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Jarolim unter Druck: Prammer mahnt

08.04.2011 | 17:33 |  MARTIN FRITZL UND RAINER NOWAK (Die Presse)

Unvereinbarkeit: Die Nationalratspräsidentin fordert Beweise von Jarolim, dass kein Geld wegen der Staatsdruckerei-Klage geflossen sei. Hintergrund dürfte eine private Fehde gewesen sein.

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Wien. Barbara Prammer sorgt sich um den Ruf ihrer Schäfchen. Besonders schmerzlich für die Nationalratspräsidentin und SPÖ-Politikerin dürfte der Fall des Justizsprechers Hannes Jarolim ihrer eigenen Partei sein: Wie berichtet hat der Abgeordnete in seinem politischen Kampf gegen das Teilmonopol der privatisierten Österreichischen Staatsdruckerei auch seine Anwaltskanzlei verwendet und um Klienten werben lassen, die sich einer Klage anschließen könnten. Am Freitag sah sich Prammer zu einem Machtwort verpflichtet: Sie forderte „Beweise, dass tatsächlich kein Geld geflossen ist“.

Jarolims Stellungnahmen zu den Vorwürfen empfinde sie ohne Belege „noch nicht als ausreichend. Ich gehe davon aus, dass da alles auf den Tisch kommt und geschaut wird, was rechtens und was nicht rechtens war.“ Dies sei wesentlich, meinte Prammer im Ö1-„Morgenjournal“ und sprach zugleich von einer „schiefen Optik“. Jarolim will der Aufforderung nachkommen und den entsprechenden Akt sowie eine Erklärung seiner Wirtschaftsprüfungskanzlei übermitteln.

 

Jarolim für die AUA aktiv?

Problematisch ist die Rolle von Jarolim als Anwalt seines früheren Arbeitgebers, der Austrian Airlines: Jarolim sitzt mit den Verkehrsspezialisten und unabhängigen Experten auch im sogenannten „Zivilluftfahrtsbeirat“ im Infrastrukturministerium, der Maßnahmen und Gesetzesentwürfe in dem Bereich berät, diskutiert und empfiehlt. Jarolim schickte an alle Mitglieder des Beirates, zum Thema „Flughafenentgelt“ einen „sehr ausgewogenen und sachlich gerechtfertigten Gesetzesentwurf mit der Bitte um Berücksichtigung bei unserer internen Willensbildung“. Er argumentiert, es habe sich dabei um den Entwurf des Infrastrukturministeriums gehandelt. Laut Aussagen von Sitzungsteilnehmern stimmt das nicht: Es habe sich um Jarolims Entwurf gehandelt.

 

Persönliche Interessen als Hintergrund

In der Causa Staatsdruckerei war bisher unklar, welche Interessen Jarolims Mandant eigentlich verfolgt. Der heißt Tano Bojankin, ist Historiker und hat ein „Institut für posttayloristische Studien“ gegründet. Das beschäftigt sich mit „Phänomenen im Kulturbetrieb an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft“. Warum Bojankin von diesem Background aus die Monopolstellung der Staatsdruckerei im Bereich des Sicherheitsdrucks bei der EU-Kommission angezeigt hat – mit juristischer Hilfe Jarolims, der angibt, dafür kein Honorar verlangt und kassiert zu haben –, ist auf den ersten Blick schleierhaft.

Wie „Die Presse“ in Erfahrung bringen konnte, dürfte aber gar nicht so sehr ein wissenschaftliches Interesse hinter diesen Aktivitäten stehen, sondern ein Konflikt aus dem privaten Bereich: Bojankins Familie bewohnt die „Villa Beer“ in Wien-Hietzing – ein Architekturdenkmal, das in der Zwischenkriegszeit vom Architekten Josef Frank errichtet wurde und inzwischen stark heruntergekommen ist. Die Familie besitzt einen Drittelanteil an dem Objekt. Auch der Sitz des Instituts befindet sich an dieser Adresse.

Den Mehrheitsanteil hat die Stiftung des Wiener Unternehmers Johannes Strohmayer erworben – und der ist wiederum Eigentümer der im Jahr 2000 privatisierten Staatsdruckerei. Strohmayer will aus der Villa ein Frank-Museum machen, was aber nur möglich ist, wenn sich die Eigentümer einig sind. Bojankin hatte seine eigenen Pläne, die Villa sollte von der Stadt saniert und als Kulturveranstaltungszentrum adaptiert werden. Der frühere Stadtrat Rudolf Schicker lehnte das aber ebenso ab wie ein Gegenprojekt des Architekturzentrums Wien.

In der Zwischenzeit lief eine Teilungsklage, die schon der Vorgänger Strohmayers eingebracht hatte, und die vor wenigen Tagen in zweiter Instanz positiv entschieden wurde: Sollten keine rechtlichen Schritte mehr unternommen werden, würde das Objekt nun versteigert werden, Strohmayer wäre am Ankauf sämtlicher Anteile interessiert. Das gesamte Objekt wird auf rund drei Millionen Euro geschätzt.

Strohmayer vermutet einen privaten Rachefeldzug gegen seine Person – bringt dafür aber wenig Verständnis auf: Die Villa müsse dringend saniert werden, darauf dränge auch das Denkmalamt. Und: Die Familie Bojankin könne selbstverständlich lebenslänglich weiter im Obergeschoß des Objekts wohnen bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2011)

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18 Kommentare
Gast: ogel
09.04.2011 16:20
0 0

Frau Präsidentin Prammer

Frau Prammer wird vom ORF systematisch (in letzter Zeit fast täglich im Bild und Interview) als künftige BP aufgebaut. Gegenleistung? Wiederwahl von Herrn Wrabetz?

Gast: flor de mal
09.04.2011 12:47
0 1

Hm, die österreichische Freunderlwirtschaft schlägt wohl langsam, dafür aber um so härter auf dem Boden unserer schönen neuen Informationsgesellschaft auf.

Im dieswöchigen Spiegel stand der erschreckende Satz: "Nicht im Menschen ist die Moral begründet, die sein Handeln bestimmt, sie liegt in den Strukturen, die ihn umgeben" (Jan Fleischhauer, "Frauen, Kinder alles")

Die politischen Strukturen haben sich mit dem web 2.0, dem neuen mündigen Bildungdbürgertum, dem Beitritt zur EU grundlegend geändert.
Die ÖVP zerbricht gerade an ihrer Unfähigkeit, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.
Wer klüngelt wird zum Paria, siehe Westerwelle, Strasser, Gutenberg.

Die SPÖ ist klüger und mistet selber aus.

Antworten Gast: gast22
10.04.2011 09:58
0 0

ad "Die SPÖ [...] mistet selber aus."

Gibt es dafür irgendwelche Hinweise?

Falls ja, welche denn?

(Abgesehen von dem, was Prammer an "Unverbindlichkeiten" von sich gibt...)

5 0

Ob er Geld bekommen hat, ist gar nicht die Frage!

Der Skandal ist, dass er gegen österreichische Arbeitsplätze zu Felde zieht und dazu sogar ausländische Hilfe zu akquirieren versucht!

(Es ist nämlich ganz egal, wem die Staatsdruckerei gehört - dort geht es um österreichische Arbeitsplätze!!! Und wenn er so gegen das "Monopol" ist, soll er halt - natürlich in Österreich!! - ein besseren Konkurrenz-Unternehmen auf die Beine stellen. Nur einfach das österreichische Unternehmen zugunsten ausländischer Betriebe zu schädigen, ist schäbig und verwerflich. Ein klassischer roter "Vaterlandsloser Geselle" eben.)

Gast: 1. Parteiloser
09.04.2011 10:17
4 0

Korrupter Misthaufen Parlament?

Wesentliche Verbr.echer sitzen noch immer nicht ein!

Bei Strasser gibt es Videoaufzeichnungen und Zeugen für sein Verbr.echen.

Beim ÖBB Pöchhacker gibt es Tonbandaufzeichnungen und Zeugen für sein Verbr.echen.

Beim Scheuch gibt es Tonbandaufzeichnungen und Zeugen für sein Verbr.echen.

Keiner sitzt ein?

Was ist da los?

Dann sitzen im Parlament gleich verurteilte Straftäter wie der Westenthaler, oder auch der Petzner, auch wenn es mit einem blauen Auge durch eine Lulu Justiz nicht wirklich brauchbar verurteilt wurde. Das interessiert die NR Präsidentin aber offensichtlich gar nicht. Diese Versagerin lässt diese Verbre.cher weiter über die Gesetzesvorlagen abstimmen!

Dass im Ö Parlament, wo die Versagerin die Präsidentin ist, ohnehin nur Lobbyisten sitzen, welche gegen die Interessen von Österreich und den Österreichern agieren, hat diese Versagerin offensichtlich noch immer nicht mitbekommen. Es ist ein Dominanz von Beamten und Funktionären der geschützten Bereiche, welche das Land ausrauben als gäbe es kein Morgen.

Der Hr. Jarolim ist doch das kleinere Problem und nur ein kleiner Teil eines sehr großen Misthaufens. Und die Prammer ist die Präsidentin des großen Misthaufens!

Re: Korrupter Misthaufen Parlament?

Danke (Parteiloser)Genosse für diese entlastenden Worte für unsere Parteibewegung.

Freundschaft,
dein Werner F.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
10.04.2011 16:47
0 0

Re: Re: Korrupter Misthaufen Parlament?

Erst musst aber schon den ÖBB Pöchhacker einsperren, dann kannst Dich bedanken.

Im Unterschied zu Strasser war das kein Jornalisten-Fake!


Und sowas ist JUSTIZSPRECHER!

Die roten Saubermänner .....

Jarolim ist nur die Spitze des Eisbergs im Roten-Meer.

Weites zu fordern sind:

- Eingehende Nachforschungen und Ermittlungen in der Skylink-Affäire, besonders der Personen Schmidt und Kaufmann (Vertraute von BGM Häupl - SPÖ)

- Eingehende Nachforschungen und Ermittlungen in der Causa, Staatsbürgerschaftsgeschenke an neureiche Russen (auch) in Salzburg (Affaire Burgstaller - SPÖ)

- Eingehende Nachforschungen und Ermittlungen über die verschwundenen 3,5 Milliarden !!!! € beim BAWAG- / ÖGB-Ruin-Aktion. Zum Unterschied zur Hypo verschwand dieses Geld während wirtschaftlichen Hochkonjunkturszeiten, wo alle anderen Banken Milliarden scheffelten

- Eingehende Nachforschungen und Ermittlungen über das Wien-Finanzdesaster um die VBGM Brauner - SPÖ

- Eingehende Nachforschungen und Untersuchungen rund um das mit der Gemeninde Wien verstrickte Firmengeflecht von 25 Unternehmen hinsichtlich Parteienfinanzierung.

usw ........

Die obig genannten Punkte bieten allein schon Sprengstoff für zig Milliarden Volksvermögen, denen akribisch nachgegangen werden soll.

Wenn schon, dann sollte seitens der Justiz gegen alle Parteien mit derselben fürsorglichen Bedachtnahme nach Sauberkeit vorgegangen werden.

-

Re: Die roten Saubermänner .....


Im Zusammenhang mit den verschwundenen BAWAG-ÖGB-Millionen wäre auch die wundersame, fast zeitgleiche, Sanierung der SPÖ-Parteifinanzen hinterfragenswert.

Re: Re: Die roten Saubermänner .....

Danke für Ihre Anregung.

Kleine Anmerkung meinerseits: Beim BAWAG-/ÖGB-Ruinskandal handelt es sich nicht landläufig um ein paar Millionen, sondern um

3500 Millionen Euro !!!

(= 3,5 Milliarden Euro)

die die Roten in den Sand gesetzt haben (wollte nur mal auf die Größenvergleiche hinweisen). Und es existieren sehrwohl Konten, wo diese Gelder eingeparkt sind. Nur die Österreichische Justiz interessiert das offensichtlich nicht.

Der Justizsprecher der SPÖ- na servas


Roter Sumpf, aufgedeckt von den Roten

weil sie sich halt auch nicht gar so einig sind.

Auch eine Möglichkeit:

Werft korrupten Politikern solange ihre eigenen Schandtaten um die Ohren, bis sie aus ihren Macht- und Geldfantasien aufwachen ... http://www.youtube.com/watch?v=1KbTiRAF1u4

Gast: UKW
08.04.2011 21:26
6 0

Der rote Jarolim, bei der ehemals roten AUA, da läutet bei jedem Demokraten das rote Lämpchen.


Antworten Gast: Romulus
09.04.2011 00:23
0 0

Re: Der rote Jarolim, bei der ehemals roten AUA, da läutet bei jedem Demokraten das rote Lämpchen.

Aha, es wäre also besser gewesen, wenn Jarolim die Interessen der Lufthansa und der Air France vertreten hätte...

Gast: nisemodkod
08.04.2011 20:10
4 0

Es sollte jeder sein "Kulturveranstaltungszentrum" gründen.

"Bojankin hatte seine eigenen Pläne, die Villa sollte V O N D E R S T A D T S A N I E R T
W E R D E N und als Kulturveranstaltungszentrum adaptiert werden"
Lauter fähige Leute, dennoch ist meine Freude drüber endenwollend.
Böse ÖVP- dürfen die das überhaupt?

Gast: korrupti
08.04.2011 19:09
0 0

Das laute Schweigen des Herrn Strache zu den Vorwürfen "korrupte Politiker" ist nicht zu überhören....

Bin froh, dass endlich die Privatisierung der Staatsdruckerei durchleuchtet wird.......
Der Schuss könnte für die ÖVP (Jarolim hat gegen die Monopolstellung von "JETZT" privaten Aktionären mit Seilschaften aus dem Innenministerium gekämpft) nach hinten losgehen.........