WIEN.Mit wem soll man über was reden? Christoph Badelt, Präsident der Universitätenkonferenz, sieht bei dem Studentenprotest drei unterschiedliche Forderungsgruppen: Erstens jene nach einer besseren Ausgestaltung der Unis, zweitens die Kritik am Bologna-System (Bachelor/Master) und drittens „ein Sammelsurium, bei dem es auch gegen Kapitalismus und Leistungsdruck geht“.
„Wenn man uns nicht mehr Kapazitäten gibt, dann muss man den Zugang regulieren“, sagt Badelt und legt das Gewicht auf die erste Hälfte seiner Aussage. Dass er zudem als ein möglicher Nachfolger Hahns im Ministerium gehandelt wird, sieht er als Teil eines unverbindlichen Namedroppings. Es gebe keine diesbezüglichen Kontakte, er sei auch kein ÖVP-Mitglied. Rektorenchef Badelt kritisiert Minister Hahn übrigens mit keinem Wort – wie auch die anderen im Nachfolgespiel genannten Personen. Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager, die schon bei der Regierungsbildung 2008 als heißer Tipp für das Wissenschaftsministerium gehandelt wurde, will sich jetzt keinen Spekulationen aussetzen. „Zuerst muss die Wiener Frage gelöst werden“, sagt sie. Vor Kurzem hat sie im „Presse“-Interview die Aktualisierung der Studiengebührenfrage durch Hahn befürwortet.
Gertrude Brinek, die bis zum Antritt ihres Amtes als Volksanwältin im Sommer 2008 ÖVP-Wissenschaftssprecherin war, sieht in den aktuellen studentischen Forderungen „einen Christbaum voller Wunschzettel“. Heute gegen das Bologna-System und für eine größere Wahlfreiheit zu sein sei ein elitäres Konzept. Denn das Bachelorstudium sei strukturierter und komme Studierenden aus bildungsfernen Schichten mehr entgegen. Über Studiengebühren will Brinek nicht reden: „Die SPÖ wird sich nicht bewegen, daher ist das Thema abzuhaken.“ Ein Wechsel in die Regierung? Jetzt habe sie Freude an ihrer Arbeit, sagt Brinek. Allerdings wechselte auch ihre Vorgängerin Maria Fekter von der Volksanwaltschaft als Innenministerin in die Regierung.
Brineks Nachfolgerin als Wissenschaftssprecherin, Beatrix Karl, trifft in der Studentenszene Unterscheidungen. Man werfe alle Unis in einen Topf, dabei würden „die Technik-Unis händeringend nach Studierenden suchen“. Beim Bachelor-Problem kritisiert Karl, dass man mit diesem Abschluss im Beamtenrecht nicht den A-Beamtenstatus erreiche. „Dabei ist es doch klar, dass Universitäten akademische Titel verleihen.“
■Im Gespräch für den künftigen Wissenschaftsminister sind unter anderen Katharina Cortolezis-Schlager (49, aus der Wiener ÖVP), Rektorenpräsident Christoph Badelt (58, parteifrei), Beatrix Karl (bald 32, aus der steirischen ÖVP) und Volksanwältin Gertrude Brinek (57, ÖVP Wien).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2009)

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