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Nationalrat: Euro, Drachmen und Kärntner Gulden

05.05.2010 | 18:38 |  Thomas Prior (Die Presse)

Das BZÖ will die Währungsunion zweiteilen. Die EU solle eine Quarantänezone einrichten für jene Mitgliedstaaten, die die Kriterien nicht erfüllen, um einen starken Euro zu gewährleisten.

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Wien. Es ist Mittwochnachmittag im Parlament, und vor dem Rednerpult steht Ewald Stadler, breitbeinig und den Zeigefinger ins Plenum richtend, er ist in seinem Element. Wie ein Generalstabsoffizier trägt er die Anliegen seiner Partei vor. Das BZÖ hat den Nationalrat zu einer Sondersitzung einberufen, es geht um die griechische Finanztragödie und den fast 2,3 Milliarden Euro schweren Beitrag, den Österreich leisten wird.

Immer wieder deutet Stadler auf den Mann, der hinter ihm sitzt, es ist der Finanzminister, es ist Josef Pröll: „Um dem Steuerzahler in die Westentasche zu greifen, dafür brauche ich keinen Josef Pröll, da würde auch schon der Baumeister Richard Lugner reichen.“ Und wenn der Finanzminister zwischenzeitlich einmal wagt, Stadler ins Wort zu fallen, dann wird verbal zurückgebissen: „Net reden jetzt, sondern zuhören!“

Das BZÖ nämlich hält die österreichische Hilfeleistung für ein „Fass ohne Boden“, für ein „zweites Bankenpaket“, für einen „Verzweiflungsakt der Regierung ohne Legitimation des Nationalrats“. Wieder einmal, das sagte zuvor schon Klubchef Josef Bucher, werde den Banken „zulasten des Steuerzahlers“ geholfen. Das BZÖ hingegen hätte eine viel bessere Idee: Die EU, sagt Stadler, solle eine Quarantänezone einrichten für jene Mitgliedstaaten, die die Kriterien nicht erfüllen, um einen starken Euro zu gewährleisten. Sprich: „Eine zweite Währungszone.“

Das kommt einer Aufforderung zur Häme über die einstige Hausbank Jörg Haiders und damit auch des BZÖ gleich, die Kärntner Hypo Alpe Adria, die zu retten sich der Bund vor Kurzem erst gezwungen sah. Also ertönt der schier unvermeidliche Zwischenruf, der Stadler in Rage versetzen wird: „Was wollen Sie?“, heißt es feixend in den ÖVP-Reihen. „Vielleicht den Kärntner Gulden einführen?“

 

Der zornige Finanzminister

Dieser Kontertaktik bedient sich auch der Finanzminister, als er die Dringliche Anfrage an ihn beantwortet. „Die Kollegen vom BZÖ“ weist Pröll darauf hin, dass die Hypo Alpe Adria im Vergleich zur Griechenland-Hilfe „das Zehnfache an Risiko birgt und barg“. Dann verteidigt er das Maßnahmenpaket und driftet, wohl nicht ganz unabsichtlich, auf die emotionale Ebene ab: Ja, Griechenland habe über seine Verhältnisse gelebt und „uns alle“ damit hinters Licht geführt. Das, sagt Pröll, „macht mich zornig“.

Doch eine griechische Insolvenz hätte den Euro an den Rand der Währungsunion, hätte einen volkswirtschaftlichen Verlust von 20 bis 40 Milliarden Euro gebracht und „abertausende Arbeitsplätze gefährdet“. Insofern seien die Stützungsmaßnahmen für Griechenland auch „alternativlos“. Das zumindest wollte der Minister so formulieren, tatsächlich verhaspelt er sich zum Wort „griechenlandlos“ und bedient damit die Neigung des kleinen Abgeordneten zum Humor. Denn einige Oppositionspolitiker kreieren nun im allgemeinen Gelächter ein Wortspiel: „Ahnungslos. Hoffnungslos.“ Und so weiter und so fort.

Zum Ernst der Lage findet erst Josef Cap zurück, der Klubobmann der SPÖ: Die 2,3 Milliarden, sagt er und tippt mit zwei Fingern dermaßen auf das Rednerpult, dass es rauscht und kracht, seien in erster Linie gut für Österreich. Sie stünden nämlich in Zusammenhang mit Exporten und Arbeitsplätzen. Doch, und auf diesen Punkt will Cap hinaus: Die EU müsse nun den Druck erhöhen – „wir wollen die verantwortlichen Herrschaften in Griechenland vor Gericht sehen“.

Heinz-Christian Strache, der FPÖ-Chef, entdeckt hernach das griechische Orakel und deutet Prölls Achillessehnenriss düster als „schlechtes Omen“. Denn Österreich werde keinen einzigen Euro, den es nach Griechenland schicke, am Ende wiedersehen. Pro Österreicher bedeute das eine Neuverschuldung von 700 Euro. Wolle man den Griechen tatsächlich helfen, meint Strache, dann möge man doch die Drachme wieder einführen.

Der grüne Volkswirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen kommt erst über den Umweg Fernost auf die Akropolis: „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ sei im Chinesischen ein Fluch. Im Gegensatz zu FPÖ und BZÖ verteidigen die Grünen in Person Van der Bellens allerdings die Griechenland-Hilfe. Einen Seitenhieb auf seinen Vorredner kann sich der Professor also nicht verkneifen: Drachmen würden die Schulden nicht kleiner machen, im Gegenteil. Gemeinsam mit der Regierung lehnen die Grünen schließlich den Misstrauensantrag gegen den Finanzminister ab, den das BZÖ eingebracht hat.

 

Parlament gedenkt der NS-Opfer

Am Vormittag ging im Parlament eine zynismusfreie Veranstaltung über die Bühne – in der sich selbst die Sorge um Griechenland etwas relativierte: Denn bei einer Gedenkveranstaltung im historischen Sitzungssaal gedachten der polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, ein Auschwitz-Überlebender, und die österreichische Spitzenpolitik der NS-Opfer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 6. Mai .2010)

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108 Kommentare
 
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Stimmt das Gerücht, daß der Bundeskanzler Faymann heißt?


Zornige Frage an den Herrn Pröll:

Haben nur die €-Länder Griechenland Kredite gewährt, oder andere Staaten sehr wohl auch?

Warum dürfen dann nur die €-Länder Griechenland aus der Patsche helfen, besser gesagt den kreditgebenden Banken?????

Gast: gast
06.05.2010 21:25
0 0

Unser Schattenkanzler soll vor der eigenen Tür...

...kehren. Von der Pro Kopf Verschuldung her liegen wir nur mehr ein paar Tausend Euro hinter Griechenland. Von den angeblich aufgefangenen Banken sind mehrere pleite: Hypo, Volksbank, Bawag-PSK, Raiffeisen... Unsere Regierung ist unfähig, den neun Landeskaisern die Schneid abzukaufen und in der Verwaltung einzusparen.
Gleichzeitig steigen die Sozialtransfers massiv.
Wenn die zahlreichen Nachkriegsmodelle alle in Pension gehen, krachts auch bei uns.

Re: Unser Schattenkanzler soll vor der eigenen Tür...

Ich bin auch zornig, aber über unsere Regierungen, die um absolut nichts besser sind als die Griechen!

Auch unsere Politiker sind höchst ideenreich, wenn es gilt, die Schulden zu verstecken!

Wahrscheinlich ist Österreich ohnehin das nächste Opfer der amerikanischen €-Spekulation. Und in Wahrheit wäre es für unser Land sogar ein großer Vorteil, denn ausschließlich auf diese Weise könnte unsere schleimige Politik zu ernsten Sparmaßnahmen gezwungen werden!!!


Gast: Österreicher
06.05.2010 13:19
0 1

Systemrelevante Banken

"Systemrelevante" Hypo Kärnten sagt alles!

Das System eines Auftrages von Bundeskanzler Pöll und Feymann zum Wohle der EU in den Balkan auszuschwärmen und den Kärntnern mit ein paar Geschenken, Stadion, Prunkwörtherseehotel, Golfplätze die EU schmackhaft zu machen und mit einzubinden in die Spekulationen! Man hat das Land für die EU gekauft und die Politiker in dem Land haben teils/teils es gewusst bzw. erst wie es zu spät war bemerkt, dass der Zug rettungslos abgefahren ist und man Teil des Systems geworden ist.

So und jetzt schreiben Sie das alles nocheinmal

dafür aber etwas verständlicher! Wir haben ja Geduld mit Ihnen!

Gast: herbert
06.05.2010 12:59
1 0

wieso

wenn solche herren wie an pröll in die privathaftung genommen würde wenn so was schief geht würds anders ausschauen. jeder kleine GF nimmt man sofort in die Privathaftung GKK FA usw. was dem passieren kann dass man ihn nicht mehr wählt das wars dann an konsequenzen.
wir sind eine demokratie bei solchen sachen gehört eine volksabstimmung her, und nicht entschieden von ein paar einzelnen EU fetischisten.

jetztredi
06.05.2010 11:41
0 2

1) die fpö bzö fluffis haben NULL wirtschaftskompetenz


2) die griechen politiker der letzten 20 Jahre gehören wegen betrug angeklagt und verurteilt

Antworten LUPO
06.05.2010 12:52
1 0

Re: 1) die fpö bzö fluffis haben NULL wirtschaftskompetenz

wie die ÖBB Politik in unseren Breiten, der Cap denkt ja schon in diese Richtung.

Herberti
06.05.2010 11:32
3 0

Pröll vor 3 Wochen:

"Kein Kredit an Griechenland"

Pröll vor 2 Wochen:
"Super 400-Millionen Kredit an Griechenland, der tolle Zinsen bringt"

Pröll vor 2 Tagen
"Wir benötigen 2.3 Milliarden Euro an "Löschwasser" für Griechenland"

Pröll gestern:
"Weiß nicht, ob das Löschwasser reicht"

Uns hülfe nur eines: eine Demokratie nach Schweizer Vorbild, wo die Bevölkerung die wichtigen Entscheidungen per Volksentscheid direkt trifft.

Österreichs Politiker mögen sich um die Schwulenhochzeit und ähnliche Probleme kümmern, damit sind sie leicht ausgelastet, diese Deppen.

Antworten Gast: Entscheidung
06.05.2010 15:19
0 2

Re: Pröll vor 3 Wochen:

Sie wollen einem Volk von Krone und Österreich Lesern, Big Brother und Starmania Sehern eine Entscheidung treffen lassen, die mein Geld betrifft?!

Und wer ".. hülfe .." schreibt, dem gehört ohnehin das Wahlrecht entzogen.

LUPO
06.05.2010 11:10
1 0

Banken & Gewerkschaften

und schon funktioniert das Gesellschaftssystem nicht mehr, getragen von Menschen die an deren Leine hängen. Das mit dem Cap „Ernst der Lage“ war ein guter Witz.

ernestus
06.05.2010 11:07
0 1

Wenig Kultur

Wenn man die Postings liest, merkt man, daß diese von Hass, Unverständnis und politischer Dialektik nur so strotzen.

Wäre vielleicht einer der geschätzen Schreiber im Stande, eine konstruktiven Vorschlag zu machen, wie Europa, wie Österreich, wie Griechenland, aus der Misere herauskommt?

Es ist zu wenig, Politiker einfach zu beschimpfen, ohne selbst einen durchdachten Weg aufzuzeigen.

Jedes Kind weiß heutzutage, daß die europäischen Staaten von Griechenland wissentlich hinters Licht geführt wurden - dennoch hat sich die Kommission und das Parlament entschlossen, diesen Staat in die eurozone aufzunehmen. Weshalb weiß kein Mensch.
Jetzt aber ist's einmal geschehen und es muß eine Lösung erarbeitet werden, um weiteren Schaden abzuwenden.

Ich selbst würde mir nicht zumuten, über richtig und falsch zu entscheiden. Und beneiden würde ich die Verantwortungsträger auch nicht.

Antworten Gast: Pauli
06.05.2010 12:40
2 0

Re: Wenig Kultur

Wir dürfen auch nicht entscheiden. Dafür dürfen die Entscheidungsträger auf unser Geld zurückgreifen - dies ist allein schon pervers!
Es gibt aber kluge Menschen und die haben schon durchgerechnet, daß ein Ausstieg Griechenlands aus der EURO-Zone die probateste Lösung ist. Denn wenn in Folge Spanien, Portugal, Italien etc. die gleiche Hilfe beanspruchen, kann sich ein Blinder mit Filzbrillen ausrechnen, was mit dem Euro und den EU-Staaten passieren wird! Schon Greenspan hat gesagt: "Der Euro wird kommen aber er wird von kurzer Dauer sein!"

Re: Re: Wenig Kultur, die Amis!

Ja, ja das war Greenspans Drohung und jetzt spekulieren seine Epigonen heftigst gegen den Euro und setzen alles auf eine Karte, wobei sie sogar auch den letzten Anschein von Ethik und Objektivität der Rating-Agenturen opfern!

Die Amis wollen eben mit aller Macht von ihrem hausgemachten Finanzdesaster ablenken und die Folgen möglichst weitgehend nach Europa exportieren!

Der tiefere Grund für die Währungskrisen sind die exorbitanten Staatsschulden und hier in erster Linie die der USA, nicht nur, aber sicher auch als Folge des Irakabenteuers!

Antworten Gast: Pauli
06.05.2010 12:39
0 0

Re: Wenig Kultur

Wir dürfen auch nicht entscheiden. Dafür dürfen die Entscheidungsträger auf unser Geld zurückgreifen - dies ist allein schon pervers!
Es gibt aber kluge Menschen und die haben schon durchgerechnet, daß ein Ausstieg Griechenlands aus der EURO-Zone die probateste Lösung ist. Denn wenn in Folge Spanien, Portugal, Italien etc. die gleiche Hilfe beanspruchen, kann sich ein Blinder mit Filzbrillen ausrechnen, was mit dem Euro und den EU-Staaten passieren wird! Schon Greenspan hat gesagt: "Der Euro wird kommen aber er wird von kurzer Dauer sein!"

0 5

Faymann ist wie eine Giraffe - denn dank des langen Halses hat sie einen Weitblick.

Insider bezeichnen Faymann längst als Giraffo. Ein Kompliment, denn nur die Giraffe besitzt Weitblick.

Verantwortung für die Bürgerin, Staatstragend und diplomatisch, sorgt sich Faymann stündlich um unsere Anliegen.

So wie klares Wasser, scharf wie eine Rassierklingel und sanft wie Seide, so findet er immer wieder die Worte, die wir verstehen.

"Ich mag es immer so, wenn er die Bürgerinnen begeistert. Immerhin ist nur er sozial, kompetent und fair", sagen seine Wählerinnen.

Antworten LUPO
06.05.2010 11:19
2 0

Re: Faymann ist wie eine Giraffe - denn dank des langen Halses hat sie einen Weitblick.

Ist die SPÖ ein Zoo?

Ja, ja, die SPÖ als Zoo!

Da assoziiert man dann schnell mit Schlangen, Raubtieren und vor allem Affen, Affen, Affen.....

Gast: pour le mèrite
06.05.2010 10:25
1 0

Eines steht mittlerweile zweifellos fest:

Pröll und Faymann vertreten keine österreichischen Interessen,

sondern sind nichts weiter, als folgsame Büttel der EU Bonzen und Finanzbankster!

Leider ist der Durchschnittsösterreicher, dem außer seinem Bier und Schnitzel so ziemlich alles wurscht ist, nicht in der Lage, diesen Verrat unserer Heimat auch nur im entferntesten zu realisieren.


galli leo
06.05.2010 10:23
1 0

"Ja, Griechenland habe über seine Verhältnisse gelebt und „uns alle“ damit hinters Licht geführt. Das, sagt Pröll, „macht mich zornig“"

mich macht etwas anderes zornig:

ist es nicht die nationalbank mit ihren echt mies bezahlten mitarbeitern, die solches recherchieren, auswerten und der politik vorlegen soll?

selbst ich als oftmaliger gr-tourist habe mich bei der euro-einführung mehr als gewundert, dass gr die kriterien erfülle.

wie verantworten sich eigentlich die 'fachleute' in der ÖNB, dass sie das nicht bemerkt haben?

? 1. wir sind faul, verschlafen und inkompetent.
? 2. wir haben eh was gemerkt, aber den mund gehalten, da wir nicht direkt gefragt wurden.
? 3. wir haben unsere bedenken eh weitergegeben, wurden aber ignoriert.

da letztlich die politik die verantwortung für das agieren der bediensteten der ÖNB trägt, macht mich zornig, dass (fall 1.) dieser saustall nicht ausgemistet wurde, dass (fall 2 und 3) nicht reagiert wurde.

in dieser nationalratssitzung hätten also auch die namen der damals letztverantwortlichen genannt werden müssen!
vorarbeiten für euro-einführung: vraantz+klima+edlinger.
euro-einführung + erste jahre: schüssel+grasser!

Gast: pour le mèrite
06.05.2010 10:07
1 0

Alternativlos ist der Niedergang des Euros und der EU!

...und sonst gar nix.

Gast: 1090
06.05.2010 09:24
0 0

Gebt den Kärntnern

was sie wollen: Unabhängigkeit von € und Österreich.
Dann schau ich mir von der Pack die heraufdräuende Steinzeit an...

Gast: Graf Gudenus
06.05.2010 08:00
0 0

Bartoszewski, Auschwitz-Überlebender

Wurden somit in Auschwitz auch Nicht-Juden über Gas ermordet?

Gast: mionik
06.05.2010 05:19
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wer oder was ist proell

Eigentlich erstaunlich, dass diesen wohlgenährten Hanswurst überhaupt noch jemand ernst nimmt. Man braucht doch nur seine Aussagen (in chronologischer Rehenfolge oder auch nicht, ist egal ...) betrachten und man weiss, dass er sich ja überhaupt nicht auskennt. Ein Befehlsempfänger der Bank-Mafia, sonst nichts.

 
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