Noch hat sich Harry Himmer nicht entschieden. Noch lässt sich der Österreich-Chef von Alcatel von seiner Assistentin abschirmen. Noch muss er nicht Rede und Antwort stehen wie ein echter Politiker. Heute, Mittwoch, soll sich auch der Aufsichtsrat von Alcatel mit den politischen Ambitionen des Unternehmenschefs beschäftigen. Denn ins Rampenlicht zurück würde er schon gerne wollen, der einstige Chef der Jungen ÖVP, der es mit dem inhaltsleeren, aber griffigen Spruch „Bonzen quälen, Himmer wählen“ zu nationaler Bekanntheit schaffte. Allerdings müsste er vermutlich einen gut dotierten Job, die Führung eines Unternehmens und ein garantiertes Privatleben gegen einen Job eintauschen, der auf der Attraktivitätsskala politischer Posten nicht sehr weit oben anzusiedeln ist. Ein Ministeramt oder zumindest ein Stadtratsposten wäre bei einem Wechsel noch immer in weiter Ferne. Zumal den Job ein anderer will, der mindestens ebenso gute politische Kontakte hat und eine noch längere politische Erfahrung.
Himmer kommt politisch aus dem ÖAAB-Umfeld, wird zur Gruppe um VP-Klubchef Mathias Tschirf gezählt, die in der Volkspartei Johannes Hahns nicht gerade zu den bunten Vögeln zählten. Wie sein möglicher Konkurrent Ferry Maier verließ Himmer trotz Karriere in der Privatwirtschaft die Politik nie ganz: Nach dem JVP-Chef war Himmer Bundesrat und auch Bezirkschef der VP Landstraße. 1996 formulierte er in dieser Funktion auch seine Positionen zur Integration: „Wer unnachgiebig darauf pocht, seine Kultur nach Lust und Laune auszuleben, bekommt ein klares Nein.“ Soll heißen: „Wien darf kein Klein-Istanbul werden.“ In einem weiteren Punkt sind sich Maier und Himmer ähnlich: Sie lesen sich gerne selbst in der Zeitung. Nicht nur diese Eigenschaft lässt bei vielen in der Wiener ÖVP leichte Nervosität ausbrechen.
Ein heftig geführter Zweikampf würde alte Gräben aufreißen, deren Vorhandensein Johannes Hahn in den vergangenen Jahren glaubhaft geleugnet hat. Denn beide haben sich in den vergangenen Jahren gute Freunde und Feinde in der Partei gemacht. Sollte Himmer antreten, soll der Parteitag möglichst schnell über die Bühne gehen, um die Debatte kurz und schmerzlos zu halten. Nicht ganz unwichtig dürfte die Frage der Trennung Parteichef-Spitzenkandidat werden. Maier will sie, so könnte er Raiffeisen-Generalsekretär bleiben. Himmer will sie nicht, er müsste nämlich offenbar den Job so oder so aufgeben, heißt es in der ÖVP.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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