[wien] Nicht nur die viel zitierten Eisenbahner treten den Gang in die Pension besonders früh an. Beamte der Gemeinde Wien sind im Durchschnitt ebenfalls schon vor ASVG-Versicherten im Ruhestand und immerhin dreieinhalb Jahre vor den Beamten im Bundesdienst. Das zeigen die aktuellen Statistiken über das Pensionsantrittsalter für das abgelaufene Jahr 2010. Sie liegen der „Presse" exklusiv vor.
Wiener Beamte haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt mit knapp 57 Jahren (exakt sind es 56,96 Jahre) den Ruhestand angetreten. Das geht aus den offiziellen, aber noch nicht veröffentlichten Daten über den Wiener Magistrat hervor. Nicht eingerechnet sind die Vertragsbediensteten unter den Gemeindebediensteten, die mit ihren Pensionen zur Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zählen.
Zu den Größenordnungen: Nach dem neuesten Leistungsbericht des Magistrats waren Ende des Vorjahres 64.969 Beschäftigte im Wiener Gemeindedienst tätig. Davon sind bei den Aktiven die Beamten mit 23.912 Personen in der Minderheit gegenüber den Vertragsbediensteten mit 41.075 Beschäftigten.
Als Begründung für das niedrige Durchschnittspensionsalter der Wiener Beamten heißt es im Rathaus, dass beispielsweise Feuerwehrleute oder Müllmänner eingerechnet werden. Das seien Mitarbeiter, die besonders schwere Arbeit verrichteten.
Wasser auf Mühlen der Kritiker
Die Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Wiener Pensionsregelungen. Der Rechnungshof hat in der Vergangenheit aufgelistet, dass bei einer Angleichung an den Bundesdienst in Summe rund 350 Millionen Euro bis 2049 gespart werden könnten. Das SPÖ-dominierte Wien hat bisher Sonderbestimmungen für seine Beamten stets verteidigt. Ein Hauptunterschied besteht darin, dass in Wien Übergangsbestimmungen bis 2042 gelten; für Bundesbeamte ist die Umstellung auf ein einheitliches Pensionsrecht wie für ASVG-Versicherte („Pensionskonto"), die seit 2005 läuft, bis 2028 vorgesehen.
Denn bei den Beamten des Bundes ergibt sich ein anders Bild. Dort gibt es nun ebenfalls erste offizielle Daten. Denen zufolge gab es im Vorjahr knapp 3200 Pensionierungen. Das Durchschnittsalter lag dabei, wie im Büro der für den öffentlichen Dienst zuständigen Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek erklärt wird, 2010 bei 60,6 Jahren. Damit wurde sogar ein kleiner Anstieg gegenüber dem Jahr 2009 mit 60,5 Jahren verzeichnet. Im Bundesdienst ist das anteilsmäßige Verhältnis zwischen Beamten (rund 85.000) gegenüber Vertragsbediensteten (rund 47.000) unter den insgesamt gut 132.000 Bundesbediensteten praktisch genau umgekehrt wie in Wien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2011)
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