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Verluste in Wien als Bumerang für Bundes-SPÖ

30.07.2009 | 18:21 |  KARL ETTINGER UND MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Fast 200 Millionen Einbußen für die Bundeshauptstadt bei Beteiligungen. Gipfel auf Bundesebene zu den Spekulationsgeschäften überschattet. Kanzler Faymanns Offensive gegen ÖVP-Finanzminister gestört.

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WIEN. Ausgerechnet vor dem Gipfeltreffen, zu dem Bundeskanzler Werner Faymann heute, Freitag, ins Kanzleramt geladen hat, um staatliche Spekulationsgeschäfte einzudämmen, rücken jetzt auch die Aktivitäten, Veranlagungen und Geschäfte der Bundesländer mit einem Schlag noch mehr in den Mittelpunkt. Der jüngste Anlass: Der Rechnungsabschluss der Stadt Wien für das Jahr 2008 belegt, dass auch die SPÖ-geführte Stadt durch Wertfall bei ihrem Aktienbesitz fast 198,4 Millionen Euro eingebüßt hat.

 

Auch die Länder unter der Lupe

Während sich die SPÖ und Regierungschef Faymann wegen drohender Verluste durch riskante Veranlagungen der Bundesfinanzierungsagentur (ÖFBA) vor allem auf das von der ÖVP geführte Finanzministerium eingeschossen haben, war bereits zuletzt bekannt geworden, dass Spekulationsgeschäfte in Bundesländern, die von SPÖ oder ÖVP dominiert werden, wie Salzburg oder Niederösterreich, aber auch im BZÖ-geführten Kärnten kein Einzelfall waren. Finanzminister VP-Obmann Josef Pröll hat deswegen verlangt, dass auch die Anlageaktivitäten der Länder unter die Lupe genommen werden müssen.

Die Stadt Wien verteidigt sich allerdings, dass die nun bekannt gewordenen Einbußen aufgrund des Wertverfalls nicht mit den Risikogeschäften des Bundes verglichen werden könnten. Die Verluste seien nur eine Kursberichtigung der Beteiligung der Stadt am Wiener Flughafen. Das sei eine strategische Beteiligung seit den 50er-Jahren, die „sicher nicht“ verkauft werde, so ein Brauner-Sprecher: „Spekulationsverluste wie bei der Finanzierungsagentur der Republik (380 Millionen Euro Verlust, Anm.) gibt es in Wien nicht.“ Warum? Man habe nicht in Aktien oder Fonds investiert; außerdem habe der Rechnungshof das Schuldenmanagement der Stadt positiv hervorgehoben. SPÖ-Landesparteisekretär Christian Deutsch und Klubchef Siegi Lindenmayr assistierten: „Die Stadt Wien spekuliert nicht.“

Für Kanzler Faymann sind politisch die Folgen der Verluste in Wien dennoch unangenehm. Der SPÖ-Vorsitzende ist seit der Niederlage bei der EU-Wahl Anfang Juni innerparteilich zusehends unter Druck geraten und kämpft gerade wegen des Kompromisses mit der ÖVP über eine Sparvariante bei der Mindestsicherung parteiintern mit neuem Gegenwind aus den Bundesländern.

Seine intensiven Bestrebungen, das „Zocken“ mit Steuergeld der Österreicher möglichst zu unterbinden, waren deswegen vor allem auch als Entlastungsoffensive für die Kanzlerpartei vorgesehen. Finanzminister Pröll sowie seine Vorgänger Wilhelm Molterer, der als künftiger EU-Kommissar im Gespräch ist, und Karl-Heinz Grasser sollten dabei politisch ramponiert werden.

An die vorderste Front im Kampf gegen riskante Spekulationgsgeschäfte mit Steuergeld hat sich zuletzt auch Wiens Bürgermeister und SPÖ-Chef Michael Häupl gestellt. Dieser hat sogar nach dem Einschreiten der Staatsanwaltschaft gerufen.

 

Neue Risikovorgaben

Fix ist jedenfalls bereits vor dem heutigen „Spekulationsgipfel“ im Kanzleramt, dass die Regeln für Veranlagungen verschärft werden und die Kontrolle ausgebaut werden sollen. Erste Weichenstellungen sind von der Bundesregierung bereits beim Ministerrat am vergangenen Dienstag vorgenommen worden, nachdem auch der Rechnungshof Schwachstellen bei der Veranlagung öffentlicher Mittel aufgezeigt hat.

Demnach sollen „Vorsichtsgrundsätze“ mit „klaren Risikovorgaben“ für die Veranlagungen definiert werden. Außerdem dürfe die Aufnahme liquider Mittel durch die öffentliche Hand ausschließlich zur Abwicklung erforderlicher Zahlungen – mit einem bestimmten Liquiditätspolster – erfolgen. Dieses Liquiditätslimit solle nach dem geplanten Maßnahmenkatalog bei maximal einem Drittel des jährlichen Finanzierungsbedarfs liegen.

Nach dem heutigen Gipfel ist vorgesehen, dass bis zum Herbst detaillierte Maßnahmen ausgearbeitet werden. Dafür wurde auch eine eigene Expertengruppe unter der Leitung des Wiener Wirtschaftsuniprofessors Stefan Pichler eingesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2009)

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68 Kommentare
1 2
derpradler
01.08.2009 10:50
0 0

Da wird Gscherl

und sein Herrl nachdenklich?!

enzo
31.07.2009 22:16
1 0

Keine Aufregung

Egal den Verlust zahlt sowieso der Bürger der brav seine Steuern zahlt.
Das war bis jetzt so und wird sich auch nicht ändern.
Solang der Österreicher seinen Bauch füllen kann wird er außer suddern nichts unternehmen.
Die Politiker bekommen ja bei jeder Wahl den Freibrief von dem Stimmvieh ,wobei ich nicht die Tiere beleidigen möchte.

Pfiffikus
31.07.2009 20:13
5 0

Die SPÖ sind schon lange keine Sozialdemokraten mehr !


Nur weil sich diese arroganten und abgehobenen Politiker Sozialdemokraten nennen, Papa und Mama, Onkel und Tante traditionell immer schon SPÖ gewählt haben, ist noch lange kein Grund, diese selbstherrlichen Volksvertreter ebenfalls zu wählen!!

Die heutige SP hat mit der SP eines Viktor Adlers oder Otto Bauers soviel gemein, wie ein Geldgeiler Schönheits-Chirurg mit Albert Schweitzer.

Am Würstelstandl mit Arbeitern Knackwürste fressen oder Dosenbier saufen, und anschließend sich vom Chauffeur im dicken Dienstwagen in seine noble Behausung chauffieren lassen, ist ein bisschen wenig, Solidarität und Verbundenheit mit dem einfachen Volke zu zeigen.
Das soll aber nicht heißen, dass SP- Politiker wie Sandler herumlaufen, in Zweizimmer- Wohnungen logieren und sich von Kartoffeln und Kuhmilch ernähren müssen…gell Häupl!

Wer fürs Volk (und nicht für die Partei) was leistet, und sich nicht regelmäßig wie ein besoffener Clown benimmt, dem sei auch seine tägliche Ration Kaviar vergönnt …

Aufklärer
31.07.2009 22:04
3 0

Re: Die SPÖ sind schon lange keine Sozialdemokraten mehr !

Selten konnte ich einem Kommentar so 100% zustimmen. Ich ziehe meinen Hut und verbeuge mich.
mfg

3 0

Der Linkspopulismus ist inzwischen schon etwas unterträglich gewordern..


Antworten Gast: Ein Kluger
31.07.2009 19:04
0 3

Re: die Dummheit rechter Pseudo-Neoliberaler ist aber noch viel schlimmer ... !


Walfisch
31.07.2009 13:23
4 0

Es ist wie es ist....

Jede Beteiligung der öffentlichen Hand an Unternehmen ist ein "Spiel" mit unseren Steuergeldern. Ob es nun politisch gesehen wichtig ist, eine Beteiligung am Flughafen zu haben oder nicht. Wer hier A sagt, muss zwangsläufig auch B sagen. Es hätte schon mehrmals die Möglichkeit gegeben, ohne Schaden aus dieser Beteiligung auszusteigen. So hat der Steuerzahler nun den Verlust aus der Wertberichtigung und aus dem Skylink-Deasaster zu tragen. Und..... das sei Herrn Häupl ins Stammbuch geschrieben .... der Bumerang aus den Cross Border Leasing-Geschäften kommt auch noch auf ihn zu. Besser man lässt die Katze jetzt schon aus dem Sack, denn auf die Dauer kann auch der Bundeskanzler die Unzulänglichkeiten in den eigenen Reihen nicht mehr weggrinsen.

2 0

Re: Es ist wie es ist....

Cross- Border-Leasing-Geschäfte, gutes Stichwort!
Von einer Freundin weiß ich, die Leipziger Bevölkerung hat die Absicht der "Stadtväter" die Energiewerke der Stadt zum Crossborderleasen mit einer Abstimmung abgeschmettert.
Das VOLK hatte ein gutes Gespür, wie sich jetzt immer mehr herausstellt!
UNS in Wien hat man weder über diese C-B-Geschäfte informiert, noch je befragt!
WIR HABEN JA AUCH EINE SOOO WEISE STADTREGIERUNG!

Wortmann
31.07.2009 12:36
0 0

ES KOMMT NOCH EINIGES AUF UNS ZU


Es sind einfach viele Verluste noch nicht abschätzbar. Der Staat die Stadt, etliche Gemeinden, verstaatlichte und private Unternehmen, alle haben spekuliert (damals lief das unter investieren) und alle verlieren. Die Schuldzuweisungen sind sinnlos. Sinnvoll ist, ab sofort Mechanismen zu entwickeln die einer Wiederholung vorbeugen.

Antworten Gast: nix
31.07.2009 11:37
1 1

@Mechanismen

mal für den Beginn:
a) Entflechtung der Medienlandschaft
b) Wesentlich mehr direkte Demokratie (wie in der Schweiz).
c) Mehr Subsidiarität, von der EU abwärts.
d) Rückverlagerung vieler Kompetenzen von der EU
e) Hinverlagerung einiger genau definierter Kompetenzen zur EU nachdem diese von einer Kaufmannsrepublik in eine echte, volldemokratisierte umgewandelt wurde.
f) Politisch, legistisch Förderung des Kleinen (Durchschnittsverdiener, Kleinunternehmen, Bürger, Kleinstaaten, Bundesländer, Gemeinden, Föderalismus, Kulturvielfalt(unter richtigen Bedingungen der gegenseitigen Achtung)) der Gemeinschaft Kleiner
statt des Großen (reich, mächtig, Konzern, Großstaat, Zentralismus) und deren Unterdrückungs- und Ausbeutungstendenzen.
g) Förderung von Verhältnismäßigkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Bescheidenheit, eigenverantwortliche Freiheit und Solidarität (auch im Sinne des Beitrags zum Geinwohls): ewige Werte die JEDE erfolgreiche Gesellschaft aufgebaut haben
statt Unverhältnismäßigkeit (Übertreibung, Ablenkung, FUD), Halbwahrheit, Lüge, Propaganda, Gier, Unverantwortlichkeit, Unterdrückung die JEDE Gesellschaft zerstören. Damit kann jeder SOFORT bei sich beginnen.


Antworten Antworten Gast: auchnix
31.07.2009 14:03
0 0


Antworten Antworten Antworten Gast: rübezahl
31.07.2009 16:58
0 1

Re: dazu passend

köstlich!!!leider sind die österreicher
für so ein unternehmen zu bequem.

6 0

Wer Provisionen privat kassiert, die aus Staatsmitteln entstehen, aber Verluste der Allgemeinheit verrchnet ist unredlich!


Antworten Gast: josef
31.07.2009 13:52
1 0

Re: Wer Provisionen privat kassiert, die aus Staatsmitteln entstehen, aber Verluste der Allgemeinheit verrchnet ist unredlich!

auf Deutsch gesagt ein Gauner und gehört ins Gefängniss - aber jetzt wollen die Poltiker bei den Staatsanwälten mitentscheiden wer angeklagt wird und wer nicht - dass heisst nichts anders als dass die ÖVP dann zur SPÖ sagt wenn ihr unseren Mann(Frau) verfolgen wollt dann werden wir euren Mann( Frau)auch verfolgen - somit wird dann die eine Partei bei der anderen Partei ein Auge zudrücken und umgekehrt und das Kasperltheater im Parlament wird immer krimineller ! Diese politischen (Diktatorischen)Methoden hatten wir schon einmal vor Jahrzehnten und wo dass hingeführt hat werden die Menschen noch in Jahrhunderten in der Geschichte nachlesen können ?

Prolet
31.07.2009 17:37
0 0

Re: Re: Re: Re: Als Sozialisten noch keine Sozen waren, litt ich mit der Ungerechtigkeit der Leistungsbewertung!

Ein Fachberuf und ein Fachstudium belehrten mich, es ist gerecht, sich zu nehmen was man kriegt.

Sonst bleibt man ein unverschämter Prolet mit Wissen, aber immer fern vom Vorspiegeln falscher Tatsachen.

Ohne dem kann man nicht Politiker sein, schon gar nicht Gewerkschafter. Gewerkschafter die für die kleineren Verdiener eintreten werden als Systemfremd rausgeekelt.

Prolet
31.07.2009 17:33
0 0

Re: Re: Als Sozialisten noch keine Sozen waren, litt ich mit der Ungerechtigkeit der


Gast: andreas
31.07.2009 09:48
0 0

Wieso die Finanzkrise eine Krise ist

Weil der Finanzmarkt in der Krise ist. Wenn Wien Anteile an seinem Flughafen hat ist das keine Spekulation! Eine Überprüfung der Analgetätigkeit ist angesichts der Finanzkrise von jedem Anteilseigner zu unternehmen - Wo ist jetzt das Besondere? Der Flughafen steht jedenfalls nicht auf den Caymann Inseln sondern real in Wien/Schwechat. Falls die "moderne" ÖVP den Unterschied nicht kennt, solle sie das Finanzresort lieber abgeben.

Antworten Gast: Martin S
31.07.2009 17:28
0 0

Re: Wieso die Finanzkrise eine Krise ist

Nach ihrem reden hat der staat beim aua-debakel also auch nix verloren - die aua ist ja auch noch da... so ein blödsinn!.. wenn zB kein flug mehr abgeht von schwechat, dann nutzt ihnen der ganze schöne flughafen nix - dann ist er 0 wert! also doch spekulation, spekulation dass "alles gut wird"...

Antworten Gast: Michi
31.07.2009 12:50
0 0

Re: Wieso die Finanzkrise eine Krise ist

jo, aber unser CBL Geschäfte mit den USA fallen schon a bissal unter Spekulation!

Gast: westend
31.07.2009 08:38
0 0

Unvereinbarkeit

Der Staat soll Gestalter und Überwacher des Geldwesens sein. Wo er Mängel erkennt, soll er die Rahmenbedingungen ändern. Das ist "Infrastruktur" für die Arbeitswelt der Bürger, genauso wie die ÖBB, in die Bures liebend gern investiert. Der Staat soll Fehler im Finanzwesen (Cayman Inseln...etc.) nicht selbst nützen = zocken, sondern kontrollieren und gestalten. - Ich erinnere hier an die Buswerbung in Deutschland: "Es gibt keinen Gott". Wer außer der Staat soll denn sonst das Finanzwesen "gestalten"? - In diesem Sinne ist selbst die bloße Existenz der Bundesfinanzierungsagentur dringend zu hinterfragen! Politischer Sinn einer solchen Agentur darf nur ihre "Spitzeltätigkeit im Finanzwesen sein, um Fehler zu entdecken und anschließend abstellen zu lassen.

Gast: luther
31.07.2009 07:37
3 0

ja ja der häupl...

früher burschenschaftler, jetzt linker...vom "saulus zum paulus"??....

Gast: gast
31.07.2009 06:53
5 0

und ich dachte schon...

...es geht um Einbussen bei den Wählerstimmen.

Na, ich hoff bei der nächsten Wahl in Wien werden fleißig die Watschen verteilt.

romolaner
30.07.2009 19:46
5 1

Verbrecher

IST EIN MILDER AUSDRUCK DAFÜR.und die schlimmsten sind die roten socken-mit abstand !

Antworten Gast: MS Deutschland
30.07.2009 20:42
1 6

Kannst du nicht lesen oder nicht rechnen ?




Gast: Beobachter
30.07.2009 17:12
1 0

Ein Sieg für die Finanz-Jongleure

Die Loser realisieren ihre Verluste einfach nicht.

Dies funktioniert solange, bis die Geldbesitzer realisieren, dass ihre Kohle weg ist.

Die folgende Veranstaltung nennt man dann -

BankenRun

Gast: Richtigstelleer
30.07.2009 15:54
0 0

Spekulationsverluste?

Die Stadt Wien hat strategische Beteiligungen. Z.B. am Flughafen Wien:
Kurs der Aktie „Flughafen Wien AG“ per 31.12.2007: 79€ per 31.12.2008: 31,75€
Bei 4,2 Millionen Aktien, die die Stadt Wien (ebenso wie NÖ) hält, ergibt dies per 31.12.2008 eine „Kursdifferenz“ von 198,45 Mio €.

Das ist KEIN Verlust, da die Stadt Wien genauso wie NÖ die Anteile am Flughafen, die sie übrigens schon seit 55 Jahre hält, NICHT verkaufen will. Weil es strategisch wichtig ist daran beteiligt zu sein.

Für die ganz intelligenten ein einfaches Beispiel. Herr Müller hat ein Haus in dem er wohnt, Wert vor 2 Jahren 300 000 €, Krise Haus ist jetzt nur noch 230 000 € Wert (eh schon wissen Angebot und Nachfrage) hat Herr Müller jetzt 70 000 € verspekuliert??? Wohl nicht oder. Klingelts.

PS: die 31,75 € entsprechen in etwa dem Kurswert von 31.12.2002

1 2

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