02.09.2010 16:51 | Meine Presse Merkliste0

Spritzendorfer: Der grüne Hoffnungsträger

12.06.2010 | 17:59 |  von MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Alexander Spritzendorfer hat mit Count Basic, Kruder & Dorfmeister, Grissemann & Stermann gearbeitet. Nun will der DJ und Ex-Musikproduzent an die Spitze - bei der Wien-Wahl. Ein Porträt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Es wird sein letzter Auftritt für lange Zeit sein. Wenn Alexander Spritzendorfer am 29. August im Jazzclub Porgy & Bess auflegt, wird er den Auftritt genießen. Denn der 47-Jährige wird künftig deutlich weniger Zeit finden, auf der Bühne zu stehen – der Wahlkampf fordert seine Opfer.

Wenn Spritzendorfers Plan aufgeht, wird er nicht mehr abends am Plattenteller stehen, scratchen und Partystimmung (Stilrichtung: Clubmusic) verbreiten, sondern Regierungspolitik machen, Verkehrsprobleme lösen und betagten Pensionisten zum 100. Geburtstag gratulieren. Was nach den skurrilen Visionen eines durchgeknallten Künstlers klingt, hat einen realpolitischen Hintergrund: Seit dem Putsch gegen den Josefstädter Bezirkschef Heribert Rahdjian, einem der erfolgreichsten grünen Kommunalpolitiker Österreichs, ist der DJ und Ex-Musikproduzent als Kompromisskandidat zum Spitzenkandidat der Grünen in der bürgerlichen Josefstadt, dem achten Wiener Gemeindebezirk, aufgestiegen.

Und dort muss der Künstler, der bei seinem Plattenlabel Spray Records internationale Stars wie Kruder& Dorfmeister unter Vertrag hatte, mit Count Basic, Papermoon, Alkbottle und Unique2 ebenso zusammengearbeitet hat und auch die erste CD von Stermann und Grissemann (Salon Helga – 1994) produzierte, die Mehrheit der Grünen in der Josefstadt verteidigen – um der Bezirkspartei nach den internen Grabenkämpfen den prestigeträchtigen Job des Bezirkschefs zu retten. Gelingt Spritzendorfer die Verteidigung der grünen Mehrheit in der Hochburg des bürgerlichen Wiens, wäre die Josefstadt der erste Bezirk Europas, der von einem DJ regiert wird.

Ein grünes Urgestein. Spritzendorfer ist aber mehr als ein DJ und Ex-Musikproduzent, dessen Label 1999 aufgelöst wurde. Der Wiener ist Klubsekretär im Grünen Landtagsklub Niederösterreich, war Landesgeschäftsführer der Grünen Kärnten, wo er auch die Kärntner Wahlkampfleitung der Nationalratswahl 2006 leitete – und von seiner Wohnung in der Josefstadt jahrelang nach Klagenfurt pendelte.

Im Parlament knüpfte er 2003 Kontakte zu einer jungen Kultursprecherin, die seinen Einfluss heute über die Bezirks- und Stadtgrenzen von Wien hinaus ausgeweitet haben. Aus der Kultursprecherin Eva Glawischnig wurde die Bundessprecherin der österreichischen Grünen. Und auch mit Glawischnigs Vorgänger, Alexander Van der Bellen, verband Spritzendorfer ein ausgezeichnetes Verhältnis. Mit dem bekannten Produzenten Markus Spiegel organisierte der Musiker 2008 das Personenkomitee „Plattform für Alexander Van der Bellen“. Eine Freundschaft, die hält. Van der Bellen, dem Wiens Klubchefin Maria Vassilakou eine spezielle Rolle im Wiener Wahlkampf zugeschrieben hat (voraussichtlich wird der prominente Grüne in einem Wahlkreis antreten; er könnte bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen ein Stadtratsamt übernehmen), hat bereits zugesagt, Spritzendorfer beim Wahlkampf auf Josefstädter Boden zu unterstützen. Die prominente Hilfe kann der Wiener, der bisher organisatorisch im Hintergrund agiert hatte und nun erstmals an der Spitze steht, dringend brauchen. Der breiten Öffentlichkeit ist Spritzendorfer unbekannt – SP und VP wittern ihre Chance, nachdem Funktionäre mit ausgeprägten Befindlichkeitsstörungen die Grünen in ihrem Hoffnungsbezirk in ein Chaos gestürzt haben. In Zahlen: Bei der Wien-Wahl 2005 lagen die Grünen mit 32,26 Prozent nur knapp vor der ÖVP (29 Prozent) und der SPÖ (28,58 Prozent). Es wird eng für den grünen Hoffnungsträger, der als Realo gilt.

Nelson Mandela als Vorbild. Für einen Bezirkspolitiker denkt Spritzendorfer groß und international. Er spricht von Nachhaltigkeit, vom Ende des Zeitalters fossiler Brennstoffe und über politische Vorbilder wie Bertha von Suttner, Nelson Mandela und Karl Seitz. Etwas kleiner, zugeschnitten auf Bezirksgröße, will der umgängliche Wiener die öffentlichen Räume (z. B. Parkplatzrückbau) den Menschen zurückgeben. Ein Konzept, das in Wien fast einem politischen Selbstmord gleichkommt. Widerstand? Davor fürchtet sich der Grüne nicht, weil man den Menschen auch unangenehme Wahrheiten sagen müsse – wie das Ende des fossilen Zeitalters, welche das Ende des Autoverkehrs im bisherigen Sinn bedeute. Spritzendorfer fürchtet sich auch nicht vor der eigenen Partei, die seinen Vorgänger unelegant abgesägt hat. Der Kulturmanager hat gelernt, mit schwierigen Charakteren umzugehen. Künstler und Politiker machen für ihn keinen Unterschied. Beide stehen auf der Bühne, beide wollen Anerkennung, beide neigen gelegentlich zu Starallüren, Dünnhäutigkeit. Das ist zumindest Erfahrung, die Spritzendorfer in Laufe seiner Karriere gemacht hat.

Torte statt Worte. Musik und Politik waren bei Spritzendorfer immer vernetzt: Als der legendäre Wiener FP-Chef Hilmar „Hump Dump“ Kabas getortet an einer Wiener Straßenecke stand (ein Unbekannter hatte Kabas während eines Interviews eine Torte ins Gesicht gedrückt – eine braune Schokotorte), reagierte Spritzendorfer mit der Austroband Drahdiwaberl mit dem Polit-Song „Torte statt Worte“.

Wie gut die Vernetzung des grünen Hoffnungsträgers in der Künstler- und Politszene ist, zeigte sich 2009. Als Spritzendorfer auf der grünen Landesversammlung um ein Ticket auf der Gemeinderatsliste kämpfte, trat eine Phalanx an prominenten Unterstützern auf: Boris Bukowski wünschte „viel Erfolg“, Freda Meissner-Blau freute sich über die Kandidatur; Timna Brauer sprach von einem „idealen Vertreter“.

Den Sprung auf einen sicheren Listenplatz schaffte Spritzendorfer nicht. Dafür haben ihn innerparteiliche Querelen überraschend an die Spitze der Josefstädter Grünen gespült – als Hoffnungsträger von Maria Vassilakou, Alexander Van der Bellen und Eva Glawischnig.

Steckbrief

Politkarriere. Spritzendorfer war Referent von Eva Glawischnig im Parlament (2003), Landesgeschäftsführer der Kärntner Grünen (2004), Klubsekretär im NÖ-Landtag, Organisator des Personenkomitees für Alexander Van der Bellen (2008).

Musikproduzent. 1986 gründete er „Spray Records“ (1999 aufgelöst). Er arbeitete mit Kruder & Dorfmeister, Count Basic, Grissemann & Stermann, Harri Stojka, Opus zusammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2010)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentar BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

16 Kommentare
Gast: schröder
17.06.2010 09:52
0 0

na da sind aber einige kommentare

supver-ober-gscheid... na aber echt.. machtsas doch besser ihr wappler..

Gast: Die Grünen sind erbärmlich
16.06.2010 12:02
0 0

Seht Euch diesen LUG und BETRUG an!!!!

Fand ich auf d.HP des Spritzendorfers:
Seit 9.6. bin ich also Spitzenkandidat der Grünen in der Josefstadt. Obwohl sich Heribert Rahdjian wiederholt mich als seinen Nachfolger gewünscht hat, ist die Wahl zu diesem Zeitpunkt doch überraschend für mich gekommen. Jetzt gilt es das Beste daraus zu machen und die zahlreichen kritischen, wenn auch oft nachvollziehbaren Kommentare der Presse und von PosterInnen zu entkräften. „Endlich ist es vorbei“ waren die erleichterten ersten Worte von Heribert, als er mir nach der Wahl als erster gratulierte. In diesem Augenblick habe ich die Last der Verantwortung von seinen Schultern auf meine übergehen gefühlt. Aber ich übernehme diese Verantwortung gerne, fühle mich bereit und will gemeinsam mit meinem Team und vor allem gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten und umsetzen – mit einem Team das mit den Ohren bei den BürgerInnen, mit dem Herz bei der Sache und mit Verstand bei der Umsetzung ist. Die Grünen hätten den Bezirk somit aufgegeben und verloren, lese und höre ich dieser Tage oft. Es ist nicht unangenehm als Angreifer und nicht als Verteidiger gesehen zu werden und die vielen Gratulationen und Glückwünsche die ich den letzten Tagen bekommen habe, machen mir Mut und geben mir Zuversicht und Kraft für die bevorstehenden Wochen und (hoffentlich) Jahre!
Jetzt besteht unsere wichtigste Aufgabe darin, ein überzeugendes Themenprogramm für die Josefstadt zu vermitteln und mit viel Enthusiasmus, Energie und Überzeugung umzusetzen!

Gast: ICH WÄHLE NIE MEHR GRÜN!
15.06.2010 23:25
1 0

Traurige grüne Machenschaften


Ich habe gelesen und gehört, da wurden Wahlvorschlagszettel vom Partner der Müller mit 2 Namen für die ersten beiden Listenplätze an die geschmierten Mitglieder verteilt, die bei der Vorwahl niemanden kannten und wissen, wo sie ihr Kreuzerl machen sollen und hokuspokus ist die neue Bezirksspitze der Grünen gewählt. Grün auf josefstädterisch, korrupt!!
Das ist wohl die grüne basisdemokratische Essenz, die die naive(?) Frau Vasilakuo so eifrig beschwört!
Grünes Mitglied sein (= wahlberechtigt für interne Wahlen) ist noch einfacher als ein grüner Sympatisant zu werden: als JosefstädterIn einfach 1 Monat vor der Wahl beitreten, fertig. Keine Mitarbeit, keine Kontrolle, Bekanntheit oder Anwesenheit völlig unnötig. Da hatte die Müller ja tatsächlich leichtes Spiel! Wer hätte gedacht, dass sie sich sowas traut???? Malt euch aus, wieviele neue Meldungen es gibt in ihrem Haus.... Es ist unfassbar.....

Gast: BZ
14.06.2010 09:37
1 0

Die beste Wahl

Spritzi, Spritzi, Spritzi.....!
Noch ein paar solcher Fälle und die Grünen haben sich selbst entsorgt.

Luzius
13.06.2010 12:44
1 1

diesen grünen Träumern

können selbst Erzengel nicht helfen; wie sollen das dann selbsternannte Künstler können ?

3 1

das Wesentliche ...

mit der Entfernung von Rahdjian wurde die Koalition mit den bürgerlichen Wählern aufgekündigt. Es wird doch niemand so naiv sein, zu glauben, dass sich aus der linken Multikulti-Gender-Chaotenszene genug Wähler rekrutieren lassen, um diesen Bezirk zu regieren. Völlig egal, welcher linke Futzi jetzt hervorgeholt wird - die Katze ist aus dem Sack und jeder weiß, was als Nächstes kommt: die Abwahl der linken Chaoten am 10.10.

Gast: josefstädterstrasse
13.06.2010 08:44
5 2

diese witzfigur

braucht die josefstadt wie einen kropf, dazu noch die linksgrüne tussi - von nun an gehts noch mehr bergab

Gast: manekineko
12.06.2010 23:43
2 2

pps.: dass ausgerechnet ein grüner das

ende des fossilen zeitalters ausruft, kann nur als aufforderung zur kollektiven selbstentleibung der partei verstanden werden.

Gast: manekineko
12.06.2010 23:25
3 2

PS.: von der anmutung

ein pensionierter hauptschuldirektor aus laa an der thaya. einmal etwas anderes unter den grünen, die ihr personal sonst eher bei der muppets-show rekrutieren.

Gast: manekineko
12.06.2010 23:18
4 2

jawohl, der ist genau der ist der richtige,

der maß-messias sozusagen: ein überwuzelter bobo, der 1999 mit seiner firma krachen gegangen ist und daraufhin als berufspolitiker bei der dilettantenpartei untergekrochen ist. ein berufsjugendlicher mit der wilden frische des zeitgeistes von vor 11 jahren, in dessen gammelpromizirkus nelson mandela definitiv nicht das geringste zu suchen hat. eine allegorische gestalt für den zustand der grünen, mit einem wort.

Antworten Gast: schlÄchter
13.06.2010 19:07
0 0

Re: jawohl, der ist genau der ist der richtige,

sg(e) manekineko!
im artikel steht dass das label des herrn spritzendorfer "aufgelöst" wurde, sie schreiben von "krachen gegangen".- also ich verstehe darunter insolvenz?
stimm das - wenn ja, wäre das mmn ein nicht unwichtiges detail, das der redakteur richtig so darstellen hätte müssen ?

mfg
s.

El Barato
12.06.2010 20:30
4 3

Executive Summary

Aalglatter Networker, der keinen Trend auslässt, sich an B- und C-Promis anhängt und diffuse Visionen einer besseren Welt hat. Qualifikation zum Bezirksvorsteher: Null.

Gast: Maske
12.06.2010 20:28
3 2

Der grüne Hoffnungsträger

Wana´s nur aushoat, da Spritzendorfer!

Ist nicht schon eine ähnliche steirische Kabarettfigur letztlich am Geschlecht gescheitert??

Gast: Maske
12.06.2010 20:28
1 2

Der grüne Hoffnungsträger

Wana´s nur aushoat, da Spritzendorfer!

Ist nicht schon eine ähnliche steirische Kabarettfigur letztlich am Geschlecht gescheitert??

Cuchulainn
12.06.2010 18:56
8 3

Hofberichterstattung

reinster Sorte!

Tom93
12.06.2010 18:34
2 5

karl seitz als vorbild

alle achtung! das erste sympathische, was ich von dem mann höre. er weiß nicht nur noch, wer das ist, nein, für ihn ist auch vorbild! bravo! wählt ihn!