Städte und Gemeinden verlangen vom Bund einen stärkeren finanziellen Beitrag für die vorschulische Bildung. Die zur Verfügung gestellten 70 Millionen Euro für den Gratiskindergarten "reichen an allen Ecken und Enden nicht aus", erklärte Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer am Freitag. Auch Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger will ein klares Bekenntnis und mehr Geld vom Bund.
"Der Bund hat sich dieses letzte Kindergartenjahr und den Gratiskindergarten gewünscht, bezahlen müssen es aber zu einem guten Teil auch die Gemeinden", beklagte Mödlhammer. Der Städtebund verlangte "ein klares Bekenntnis des Bundes zur vorschulischen Bildung und die entsprechenden Mittel dazu".
Anlass der Kritik war ein Symposium zum Thema "Verpflichtendes Vorschul- oder Kindergartenjahr: Rahmenbedingungen und Auswirkungen" am Donnerstag im Wiener Rathaus.
"Schweigende Delegierung von Bundesaufgaben"
Unterstützung kam vom Innsbrucker Verfassungsrechtler Karl Weber. "Wir erleben zunehmend die schweigende Delegierung von Bundesaufgaben auf die kommunale Ebene. Das wird die finanzielle Situation von Städten und Gemeinden massiv einschränken", sagte dieser bei dem Symposium.
So groß die Einigkeit von Gemeinde- und Städtebund bei Geldforderungen an den Bund war, so unterschiedlich war die ideologische Einschätzung außerhäuslicher Kinderbetreuung. Für Weninger ist die pädagogische Frühförderung von Kindern eine Zukunftsinvestition: "Sie hat unmittelbare Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit, auf das soziale Verhalten und auf die Bildungsbiographie eines Menschen."
Mödlhammer dagegen kritisierte die Erwartung, dass der Staat alles regeln solle. Er mahnte mehr Eigenverantwortung der Menschen ein: "Kindererziehung ist genauso wenig ausschließliche Aufgabe von betreuten Einrichtungen, wie Bildung nicht ausschließlich Sache der Schulen ist."
(APA)

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