Wer ist diese Frau, die sich an den Laptop setzt, Facebook und Twitter startet und damit die Wiener Grünen ins Chaos stürzt? Eine Frau, die keiner Partei angehört, sich aber als „politisch interessiert“ bezeichnet und unbekümmert meint: „Ich will die veralteten Parteistrukturen bei den Grünen aufbrechen.“ Ein Satz, der die (zuletzt) verschlafene Wiener Partei in Aufregung und Chaos gestürzt hat. Die Furcht des Partei-Establishments vor einer „feindlichen Übernahme“ durch die Internetrebellen manifestierte sich in einer Änderung der Parteistatuten, mit denen die Macht der „Grünen Vorwähler“, wie sich diese Facebook- und Twitter-Gemeinschaft nennt, eingeschränkt wurde.
Wer ist diese Frau, welche die einflussreichste Landespartei der Grünen in Turbulenzen bringt – während Klubchefin Maria Vassilakou die Führung der österreichischen Grünen (als Karenzvertretung) von Eva Glawischnig übernimmt? Die Antwort: Petra Köstinger, 22 Jahre alt, Publizistik-Studentin an der Uni Wien, derzeit macht sie einen Sommerjob beim Uni-Verlag Facultas. „Die Politik kann das Internet nicht mehr länger ignorieren“, meint die Studentin: „Das Internet war für mich die einzige Möglichkeit, von der Basis aus etwas zu bewegen.“
Begonnen hatte alles vor wenigen Monaten im April. Eine Gruppe um Blogger und Grün-Sympathisanten Helge Fahrenberger begann über Blogs, Facebook und Twitter andere Grün-Sympathisanten zu motivieren, sich zusammenzuschließen, sich bei den Grünen als sogenannte Unterstützer zu bewerben und die Partei damit zu mehr Offenheit und mehr Umgang mit ihren Wählern zu zwingen: „Unsere Gemeinderäte und Parlamente sind voll von Abgeordneten, die an uns Wählerinnen und Wählern vorbeigeschummelt wurden. Wer sind diese Leute eigentlich? Und wofür stehen die überhaupt? Wir wollen mitbestimmen, wer uns vertreten wird, und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus“, schrieb Fahrenberger – und hunderte Grün-Sympathisanten wie Petra Köstinger folgten ihm.
Die Basisbewegung löst massives Unbehagen bei den Grün-Funktionären aus: Die rund 230 zugelassenen Unterstützer der Internet-Initiative (215 Anträge wurden abgelehnt) können laut Statut – wie die rund 1500 Vollmitglieder – bei der Landesversammlung am 15. November die Listenplätze der Kandidaten für die Wien-Wahl 2010 mitbestimmen. Grün-Funktionäre, die intern Lobbying betreiben, öffentlich mit potenziellen Wählern aber nicht kommunizieren, müssen um ihr Ticket für 2010 bangen. Die Folge: eine gespaltene Partei und massive Verärgerung. Von Leuten, die überall mitbestimmen wollten, ausgenommen die Wahl am 15. November aber kein Engagement für die Grünen zeigten, ist die Rede. Oder von „Internet-Fuzzis“, die noch nie einen Flyer für die Grünen ausgeteilt hätten. „Ich habe bereits Flyer ausgeteilt“, meint Köstinger. Und mit einem frechen Lächeln: „Ein paar Flyer zumindest.“ Was die Steirerin überrascht hat: die Verschwörungstheorien. Ein hoher Grün-Funktionär habe gemeint, die Internet-Initiative wolle keine Offenheit. Es sei nur der Versuch der liberalen Kräfte, den linken Flügel zu übernehmen. Köstinger kopfschüttelnd: „Wir wollen nur mehr Offenheit der Grünen für ihre Wähler. Aber man hat uns wie Feinde behandelt.“ Wie die Studentin am 15. November darauf reagiert? „Ich werde mir jede Rede von jedem Kandidaten anhören.“ Und die Entscheidung? „Ich werde wählen, wer mich bis dahin auch überzeugen kann.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Präsident, Drogenboss & Co Die mächtigsten Menschen
Politik skurril ''Kann Solarien nur empfehlen''
ÖVP-Casting Spaßbewerber und Gegenkampagnen











