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Beatrix Karl: "SPÖ hat rasche Lösungen verhindert"

03.05.2010 | 16:32 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Die Regierung hat sich auf neue Studieneingangsphasen geeinigt. Ab 2011 müssen Studienanfänger nach ein bis zwei Semestern ein Aufnahmeverfahren bestehen, um an der Uni bleiben zu dürfen.

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Wien.Eine reine „Orientierungsphase“ für die Studierenden sollen die Studieneingangsphasen sein, die ab 2011 in allen Studienrichtungen eingeführt werden – so war bis vor Kurzem noch die Sprachregelung der Regierung. Nun aber haben ÖVP und SPÖ einen überraschenden Kurswechsel vollzogen: „Wir haben uns mit der SPÖ darauf geeinigt, die Studieneingangsphase zu adaptieren und für qualitative Aufnahmeverfahren zu öffnen“, sagt Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) im „Presse“-Interview. Der Grund: „Wir haben gesehen, dass wir in den Massenfächern große Probleme haben, die es gilt, in den Griff zu bekommen. Da müssen wir eine Lösung bieten, um die Qualität sicherzustellen.“

Und da, so Karl, hätten sich nur zwei Lösungen geboten: die Neukonzipierung der Studieneingangsphasen einerseits oder die Änderung des Notfallparagrafen (§124b) im Uni-Gesetz andererseits. Dieser ermöglicht den Unis derzeit, die Platzzahl in Studienrichtungen bei „unzumutbaren Bedingungen“ wegen zu großen Andrangs aus dem Ausland zu beschränken. „Wir dürften hier nicht nur auf ausländische Studierende abstellen“, sagt Karl. „Nicht alle Probleme in Massenstudien können wir den Deutschen in die Schuhe schieben.“

 

Klarheit für Studenten, Planbarkeit für Unis

Geeinigt hat man sich mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied – die die Verhandlungen auf SPÖ-Seite führte – aber schließlich darauf, die Studieneingangsphasen als „Instrument zur Regelung des Uni-Zugangs“ auszubauen, so Karl. Das neue Konzept im Detail: Die Eingangsphasen dauern bis ein bis zwei Semester; am Ende steht ein „qualitatives Aufnahmeverfahren“, das jeder Student bestehen muss. „Nach einem Jahr hat also jeder Studierende Klarheit darüber, ob er weiterstudieren kann oder die Phase wiederholen muss.“ Den Unis biete das Konzept Planungssicherheit bei der Anzahl der Studienplätze.

Wie das Auswahlverfahren genau aussehen soll, will Karl noch nicht sagen: „Das ist noch Inhalt der Verhandlungen mit der SPÖ.“ Möglich seien dabei sowohl Tests als auch mehrgliedrige Prüfverfahren, die etwa persönliche Bewerbungsgespräche beinhalten. „Ich will nicht alle Studienrichtungen über einen Kamm scheren. Wir müssen uns die Bedürfnisse in den Studienrichtungen genau ansehen.“ Und auch über zusätzliche quantitative Beschränkungen – also die Festlegung einer bestimmten Platzzahl wie derzeit in der Medizin – soll diskutiert werden. „In bestimmten Studienrichtungen kann das sinnvoll sein“, sagt Karl. „In Massenfächern oder in Studien wie der Biologie, in denen es um Laborplätze geht.“

Den Vorwurf, die Unis würden die Studieneingangsphasen zum „Knock-out“ – also zum Hinausprüfen der Studierenden – verwenden, will Karl nicht gelten lassen: „Die Notengebung kann ich natürlich nicht beeinflussen“, sagt die Ministerin. „Wir werden aber mit Experten beraten, welche Eckpunkte und Rahmenbedingungen wir gesetzlich vorgeben sollen und welche Spielräume die Unis bekommen.“ Generell würden die Studieneingangsphasen bisherigen Knock-out-Prüfungen eher entgegenwirken. „Knock-out-Prüfungen sind intransparent und ziehen sich oft quer durch das Studium. Studierende wissen nicht, wann das Knock-out erfolgt und nach welchen Kriterien. Bei fairen Auswahlverfahren ist dem nicht so“, sagt Karl.

Das Problem bei der neuen Regelung: Die Studenten verlieren – falls sie das Auswahlverfahren nicht bestehen – im schlimmsten Fall ein ganzes Studienjahr. Dass sofortige Eingangstests fairer und ökonomischer wären, will Karl aber nicht bestätigen: „Beide Konzepte haben Vorteile. Die Eingangsphase bietet die Möglichkeit, sich besser auf das Aufnahmeverfahren vorzubereiten.“

 

Erste Konzepte bereits im Oktober

Geeinigt haben sich SPÖ und ÖVP zeitgleich auf Zugangsbeschränkungen nach dem Notfallparagrafen im überlaufenen Publizistik-Studium (die „Presse“ berichtete). Die Anträge der WU Wien sowie für das Architekturstudium scheiterten am Widerstand der SPÖ. „Die SPÖ hat damit rasche Lösungen verhindert“, kritisiert Karl. Bei der Studieneingangsphase will sie dafür nun Druck machen: „Im Oktober soll ein Konzept vorliegen, weil die Unis entsprechend Zeit für die Umstellung brauchen.“

Dass die ÖVP im Abtausch zur Studieneingangsphase der von der SPÖ forcierten Ausweitung der Neuen Mittelschule zustimmt, weist Karl zurück. „Ich bin aber weiterhin bereit, mit Schmied über eine umfassende Bildungsreform zu diskutieren.“ Leitartikel S.27

AUF EINEN BLICK

Uni-Zugang neu. Die Regierung hat sich auf neue Studieneingangsphasen geeinigt. Ab 2011 müssen Studienanfänger nach ein bis zwei Semestern ein Aufnahmeverfahren bestehen, um an der Uni bleiben zu dürfen. Detaillierte Konzepte will Ministerin Beatrix Karl (ÖVP) im Oktober vorlegen. Zustimmen wird die Bundesregierung auch dem Antrag auf Zugangsbeschränkung der überlaufenen Publizistikstudien an den Universitäten in Wien, Salzburg und Klagenfurt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2010)

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37 Kommentare
 
1 2
derpradler
06.05.2010 09:52
0 1

Die Frau Karl,

wer ist das?

Antworten W. Serro
06.05.2010 12:29
0 1

Re: Die Frau Karl,

Gegenfrage: Wer sind Sie?

facts
04.05.2010 14:24
0 0

Weg mit den Studenten

Österreich ist ein Arbeiter- und Bauernstaat. Bildung brauch ma ned.

Antworten Helvia
04.05.2010 20:14
0 0

Re: Weg mit den Studenten

Es sind Arbeiter und Bauern genauso wichtig,
wie Wissenschafter und Künstler .

Eine Gesellschaft funktioniert nur in der Vielfalt.
Außerdem hängt Bildung nicht alleine von einem Studium ab, sondern von einem tiefen Interesse für etwas.

Dieses Interesse und kritisches, eigenständisches Denken läßt bei so manchen Studenten sehr zu wünschen übrig.
Also falsch, nicht" weg" mit den Studenten, sondern mit denen die keine Ambitionen und Forschungsdrang haben.
Die eher auf einem egoistischen Selbstverwirklichiungstrip sind und erwarten, daß gerade diese Arbeiter und Bauern, sowie alle hart arbeitenden Berufstätigen, ihrenTrip finanzieren.


Gast: Arno
03.05.2010 14:42
0 0

Speed kills

wie wir seit Schüssel wissen.

Gast: dan12
03.05.2010 13:14
0 1

worst case szenario

ist dieses eingangsphasenmodell. nicht nur, dass, statt die akademikerInnen-quote zu erhöhen, jetzt tendenziell ausgesiebt wird. nicht nur, dass wir bald der anmaßung ausgesetzt sind, dass man nach einem studienjahr objektiv feststellen könnte wär denn "geeigenet" sei oder nicht - vor allem in studien mit vielen anfängerInnen - (stattdessen könnte man die jugendlichen in den schulen ja so ernsthaft, konzentriert und sinnvoll auf ihr weiteres leben vorbereiten, dass es bei der studienwahl nicht mehr so um spontanentscheidungen geht) - Nein - auch die überfüllten hörsäle werden nur sehr bedingt ein ende nehmen: man stelle sich die eingangsphase der massenstudien vor, wenn diese von vielen wiederholt wird. teufel eins. in der praxis bedeutet es wohl, dass jene die durchfallen, im nächsten jahr die viel größere chance haben es zu schaffen. de facto schiebt man alles nur auf. katastrophaler einfall von herrn ... äh frau karl (zitat: ich liebe euch alle)

Antworten Captain_O
03.05.2010 18:44
0 0

Diesen Wörterdurchfall muß man ausdrucken; vor dem ausdrucken


Antworten Gast: Bruggler
03.05.2010 14:55
0 0

Wenn ich mir die vielen

unfähigen Juristen und Medziner ansehe, die eine tolle Matura hinter sich haben - und ein mehr als katastrophales Studium - dann kann ich Ihnen nur Recht geben. Einzig und allein ausschlaggebend für den Studienabschluss dürfen die Noten im Studium sein, sonst nichts, nichts und wieder nichts.

0 0

Die besten XXX Studenten kommen weiter,

warum nicht, unabhängig von den Noten. Wenn alle auf "1+" geprüft werden, entscheidet die Punkteanzahl. Das würde die Qualität der Studenten in den weiteren Abschnitten heben.

Antworten Gast: Huber
03.05.2010 14:56
0 1

Genau das

wird die ÖVp NIEEEEEE akzeptieren. Wär ja noch schöner für den Herrn Sohn vom Meidzinalrat oder Hofrat, wenn er sich auch noch im Studium anstrengen müsst' ...

Antworten Gast: Huni
03.05.2010 13:07
0 0

Re: Die besten XXX Studenten kommen weiter,

Nur 30 Studenten is aber scho a bisserl wenig.....

aber mal im ernst...Noten haben nur eine bedingte Aussagekraft über die Fähigkeiten...

Antworten Gast: dan12
03.05.2010 13:01
0 0

Re: Die besten XXX Studenten kommen weiter,

bitte glauben Sie doch nicht das märchen, von noten die angeblich ganz genau der - wie Sie es etwas hässlich ausdrücken - "qualität der studenten" entsprechen würden.

Tom93
03.05.2010 11:59
0 2

die övp kriegt den hals nicht voll

jetzt reicht es der övp nicht mehr dass die spö umfällt und in allem nachgibt, nein, die spö muß SOFORT einknicken! die paar wochen wartezeit vor der unausweichlichen sp-kapitulation waren für die övp schon empörender ungehorsam, den die frau karl hier zurecht anprangert. weil so gehts ja wirklich nicht!

El Barato
03.05.2010 11:44
0 0

Fauler Kompromiss

Dieses Land sollte sich der Großen Koalition schnellstens entledigen - in letzter Zeit kommen nur noch faule Kompromisse zustande, nicht Fisch, nicht Fleisch.

SPÖ und ÖVP sind offensichtlich in vielen Fragen ideologisch derart weit auseinander, dass eine vernünftige Zusammenarbeit nicht möglich ist.

In diesem konkreten Fall: Was soll diese Regelung bringen, außer die Fortschreibung des Status Quo? Die Anfängerzahlen werden dadurch definitiv nicht gesenkt, weil es darf ja nach wie vor jeder "mal probieren". Dadurch bleiben die Kapazitätsprobleme bestehen und werden durch die "Wiederholer" eher noch schlimmer, da sich dadurch ein immer größerer Rückstau an Erstsemestrigen aufbaut (Neuankömmlinge plus jene, die im Vorsemester gescheitert sind - gute Nacht nach spätestens 3 Jahren).

Ich bin für Aufnahmeprüfungen, weil dann jeder die gleichen Chancen hat und von Anfang an Klarheit besteht, anstatt erst einmal 1 Jahr zu versemmeln. Damit sollten auch die Verluste von Semestern aufgrund der Wartezeit auf Plätze (Labor, Praktikum, Seminar etc) stark reduziert werden. Alles andere ist weltfremd.

Antworten Gast: Kuno
03.05.2010 14:46
1 0

Ein noch faulerer Kompromiss...

Wer einmal als 18-Jähriger ein Zufallsprüfung bestandne hat, sollte noch lange nicht das Studium in der Tasche haben. Die Drop-out Rate IM STUDIUM darf nicht sinken, oder wir bekommen die miesesten Akademiker aller Zeiten!

Antworten Antworten El Barato
03.05.2010 18:45
0 0

Re: Ein noch faulerer Kompromiss...

Aha, hohe Dropout-Rate = hohe Qualität... Interessant, von der Warte habe ich es noch nie betrachtet. Kann natürlich auch daran liegen, dass diese Gleichung gelinde gesagt hanebüchen ist.

Gast: Ich liebe Euch alle !
03.05.2010 10:48
3 0

.. vor allem Euren Neusprech


"Nach einem Jahr hat also jeder Studierende Klarheit darüber, ob er weiterstudieren kann oder die Phase wiederholen muss.“

Liebe Jugend !

Wir, Eure treu sorgenden Regierenden stehlen Euch, falls Ihr männlich seid, zuerst ein Jahr bei einem militärisch ausgerüsteten Nachwächterverein, um den Billa in Güssing zu bewachen.

Danach lassen wir Euch - selbstverständlich ohne Beschränkungen, wir sind ja sozial und (manchmal) demokratisch - auf die Uni und nach nur einem Jahr sagen wir Euch ob Ihr weiter in der Warteschleife bleibt, oder endlich etwas anderes tut als bei Massentests Multiple Choice-Fragen anzukreuzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Euer Herr, pardon, Eure Frau Karl

PS: Ach ja, und das Steuergeld Eurer Eltern verwenden wir, um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu bewahren. Für mehr Studienplätze haben wir dann leider kein Geld mehr, sorry, aber Ihr versteht das sicher.

Gast: Studentin
03.05.2010 07:52
1 0

Studieneingangsphase

Ich als Studentin bin definitiv dagegen, eine solche Aufnahmeprüfung zu einem so späten Zeitpunkt durchzuführen. Man muss sich hier auch einmal überlegen, was das für eine Auswirkung auf diejenigen hat, die auf Beihilfen angewiesen sind - die bekommt man nämlich auch nur unter bestimmten Voraussetzungen (vorgegebenen Zeitrahmen einhalten). Abgesehen davon verhindert dies ja wiederum einen möglichst freien Zugang zur Bildung. Und zusätzlich halte ich es für unsinnig, Kompetenzen testen zu wollen, die doch eigentlich erst im Laufe des Studiums erworben werden sollen/können.

fireone
03.05.2010 07:22
2 2

Alles,

was bei uns, vom politischen Gegner kommt ist "Pfui". Auch wenns noch so gut ist. Da wird gar nicht darüber nachgedacht.
Gut sind nur die eigenen Ideen und wenn sie noch so ein Mist sind.

Gast: Protestierender Studierender
02.05.2010 23:30
8 0

Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!!

Das ist ja wieder mal typisch SPÖ - aber so eine feige Partie habe ich schon lange nicht mehr gesehen. "Notfall"paragraph 2x Nein (und 1x Ja), weil sie sind ja gegen Zugangsbeschränkungen.

Aber Zugangsbeschränkungen durch die Hintertür einführen? Da haben sie alle nichts dagegen. Wahrscheinlich könnte man denen sogar Studiengebühren & Co aufschwatzen, wenn nur ein anderer Name dafür gefunden wird...

Jedenfalls: Wer diese Partei wählt, wirft seine Stimme weg - und zwar unabhängig von der eigenen politischen Orientierung.

Antworten Gast: Peter S.
03.05.2010 14:47
1 1

Ach so, du bist schon drinnen und willst hinter dir keine Konkurrenten.

Wieder ein unnötiger Akademiker mehr....

Antworten Tom93
03.05.2010 12:01
2 1

ja aber schuld ist schüssel...

...mir können nix machen, der koalitionspartner ist so gemein zu uns! BUHUUU!

Helvia
02.05.2010 21:24
3 0

Studieneingangsphase

Dieses Aufnahmeverfahren sollte auf keinen Fall erst nach 1 oder sogar 2 Semestern erfolgen.

Das wäre Ressourcenverschwendung, oder will man unbedingt noch mehr Steuergeld verschwenden.

Antworten fireone
03.05.2010 07:25
2 0

Re: Studieneingangsphase

Macht doch nix, wir habens ja. Nicht umsonst drücken uns unsere Volksver(ä)treter das Märchen von einem der reichsten Staaten Europas, wenn nicht gar der Welt aufs Auge.

Antworten fmoedrit
02.05.2010 21:52
5 0

Re: Studieneingangsphase

Besser als nichts, muss man leider sagen. Die jetzige Regierung schafft ohnedies nur faule Kompromisse (Nichtraucherschutz) und faule Kredite (Griechenland)... und die SPÖ ist für mich inzwischen die Partei, die das Land, die Universitäten, die Menschen,... in den Ruin treibt. Keine Partei agiert nachhaltig so hirnlos wie unsere sozialen, kompetenten Genossen!

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Re: Re: Studieneingangsphase

bei all dem Bashing gegen die anscheinend von ihnen so sehr verhassten Sozialisten, sollte man aber auch die ÖVP nicht aus der Schuld nehmen.... die hat ja großteils diese ganze Bildungsmisere verursacht, natürlich unter zustimmenden Nicken der SPÖ und FPÖ/BZÖ

 
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