26.05.2012 11:33 | Meine Presse Merkliste 0

"Korruption": Privatpatienten haben im OP-Saal Vorrang

17.11.2010 | 13:32 |   (DiePresse.com)

Obwohl verboten, erhalten Privatpatienten schneller einen OP-Termin. Eine Werbung wirbt ganz offen damit. Die Grünen sind empört - und sprechen von "Zwei-Klassen-Medizin" und dem "Gipfel der Obszönität".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Grünen üben scharfe Kritik an dem Vorgehen der Versicherungen und Krankenhäuser bei der Vergabe von Operationsterminen. Generalsekretär Stefan Wallner sprach am Mittwoch von "Zweiklassen-Medizin", die niederösterreichische Landtagsabgeordnete Helga Krismer von "Korruption und Ungleichbehandlung". Anlass für die Kritik sind Werbekampagnen, in denen private Gesundheitsversicherungen die bevorzugte Behandlung von Privatpatienten versprechen, obwohl derartige Privilegien vom Gesetz eigentlich untersagt werden.

Dass zusatzversicherte Patienten von den Krankenhäusern bevorzugt werden, gilt als allgemein bekannt. Anfang Oktober hat der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, Zahlen präsentiert, wonach Privatversicherte bei Knieprothesen ihren OP-Termin durchschnittlich 3,5-mal schneller erhalten als Versicherte der Gebietskrankenkassen, beim Grauen Star geht es durchschnittlich viermal schneller und beim künstlichen Hüftgelenk doppelt so schnell - und das, obwohl eine derartige Bevorzugung laut Krankenanstaltengesetz untersagt ist.

"Der Gipfel der Obszönität"

Die Grünen empören sich nun insbesondere über die "OP-Termine sofort"-Kampagne der Donau-Versicherung. Auf der Homepage des Konzerns werden "Sonderklasse"-Patienten etliche Vorteile angeführt. Wörtlich heißt es: "Kürzere Wartezeiten - schneller wichtige Behandlungstermine." Mit den Werbungen habe man "den Gipfel der Obszönität endlich dingfest machen können", sagte Krismer bei einer Pressekonferenz in Wien, die im Internet Erfahrungsberichte von Betroffenen sammelt.

Generalsekretär Wallner kritisierte, dass die von der Regierung geleugnete Zweiklassen-Medizin längst Realität sei: "Die Wirklichkeit ist, dass hinter der hübschen Fassade ein ziemlich morsches Innenleben ist."

Die Grünen verweisen darauf, dass "Sonderklasse"-Patienten laut Krankenanstaltengesetz (§ 16) eigentlich nur bei "Verpflegung und Unterbringung" bevorzugt werden dürfen. Für die ärztliche Behandlung dürfe "ausschließlich der Gesundheitszustand der Pfleglinge maßgeblich" sein. Dies werde von den Spitalsträgern (in der Regel die Länder, Anm.) aber mit Blick auf die Zahlungen der privaten Krankenversicherungen umgangen. Spitalsärzte hätten in der Regel ein niedriges Grundgehalt, das sie durch Zusatzzahlungen der Versicherungen aufbessern müssten, so Krismer.

"Gläserne" Warteliste gefordert

Krismer fordert nun, dass die Länder gesetzlich verpflichtet werden, die Aufteilung der von den Privatversicherungen bezahlten Mittel offenzulegen. Welchen Anteil die Primare, Ärzte und Pfleger erhalten und welchen die Spitäler, liege nämlich derzeit im Dunkeln. Außerdem brauche es eine "gläserne" Warteliste für OP-Termine. Wallner forderte außerdem die Fusion der derzeit 19 Krankenkassen auf eine Kasse mit neun Länderfilialen. Künftig müsse der Grundsatz gelten, dass für den selben Beitrag in ganz Österreich auch die selben Leistungen gewährt werden.

Konzern verspricht Bachblüten

Die Donau-Versicherung wollte am Mittwoch übrigens nicht konkretisieren, wie sie ihren Kunden die auf Plakaten versprochenen "OP-Termine sofort" garantiert. In einer schriftlichen Stellungnahme wurde darauf verwiesen, dass das Angebot Zusatzleistungen wie Homöopathie, Bachblüten, die Inanspruchnahme von Ärzten ohne Kassenvertrag und des "zusätzlichen Komforts in der Sonderklasse" sowie die Behandlung im Privatspital beinhalte. Auch wie sich das Versprechen der raschen Operationstermine mit den einschlägigen Bestimmungen des Krankenanstaltengesetzes vereinbaren lässt, wollte die Firmensprecherin nicht kommentieren.

(APA/Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

56 Kommentare
 
1 2
bula sagt
18.11.2010 12:58
0 2

auch ich bin der meinung

dass es die zwei klassen medizin schon lange gibt. missbrauch und persönliche vorteilsnahme, vor allem von primarärzten, längst bekannt.
wenn ein neuer mercedes oder suv für die gattin ins haus steht, gibt´s mehr operationstermine für privatepatienten.
zum vergleich: vor ca. dreissig jahren habe ich die lebensrettende magenoperation meiner schwiegermutter in rumänien mit dem kauf einer skiausrüstung für den sohn des chirurgen und krankenhauschefs in personalunion bezahlt.
solches erledigt hierzulande in den meisten fällen die zusatzversicherung.
gerechtigkeit ist subjektiv und nicht über die politik erreichbar.

Gast: NIMROD
18.11.2010 08:58
1 1

mal ohne Neid

Lassen wir doch einmal den Neid beiseite. Es gibt bei Zusatzversicherung auch einen großen Vorteil. Viele teure und sinnvolle Behandlungsmethoden wären heute in einigen Krankenhäusern nicht vorhanden, würden durch die Zusatzversicherungen nicht finanzielle Mittel in die öffentlichen Krankenhäuser gepumpt.

Außerdem will jemand der 35-50% seines Bruttogehalts an Steuern zahlt und dann noch zusätzlich Geld für eine Gesundheitsvorsorge ausgibt, mehr als nur ein Zweibettzimmer mit Fernseher haben. Das ganze hat nichts mehr mt Sozialer Gerechtigkeit zu tun. Der Sozial schwächere profitiert ja schon von den hohen Sozialabgaben der Besserverdienenden.

Mit mehr Geld wird man sich immer was besseres leisten können. Der Staat kann ainfach nicht mit den medizinischen Entwicklungen und dementsprechenden Kosten mithalten wären da nicht die Zusatzversicherten. Die Kosten für das Gesundheitssystem explodieren, zahlen soll aber ein anderer.

Antworten Gast: Informant
18.11.2010 15:29
0 2

Re: mal ohne Neid

Es ist ein Märchen, dass Besserverdienende mehr Steuern zahlen. Bezieht man Sozialversicherung, Lohnsteuer und Konsumsteuern in die Berechnung ein, gibt es in Österreich für unselbständig Beschäftigte eine Flat-Tax von ca. 37 %.
Diese Flat-Tax entsteht dadurch, dass höhere Einkommen durch die Steuerbegünstigungen beim 13. und 14. Gehalt und der Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge überpropotional profitieren und niedrige Einkommen prozentuel einen hohen Anteil an Konsumsteuern bezahlen, weil sie ihr gesamtes Gehalt für den Lebensunterhalt ausgeben. (Quelle: WIFO)

Antworten Antworten Gast: Gast
19.11.2010 11:16
1 0

Re: Re: mal ohne Neid

Weil die Leute die so viel verdienen idR kein 13., 14. Gehalt bekommen,

1 1

Ein Vergleich ...

der folgende Vergleich hinkt zwar, aber nur so zum Nachdenken:

Ich war sportverletzungsbedingt bei einem Privatarzt, der hat seine Diagnose gemacht, MRT-Termin dort ausgemacht, eine Woche später MRT und Termin fürs MRT-Ansehen.
Vorher war ich wegen desselben Problems beim Kassen-Orthopäden - der hätte bestenfalls Rheuma-Patienten behandeln können.

Der Privatarzt hat 150 € gekostet, Refundierung durch die Kassa ganze 6,62€.

Ich schreibe das jetzt einmal um einen Vergleich zum vielgeliebten Auto zu erhalten. Da gibt man weit über 1000 € pro Jahr für etwas aus, das gerade einmal 10 Jahre hält.
Der eigene Körper muß aber über 80 Jahre halten - trotzdem sind wir zu geizig dafür mehr auszugeben als für einen Haufen Blech ...

Antworten Gast: gast
17.11.2010 23:01
1 1

Re: Ein Vergleich ...

als sportler ist es wohl deine pflich dich selbst zu versicher warum soll die allgemeinheit dafür aufkommen wenn du einen riskanten sport betreibst

Antworten Antworten Gast: NIMROD
18.11.2010 08:37
0 0

Re: Re: Ein Vergleich ...

Weil ein Sportler trotz veletzungen der gesellschaft weniger kostet als die durch zu wenig Bewegung verursachten Herz-Kreislaufkrankheiten.

Wollen sie etwa von jedem übergewichtigen oder Raucher, etc. die Kosten für die Behandlung der Artrosen, Herzinfakte, Schlaganfälle, Beipässe, Diabetes etc. einfordern?

Ihr Gerechtigkeissinn in Ehren, aber so funktionierts bei uns einfach nicht.

Wenn jemand mehr für seine Gesundheit zahlen will, soll ihm das verboten werden?

Mit dem selben Recht könnte man den Menschen verbieten, einen großen Mercedes zu kaufen!

Antworten Gast: gast
17.11.2010 23:04
0 2

Re: Wenn jemand mehr für seine Gesundheit zahlen will, soll ihm das verboten werden?

keine angst den nimmt dir eh keiner wg wenn du das für dein ego brauchst

Antworten Gast: gast
17.11.2010 22:47
0 2

Re: Wenn jemand mehr für seine Gesundheit zahlen will, soll ihm das verboten werden?

wieder einmal das posting des tages
stimmt es eigentlich dass unter den ärzten die meisten alkoholabhängigen sind wenn man die postings der ärzte hier liest könnte man das glauben

Gast: rushinn
17.11.2010 21:38
1 0

is so, nutzt nix

Habe keine Zusatzversicherung, aber naja - wenn ich nicht zu einem privaten Arzt gegangen wär, hätt ich mehrere Wochen auf einen OP Termin gewartet und so hab ich gleich in der nächsten Woche einen bekommen. Dazu kommt eine bessere/ausführlichere Behandlung + Aufklärung. Naja, Geld regiert.

Antworten Gast: so ist es!
18.11.2010 04:30
1 0

Re: is so, nutzt nix

"Soziale Gerechtigkeit ist kein Thema" - diese Aussage hat sich wohl nicht nur unser sehr verehrter (????) Herr Vizekanzler ausgesucht, es scheint den ganzen Bereich der Politik und Sozialversorgung zu bestimmen. Wie sonst ist es erklärbar, daß Einnahmen aus privaten Zusatzversicherungen kassen noch immer zujm Großteil von den in den Kliniken beschäftigten Ärzten aller Kaliber eingesackt werden, die dann wohl auch die angeführten Terminverkäufe organisieren? Wo bleiben Justizministerium, Korruptionsstaatsanwaltschaft etc. um diese ungeheuerliche Vorgehensweise abzustellen? Wie Frau Marek in ihrem legendären und wohl repräsentativen "SMS von Marek", in welchem sie wohl mit großer Zustimmung ihrer Bundesparteileitung offen und unverschämt in einem Inserat zum Wahlbetrug aufgerufen hat, so können Rechnungshof und andere Behörden seit 30 Jahren ohne irgendwelche Konsequenzen auf dieses Korruptionsproblem in der vorwiegend mit unserem und öffentlichen Mitteln finanzierten Medizin verweisen, ohne daß auch nur irgendeine Regierungsprtei jemals etwas dagegen unternommen hätte.
Ja, die deutsche FDP unter dem Spaß- Vizekanzler ist wohl Vorbild für all unsere Regierungsmitglieder, Lobbybefriedigung einziges Lebensziel mit der Hoffnung, auch nach dem Leben in der Politik ans Geld zu kommen. Liebe Wähler, merkt Euch noch einmal das Motto: "Soziale Gerechtigkeit ist kein Thema". Da helfen wir lieber mit dem Geld der anderen der Groß--, Bau- Finanzindustrie, ....

finanzierten Medizin

Gast: Gast
17.11.2010 21:14
0 1

Zwei Klassenmedizin? So what!

Na und. Was ist an einer qualitativen Zwei-Klassenmedizin denn so schlimm. Solang der Normalversicherte nicht am Gang des Krankenhauses stirbt und die normale Schulmedizin bekommt sehe ich kein Problem wenn jemand mit mehr Geld sich halt mehr leisten will durch eine Zusatzversicherung.
Wenn einer Akkupunktur braucht kann er sich gerne bezahlen, wenn er das 10. Röngtenbild haben will um ja auch sicher zu gehen soll ers zahlen.
Man muss nur realistisch und sachlich argumentieren was die Gemeinschaft durch die krankenkassen zahlen soll und was nicht.
Das jeder alles bekommt wird halt unser System nicht verkraften.

Antworten Gast: hab meine Zusatzversicherung vergessen
17.11.2010 22:02
1 1

Re: Zwei Klassenmedizin? So what!

Das Problem ist nur, dass die Vorreihung in OPs passiert, die durch öffentliche Mittel mitfinanziert werden. Dh heißt, die Allgemeinheit subventioniert die Zusatzversicherten. Soll die Zusatzversicherten doch in Privatkrankenhäuser gehen.

Antworten Antworten Gast: NIMROD
18.11.2010 08:43
0 0

Re: Re: Zwei Klassenmedizin? So what!

*schmunzel* Das wird ja jetzt schon gemacht. Aber jetzt kommts. Privatkliniken werden auch durch die öffentliche Hand mitfinanziert, tragen aber nur wenig zur Grundversorgung (keine Abulanzen, Notaufnahmen vorhanden) bei. Außerdem werden die in öffentlichen Krankenhäusern ausgebildeten Ärzte ohne Ablöse eingestellt, sollte bei Notfällen (Geburt etc.) kein Operationssaal frei sein müssen die Patienten mit dem Rettungswagen ins öffentliche Krankenhaus etc.
Sie sehen also das Ihr Vorschlag das Problem nicht lösen wird.

Antworten Antworten Gast: so ist es !
18.11.2010 04:45
0 0

Re: Re: Zwei Klassenmedizin? So what!

Exakt!

Gast: gast
17.11.2010 20:54
0 1

genau

dein problem sind ja die ausländischen kollegen die die alten leute schreckn gähn...

Jetzt geht diese hirnlose

und uninformierte Debatte wieder los. Gähnn…

Antworten Gast: gast
17.11.2010 21:59
0 1

Re: Jetzt geht diese hirnlose

heute ohne braune begleitung von mr.vain

Antworten Gast: nina blum
17.11.2010 20:52
0 2

Re: Jetzt geht diese hirnlose

heute schon im ICD 10 geblättert

Gast: gast7
17.11.2010 19:55
0 0

Fakelaki auf österreichisch !

Ein Geldkuvert beschleunigt nicht nur in Griechenland die OP Abwicklung erheblich.

Gast: yoshi1
17.11.2010 19:04
0 0

wahrheit

Also darf man nicht aussprechen was ohnehin jeder weiß?

Es ist irgendwo klar, dass jene die *freiwillig* mehr bezahlen auch mehr herausbekommen. Und nein, ich habe keine Zusatzversicherung!

Gast: Auswanderer
17.11.2010 18:12
2 1

welch Schwachsinn !

you get what you pay for.
wieso soll das beim Arzt anders sein ?
Ich zahl 6.000 US$ pro Kind pro Semester Schulgeld - dafür kriegen die eine super Schulausbildung die es in Österreich nicht mehr gibt.
Wenn ich nix zahlen will - dann krieg ich halt auch nix.
Wenn ich einen guten Arzt suche - dann fahr ich ja auch nicht nach Österreich, und setz mich dort in ein veraltetes, unmodernes Spital.
.. so eine sinnlose Diskussion.

2 2

zumindest teilweiser Widerspruch!

Als Normalversicherter sind Sie in Österreich um Klassen (sic!) besser dran als in den USA. Ich habe dort als junger Arzt einige Zeit verbracht.
Österreich hat hervorragende öffentliche Spitäler mit tollem Personal (und natürlich auch den üblichen Anteil an unseriösen oder weniger guten Angestellten wie in jedem Beruf).
Wer viel herumkommt, wird das österreichische System schätzen lernen. Gerade deshalb ist das Gequatsche von der Zwei-Klassen-Medizin so unfair. Die zweite Klasse in Österreich ist hevorragend und ausreichend. Die Extras für Privatpatienten sind kein Nachteil für die Gesundheit der Normalversicherten und manchmal kann eine Zusatzversicherung sogar zum Nachteil werden, aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Antworten Antworten Gast: gast
17.11.2010 18:36
1 4

Re: zumindest teilweiser Widerspruch!

genau wer sollte euch sonst eure SUV bezahlenn und die teure penthauswohnung oder das haus im grünen

Antworten Antworten Antworten Gast: panoptikum
17.11.2010 19:07
2 1

Re: Re: zumindest teilweiser Widerspruch!

Bitte keine Neid-Postings!

Ich möchte vorausschicken, dass ich selber kein Mediziner bin. Aber ich habe einige in meinem Bekanntenkreis. Als Mediziner investiert man weit mehr als jeder Durchschnittsbürger in seine Ausbildung. Zuerst ein überdurchschnittlich langes, schwieriges Studium, während dessen man in der Regel gar nichts verdient. Dann eine zehrende Tätigkeit als Turnus-Arzt im Spital mit relativ geringem Einkommen (In Puncto Lebenseinkommen haben Durchschnittsbürger bis dahin bereits ca. 10 Jahre oder länger ein Einkommen).

Ich finde es nur gerecht, wenn gute Ärzte dann später auch gut verdienen.

 
1 2

Mein Parlament