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Korrupter Richter? "Falter" veröffentlicht neue Justiz-Akte

18.08.2009 | 13:22 |   (DiePresse.com)

Ein Strafrichter soll Geld, Reisen und eine Waffe geschenkt bekommen haben, um in Verfahren zu intervenieren. Er soll von Zeugen schwer belastet worden sein. Dennoch sei keine Anklage erhoben worden.

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Die Wiener Wochenzeitung "Falter" hat erneut einen Akt aus der Weisungsabteilung des Justizministeriums veröffentlicht. Laut Vorab-Meldung vom Dienstag geht es dabei um einen prominenten Strafrichter, der Geld, Reisen und eine Waffe geschenkt bekommen haben soll, um in Strafverfahren zu intervenieren. Der Richter sei von einem Bauunternehmer und dem Chefinspektor der Grazer Polizei, Anton Kiesl, schwer belastet worden. Das Ministerium habe jedoch geurteilt, dass es keinen Grund für eine Anklage gebe, schreibt der "Falter".

Kiesl gab laut "Falter" als Zeuge dreimal zu Protokoll, er sei Zeuge geworden, wie der Unternehmer und der Richter über die Bezahlung von mehr als 300.000 Schilling (21.802 Euro) gesprochen hätten. Der Chefinspektor laut Protokoll: "Ich konnte das Gespräch mithören, wobei der Unternehmer den Richter auf diesen Geldbetrag (300.000-400.000 Schilling, Anm.) ansprach. (...) Zu meiner absoluten Überraschung hat der Richter den hohen Geldbetrag bestätigt." Er habe auch die Namen von zwei Richtern genannt, bei denen er intervenieren wolle.

Den Fall habe das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) übernommen, berichtet die Stadtzeitung. In der Akte, die der Weisungsabteilung des Justizministeriums übermittelt wurde, heißt es, der Richter habe zugegeben, vom Bauunternehmer immer wieder Geldgeschenke, Städtereisen und sogar eine Pistole der Marke "Beretta" geschenkt bekommen zu haben. Auch kostenlose Bauarbeiten habe der Unternehmer beim Richter geleistet.

Geschenke "nur aus Freundschaft"?

Der Richter habe sich in seiner Zeugeneinvernahme damit verantwortet, dass die Geschenke nur "aus Freundschaft" überbracht worden seien. Es seien außerdem "nicht mehr als 2.000 Euro" überreicht worden. Das Geld habe er "zu Weihnachten oder zum Geburtstag" bekommen, "damit ich mir Zigaretten und Bücher kaufen kann". Die Pistole sei ihm förmlich aufgedrängt worden. Der Richter habe auch zugegeben, für den Bauunternehmer Schriftsätze verfasst zu haben, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bei seinen Richter-Kollegen zu erreichen, berichtet der "Falter".

Das Justizministerium habe jedoch keine Anklage befürwortet. Die Verantwortung des Richters sei "unwiderlegbar". Kriminelle Handlungen seien "nicht beweisbar", zitiert die Stadtzeitung aus dem Akt. Der Chefinspektor habe wohl eigene "Interpretationen" des Geschehens vorgenommen. Das mitgehörte Gespräch sei irrelevant. Und auch der als Kronzeuge auftretende Unternehmer sei "völlig unglaubwürdig". Zwar hätten Familienmitglieder des Unternehmers bezeugt, dass immer wieder über die Zahlung großer Geldbeträge an den Richter gesprochen worden sei, es habe jedoch niemand gesehen.

Ministerium weist Kritik zurück

Das Justizministerium wies am Dienstag die Vorwürfe zurück. Das Ministerium habe einen entsprechenden Vorhabensbericht der zuständigen Staatsanwaltschaft genehmigt, nachdem der gegen den Richter erhobene Verdacht widerlegt worden sei, hieß es in einer Aussendung.

Die Staatsanwaltschaft habe nach umfangreichen Erhebungen und sorgfältiger Prüfung der Beweise die Einstellung des Verfahrens beabsichtigt. Die zuständige Oberstaatsanwaltschaft habe diese Ansicht geteilt und den Vorhabensbericht im April 2007 an Ministerium weitergeleitet. Im September 2007 habe das Ministerium den Auftrag zu ergänzenden Ermittlungen erteilt. Dadurch habe der Verdacht der Intervention zur Wiederaufnahme eines Strafverfahrens klar widerlegt werden können. Zeugenaussagen hätten sich zum Teil als widersprüchlich erwiesen. Trotz Ankündigung hätten Belege für Zahlungen nie vorgelegt werden können.

Die zuständige Staatsanwaltschaft sei daher im April 2008 neuerlich zu der Erkenntnis gelangt, dass ein Schuldnachweis aus Mangel an Beweisen nicht möglich sei. Die Oberstaatsanwaltschaft habe diese Einschätzung geteilt. Nach einem internen fachlichen Meinungsaustausch sei im Dezember 2008 die Genehmigung des Vorhabensberichtes durch das Ministerium erfolgt. Entsprechende dienst- und disziplinarrechtliche Maßnahmen seien aber umgehend eingeleitet worden.

(APA)

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33 Kommentare
 
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biedermann
22.08.2009 21:09
1 0

wenn sich der presseredakteur mit dem auf dem foto gezeigten holzhammer recht fest auf seinen kopf klopft

und im anschluss daran keine us-tv-serien mehr ansieht, wird er vielleicht darauf kommen, das österreichs richter KEINE gerichtshämmer benützen.

Gast: mithrandir356
22.08.2009 13:54
0 0

glaubwürdigkeit von zeugen

nicht einmal die aussagen eines bauunternehmers und eines gendarmerie-beamten reichen aus, um einen richter "glaubwürdig" zu belasten.

man stelle sich vor, der beschuldigte ist kein richter, vielleicht ein drogendealender scharzafrikaner, wie dann wohl die sta reagiert.

aber wie linz zeigt, selbst videobeweise verlieren gegen die aussagen von zwei prügel-polizisten.

armes österreich

ahha
22.08.2009 04:28
1 0

Ein Schelm wer dabei Böses denkt

Ein Kündigungsverfahren dauert 6 Jahre!
verbraucht 3 Gutachter...
das Bestandsobjekt unterliegt in keiner Weise dem Mietrecht...
Die Pferde haben einen Schaden von rd. 130.000,- hinterlassen...
Beunruhigend ist das in jedem Fall?

Gast: Auslandsösterreicher
20.08.2009 19:13
0 0

Genau so ist es...

Ich kannte vor vielen Jahren einen Staatsanwalt, der gegen Geld in Briefumschlägen Verfahren bzw.Anklagen so steuerte, dass stets dubio pro reo herauskam - es also vor allem bei politischen Freunden zu keinem Verfahren kam. Praktisch - für beide Seiten!

Gast: Onkel
20.08.2009 15:51
0 0

Was ist schlimmer als jede solche Nachricht ?

Das wehleidige Geseiere der Presse-Postergemeinde, die zwar problemlos auf jeden Durchblick, aber nicht auf profunde Analysen wie "alle korrupt" "geldgeil", "wir" werden bestraft (komisch, ich nicht) und "überwacht" (was den Betroffenen siggi aber offenbar nicht am Posten hindert), "Schwerverbrecher" etc etc verzichten können.
In Deutschland wurde ein österreichischer Sporttrainer als Kindersexstrolch verurteilt - waaah, mein Vertrauen in die Sportwelt ist im Eimer, alles Strolche und Unholde ! Ein Installateur hat seine Ehefrau erschlagen - Rücktritt des Wirtschaftskammerpräsidenten ! Mein Vertrauen in die Installateure, ach was, in die Gewerbetreibenden allesamt ist erschüttert ! Schafft sie ab ! Jeder soll seine Röhrln und Häusln selber basteln ! Wenn er sich dabei aber verletzt, hat er Pech. Ein Arzt wurde neulich als Betrüger verurteilt, weil er falsche Abrechnungen erstellt hat. Waaah, alles Gauner ! Jagt sie fort !
Ach ja. Der letzte soll bitte das Licht abdrehen, weil die E-Wirtschaft ist ja das Korrupteste überhaupt, und ...

Antworten Gast: Auslandsösterreicher
21.08.2009 21:18
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Re: Was ist schlimmer als jede solche Nachricht ?

Lieber "Onkel" ihr Kommentar zeugt von großer Naivität: Korruption schädigt die
Gemeinschaft und damit auch Sie. Konkretes Beispiel: In Wien kostet die Karosseurstunde
mehr als in München, obwohl dort das allgemeine Einkommensniveau ca. 20 % höher ist. Erklärung: Korruption bei der
Abwicklung von Schadensfällen. Die Tendenz
in Österreich: stark steigend bei hohem Ausgangsniveau und systematischer Verleugnung durch die Politiker.

Antworten Antworten Gast: Onkel
23.08.2009 22:12
0 0

Re: Re: Was ist schlimmer als jede solche Nachricht ?

Sie haben mich nicht verstanden. Ich verteidige nicht Korruption, ich hasse nur alle diese sich in Zeitungsforen herumtreibenden Jammerlappen, die bei jedem Kriminalfall gleich das Kind mit dem Bad ausschütten müssen und mindestens den Untergang des Abendlandes und des Staates Österreich bemühen.

Gast: Fra Angelico
20.08.2009 15:10
0 0

Wer von den vielen Entrüsteten mir jetzt sagen kann,

nach welchem § des Strafgesetzbuchs man diesen Mann nach dem, was an Informationen vorhanden ist , verurteilen hätte können, dem spendiere ich ein Bier. Ich meine ganz konkret, ohne Spekulationen und juristisch fundiert, ohne die üblichen billigen Bauchgefühle und Pauschalbeschuldigungen.

Antworten fistenfegl
22.08.2009 09:46
0 0

Re: Wer von den vielen Entrüsteten mir jetzt sagen kann,

§ 302 stgb. ohne lang nachzudenken :D

Antworten Antworten Gast: Fra Angelico
23.08.2009 22:14
0 0

Re: Re: Wer von den vielen Entrüsteten mir jetzt sagen kann,

Sehen Sie, genau das wollte ich nicht. Ohne nachdenken kann ich Ihnen nämlich auch gleich sagen, dass § 302 NICHT passt. Ich wollte eine Antwort MIT nachdenken. Aber das kapiert hier ja offenbar keiner.

Gast: siggi
20.08.2009 07:57
0 0

Verbrecher

Wir werden von korrupten geldgeilen Politikern regiert, welche es sich immer richten.
Wir werden für kleine Vergehn hoch bestraft,
wir werden überwacht ( Telefon, Internet) wie
Schwerverbrecher.
Aber die Gesetzgebenden und Ausführenden
Schwerverbrecher in der Justiz werden
von Kollegen!! beschützt. Meiner Meinung nach
sollten Laienrichter über Beamte und Justizangestellte richten.

Gast: Richter
19.08.2009 08:52
0 0

Metternich lässt grüßen

Kein Hauch von obrigkeitsstaatlicher Ignoranz bläst derzeit durch die Lande. Wer seiner Arbeit noch mit Anstand nachgeht ist der Dumme. Liebedienerei wird honoriert. Nicht der Staat sondern ein dichtes Netzwerk aus Gauner- und Strizzitum wird durch das Amtsgeheimnis geschützt. Nach oben nicken, nach unten treten, gilt bei uns als Markenzeichen förderungswürdiger Führungskräfte. Wer daher naiv genug war an das gute im Schoss von Vater Staat zu glauben, wahrscheinlich schon viele Jahre, tatenlos zuzusehen muss(te) wie real bei uns die Zweiklassenjustiz existiert, dreht durch oder unternimmt einen letzten verzweifelten Versuch indem er die Öffentlichkeit über unfassbare Zustände informiert. Auf entschiedenes durchgreifen etwa der Justizministerin wartet der geschockte Bürger vergeblich. Das schwarze Schaf ist nicht etwa ein vermutlich korrupter Richter. "Haltet den Dieb", gilt in der Hochbürokratie vielmehr einem der noch Anstand hatte. Dieses wird nun verzweifelt gesucht.

Antworten GG-Orange
19.08.2009 19:17
0 0

Re: Hitler lässt grüßen

Ich finde die ganze Situation einfach grauenhaft! Dem sich WIEDERBETÄGIGENDEM OGH erklär DOCH ENDLICH UNMISSVERSTÄNDLICHST, dass ein behindertes Kind NIEMALS (ausser 1938-45) zum Schaden für seine Eltern gewertet werden darf!!! Gerade im Vergleich zur NS-Zeit, wie er oben beschrieben ist, ist WIDERSTAND mehr als berechtigt.

Antworten Antworten Gast: xy
21.08.2009 11:56
0 1

Re: Re: Hitler lässt grüßen

zuerst denken (und die OGH Entscheidung LESEN), dann schreiben:

Der OGH erklärte nicht das Kind zum Schaden, sondern den den Eltern erwachsenden finanziellen Aufwand

Antworten Antworten Antworten GG-Orange
26.08.2009 13:41
0 0

Re: Re: Re: Hitler lässt grüßen

FFFAAAAALSCH!

Gast: Lausbub
18.08.2009 22:17
1 0

Für das Tun von Staatsanwälten u. Richtern trägt letztendlich ein Minister die politische Verantwortung!

So ein Pech, daß man diese Verantwortung jetzt nicht einem ÖVP-Minister anhängen kann - wenn die im "Pilz-Stil" geäußerten Vermutungen des linken "Falters" zutreffen, trägt höchstwahrscheinlich die rote Maria Berger (dzt. EUGH-Richterin ohne Richteramtsprüfung) dafür die Verantwortung!

Wann wird sich die Berger in der Öffentlichkeit dafür entschuldigen?

Gast: tutti
18.08.2009 21:29
0 0

Niki the Tricky

und wer hat betreffend der Anklage Herrn N. Lauda beim BG Korneuburg interveniert?
Das würde spannend!!??

untertan
18.08.2009 20:04
0 0

Gern hörten wir von Ihnen.

Frau Helige. Oder hat es Ihnen die Rede verschlagen?

untertan
18.08.2009 19:54
0 0

In Amerikanischen Filmen werden oft korrupte Gefangenenhausdirektoren,

ebenso Richter und Staatsanwälte vorgeführt. Wer daran glaubt, daß das nur eine amerikanische "Gepflogenheit" ist , der ist wohl ein wenig beschränkt oder selbst "beteiligt".

Gast: ET
18.08.2009 19:04
0 1

Dörfler, Westenthaler, Kovats,.....

Und jetzt noch der Verdacht auf korrupte Richter.

Ein echt mulmiges Gefühl bei den "Normalos", oder?

Marsoc
18.08.2009 17:40
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WAS ..

..täte die Presse ohne Sommerloch???

pk
18.08.2009 15:40
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es gibt mehr probleme bei dem derzeitigen justizsystem,

das strukturmässig zu korruption führen muss. Man müsste : einen brauchbaren "freedom of information" modus zur offenlegung aller beamtenaktivitäten einführen. Jede geheimniskrämerei führt über kurz oder lang zu missbrauch. Warum sollten richter anders sein als politiker, manager , gewerkschaftsfunktionäre oder einfach gemeindebeamte? Keine Gruppe funktioniert auf dauer ohne kontrolle.

Antworten kremser
18.08.2009 21:44
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Re: es gibt mehr probleme bei dem derzeitigen justizsystem,

in der Aufzählung fehlen die Medienmenschen !

jopc
18.08.2009 15:35
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um was wollen wir wetten dass plötzlich über dem polizisten dunkle wolken aufziehen.

oder es wäre nicht mehr österreich würde es anders sein.

Gerald
18.08.2009 15:22
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Dem Richter

fehlte sicher auch die Einsicht, dass sein Tun rechtswidrig war...

Antworten untertan
18.08.2009 19:58
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Re: Dem Richter

Wenn ihm die "Einsicht" zusätzlich noch fehlt, dann muß man ihn aus dem Justizdienst sofort einfernen. Bereut er, dann darf er für den Rest seiner "Amtszeit" Protokollaufgaben durchführen. Auf keinen Fall mit reduzierten Pensionsansprüchen die Möglichkeit erhalten sich ein zusätzliches Körberlgeld zu verdienen. Und dem Steuerzahler eine lange Nase zu drehen. Auch dafür wäre die Frau Justizministerin zuständig. Nach einer jahrzehntelang von den Roten besetzten Korruptionsschaukel namens Justiz.

 
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