26.05.2012 07:23 | Meine Presse Merkliste 0

U-Ausschuss: Vorsitzender Bartenstein unter Beschuss

21.07.2009 | 12:58 |   (DiePresse.com)

BZÖ und Grüne werfen Bartenstein vor, sie nicht informiert zu haben, dass Verfahrensanwalt Hoffmann sein Treuhänder sei. Bartenstein, Hoffmann und die FPÖ bestreiten das.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Grünen und das BZÖ wollen den Verfahrensanwalt des Spitzel-Untersuchungsausschusses, Klaus Hoffmann, ersetzen, weil dieser gleichzeitig Treuhänder des Ausschuss-Vorsitzenden Martin Bartenstein (ÖVP) ist. Man sei zum Zeitpunkt der Wahl nicht über diese Tatsache informiert gewesen, erklärten sowohl der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz als auch der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler am Dienstag. Pilz hielte es auch für "vernünftig", dass Bartenstein seine Funktion abgibt.

Dass Pilz laut Bartenstein "gelassen" reagiert hatte, als Bartenstein den U-Ausschuss am vergangenen Freitag über die Sache informiert habe, "stimmt überhaupt nicht". Gelassen habe er lediglich auf Beschimpfungen der FPÖ an Bartenstein wegen einer Kasachstan-Reise im Jahr 2007 reagiert, erklärte Pilz. "Da finde ich nichts dabei", denn immerhin sei Bartenstein damals Wirtschaftsminister gewesen.

Über Bartensteins Firmengeschäfte in Kasachstan und die Tatsache, dass Hoffmann als Treuhänder agiert, habe er hingegen nichts gewusst, so Pilz. Er sei "sehr überrascht" darüber gewesen, als er es am Montag erfahren habe. "Bartenstein hätte uns darüber informieren müssen", gibt sich Pilz alles andere als gelassen. Das Problem steht für Pilz fest: Laut Außenhandelsstatistik würden die Exporte nach Kasachstan seit 2008 auf Druck der kasachischen Regierung enorm einbrechen, weshalb die Gefahr bestehe, dass Bartenstein als Vorsitzender des U-Ausschusses und Geschäftsmann in Kasachstan "im besonderen Maße unter Druck gerät".

"Kein guter Start"

"Das halte ich für keinen guten Start und wir werden uns im Ausschuss damit beschäftigen." Zwar wolle er Bartenstein "persönlich nichts unterstellen", doch "es gibt Unvereinbarkeiten und es zeichnet sich ein Interessenskonflikt ab". "Das Beste ist, sich geschwind einen neuen Verfahrensanwalt zu suchen." Es gebe viele andere Möglichkeiten, und die Sache solle man "sehr schnell lösen", so Pilz. "Vernünftig" wäre es außerdem, wenn Bartenstein "von sich aus" seine Funktion als Vorsitzender zurücklegt.

Auch Stadler behauptet, zum Zeitpunkt von Hoffmanns Wahl nichts über dessen Funktion als Treuhänder für Bartenstein gewusst zu haben. Er finde es "problematisch", dass der Ex-Minister mit Geschäftsverbindungen nach Kasachstan Vorsitzender des U-Ausschusses ist, "in Summe noch problematischer" sei aber, dass dessen Treuhänder auch noch Verfahrensanwalt ist. Er habe nicht gelassen reagiert, sondern die Tatsache "zur Kenntnis genommen". Bartenstein habe ihn erst nach Hoffmanns Wahl informiert, kritisiert Stadler: "Sonst hätte man reagieren können."

Der BZÖ-Mandatar würde es wie Pilz unterstützen, dass Hoffmann seine Funktion als Verfahrensanwalt nicht antritt. Er sei nach wie vor dafür, den ehemaligen Generalprokurator der Republik, Walter Presslauer, als Verfahrensanwalt einzusetzen, erklärte Stadler.

Bartenstein: "Nichts Neues"

Bartenstein hatte zuvor in einem Interview mit der Zeitung "Österreich" erklärt, die Tatsache, dass Hoffmann sein Treuhänder sei, sei "nichts Neues". Abgesehen davon, dass das Parlament seit 15 Jahren darüber informiert sei, habe er in der ersten Sitzung des U-Ausschusses vergangenen Freitag noch einmal darauf hingewiesen.

Hoffmann selbst sagt am Dienstag, er habe sofort auf diese Funktion als Treuhänder hingewiesen, als er vom Parlament als Verfahrensanwalt angefragt worden sei. Im Übrigen sei dem Unvereinbarkeitsausschuss des Parlaments seine Tätigkeit seit 1995 bekannt.

Auf seinen Hinweis, wonach er für Bartenstein als Treuhänder tätig sei, hab man ihm gesagt, dies spiele keine Rolle. Letztendlich sei er dann eben gewählt worden, meinte Hoffmann. Er verstehe die Aufregung nicht, denn er sehe seine Funktion als Verfahrensanwalt ohnehin nicht als "Unterstützung des Vorsitzenden", sondern als Wahrnehmung seiner Aufgaben als Verfahrensanwalt.

 

Die FPÖ hingegen steht zu Hoffmann. Seine Funktion als Treuhänder sei dem Parlament bekanntgewesen, sagte ein Sprecher. Hoffmann sei ein "ausgesprochen renommierter Anwalt" und "in seiner Objektivität nicht zu hinterfragen".

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

14 Kommentare
Saskatoon
21.07.2009 23:03
0 0

bartenstein sieht alles gelassen

weil er jetzt schon weis, das er alles unter den tisch kehren wird/muß
ansonsten könnte durchsickern das alle parlamentariar, vor allem die schwarzen, viel viel dreck am stecken haben.

Gast: Dr.Gernot Stöckl
21.07.2009 21:38
0 0

Ich habe Martin Bartenstein als sehr erfolgreichen Unternehmer gekannt.

Das ist einige Zeit her. Inzwischen war er durch viele Jahre für die ÖVP in der Politik tätig und nun ist sein Verhalten nicht wiederzuerkennen!

Was ist aus seiner klugen Weitsicht geworden? Ist es das Umfeld in der ÖVP oder ist es die Politik ganz allgemein, daß einem Menschen die Sensibilität für die Dinge, die man machen kann und die man besser bleiben läßt, so gründlich abhanden kommen läßt?

Jedenfalls ist sein Verhalten zur Frage seiner Befangenheit in der Sache Untersuchungsausschuß nicht gerade von großer Klugheit getragen! Schon alleine aus Rücksicht auf seine Firmen und deren internationale Geschäftsverbindungen hätte ich anders entschieden!

Aber Leute, die zu lange in der Politik sind, werden offensichtlich auch alle beratungsresistent.


Antworten Saskatoon
21.07.2009 23:05
0 0

Re: Ich habe Martin Bartenstein als sehr erfolgreichen Unternehmer gekannt.

das mit klug und weitsicht in verbindung mit bartenstein war wohl sarkastisch gemeint - ein scherzerl sozusagen...
gelesitet hat er sicher noch nie was.

wenn mich nicht alles täuscht, hat bartenstein in die firma hineingeheiratet.

Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
22.07.2009 17:13
0 0

Re: Re: Ich habe Martin Bartenstein als sehr erfolgreichen Unternehmer gekannt.

Nein, da ist kein Sarkasmus! Und Bartenstein hat in sehr jungen Jahren nach seines Vaters Tod eine kleine Pharmafirma übernommen und sie zu einem der führenden Generikahersteller Österreichs gemacht!

Er hat nicht in die Firma eingeheiratet, sondern in seiner Frau Ilse eine sehr engagierte Partnerin und Mitarbeiterin für die Firmen gefunden!

Aus Mangel an "Hausmacht" in der ÖVP hat er in den von ihm geleiteten Ministerien nicht wirkliche Marksteine setzenkönnen, insbesondere seine Umweltpolitik war zu sehr von seiner Hörigkeit der CO²-Hysterie gegenüber beeinflußt und daher sehr in Frage zu stellen!

Antworten Saskatoon
21.07.2009 23:05
0 0

Re: Ich habe Martin Bartenstein als sehr erfolgreichen Unternehmer gekannt.

das mit klug und weitsicht in verbindung mit bartenstein war wohl sarkastisch gemeint - ein scherzerl sozusagen...
gelesitet hat er sicher noch nie was.

wenn mich nicht alles täuscht, hat bartenstein in die firma hineingeheiratet.

Gast: buer
21.07.2009 20:01
0 0

U-Ausschuss

Die Regierung rund um Schüssel, Grasser, Molterer, Plassnik und Bartenstein wurde abgewählt, aber die Politiker von damals tauchen immer wieder in irgendeiner „Funktion“ auf. Während es um Schüssel etwas ruhiger geworden ist, sind Namen wie Grasser und Molterer in Zusammenhang mit den Casino-Tätigkeiten im Finanzministerium in die Schlagzeilen gekommen. Tolle Neuigkeiten hört und liest man nun auch über den U-Ausschuss-Vorsitzenden Bartenstein! Das ist jener Untersuchungsausschuss, der sich unter anderem auch mit der „Causa Kasachstan“ zu befassen hat. Nun hat aber sein Pharma-Firmenimperium auch Wirtschaftsbeziehungen mit Kasachstan und der Verfahrensanwalt des Spitzel-U-Ausschusses, Klaus Hoffmann, ist gleichzeitig Treuhänder Bartenstein’s. Diese „Ungereimtheiten“ könnten zu Interessenskonflikten führen. Hat man etwa den Bock zum Gärtner gemacht?

0 0

Typisch Bartenstein

Sicherlich war sein Vorgehen juristisch einwandfrei. Wie so oft bei ihm, bleibt aber ein schaler Nachgeschmack.

Gast: Bananen
21.07.2009 16:33
0 0

Republik

Republik aus Bananen im Herzen Europas.
Na ja der Klimawandel macht's möglich

Gast: Zukunft
21.07.2009 16:32
0 0

Ihre Chancen

FPÖ ab nach Kasachstan. Bartenstein soll mitkommen.
Strache will Präsident einer ausgedrocknetenOase in Kasachstan werden. Vilimsky Kaiser eines Scheißhauses in Kasachstan. Und so fort.
Für diese FPler gibt's genug Platz in Kasachstan.
Und Bartenstein soll Generalinspektor der kasachischen Apotheken werden.

0 0

SO ist das also!

Da wurde der Barten-Steinbock also zum Gärtner gemacht. Und damit er sich im U-Ausschuss nicht so einsam fühlt, seinen Treuhänder zur Seite. Das ist Chuzpe, das muss man den Brüdern lassen. WILLKOMMEN IN ABSURDISTAN!

WIE LANGE LASSEN WIR UNS NOCH VERA...SCHEN???

fairplay
21.07.2009 14:27
1 0

Vorsitzender Bartenstein unter Beschuss

Was wird einem denn hier noch alles zugemutet. Haben unsere Parlamentarier gar keinen Schinierer mehr oder ein Gefühl für unschöne Optik. Eigentlich sollten wir das halbe Parlament nach der Kurzarbeit früherer Perioden beim AMS anmelden - weiß nur nicht welche Hälfte

1 0

La Repubblica Banana

Jetzt einmal abgesehen davon , dass da einige Ö-Halawachln "Spion" gespielt haben , und welch lächerliches und erbärmliches Schmierentheater das abgegeben haben muss wenn man sich die sattsam bekannten Typen und Charaktere vorstellt....einmal abgesehen DAVON ein Gremium zur Aufklärung zu schaffen und den Vorsitz einem wie Bartenstein , so ziemlich der schlimmste Antidemokrat und Volksfeind den man sich vorstellen kann zu geben lässte einem das Erbrechen hochkommen . zum Kotzen , das , und was sonst noch .

Antworten Vergil
21.07.2009 17:24
0 0

Re: La Repubblica Banana

Beglücken Sie mit Ihrem Schmonzes besser die Zeitung "Österreich" das passt dort besser hin. Allein der eher lächerliche Ausdruck "Volksfeind" zeugt von Ihrer Herkunft.

1 0

SO macht man österreichische Politik


Man nehme:

Ein paar ungustiöse Oppositions-Auswüchse und ein paar Ausschussmitglieder und verrühre das ganze monatelang mit Verschwörungstheorien.

Schon ist die Wirtschaftskrise und die Rekordverschuldung kein Thema mehr. Und im Schatten dieses wichtigen Treibens muss sich doch auch die Mehrwertsteuer problemlos auf 25% erhöhen lassen.

Da haut sich die Opposition gegenseitig die Schädel ein und daneben glänzen Dick uund Doof wie Staatsmänner.

Dichand, Wrabetz und Fellner machens möglich.

So viel Unterhaltung ohne Eintrittsgeld. Schauen sie sich das an.

Mein Parlament