eine Planung aus einer Hand.“

Sinnlos und kontraproduktiv ist für Rasinger das parallele Sparen bei Spitälern und Krankenkassen. Das bringe nur massive Leistungseinbußen. „Wir sind zwar Weltmeister im Spitalliegen, was zweifelsohne teuer ist“, so Rasinger. Es mache aber keinen Sinn, auf das Niveau des OECD-Schnitts zurückzufallen. „Das kann nicht das Ziel sein. Warum sonst flüchten jährlich hunderte kranke Urlauber mit der Flugambulanz aus den EU-Ländern nach Hause?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

28 Kommentare
 
1 2
untertan
17.07.2009 10:02
0 2

Zur Bettenstatistik.

Da sind auch die Betten für die massenhaft eingenisteten Zuzügler und ihrer Clans eingeschlossen. In den Wiener Spitälern ist das besonders auffällig. Manche Abteilunge, zum Beispiel die Gynäkologie ist überschwemmt mit den Neoösi-Neuzugängen. Auch in der Chirurgie nimmt die Zahl der Zuzüglerversorgungen ständig zu, ich möchte fast sagen, überhand. Daß Schwerpunktspitäler viele unnötige Gelegenheitsabteilungen in kleinen Spitäler unnötig machen, ist unbestritten. Auch zum Wohle der Patienten. Nur was gegenwärtig praktiziert wird, möglichst kurze Aufenthaltszeiten für die Statistik grenzt bereits an Fährlässigkeit und geht ausschließlich zu Lasten der Patienten. Eine Änderung der Spitalspraxis ja. Aber keine für den Patienten nachteilige. Wie üblich.

Steirer
14.07.2009 22:43
0 0

Bezirksspitäler

Wir leisten uns 134 Bezirksspitäler von denen nicht ein einziges eine Auslastung nach internationalen Maßstäben hat.

Antworten untertan
17.07.2009 10:03
0 0

Re: Bezirksspitäler

Vor allem die Kompetenzen fehlen.

Gast: picadilly
12.07.2009 12:42
0 0

liebe övp,

auch wenn ihr jetzt alle quasi in sommerpause geht... immer schön eine baustelle nach der anderen. zuerst mal das gesundheitspaket absegnen, dann klappts auch mit den spitälern.

Antworten untertan
17.07.2009 10:04
0 0

Re: liebe övp,

Wieder ein Plapperemail.

gberghofer
11.07.2009 17:43
0 0

Spitalreform scheitert am Widerstand der Bundesländer

Der Rotweiler vom Landesvize der Steiermark Hermann Schützenhöfer, Christopher Drexler sagt dezitiert: "Die Chirurgiereform ist vom Tisch, über alles andere können wir reden". In NÖ ist das nicht anders oder kann sich da jemand eine Reform mit Erwin Pröll vorstellen?

Antworten untertan
17.07.2009 10:06
0 0

Re: Spitalreform scheitert am Widerstand der Bundesländer

Am Beispiel Bad Aussee ist ihre Kritik fehl am Platz. Und nicht nur Bad Aussee ist repräsentativ. Und die Politiker? Ohnedies die Hanswürsteln der Lobbys. Sie sind nur die Sprachrohre der Hinterweiber- und - männer.

Antworten Antworten Steirer
17.07.2009 12:15
0 0

Re: Re: Spitalreform scheitert am Widerstand der Bundesländer

Mir wäre es lieber gewesen, wenn sie mir erklärt hätten warum sie "fehl am Platz" ist. Eine sachliche Argumentation wäre angebracht, aber die können sie ja nicht liefern.

Gast: walbur
11.07.2009 15:35
0 0

und wieder

schreibt die liberale Presse einen Artikel im Auftrag wer Wirtschaftskammer und des Herrn Pachinger, der ein Busenfreund von Michael Fleischhacker ist. Dabei müsste es jedem Wirtschaftsredakteur k
lar sein. Systematisches Qualitätsmanagement in den Krankenhäusern bindet extreme Ressourcen und schafft ungeheure Kosten. Nicht das ich das schlecht finde, aber das sollte man nicht mit EInsparungspotenzial verwechseln.

Gast: Öko
11.07.2009 14:16
0 0

Klinische Erfarhunf

ich arbeit seit 22 Jahren im Krankenhaus als Arzt.
Die EDV bringt vorteile bei vielen Anglegenheiiten, leider nicht immer, denn wenn die EDV spinnt, was immer wieder vorkommt, dann bleibt nur der Schmierzettel und das Nachtragen ist sehr viel Arbeit.
EDV ja, aber nur wenn die Arbeitsplätze wirkliche Bildschirmarbeitsplätze sind und gut gewartet werden.
leider ist das nur beschränkt der Fall

Antworten untertan
17.07.2009 10:09
0 0

Re: Klinische Erfarhunf

Beschwerdeadresse: Der jeweilige Gesundheitsminister. Übrigens, so schlechte EDV-Kenntnisse, wie sie bei den Medizinern vorhanden sind, gibt es wohl bei keiner anderen Berufsgruppe. Nicht einmal die depperten CDs der Röntgeninstitute können die meisten Ihrer Berufskollegen "lesen". Sollte man darauf Schlüsse für die ärztliche Kompetenz ziehen. Na lieber nicht.

3 0

eine möglichkeit wäre

dass sich die spitäler untereinander vernetzen, damit man untersuchungen, die das krankenhaus x gemacht hat, bei einlieferung nach kurzer zeit ins krankenhaus y abfragen kann und nicht erneut machen muss, wie teure cts oder mrts.

aber da sitzen die vorstände schon fest drauf und verhindern dies.

mfg
mc

Antworten untertan
17.07.2009 10:50
0 0

Re: eine möglichkeit wäre

Sie sind ein Ahnungsloser. Sie wollen eine Vernetzung? Bei der patscherten ecard ist nicht einmal eine Speicherung der Patientendaten möglich. Die Datenschutzgründe sind nur vorgeschoben. Das Unvermögen, die gigantische Aufgabe zu lösen ist der wahre Grund. Die Siemens entläßt Softwaremitarbeiter. Her mit ihnen. Die tüchtigsten sollen sich mit diesem Problem, es ist im allgemeinen Interesse und hat eine der höchsten Prioritäten auseinandersetzt. Es werden viele "Mannjahre" Programmierung erforderlich werden. Denn es handelt sich nicht um ein Schnickschnack-Programm, wie Sie meinen dürften.

Antworten martinol
11.07.2009 13:01
1 0

Re: eine möglichkeit wäre

teilweise wird das schon gemacht, aber sicher bei weitem zu wenig

welche hindernisse da genau im weg liegen, weiß ich nicht

Antworten Antworten untertan
17.07.2009 10:54
0 1

Re: Re: eine möglichkeit wäre

Wenn sie ein Pronobildchen auf angucken, dann wissen Sie ja, wieviel Zeit und Kosten dabei auflaufen. Und nunmehr denken Sie nach. Wieviele Byts für eine Röntgendatei übertragen werden müssen. Wenn es überhaupt jemals aus Leitungsgründen möglich sein wird, dann nur in einigen Jahrzehnten. Und bei der Geschwindigkeit mit der bei uns gearbeitet wird, wird¿s wohl noch 20 Jahrln dauern.

Antworten Antworten Antworten martinol
18.07.2009 10:29
0 0

Re: Re: Re: eine möglichkeit wäre

natürlich sind vor allem CT / MR untersuchungen platzraubend, aber die technik existiert und die leitungen reichen schon bei 30 euro heim-internetkunden aus, um größere datenmengen zu übertragen (videostreams...)

zumindest im KAV wird nicht mehr mit 56k modems gearbeit...

Fintofanto
11.07.2009 09:51
1 0

Ein Retter für die Versorgungs-Posterln?

Im Verwaltungsbereich wäre der Löwenanteil bei Einsparungen zu suchen. Und natürlich gerade im Versicherungsbereich.

Wie viele Versicherungsträger hat unser Zwergstaat? Neunzehn oder so? Wie viele Freunderln und Familienangehörige von Privilegierten "arbeiten" dort? Welche Kosten entstehen durch diese mafiosen Familien- und Freunderlgeflechte?

Warum habe ich nur das Gefühl, dass es nicht bis in alle Ewigkeit so sein kann, dass zu Lasten der Patienten die "Großkopferten" aller Parteien und Interessenvereinigungen ihr privates Umfeld sanieren? Warum nur glaube ich, dass sich in Zeiten einer sich immer weiter verstärkenden Druck auf jeden Einzelnen die Bevölkerung nicht alles gefallen lassen wird?

Gast: rew
10.07.2009 22:26
3 1

Kein Wunder, wenn man sich ansieht, was für

Figuren beim Krankenanstaltenverbund arbeiten. Unfassbar, solche Zombies kommen nur beim Staat unter - und dann wird das Geld natürlich mit vollen Händen rausgeworfen

Lubricator
10.07.2009 20:14
1 0

Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

Moderne Datentechnik mit Ferndiagnose und WebOP - alles ist möglich.

Spezialisten erteilen Hilfe oder operiern via Inet - was bei US-Militär geht, warum nicht auch in Austria.

In wenigen Jahren stimmen wir über unsere neuen Gesetze selber ab und fahren Lenkerlos mit am Straßenrand stehenen Mietwagen - wenn wir denn nicht lieber die Zustelldienste nutzen.

Der Besuch bei der Erbtante ist halt unerlässlich, wenn die sich weigert eine Videounterhaltung zu führen.


Antworten untertan
17.07.2009 10:57
0 0

Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

Vielleicht im Harry-Potter Land. Dort ist alles möglich. Oder im Raumschiff Enterprise. Oder in der Traumwelt. Die Realität schaut nur ein wenig anders aus. Sie ist kein Kindertraumland. Wie das von Jacko und seiner infantilen Fans.

Antworten Gast: nipes
10.07.2009 23:31
0 0

Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

beam mich rauf scotty

Antworten Antworten untertan
17.07.2009 11:00
0 1

Re: Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

40 Jahre hat die Elite der Raumfahrt den Mondbesuch geschafft. Sonst nix. Weltraumfahrt ist eine Bezeichnung, die nur dem menschlichen Größenwahn entspring. Davon abzuleiten, daß alles machbar ist, das ist infantil realitätsfremd. Da müssen die grauen Zellen sich schon erheblich vermehren.

Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

WebOp ist bestenfalls noch das Sahnehäubchen, aber tatsächlich werden dadurch keine Kosten gespart, es könnte nur ein qualifizierterer Arzt Unterstützung leisten.

Allerdings ließe sich durch eine konsequente Einführung von elektronischer Datenverarbeitung tatsächlich viel sparen, allerdings mehr im Sinne elektronischer Patientenakte, elektronische Befunde (und damit Vermeidung von Mehrfachbefunden),...
Kämen auch noch RFID-Chips dazu (z.B. bei Blut-, Stuhl- und Harnproben, Skalpellen,...) ließe sich noch mehr sparen und gleichzeitig eine umfassendere Dokumentation erstellen (kriegt z.b. ein Patient ein Schmerzmedikament, wird einfach die Medikamenten-Packung am Lesegerät des Patientenbettes vorbeigezogen, schon wäre Zeitpunkt, Art und ev. auch Menge und Schwester/Arzt dokumentiert.

Allerdings: Der vorherige theoretische Aufwand für die Entwicklung eines Modells wäre sehr hoch, die Zeit bis zur Reife lang...

Antworten Antworten untertan
17.07.2009 11:04
0 0

Re: Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

Die Allgemeinbefundung des Patienten. Ja. Die Ergebnisse jeder Untersuchung sind nur kurze Zeit aussagekräftig. Dann sind sie nicht mehr brauchbar. Soweit zur "Ersparnis" von Untersuchungen. Daß manche Röntgenbilder längere Zeit verwertbar sind bestreite ich nicht. Als Grundlage für Eingriffe sind nur die letzten Untersuchungen brauchbar. Wer anders handelt wäre als Arzt nicht empfehlenswert. Aber das geschieht ohnedies nicht.

Re: Re: Re: Mit moderner Datentechnik sparen und die Leistung verbessern, das geht wirklich!

Manchmal interessiert einen aber mehr als der Momentanzustand (z.B. wenn will ich gewisse Blutwerte von mir über die letzten 15 Jahre wissen) => Elektronisch könnte ich einen Verlauf darstellen lassen, so quäle ich mich durch 4 Bene-Ordner und schreibe mir die Werte heraus.
Abgesehen davon, wurden bei mir Blutwerte, die sich eigentlich über Monate nur sehr langsam ändern tw. im Tagesabstand neu genommen, weil jeder Abteilung es wieder selbst gemacht haben will (seit damals lasse ich mir jedes Ergebnis geben und nehme es mit)

Antworten Antworten DerÄtzer
14.07.2009 11:35
0 0

Re: Re:Ob ersparte Spitäler und deren Personal unbeträchtlich ist, bezweifle ich!

Mit einem kleinen Op in der Gegend kann eine Versorgung aufgebaut werden, die einem erstklassigem Spital gleichkommt.

Sagen wir, zumindest wenn man WebOp anstrebt, übt und umsetzt.

Ganz abgesehen von der RobTechnik, die jedes Zittern ausfiltert!

Für gebrochen Haxn wird das kleine Spital ausreichend Kompetenz haben.

Seien Sie versichert, es ist erst der Anfang vom Möglichen in der Informationsgesellschaft.....

Nanotechnik wird auch einen beträchtlichen Beitrag leisten.

Dennoch, Ihre Überlegung beim Einsparen durch Elektronik ist über die Maßen und wird von Bürokratix zwecks Eigennutz behindert.


 
1 2

Mein Parlament