WIEN. Zur Begrüßung pirscht sich ein Glücksschwein heran an Josef Pröll und herzt ihn nach Kräften. Genau genommen ist es ein Mann im rosafarbenen Schweinekostüm, mit Ringelschwanz und schwarzer Fliege um den Hals. Es (er) ist die auffälligste unter vielen auffälligen Erscheinungen an diesem Donnerstagabend im Platinum Vienna, wohin die ÖVP geladen hat, um Prölls „Superpraktikanten“ zu küren.
Die angesichts der „Generation Praktikum“ politisch nicht unumstrittene Aktion startete Anfang November und rief letztlich 400 Bewerber auf den Plan. Aus dem wochenlangen Onlinevoting kristallisierten sich schließlich fünf Finalisten heraus, die in einem „Starmania“-artigen Showdown nun vor 900 Zuschauern ihr superpraktisches Talent unter Beweis stellen müssen.
Von der Bühne weg führt ein Laufsteg hin zu einem silbernen Fauteuil, auf dem sitzend sich ein feixender Pröll die Kandidaten vorführen lässt: Julia (15), die mit der Jazz-Gitti einen Promi-Fan im Publikum hat, Anna (17), Felix (16), Resul (28) und Reez, eine 26-jährige Hobby-Modedesignerin mit Hang zur Farbe Rosa, wie ihre Strumpfhosen zeigen. Sie hat ein fleischgewordenes Glücksschwein mitgebracht und will, wie sie sagt, eines Tages Bundespräsidentin werden.
Die erste Aufgabe hat zum Ziel, Pröll ein Sakko aus dem Publikum zu besorgen, für den „Notfall“, dass er sich seiniges vor einem Termin beschmutzt. Das ist leichter gesagt als getan. Wie ein Modell posiert der Finanzminister auf der Bühne in den Textilteilen, allein: zum Zuknöpfen bringt er keines davon. Das Quintett muss danach ein Interview geben, Pröll auf Kinderfotos identifizieren und Walzer tanzen. Denn nächste Woche, wenn der Superpraktikant seinen Chef begleiten wird, steht neben einer Ministerernennung auch der Jägerball an. Zur Belohnung spendiert die ÖVP eine Skiwoche in Ischgl für zwei Personen – Skipass, Halbpension und 500 Euro Taschengeld inklusive.
Robbie Williams, nicht Pröll
Dass Reez Wollner den jungen Robbie Williams auf einem der Bilder für Josef Pröll gehalten hat, tut nichts zur Sache: Die Jury entscheidet sich für die „Blume aus dem Gemeindebau“, als die sich die Wienerin beworben hat. Im Publikum tanzt das Glücksschwein, und Reez verkündet in der Siegerpose, dass sie Pröll nun ein neues Outfit verpassen will: „Ich bekomme eine rosa Krawatte und Socken dazu“, frohlockt der Vizekanzler. Und ganz Österreich freut sich schon auf die nächste Ministerratssitzung.
(Die Fernsehreportage zur Show bringt „ATV“ am 22. Februar.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2010)
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