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Michael Spindelegger: "Bin kein Teilzeit-Minister"

07.11.2009 | 18:25 |  von CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Außenminister Spindelegger hat mehr als nur den ÖAAB im Sinn: Er will Frieden in Sri Lanka vermitteln und gibt Wolfgang Schüssel "intakte Chancen", dank deutscher und skandinavischer Hilfe, Ratspräsident zu werden.

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Als ÖAAB-Chef nehmen Sie fleißig Stellung zu Schulfragen, zu Steuerfragen, zu Verwaltungsfragen. Fast die Hälfte Ihrer öffentlichen Äußerungen hat innenpolitischen Charakter. Reicht es, wenn Österreich einen Teilzeit-Außenminister hat?

Michael Spindelegger: Ich bin nicht Teilzeit-Außenminister, sondern nehme meine Verantwortung sehr ernst. Nächste Woche fliege ich wieder nach New York zum Sicherheitsrat. Aber es ist klar, dass ein Mitglied der Bundesregierung auch eine andere Aufgabe haben kann. Der Bundeskanzler ist gleichzeitig Chef der SPÖ, der Vizekanzler ist ÖVP-Vorsitzender. Da kann ich als Außenminister Chef des Arbeiter- und Angestelltenbundes in der ÖVP sein. Was für andere gilt, muss auch für mich möglich sein.

Letzte Woche tourten Sie durch Krems. Solche Termine müssen doch auf Kosten Ihrer außenpolitischen Aktivitäten gehen.

Alles nur eine Frage der Einteilung und der Disziplin. Da muss auch Zeit sein, Arbeitnehmerfragen zu beleuchten. Ich freue mich, wenn mein Einsatz als ÖAAB-Chef registriert wird.

Ihre Vorgängerin hatte wenigstens einen Europa-Staatssekretär, Sie nicht...

Ich hätte nichts gegen einen Staatssekretär, aber das ist nicht vereinbart worden. Ich fehle bei keinem EU-Rat, ich bin präsent, wo es notwendig ist.

Sie sind seit einem Jahr im Amt. Außenpolitisches Profil haben Sie bisher nicht gezeigt.

Ich glaube schon, dass ich ein außenpolitisches Profil entwickelt habe. Ich bin bei der Amtsübernahme am 2.Dezember mit drei Vorhaben angetreten. Punkt eins: Man muss die Europa-Skepsis der Österreicher ernst nehmen. Ich habe eine Zuhörtour durch die Bundesländer absolviert. Jetzt im Herbst starte ich eine Dialogtour durch Österreich. Am 23.November werde ich in St.Pölten gemeinsam mit dem Bundeskanzler die Auftaktveranstaltung abhalten, später in Salzburg und der Steiermark.

Wie soll das ablaufen?

Wir werden uns der direkten Diskussion mit der Bevölkerung stellen. Der ORF überträgt, damit wir eine Breitenwirkung erreichen. Doch zurück zu meinem zweiten Ziel: Ich will auch Österreichs Engagement im Donauraum und in der Schwarzmeerregion stärken.

Das ist doch kein außenpolitisches Konzept, die Idee kommt aus der Wirtschaft.

Das ist sehr wohl ein außenpolitisches Konzept, und die Idee kam von mir. Österreichische Unternehmer haben mich im Oktober 2008 in Rumänien darauf gebracht. Ich habe dann die Schwarzmeer-Initiative in das Regierungsprogramm reklamiert. Die Außenpolitik kann und soll Wegbereiter für die Wirtschaft sein. Natürlich arbeiten wir gern mit Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung zusammen, aber wir sind keine Unternehmervertretung.

Was ist Ihr drittes außenpolitisches Ziel?

Ich will die Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat nützen, um Österreichs Position als Drehscheibe für Friedensverhandlungen zu verstärken. Und da gelingt einiges.

Was denn?

Wir hatten im Sommer West-Sahara-Gespräche in Dürnstein. Jetzt haben wir Österreich als Ort von Verhandlungen zwischen der Regierung von Sri Lanka und der tamilischen Opposition angeboten. Ich habe darüber mit dem Außenminister von Sri Lanka gesprochen und stehe auch in Kontakt mit der tamilischen Diaspora. Es gibt aber auch andere Konflikte, in denen wir uns als Vermittler angeboten haben.

Auch im Atomstreit mit dem Iran?

Teile der Gespräche haben in Wien stattgefunden, bei der Atomenergiebehörde. Der Ausgang ist ungewiss. Noch können wir nicht sagen, ob die Iraner uns nicht nur hinhalten. Ich habe Irans Außenminister in New York deutlich gemacht, dass der Geduldsfaden der internationalen Gemeinschaft nicht endlos lang ist.

Es ist ja durchaus möglich, dass dieser Geduldsfaden reißt, wenn Österreich noch den Vorsitz im Sicherheitsrat innehat. Werden Sie dann für Sanktionen eintreten?

Wenn es zu einer Sanktionendebatte kommt, ist die UNO die erste Anlaufstelle, nicht die EU. Wir wollen aber nicht, dass durch Sanktionen die Zivilbevölkerung getroffen wird.

Kanzler Faymann hat im Ausland angeblich noch nie gehört, dass Schüssel als neuer EU-Präsident gehandelt wird. Ist Schüssel im engeren Kandidatenkreis oder nicht?

Er wird öfter als Kandidat genannt.

Von wem?

Von Freunden in der Europäischen Volkspartei, die wissen, dass er gut ist.

Auch aus Deutschland?

Aus verschiedensten Ländern, auch aus Deutschland und Skandinavien.

Wie schätzen Sie Schüssels Chancen ein?

Intakt.

Für den Posten des EU-Außenministers gelten der Brite David Miliband und Italiens D'Alema als Favoriten. Für wen optieren Sie?

Ich habe Miliband als jemanden kennengelernt, mit dem man gut streiten, aber auch gut arbeiten kann. Ich halte ihn für einen guten Kandidaten. D'Alema kenne ich nicht persönlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2009)

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10 Kommentare
Theodoric
10.11.2009 16:50
0 0

Nulllohnrunde für den Oberbeamten ... auf Teilzeit

Immer wieder ist man überrascht, wenn man selbst(oderauchnicht)reflektierende Sichtweisen des Aussenamts liest:
1. Spindelegger hat den Donauraum als aussenpolitisches Ziel entdeckt ... wow.
2. Das BmeiA ist eine Promotionplattform für die EU (zugegeben, da war Plassnik noch peinlicher unterwegs - man denke an das "Fest für Europa" - da sollte man mal die Homepagefinazierungen überprüfen, so wie beim Burli). Wobei es schon ein starkes Stück ist, dass der Herr Aussenminister zuerst mal ein JAHR zuhören fahren muss, um dann zu REDEN. Si tacuisses! Gibt ja keine Daten, Statistiken und Untersuchungen über die Zufriedenheit von Koarl und Mizzi Normalverbraucher im Bezug auf die EU Wer nennt Schüssel? Ah eh die EVP.
3. Wien (und somit das BmeiA) ist Drehscheibe der internationalen Politik (wo war da noch jüngst eine noch mehr Hybris-schwangere Erinnerung - ach ja, als Wolfi dem Bush half und Frieden schaffte ... die hl-Sprechung wird sicher schon vorbereitet) ... nur weil die IAEA ihre Büros in Wien hat, glaube ich nicht, dass der Iran Oesterreich für wichtig hält. 4. Denkt der Mann, wenn er spricht? man höre und staune: "Das ist doch kein außenpolitisches Konzept, die Idee kommt aus der Wirtschaft. -
Das ist sehr wohl ein außenpolitisches Konzept, und die Idee kam von mir. Österreichische Unternehmer haben mich im Oktober 2008 in Rumänien darauf gebracht. " aha ... die Unternehmer sind ja sicher nicht Wirtschaft.

No servas. Da war ja die Uschi noch eine Kapazität dagegen ..

Gast: Pokerface
09.11.2009 17:20
0 0

Mein Tip für die PV-Wahl

Schnösel quälen, die Roten wählen

Gast: Pice
09.11.2009 17:13
0 0

Gut, wenn Spindelegger

in NY ist. Dann kann er nicht VP-Abgeordnete niedermachen, Hahn blamieren oder den NÖ Lehrern in den Rücken fallen!

Gast: marga
09.11.2009 14:21
0 0

im außenministerium

regieren die schnösel, der herr minister gibt indes den semino rossi der ö. politik

Gast: Xury1941
08.11.2009 17:21
1 0

Rückgrat + Profillos!

Wann wird die ÖVP endlich aufhören den
Lügenbaron Schüssel immer wieder ins Gespräch für einen hohen EU-Posten zu bringen?
Schüssel ist ein absoluter Nichtkandidat der das österreichische Volk permanent verarscht und belogen hat.
Seine Versprechen eine Unterschrift zu ver-weigern wenn Österreich benachteiligt wird, waren nur Schall und Rauch.
Im Endeffekt ist er zu Ungunsten unseres
Landes immer wieder umgefallen und hat daher in Brüssel nichts verloren!

Gast: heinz
08.11.2009 13:09
0 0

schüssel in skandinavien

ich hab den namen schüssel in skandinavien noch nie gehört im zusammenhang mit irgendwelchen jobs. letztens hatte jedoch sydsvenskan ursula plassnik als aussichtsreiche kandidatin genannt!

1 0

...

Dieser Lügner hat zuerst zugesichert, den Tschechen die Raubsicherungsklausel bei der Unterschrift nicht zu gestatten und hat es dann doch getan. Typisch schwarzer rückgratloser Umfaller ohne Prinzipien.
Paßt sehr gut in diese Regierung.

LIFE DABEI
08.11.2009 14:52
0 0

Re: ...

Ein Kasperl der auch in der EU versagt und seine Aufgaben nicht wahrnimmt.

Gast: ET
08.11.2009 10:48
1 0

Toller Mann!?

Hat den Posten und fühlt sich nicht einmal als Teilzeitminister.

Da ist es kein Wunder, dass er seine eigentliche Aufgabe nicht erkennt. Die Aufgabe des Österreischischen Aussenministers ist Österreich nach Aussen zu repräsentieren und Österreichs Interessen zu vertreten.

Seine Ziele, die Skepsis der Österreicher gegenüber der EU zu bekämpfen, oder auch den Tamilenkonflikt in Sri Lanka zu beenden, zeigen sehr deutlich eine erhöhte Absurdität der Regierung.

Da passt es auch sehr gut, dass der Kanzler mit der Russischen Spitze über Gaslieferungen verhandeln wird, ohne nur irgendeine Ahnung davon zu haben.

Die Österreicher können zur Kenntnis nehmen:
Ein Beamter bleibt immer ein Beamter und nur auf seinem Posten, die Aufgaben sind egal.
Ein politischer Funktionär bleibt immer ein Funktionär ohne nur etwas für das Land machen zu wollen.
Die Kernprobleme bleiben weiter ungelöst, weil diese überhaupt nicht erkannt werden.

Die 2. Republik, und deren Menschen, leider wie noch nie zuvor.


LIFE DABEI
08.11.2009 08:12
0 0

BIN KEIN TEILZEITMINISTER...

ABER AM FALSCHEN DAMPFER !

Schlagzeilen Politik