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Terrorgesetz: Was man künftig noch sagen darf

20.04.2010 | 20:00 |  Von Rosemarie Schwaiger (Die Presse)

Schon das „Gutheißen" terroristischer Aktivitäten wird mit dem neuen Terrorgesetz unter Strafe gestellt. Auch der Blondinenwitz könnte ein Fall für die Gerichte werden.

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Die Angelegenheit war Vizekanzler Josef Pröll nur ein paar kurze Sätze wert: „Wir haben das Terrorismuspräventionsgesetz beschlossen", sagte er am Dienstag nach dem Ministerrat. „Die Regierung hat damit ein klares Signal gesetzt." Nach dem Beschluss im Parlament soll das neue Gesetz am 1. August 2010 in Kraft treten. Manches geht ja auch schnell in dieser Regierung.

Verboten ist in Zukunft unter anderem die Teilnahme an Terrorcamps oder andere Arten der Ausbildung für terroristische Zwecke. Der Strafrahmen ist durchaus ambitioniert: Lehrer in Terrorcamps sollen bis zu zehn Jahre Haft ausfassen, Schüler bis zu fünf Jahre.

Was ist Terror, wo beginnt er?

Doch die Novelle des Justizministeriums geht noch weiter. Um sich strafbar zu machen, wird es nicht mehr nötig sein, selbst etwas anzustellen. Mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht ist ab August bereits das „Gutheißen" von terroristischen Aktivitäten. Wer sich unter dem etwas antiquierten Begriff nichts vorstellen kann, findet in Strafrechtskommentaren eine Erläuterung: „Gutheißen einer strafbaren Handlung bedeutet, sie als rühmlich und nachahmenswert hinzustellen und auf diese Weise das Gesetzesverbot zu erschüttern", heißt es darin. Damit seien nun endlich Maßnahmen gegen sogenannte „Hassprediger" möglich, freute sich Pröll am Dienstag.
Mag sein, dass diese Zielgruppe sich vom neuen Gesetz abschrecken lässt. Aber berechtigt ist auch die Frage, wie weit eine Gesellschaft noch gehen soll, um der - zumindest in Österreich - doch eher theoretischen Terrorismusgefahr zu begegnen.

Das heimische Verbotsgesetz funktioniert zwar ähnlich, aber es lässt sich mit der historischen Verantwortung Österreichs und der Rücksicht auf noch lebende Opfer von damals erklären. Beim Terrorismus fehlt dieser Hintergrund. Dient es wirklich der Sicherheit oder wenigstens dem Sicherheitsempfinden, wenn dummes Schwadronieren mit Haft bedroht wird? Oder geht es nur noch um die Bevormundung des Bürgers?

Schwierig wird wohl auch die Judikatur. Was Terror ist und wo er beginnt, lässt sich leider nicht ganz eindeutig definieren. Macht sich in Zukunft strafbar, wer bei einer Kurden-Demo in Wien mitmarschiert? Oder ein gewisses Verständnis für die einstigen Aktivitäten der deutschen RAF erkennen lässt? Oder den Mut von islamistischen Selbstmordattentätern vor zu viel Publikum bewundert?
In der Begutachtungsphase rief das Gesetz zum Teil recht heftige Kritik hervor. Die SPÖ wollte erst nicht zustimmen, ließ sich durch ein paar Änderungen dann aber doch erweichen. Der Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk ist aber auch jetzt nicht glücklich: „Ich halte die Regelung nach wie vor für überzogen." Auch der österreichische Rechtsanwaltskammertag (ÖRAK) sprach sich dagegen aus: „Rechtsstaatliche Grundsätze werden unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung abermals über Bord geworfen", kritisierte ÖRAK-Präsident Gerhard Benn-Ibler.

Erst denken, dann reden

Erst denken, dann reden: Diese alte Empfehlung bekommt durch das Gesetz eine strafrechtliche Relevanz. Lockeres Drauflosplaudern kann sich böse rächen, und zwar nicht nur, wenn es um Terrorismus geht. Weil die Regierung gerade dabei war, die Meinungsfreiheit einzuschränken, wurden die Redeverbote gleich noch auf ein paar andere Themen ausgeweitet. Schon bisher machte sich strafbar, wer Angehörige einer bestimmten Religion, einer Rasse, eines Volkes oder eines Staates wegen dieser Zugehörigkeit verächtlich machte.


Ebenfalls untersagt sind bald auch böse Bemerkungen, die auf das Geschlecht, das Alter, die sexuelle Ausrichtung, die Weltanschauung oder eine Behinderung zielen. Nicht nur die Büttenredner beim Villacher Fasching werden die neuen Zeiten ziemlich anstrengend finden. Auch durchschnittliche Kabarettprogramme könnten künftig die Gerichte beschäftigen. Und auch Blondinenwitze werden damit zum Hasardspiel, das man nur noch in Gesellschaft guter Freunde wagen sollte.

Österreicher mit Migrationshintergrund

Abseits strafrechtlich relevanter Tatbestände ist es in den vergangenen Jahren zunehmend schwierig geworden, sämtlichen Regeln der verbalen Political Correctness gerecht zu werden. Die Liste der Verbote wird immer länger: Wer behindert war, ist jetzt körperlich eingeschränkt; wer als Taubstummer durchs Leben gehen musste, tut dies jetzt als Gehörloser; wer einst ein Ausländer war, ist jetzt ein Österreicher mit Migrationshintergrund.

Internationaler Vorreiter in diesem Bereich sind die USA, in denen es offiziell nicht einmal mehr erlaubt ist, einen 200-Kilo-Mann als dick zu bezeichnen - er ist vielmehr „horizontally challenged".
Ob das den Betroffenen wirklich hilft, ist äußerst fraglich. Dass verbale Rücksichtnahme nicht notgedrungen zu mehr gegenseitigem Verständnis führt, beweisen unter anderem das Binnen-I und seine Ableitungen. Frauen werden nun zwar stets extra erwähnt; an ihrer Benachteiligung bei Gehalt und Aufstiegschancen hat das aber nichts geändert.

 

 

 

(("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2010))

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555 Kommentare
 
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Gast: asd
04.06.2010 21:34
0 0

www.terrorgesetz.at

Es gibt übrigens bereits eine Petition gegen das Gesetz.

Zu finden auf: http://www.terrorgesetz.at/

Ich kann nur Jedem (und natürlich Jeder ;-) empfehlen die Petition zu unterzeichnen.

Gast: Rudi
01.05.2010 10:26
0 0

RE

Wenn ich sage, du bist eine geile Frau, mache ich mich als auch schon strafbar?

tsts

17und4
01.05.2010 08:36
0 0

das ist Staatsterror, schlimmere Zensur als

damals zu Kaiserzeiten, Grillparzer würde sich im Grab umdrehen.
Pröll und Faymann und das ganze Gesöckse, noch darf man es sagen, sollte nie mehr von Leuten mit Charakter gewählt werden.

Antworten Gast: anonimus
14.05.2010 21:55
0 0

Re: das ist Staatsterror, schlimmere Zensur als

In einem Land, wo Fußball, Schirennen usw. den Durchschnittsbürger kennzeichnet, werden Sie kaum viele Leute mit Charakter finden, eher Gefolgsleute von "Eduard Hirn".

Gast: Bast
29.04.2010 20:41
1 0

Terror

Wenn ich in der Öffentlichkeit jemandem bezichtige, er würde mich terrorisieren, ist das strafbar und wenn ja wann ist solche Anschuldigung klagbar oder nicht klagbar?

Gast: anonimus
29.04.2010 00:27
1 0

da hat es doch

einmal einen Staatskanzler gegeben, ich glaub' er hieß Metternich (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Klemens_Wenzel_Lothar_von_Metternich), der ein besonderes System der Überwachung der Staatsbürger = Metternichsches System eines Polizeistaats einführte.
Man sieht, wir Österreicher haben hier eine angestammte Tradition.

Gast: Penicillin
26.04.2010 01:00
1 0

...und nun,

in den Zirkus mit den Verfassern,-man fasst es nicht mehr!
Wann kommt der Erfinder der Gedankenliest?.
Also liebe Politiker dotiert so eine Erfindung
recht stattlich,-auch das wär euer Traum,-oder?

Gast: hans
24.04.2010 15:53
0 0

Ein tolles Konjunkturprogramm

leider wieder nur für Rechtsanwälte

2 0

Als ob nicht andere, sondern wir die Terroristen sind

Diese abermalige Beschränkung der freien Meinungsäusserung in Österreich beunruhigt mich. Die "Geschützten" dürfen tun, was sie wollen, aber wir, die nichtbetroffenen Ungeschützten, falls wir an ihrem Tun Kritik üben wollen, dürfen weder deren Tun noch ihr Reden und insoweit sie selbst auch nur benennen. Natürlich sind Terrorakte Verbrechen, aber wieso werden Büttenreden und Blondinenwitze, die ohnehin nur reines Reden und keine Akte sind, auf gleicher Stufe mit ihnen genannt und verfolgt?

Gast: Gastmane
23.04.2010 22:37
3 0

Zuerst die Tierschützer ...

... und dann ihre Sympathisanten.

,Als sie die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen - denn ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialisten und Gewerkschafter geholt haben, habe ich geschwiegen - denn ich war ja keins von beiden. Als sie die Juden geholt haben, habe ich geschwiegen - denn ich war ja kein Jude. Als sie mich geholt haben, hat es niemanden mehr gegeben, der protestieren konnte."

Martin Niemöller

Gast: Rumpex Lumpex
23.04.2010 19:06
2 0

Dieses Gesetz ist eine Katastrophe!

Ist ab jetzt das "Krüppel-Lied" vom Qualtinger verboten?

Soll unsere Sprache, die eben voll von schiefen Metaphern, Blumig- und Derbeiten ist, sterilisiert werden?

Dürfen wir nur noch unverbindliches Diplomatengeschwafel von uns geben????

Ein "Newspeak" (Orwell, 1984)?!

Soll das Denken gleich mit gesäubert werden?

WIR MÜSSEN ETWAS TUN!

Gast: Mhh
23.04.2010 14:05
1 0

Also

hat sich da jetzt der Pröll sein eigenes Gesetz geschaffen, damit er nur mehr "horizontally challenged" geheissen werden darf.
Toll!
Weiter so!
Das Wichtigste stets zuerst!

Gast: Terrorismuspräventionsgesetz
23.04.2010 12:38
1 0

Und jetzt das Blödheitspräventionsgesetz

Wann kommt nach dem Terrorismuspräventionsgesetz endlich das Blödheitspräventionsgesetz? Heuer, nächstes Jahr oder gar nicht? Wohl letzteres, weil sich dann unsere glorreichen Gesetzesbeschließer leider selber abschaffen müßten.....

Antworten Gast: anonimus
29.04.2010 00:17
1 0

Re: Und jetzt das Blödheitspräventionsgesetz

Reduziert die Leistungen der Steuerzahler für die Mindestsicherungsbezieher, dann werden die Politiker ganz schnell abgeschafft.

Gast: Vergelter-Öko-Spiritualist
23.04.2010 09:31
0 2

Islamismus und Kapitalismus bekämpfen

Es ist gut, dass man den Islamismus bekämpft. Man muss aber auch den Kapitalismus bekämpfen. Da die herrschenden Parteien zu wenig gegen den Kapitalismus tun, muss jeder einzelne Bürger aktiv werden.
Dies hat auch schon angefangen.

Im Jahr 2009 gab es in Finnland 10-mal mehr Antikapitalisten, als 5 Jahre zuvor. Siehe dazu die Ergebnisse der Europawahlen von 2004 und 2009.
Ähnlich war die Entwicklung in anderen Ländern.
Der Kapitalismus wird scheitern.

Das kapitalistische System muss durch ein ökologisches System ersetzt werden. Z. B. muss der Euro durch regionale Gelder (mit Umlaufgebühr) ersetzt werden. Durch diese Umlaufgebühr wird erreicht, dass ein extremes Horten von Geld nicht mehr möglich ist. Die Reichen können dann nicht mehr auf Kosten der Armen leben. Siehe dazu
www.humane-wirtschaft.de

Gast: Ogrosl
23.04.2010 03:29
2 0

Wieder ein Schritt in der Erziehung zur "political correctness"!

Mit solchen dummen und widersprüchlichen Gesetzen (Wer ist den überhaupt ein Terrorist? Wer weiss das schon?) will man Opposition mundtot machen und die Arbeit der Zensoren erleichtern!
Solche Gesetze gehören von allen politisch Interessierten ignoriert!

stefan87
22.04.2010 22:48
2 0

Wir haben verloren.

Ich sage es nicht gerne, aber im Kampf gegen den Terrorismus haben wir das verloren, wofür wir in Afghanistan kämpfen.
Wir haben unsere Freiheit verloren.

Gast: bob
22.04.2010 16:56
6 0

der real existierende sozialismus

Österreich wird zum real existierend totalitären Sozialismus neuer Prägung. Kalte Enteignung der Bürger durch absurde Besteuerung von Einkommen und Vermögen gekoppelt mit totaler Überwachung durch Video- und Datenüberwachung ohne richterliche Kontrolle (siehe Verwertung der Videodaten durch die Exekutive) und Mundtot machen des zivilen Widerstands durch Anti-Mafia udn Anti-Terror Gesetze. Und alle fühlen sich wohl dabei, denn es geht ja eh nur gegen die Reichen und schützt uns vor den Terroristen.

Antworten Gast: Verus
22.04.2010 21:44
2 0

Re: der real existierende sozialismus

..beruhigen Sie sich!!! es trifft auch die Linken, die in der Mitte - einfach alle und hat mit Reich oder nicht Reich wenig zu tun.

..es trifft wie weiter unten angesprochen - einmal die Pfadfinder und ein anderes Mal die roten Falken.
Kommt halt drauf an, wer nach inkrafttreten dieses Gesetzes an die Macht kommt, vielleicht die absolute wie seinerzeit Zeit Kreisky *g* die Kugel rollt......es geht nix mehr.......ihre Gesinnung wird ein Problem letztlich....egal ob Sie Rot,Schwarz,Blau,Gelb,GRÜN sind .....der nächste am Trog, wird diese Macht nützen.....

harbard
22.04.2010 14:10
2 1

...endlich haben die roten falken ein gesetz

...um gegen die pfadfinder (-camps) vorgehen zu können!

1 0

Wie kriegen wir die als Nazi diffamierten Freiheitlichen mit Wunsch nach mehr Demokratie zur Wirkung?

Diese grokonell Politklicke macht sich die Welt wie sie will, wir sind Luft für die!

Wenn in einer Demokratie Diskrepanz zwischen BürgerIn und Politklicke herrscht, hat sich die Politklicke zu korrigieren.

Wie können wir Politklicke zwingen, nach den Regeln der BürgerIn zu tanzen?

Volksabstimmungen erleichtern? Legislaturperiode verkürzen - hat aber Fischer gerade um 25% verlängert.

Ist Fischer Demokrat oder Kommunist?


Antworten Gast: Zeitloser Frühling
22.04.2010 17:20
2 0

Re: Wie kriegen wir die als Nazi diffamierten Freiheitlichen mit Wunsch nach mehr Demokratie zur Wirkung?

Mit mehr Bildung. Schon der Auftritt bei der kleinen SP-FP Koalition mit Steger war kein Ruhmesblatt. Ich erinnere mich an Holger Bauer als Sekretär im BMF. Selten so etwas Unbedarftes gesehen. Aber bei weitem nicht so peinlich wie seine Nachfolger unter VP-FP, welche sich allesamt mit Ausnahme von Böhmdorfer als absolute Lachnummern outeten.
Also Bildung, Bildung und nocheinmal Bildung.
Die freiheitlichen Inhalte verdienen es nämlich zum Teil halbwegs zivilisiert artikuliert zu werden.

3 0

Es ist Vormärz...

Mizzi, Claudia - denkt an eure Amtsvorgänger im 19. Jahrhundert, und fangt schon mal an zu zittern!

1 0

Mach ich mich mit diesem Link jetzt strafbar?

http://www.youtube.com/watch?v=FprnQnz8WOA
Eines der treffendsten Lieder überhaupt, zu diesem Thema!

diogenes
22.04.2010 10:08
1 0

Vertically very challenged sind die Verfasser des Gesetzes!

hauptsächlich on the top.

Gast: Aufpassen ÖSI!
22.04.2010 09:59
2 0

§283 Verhetzung

Allein für diese Aussage, die einen schweren Verstoß gegen §283 Verhetzung darstellt, müsste man ÖSI die Höchststrafe von 2 Jahren aufbrummen. ÖSI hat jedoch das Glück, dass das Gesetz erst am 1. August in kraft tritt.

Nimmt man einmal die 20 % Österreicher, die gegen dieses Gesetz schon durch blosse Existenz verstossen, so brauchen wir so an die 1,6 Mio neue Gefängnisplätze.

Dieser Kommentar ist an Dummheit nicht mehr zu überbieten!!

 
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