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Hundstorfer: Abgaben auf Vermögen für Sozialstaat

06.11.2009 | 18:12 |   (Die Presse)

Sozialminister Rudolf Hundstorfer stellt sich gegen die Seniorenwünsche: Er will eine Erhöhung um 1,5 Prozent, wie sie sich laut Gesetz ergibt, während die Pensionisten 1,9 Prozent fordern.

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Wien(ett). Sozialminister Rudolf Hundstorfer lässt bei der Suche nach Finanzierungsquellen für den Sozialstaat nicht locker. „Da ist es zulässig, darüber nachzudenken, wie weit man vermögensbezogene Elemente einbeziehen soll“, sagt der Ressortchef. Derzeit erfolgt die Finanzierung der Sozialversicherung durch Dienstnehmer- und Dienstgeberbeiträge auf Basis der Lohnsumme. Er argumentierte am Freitag im Management-Club in Wien damit, dass etwa die Zahl der Teilzeitbeschäftigten steige. Diese bringen der Sozialversicherung weniger Einnahmen als Vollzeitbeschäftigte.

Die stärkere Besteuerung von Vermögen sei auch eine „Frage der Gerechtigkeit“, wenn etwa für den Zinsertrag auf Sparbücher 25 Prozent Kapitalertragssteuer fällig werden, Erträge aus Stiftungen aber niedriger besteuert werden. Darüber müsse „sehr nüchtern, nicht hysterisch“ diskutiert werden. Bezüglich der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer winkt Hundstorfer ab: „Ich stehe zu den Beschlüssen meiner Partei.“

Das von der ÖVP vorgeschlagene Konto für Sozialtransfers lehnt er weiter ab, weil er keinen Vorteil sehe: „Wir wissen, was die Menschen kriegen.“ Die ÖVP solle vielmehr sagen, ob sie mit dem Konto eine Versteuerung von Sozialleistungen einführen wolle.

 

„Das steht im Gesetz“

Eine klare Absage erteilt der Sozialminister den Forderungen der Seniorenvertreter, die für das kommende Jahr eine stärkere Erhöhung der Pensionen um 1,9Prozent fordern. Darüber wird ab Mitte November verhandelt. Hundstorfer macht aber deutlich, dass es bei einer Pensionserhöhung um 1,5 Prozent bleiben soll: „Das steht im Gesetz.“ Und: „Ich war immer schon auf dieser Linie.“ Auch wenn er wisse, dass bei den Pensionisten viele Wähler der SPÖ betroffen seien.

Nicht rütteln will der Minister trotz der hohen Mehrkosten daran, dass die erst im September 2008 beschlossene Verlängerung der sogenannten Hacklerregelung (Frühpension für Langzeitversicherte ohne Abschläge, Anm.) bis 2013 weiterläuft. Die Politik habe die „verdammte Pflicht“, Sicherheit zu geben. „Ich stehe nicht zur Verfügung, 2008 zu sagen: Hurra, wir machen's. Und 2009 zu sagen, hurra, wir machen's nimmer.“

Bei den Invaliditätspensionen will Hundstorfer statt Einschnitten vor allem dafür sorgen, dass Prävention und Rehabilitation früher erfolgen und ausgebaut werden, um Pensionierungen zu vermeiden. Als Schlupfloch sieht er die Invaliditätspensionen, die für Frauen im Schnitt 650 Euro ausmachen, ohnehin nicht: „Es wird keiner glauben, wegen 650 Euro flüchtet jemand aus dem System.“

AUF EINEN BLICK

Mitte November wird mit den Seniorenvertretern über die Erhöhung der Pensionen für 2010 verhandelt, bis spätestens 30.November muss die Entscheidung über die Anhebung fallen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) stellt sich gegen die Seniorenwünsche: Er will eine Erhöhung um 1,5 Prozent, wie sie sich laut Gesetz ergibt, während die Pensionisten 1,9 Prozent fordern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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8 Kommentare
Gast: Gustl
09.11.2009 11:13
0 0

anachronismus

Die BRD begeht heute den Fall der Mauer und Österreich macht sich an die Wiederbelebung des Klassenkampfes. Prost, äh Freundschaft!

Ausländer
08.11.2009 23:33
0 0

gefinkelte Frage:

Es stellt sich nun die Frage, wer mehr Vermögen zum Besteuern hat: Senioren oder jüngere Leute?

hw
08.11.2009 21:02
0 0

wirtschaftliche entwicklung

österreich werden auch die 1.5% noch auf den kopf fallen.

Gast: Heiner
08.11.2009 15:01
1 0

Hihihi

ich lach mir einen Ast ab: wer wird wohl die Vermögensteuer zahlen? Die Jungen oder die alten reichen Pensionssäcke?

DerÄtzer
07.11.2009 15:51
0 0

Es gibt 144000 Genießer von Ruhegenüssen über 4000.-€ mtl. nie einbezahlt, wohlgemerkt!

Diese Leute schmälern das Soziabudget um Milliarden ohne Sozialfälle zu sein, aber sich machen viele zu Sozialfällen.

Es bleibt nach der Versorgung von Blechas und Khols zu wenig um Kleinstversorgten mit 733.- € mehr als 8.-€ Netto mtl. mehr zukommen zu lassen.

Kleine Leute sind darben gewohnt ist die Ausrede.

Ich bin für Teeren und in Federn wuzeln!

Antworten Gast: ET
07.11.2009 18:15
0 0

Es müssen viel mehr als 144.000 Geniesser sein!

Beim Bund stehen 133.000 Aktive Bedienstete 60.000 Geniesser gegenüber. Bundesbeamten gehen aber relativ spät in den Ruhestand. In den anderen Bereich ist ein frühere Vertschüssen normal. Wahrscheinlich stehen 2 Aktiven 1 Geniesser gegenüber.

Im Gemeinde und Landesbereich haben wir etwa 215.000 aktiv Beschäftigte. Damit also etwa 107.000 Geniesser aus diesem Bereich, haben wir schon 167.000 Geniesser.

Dazu kommen noch die Politiker, die ÖBBler, die Postler, die OeNBler, etc.
Das werden wohl nochmals 50.000 sein.

Ich bin sehr sicher, dass wir in Österreich in Summe mehr als 230.000 Geniesser durchfüttern müssen.

Das passt auch gut zu den alten Daten der Statistik Austria. 1999 wurde mehr als 600.000 Bedienstet ausgewiesen, wo der "Staat" die Rechnung bezahlt hat. Ich meine mal eine Quote von 40% ist wenigstens im Ruhestand.

Die Hölle für Österreich errechnet sich dann (sehr vorsichtig) so:
230.000 Geniesser x 3.500.- Eurox 14 Monate = 11,27 Mrd. Euro pro Jahr.

Dagegen stehen die 2,7 Mio. Steuerpflichtigen, welche mit maximal 786.- Euro im Monat auskommen müssen. Ein wesentlicher Teil ist in Beschäftigung!

Das ist die Umverteilung in "Sozialstaat" Österreich. Die ganze Kohle für die Günstlinge, aber Armut für die Leistungsträger.

Ein vollkommens Versagen der Parteien und der Regierungen. Das das überhaupt Recht werden kann, ist unglaublich.


Gast: ET
07.11.2009 09:18
0 0

Des Sozialministers Aufgabe!

Nach seinen eigenen Angaben hat er ein Jahresbudget von 70.000.000.000.- Euro. Dieses Budget wird hauptsächlich durch Zwangsabgaben gespeist, ein Teil kommt aus zusätzlichen Staatsschulden.

Es ist vollkommen klar, dass es seine 1. Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass diese Mittel effizient eingesetzt werden. Das bedeutet aber auch, dass die Mittel bei den Bedürftigen ankommen müssen und eine Verteilung im Rahmen der Menschengrundrechten erfolgt. Nach den Menschengrundrechten muss auf jeden Fall der Gleichheitsgrundsatz berücksichtigt werden, aber auch ein so wichtiger Aspekt wie die Menschenwürde.

Der Sozialminister kommt seiner Aufgabe aber nicht nach. Immerhin sind in seinen Sozialkosten von 70 Mrd. Euro auch viele Ruhestandsgenüsse von über 5.000.- Euro pro Monat enthalten. Die meisten Sozialkosten bleiben im öff. Dienst als Kosten stecken ohne einen Nutzen für die Bedürftigen zu bringen. Manchmal sind die Sozialleistungen an die Empfänger auch über > 10.000.- Euro pro Monat, wie die Herren Blecha und Kohl eindrucksvoll beweisen.

Es geht auf keinen Fall darum die Kasse noch mehr anzufüllen, es geht nur darum die vorhandenen Mittel endlich Menschenwürdig einzusetzen. Der Sozialminister kommt seiner wichtigsten Aufgabe aber nicht nach. Für sein Versagen sollen nun die Menschen noch mehr Zwangsabgaben leisten.

Diese Staatlichkeit macht Österreich kaputt.

liberaler
06.11.2009 19:42
0 0

immer das gleich!

Warum der Vorschlag leere Kassen zu füllen immer endet, in dem die Bürger noch mehr ausgenommen werden sollen.
Wie wäre es zur Abwechslung mit Sparen und weniger ausgeben!
Es ist eine Überlegung wert zu prüfen, ob das Preis/Leistungsverhältnis in Österreich zu leben und dort Steuern zu bezahlen noch stimmt - oder ob es nicht besser ist das Land zu verlassen!

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