Eine breite Debatte um den Sozialstaat hat sich an der Forderung von VP-Finanzminister Josef Pröll nach einem Transfer-Konto entzündet. Pröll will ja, dass alle Sozialleistungen auf einem Konto gesammelt werden. Die SPÖ befürchtet, dass der Vorschlag letzlich einem Sozialabbau dienen soll.
Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel rief am Montag bei einer Veranstaltung zum Thema Verteilungegerechtigkeit dazu auf, den Sozialstaat nicht in Frage zu stellen. "Sozialleistungen sind kein Luxus", sagte Tumpel. "In der Krise, nach den Rettungspaketen für Banken und Unternehmen, müssen sich auch die Menschen auf den Sozialstaat verlassen können". Tumpel bekräftigte seine Forderung nach Erhöhung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe sowie nach einer höheren Besteuerung von Kapital und Vermögen.
Landwirtschaftskammer für Transparenz
Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski verwies darauf, dass seit dem Vorjahr alle Zahlungen, die die Bauern aus den Kassen der EU, des Bundes und der Bundesländer als Leistungsabgeltung erhalten, im Internet einsehbar seien. Er forderte in einer Aussendung diese Transparenz für alle Gruppen.
SP-Sozialminister Rudolf Hundstorfer hatte am Sonntag gesagt, wenn es um öffentliche Transferleistungen gehe, müssten auch Zahlungen an Bauern und Unternehmen einbezogen werden.
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl kann sich für Betriebe eine Offenlegung der Förderungen vorstellen - "wenn es Sinn macht". Leitl würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Er will die Auszahlung der Sozialleistungen vom Steuersystem trennen und über ein eigenes Transferkonto an die Empfänger leiten. Leitl verspricht sich davon laut "Ö1-Mittagsjournal" eine Vereinfachung des Steuersystems.
Auch WIFO-Chef Karl Aiginger kann sich ein Transfer-Konto vorstellen. Im Prinzip sei Transparenz "immer eine gute Idee", sagte er am Montag. Er mahnte aber eine objektive Diskussion dazu ein. Es sei klar, dass Menschen mit niedrigem Einkommen höhere Transferzahlungen bekommen.
(APA/Red.)
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