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Korruption: "Mafiastrukturen breiten sich aus"

16.02.2010 | 19:18 |   (Die Presse)

OLAF-Experte Wolfgang Hetzer ortet ein „Gangsterprinzip“ und mafiose Strukturen in Politik und Wirtschaft. Etwa bei der Parteienfinanzierung, wo das Ehrenwort gegenüber Geldgebern an die "Omèrta" erinnert.

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WIEN (cim). Edler Zwirn, dunkle Brille, schmales Bärtchen und – wenn man es mit dem Klischee ganz genau nimmt – Hut: So einfach ist ein Mafioso nicht mehr zu identifizieren. Die Mafia, oder zumindest ihre Strukturen, finde man längst in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, meint Wolfgang Hetzer vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF).

Der Korruptionsexperte, der in Wien auf Einladung des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK) einen Vortrag gehalten hat, nennt ein einfaches Beispiel: Das beharrliche Verschweigen der Herkunft von Parteispenden mit dem Hinweis auf ein „Ehrenwort“ gegenüber Geldgebern erinnert ihn an die „Omèrta“, das Schweigegelübde von Mafia-Organisationen.

Wenn Hetzer von organisierter Kriminalität spricht, meint er damit keine Herren aus dem Rotlichtmilieu, Drogenbosse oder Menschenhändler. Mit diesen Bildern versuche man in bürgerlichen Kreisen bloß, die organisierte Kriminalität von sich fern zu halten. Für Hetzer sei „kaum zu klären, in welchem Maß zwischen organisierter Kriminalität und legalen Unternehmen Deckungsgleichheit besteht“. Als Beispiele für Korruption nennt er die Affären bei Siemens und British Aerospace oder den Skandal um die Hypo Alpe Adria. Auf den Finanzmärkten ortet er eine „kriminogene Casinokultur“. Regierungen hätten erlaubt, dass das System außer Kontrolle gerate.

 

Hinter Korruption steckt reine Kalkulation

Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) definiert organisierte Kriminalität schließlich so: Straftaten werden planmäßig begangen, von mehr als zwei Beteiligten, die längerfristig arbeitsteilig zusammenwirken, von Gewinn- oder Machtstreben getrieben sind. Diese Kriminellen arbeiten in gewerblichen oder geschäftsähnlichen Strukturen, wenden Gewalt oder andere zur Einschüchterung geeignete Mittel an und nehmen Einfluss auf Politik, Medien, Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft. „Sämtliche Unternehmen erfüllen diese Kriterien, außer vielleicht jenes, planmäßig Straftaten zu begehen“, sagt Hetzer. „Besonders gefährliche Vertreter der organisierten Kriminalität greifen zu kaufmännischen Methoden“ – zu Steuerhinterziehung, zum Beispiel, oder zu Korruption.

Bei Siemens stand hinter der Kultur der Korruption (das Wort Schmiergeld war, so erzählt Hetzer, bei Siemens übrigens verpönt, von Korruption sprach man nur als „das Thema“) reine Kalkulation: Ohne Aufträge aus den Ländern, in denen man angeblich schmieren musste, wäre der Umsatz teils weggebrochen. Ein mittlerweile verurteilter Ex-Siemens-Direktor behauptete, das gesamte Telefonnetzwerk-Geschäft mit 50.000 Mitarbeitern wäre ohne Bestechung dem Tod geweiht gewesen.

 

Verführer lösen die Killer ab

Manchmal, so Hetzer, scheine es aber, als ob Leistungs-, Gesetzmäßigkeits- und Legitimitätsprinzip in Wirtschaft, Verwaltung und Politik durch ein „Gangsterprinzip“ ersetzt worden seien. Hetzer ortet organisierte Kriminalität nicht bloß in strukturschwachen Ländern. Sie breite sich „in allen politischen Systemen aus“. Unter „Mafia“ versteht er keine Killerkommandos der Camorra oder 'Ndrangheta, sondern Systeme unkontrollierter oder unkontrollierbarer Macht sowie pathologischen Machtmissbrauch. Schließlich müsse man Menschen nicht mehr vernichten, damit sie nicht im Weg stünden. Es reiche, sie mit Geld zu verführen.

In den vergangenen Jahren sei es zu „qualitativen Sprüngen“ in der organisierten Kriminalität gekommen: Kontrolldefizite würden optimal ausgenutzt, Finanzierungsbedürfnisse von Parteien, Machtstreben von Politikern und Gewinnstreben seien „in unheilvoller Weise zusammengewachsen“. Hetzer geht so weit, Korruption als das „verführerischste und gefährlichste Leitmotiv der Moderne“ zu bezeichnen. Korruption sei zur Strukturkriminalität gewachsen. Sein Fazit: „Jede Gesellschaft hat die organisierte Kriminalität, die sie verdient – weil sie an ihr verdient.“ Auch die Perspektiven sind trist: Schließlich sei die Finanzkrise geradezu ein „Jungbrunnen für organisierte Kriminalität“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2010)

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49 Kommentare
 
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Gast: Gast
20.02.2010 20:03
0 0

Stiftungen sind die gefährlichste, weil gesetzliche, Form der Korruption !

Durch die Möglichkeit der Privatisierung des Gemeinwohls in Form von gemeinnützigen Stiftungen obliegt die Auftragsvergabe nicht mehr den öffentlichen Ausschreibungen und sind somit die gefährlichste Form der Korruption, denn eine kleine organisierte Minderheit von, moralisch betrachtet, organisierten Kriminellen schafft sich eine herrschende Klasse des Kapitals und das Proletariat wird am Wohlstand gehindert, wodurch die Leistungsbereitschaft des arbeitenden Menschen verloren geht und den Staat in immer höhere Sozialausgaben zwingt, was dem Parteienproporz dienlich ist.
Die vorherigen Poster liegen vollkommen richtig, dass Österreich auf eine schwere Krise des Staatswesens zusteuert.

Gast: ET
18.02.2010 18:07
0 0

In Österreich läuft alles einfacher!

Immerhin haben die Parteien alleine durch die Zwangsabgaben schon eine Kontrolle über etwa 50% des BIP. Dazu kommen dann noch die Staatsbetriebe, wo oft auch bei einer Minderheitsbeteiligung noch immer die Macht der Partei dominiert. Dann haben wir noch die Genossenschaftssysteme, auch Banken, welche durch die Parteien dominiert sind. Zusammen sind das sicher weitere 15 - 25% des BIP.

Ein gutes Beispiel für diese Drecksgeschäfte war auf jeden die HGAA. Die Zusammenhänge zwischen Parteibank, Wirtschaft sind offensichtlich.

In Österreich kann die Korruption alleine innerhalb der Parteien stattfinden. Bei einer 65 - 75%iger Kontrolle über das BIP ist nichts einfacher als das. Dass es wenig Verfolgung gibt, dafür sorgen die Parteien im Parlament, welches ja auch beherrscht wird. Schon die Gesetze können nach eigenem Geschmack geschrieben und verabschiedet werden.

Dazu noch der unerträgliche Proporz bei der Justiz und der perfekte Schutz für die Drecksgeschäfte ist auch noch vorhanden.

Deshalb kommt auch nur wenig in die Medien. Wenn dan doch Drecksgeschäfte öffentlich werden, dann sitzt meistens auch keiner ein.

Die 2. Republik ist schwer krank, weil die Parteien vollkommen degeneriert sind.

democrates
17.02.2010 16:32
1 0

Politkriminalität kostet dem österreichischen Steuerzahler z.Z. jährlich 40-60Mrd. Euro.

Mit der Peudalismus kam nach der Feudalherrschaft des Blutadels lediglich eine neue scheindemokratisch bemäntelte Form der Herrschaft.
Parteien ziehen dabei mit ihren Politikern eine mehr oder weniger dramatisch improvisierte Politshow ab.
Sinn und Zweck aller Politshows ist dabei die Täuschung, Instrumentalisiertung und Ausbeutung der Völker.
Republiken wie AR1 oder die seit 1945 dem Staatsbankrott zustrebende AR2 tragen das "Gangsterprinzip" bereits immanent in sich.
Wir, bzw. auch die Deutschen, wissen spätestens seit dem Ende der AR1 bzw. der DWR und dem nachfolgenden "tausend.jahrigen Reich", dass Republiken niemals funktionieren.
Dennoch gründeten die politischen Gangster 1945 erneut das für sie optimalste Politkriminalsystem, die Republik AR2 bzw BRD.

Vorsichtig geschätzt verursachen dem österreichischen Steuerzahler z.Z. sämtliche politkriminellen Handlungen bzw. Unterlassungen aller österreichischen Beamten und Politiker der AR2 einen jährlichen Schaden in der Größenordnung von 40-60Mrd. Euro.

Eine grundsätzlich Lösung des Problems wäre z.B. nach dem absehbaren Game-Over der 2. Republik (Staatsbankrott von AR2) das neue dezentrale, direktdemokrastische Staatenbetriebsystem TELE-REGENT zu verwenden.
Es benötigt zum Betrieb von Staaten weder Politiker noch Beamte.
Ein systemimmanetes "Gangsterprinzip", so wie es die Republiken in sich tragen ist daher grundsätzlich unmöglich.


Gast: markus trullus
17.02.2010 15:16
1 0

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Da braucht man aus dem verfilzten österreichischen Politsystem gar nicht genau hin zu sehen; alles da, da, da ....

Gast: Beobachter
17.02.2010 14:59
0 0

Der Schwager von Darabos, oder die Heeres-FAMILIE

Er vermietet seine Huette im Burgenland seit 13 Jahren an das Bundesheer. Fuer 37,000.- Euronen. Der Minister hingegen schafft es, 3 weniger und gebrauchte Abfangjaeger fue den praktisch selben Preis wie neue zu bekommen. Der Vertrag ist und bleibt "unter Verschluss".
Die MAFIA braucht man nicht in der Privatwirtschaft suchen.

Gast: gast
17.02.2010 14:57
0 0

gast

um künftige aufstände des pöbel volkes zu verhindern wird schon mal in drohnen (london) u. indect (europaweit) investiert. Gar nicht so unklug

Half Life hateinfach recht

lurch
17.02.2010 14:03
0 0

die Folgen

Nun es scheint fast so, als wenn sich niemand wirklich ausmalen kann wie die Folgen aus so einem Tun dann sein werden.

Derzeit haben wir einen weiten Schritt in Richtung Untergang unseres Staatswesens bereits begangen. Nämlich die sogenannte Bankenkrise mit immensen Staatsschulden rausgekauft! Was in bälde kommen wird (und das im gesamten Euroraum) ist eine hohe Inflation. Die Kreditzinsen werden immens steigen und damit den Ruin vieler Privathaushalte verschulden. Damit bricht natürlich die Nachfrage nach vielen Konsumgütern weiter ein.
Bin ja neugierig wann die ganzen windigen Leasinggeschäfte mit den Amis auffliegen werden. Da wurde unsere Infrastruktur verscherbelt und dafür haben dann unsere hinichen Politiker wertlose Wertpapiere bekommen, die noch immer als Aktiva hier gehandelt werden. (bin neugierig ob das nach den Wahlen in Wien auffliegt). Und noch ein besonderes Zuckerl die Wohnbauförderung in NÖ. Wohin da die Forderungen an die Häuselbauer hingekommen sind, wissen wahrscheinlich die St.Pöltner Vollkoffer selbst nicht mehr.
Das sind alles Symptome von mafiösen Handlungen, die halt noch in homöopathischen Dosen den Staatsbürgern verabreicht werden. Wie lange man dies noch unter der Tuchent halten kann weiß ich nicht, aber auf ewig geht das sicherlich nicht! Nun es scheint fast so, als wenn sich niemand wirklich ausmalen kann wie die Folgen aus so einem Tun dann sein werden.

Derzeit haben wir einen weiten Schritt in Richtung Untergang unseres Staatswesen

Gast: Novalis
17.02.2010 13:47
0 0

Auf den Punkt gebracht

Mit so wenigen, klaren Worten kann man die wirtschaftlich-politische Situation auf den Punkt bringen - wenn man nichts verschleiern und nicht von Unrechtmäßigkeiten ablenken will.


Gast: Armstrong
17.02.2010 13:44
0 0

Altpolitiker als Jungunternehmer

Vor der Pense nochmal richtig abkassieren, das geht halt in der Privatwirtschaft am Besten. Man muss nur Politiker sein und mit Einluss Staatsvermögen direkt oder indirekt auf eien Firma umleiten. Wetten dass die SPÖ Minister und andere der SPÖ nahestehenden Personen seit Caspar Einems engagement bei Jet Alliance überdurchschnittlich oft einen Privat-Jet mieten. Die Politiker haben gelernt aus ihren Fehlern. Man bedient sich heute nicht mehr direkt am Steuertopf, sondern läßt sich als erfolgreicher Geschäftsmann feiern und leitet Steuergeld in seine eigene Firma um.

Gast: Beobachter
17.02.2010 12:56
0 0

Wolfgang , der Hetzer aus den Tiefen des Kommunisssmusss

So so, die Unternehmer sind alle Verbrecher, die von den Politikern im Zaum gehalten werden muessen. Schon mal das Schwarzbuch des Kommunisssmusss gelesen? Die hunderte Millionen Morde wurden alle vom Staat und seinen Politikern durchgefuehrt. Zur Foerderung des "Gemeinwohls", natuerlich.

Antworten Gast: ASVG-Sklave
17.02.2010 14:27
0 0

Re: Wolfgang , der Hetzer aus den Tiefen des Kommunisssmusss

ein schwacher Beitrag zur falschen Zeit beim falschen Thema. Hauptsache Sie konnten sich erleichtern.

Antworten Gast: Novalis
17.02.2010 13:43
0 0

Re: verirrt ?

Zu welchem Artikel wollten Sie eigentlich Ihre Meinung abgegeben ?

Sinnverstehendes Lesen ist wirklich schwierig ...

Antworten Anuntiata
17.02.2010 13:20
0 0

Und was genau beobachten Sie normalerweise?

Vogelflug mit Blick auf den Grund vor Ihren Füßen gerichtet?

0 0

da stellt sich doch nur noch die frage:

wer hat die größere ählichkeit mit don corleone:
faymann, pröll, strache & co?
oder die bankster und andere mänädscher?

zumindest arbeiten alle davon fleissig, um macht und wohlstand ihrer 'famiglia' zu steigern.

Antworten Gast: markus trullus
17.02.2010 15:32
0 0

Re: da stellt sich doch nur noch die frage:

Aber irgendwie ist ihnen schon klar, dass das eines der negativen Gesichter der Demokratie ist? Und das seit der Antike :-)

Entropix
17.02.2010 11:32
0 0

nicht nur hier

zeigt sich der fatale Umgang der Politiker mit Recht und Gesetz (Thema Ankauf Steuersünder-CD). Und die "unabhängige Justiz" ist leider längst Fiktion.

Ilu Minati
17.02.2010 10:48
0 0

Wenn einer vom Gartenbauamt für den Kollegen aus dem Wirtschaftsministerium die Mille entgegennimmt ist das völlig legal!

Der vom Gartenamt ist für Wirtschaftsangelegenheiten nicht kompetent, das ist aber Voraussetzung um von Bestechung zu reden.

Der erpresste Bestecher ist der Lump, immer, weil er befolgt zwar die Forderungen, aber ist ja nicht wirklich gezwungen so zu handeln.

Der Bestochene ist das arme Schwein, das zur Annahmene genötigt, keinen Ausweg mehr sieht und für die rasche Bewilligung die Anerkennung annehmen muß.

Sonst verliert man unter der Kollegenschaft den Ruf;-)


Gast: Peter Schober
17.02.2010 10:30
1 0

So schlimm kanns nicht sein....

... der Pröll hat gesagt, es bestehe kein Bedarf an transparenteren Regeln für die Parteienfinanzierung.

Gast: blinder seher
17.02.2010 10:22
0 0

das war doch klar....

alles eine packlerei...

derpradler
17.02.2010 10:07
1 0

Da hat er RECHT!

Dieser Supmf ist mir demokratischen Mitteln nicht mehr trocken zu legen. Eine grausige Tatsache!

Kantig
17.02.2010 09:37
0 0

Werden Sippen im Hofstaat nicht pekunär geprüft?

Da sind doch Vermögen festzustellen, oder?

Vielleicht funktioniert es bei Finanzprüfern anders?

Was du nicht willst das dir man tu, füge auch mir nicht zu. Oder so!

Gast: Ösi
17.02.2010 09:15
1 0

Der OLAF-Experte

beschreibt einen durchschnittlich westlichen europäischen Staat und seine Methoden.
Aber es ist eh Allgemeingut, dass der Staat nur deswegen etwas gegen die Mafia hat, weil die ja dasselbe Geschäft betreibt. Futterneid eben!

Antworten Gast: Insider
17.02.2010 09:50
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Er beschreibt Kärnten

und seine Methoden.

Antworten Antworten Gast: m
17.02.2010 15:33
0 0

Re: Er beschreibt Kärnten

Wenns nur Kärnten wäre, wärs schön... Kenn noch so manche Gegenden, wie Wien, NÖ, usw usf....

Antworten Antworten Gast: Blitzky
17.02.2010 10:13
2 0

Re: Er beschreibt Kärnten

Die Frau Bandion ist nicht Kärnter Landesrätin. Die Ist ÖVP-Justizministerin der Republik Österreich!!!!!!!
Genau die aber hat vor Kurzem das "Anfüttern" von Beamten straffrei gestellt.
Genau die deckt auch das derzeitige System der völlig im Dunklen ablaufenden Parteispenden.

Gast: Allahu Akbar vs. Friede Sei Mit Euch
17.02.2010 09:08
2 0

Klare Worte .....

und auf den Punkt gebracht was viele schon lange wissen.

 
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