Wien/Red./Apa. Die ÖVP ziert sich weiterhin, ihr Bildungskonzept offiziell zu präsentieren: Die Endfassung solle erst 2011 vorliegen, so Wissenschaftsministerin Beatrix Karl bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kollegin Claudia Schmied (SPÖ) am Freitag. Derzeit, so Karl, befinde man sich im parteiinternen „Diskussionsprozess“.
Das neue ÖVP-Bildungsprogramm, das der „Presse“ bereits vorliegt, sieht Sprachkurse für Migranten, eine „Mittlere Reife“ in der Hauptschule sowie ein Modulsystem in der Oberstufe vor, das Sitzenbleiben de facto verhindert. Nicht enthalten: ein Modell zur Gesamtschule. Karl ist zwar dafür, innerhalb der ÖVP stieß sie damit aber auf Widerstand. Unterrichtsministerin Schmied hofft weiter auf eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. „Wir waren schon 2003 nahe dran.“ Damals habe ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gemeint, sie „lehne die gemeinsame Schulform bis 16 Jahre nicht mehr von vornherein ab“, so Schmied.
Sie spricht von einer ganzen Reihe von „Déjà-vus“ in der Bildungspolitik – sie selbst und Kollegin Karl würden nun „langsam ungeduldig“. Dass bei der Schulreform gehandelt werden müsse, zeigten auch die neuen PISA-Ergebnisse, so Schmied. Auch wenn die zum Testzeitpunkt 2009 vorherrschende „angespannte Stimmung“ die Studie trübe, wisse sie, dass man ein Schul-„Qualitätsproblem“ habe. Die OECD hat verlautbart, die Ergebnisse für Österreich nur „unter Vorbehalt“ veröffentlichen. Der damalige Schülerboykott könnte Daten verfälscht haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2010)
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