Meinungsforscher: Ein "Wunderwuzzi muss her"

13.04.2011 | 18:19 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Welchen Anforderungen sich der neue ÖVP-Chef aus Sicht der Demoskopen stellen muss.

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Wien. Geht es nach den Daten der Meinungsforschung, so müsste es jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Minister Reinhold Mitterlehner und Michael Spindelegger um den Posten des neuen ÖVP-Chefs geben. Beide liegen bei den Vertrauenswerten relativ gut und haben in den vergangenen Monaten sogar den bisherigen ÖVP-Chef Josef Pröll überholt. Weit abgeschlagen dagegen ist Innenministerin Maria Fekter, die in den vergangenen zwei Jahren in den negativen Bereich abgerutscht ist.

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So einfach kann man diese Werte aber nicht übernehmen, sagt Wolfgang Bachmayer, Chef des Meinungsforschungsinstituts OGM, der die Werte erhoben hat. Denn traditionellerweise sei ein Außenminister bei derartigen Umfragen stets im Vorteil, Innenminister hatten auch in der Vergangenheit immer schlechtere Werte. Beziehe man das mit ein, so komme auch Maria Fekter durchaus für die Führungsfunktion in der Partei in Frage, sagt Bachmayer. Aktuelle Werte habe er aber noch nicht, die könne man frühestens nach der heutigen ÖVP-Vorstandssitzung erheben.

„Die Vertrauenswerte sind aber nicht automatisch eine Eignungsreihung“, sagt Politikforscher Peter Ulram von GfK. Neben der Attraktivität bei der Wählerschaft zählten auch das Führungsverhalten und die Fähigkeit, sich in den Gremien durchzusetzen. Und da sieht Ulram das große Problem für den künftigen ÖVP-Chef – wer immer das auch wird. Das Gravitationszentrum der Macht habe sich in den vergangenen Jahren von den Bünden zu den Ländern verschoben, das sei ein schleichender Prozess gewesen. „Und wenn der neue Parteichef das nicht in den Griff bekommt, hat er keine Chance.“ Ulram erinnert an die letzte Nationalratswahl im Jahr 2008, als einige Länder dem damaligen Parteichef, Wilhelm Molterer, die Gefolgschaft verweigerten.

 

Partei muss sich neu erfinden

Ähnlich sieht das der Marktforscher Peter Hajek: Der neue ÖVP-Chef müsse in der Lage sein, über den Tellerrand hinauszuschauen. „Es müssen der Wunsch und der Wille da sein, die Partei neu zu erfinden.“ Man müsse klarmachen, wofür eine moderne konservative Partei heute steht. „Wenn das nicht passiert, hat die Partei eine begrenzte Lebensdauer.“

Das sei aber eine Aufgabe, vor der nicht nur die ÖVP steht. Generell sei das Jahrhundert der klassischen Volksparteien zu Ende. Für die Pröll-Nachfolge schlägt Hajek eine Trennung der Funktionen vor: Parteichef und Finanzminister sollten nicht mehr in einer Person vereint sein, sonst werde auch der Nachfolger körperlich verheizt. Als Interims-Parteichef schlägt er Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl vor.

Für Bachmayer ist dagegen das Suchprofil für den neuen Parteichef einfach: Ein „Wunderwuzzi“ muss her.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2011)

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75 Kommentare
 
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Gast: ökono-mist
14.04.2011 11:19
0

Schwarze, hört die (stummen) Signale!!!


Es gibt ihn nämlich bereits, diesen Wunderwuzzi, in Gestalt des umschaltbaren Demagogen Cap! (Und Josef heißt er auch noch...)

Die ÖVP sollte daher die verzweifelten - schon einem stummen (politischen Hilfe-)Schrei gleichkommenden - lämmerschweigenden Solidaritätssignale des ideologisch Schmachtenden endlich erhören und ihr leidiges Obmann-Dauerproblem ein für allemal der SPÖ aufhalsen, wenn diese schon so sehr darum fleht...

Oder sollte es bloß daran liegen, daß einige schwarze Krämerseelen einem pensionsreifen Jungsozialisten die Erfüllung seines offensichtlichen Herzenswunsches, möglichst noch in diesem Leben ÖVP-Obmann zu werden, mißgönnen? Da säße der Zgonc aber wohl am falschen Platz!

P. S.: Auch das Stellvertreterproblem ließe sich mit einem Schlag lösen: Mit Otto (nein, nicht Waalkes, sondern Pendl)! ER garantiert null Hindernisse bei der EU-konformen Beseitigung des Fernmeldegeheimnisses durch unauffällige - weil durch unzählige Budgetbegleitgesetze getarnte - demokraturkonforme Einarbeitung desselben in das umfangreichste Polizei-Generalbefugnisgesetz out of Belarus. Und zum Präsidentenberater in Kasachstan hat ER bestimmt den allerbesten Draht...

(Spätestens jetzt gruselt's wahrscheinlich sogar schon eingefleischte schwarze Apparatschiks...)

Gast: hansiii
14.04.2011 11:10
0

Was gibts da zu überlegen?

Der Mitterlehner kann ordentlich reden, schaut ned schlecht aus, und kommt von der Wirtschaftskammer.
Der Spindelegger wirkt immer als ob er in der letzten Stunde nicht aufgepasst hat, und kommt auch noch mit der unanbringbaren Last der Beamten am Buckel...

Wunderwuzzis

Alle, die jetzt nach dem Wunderwuzzi schreien, werden in wenigen Tagen-wenn es eine(n) gäbe- die ersten sein, die diese(n) wieder mit all ihrer Bosheit niedermachen werden.
Vergesst diese Blender und Besserwisser. Baut auf Seriosität und nicht auf die Medienwelt.

Re: Wunderwuzzis

es ist NICHT die medienwelt, die nach wunderwuzzis giert.

es sind die wähler!
und bei den wählern gibt es ein großes und letztlich wahlentscheidendes segment, das einen dreck auf seriosität gibt, sondern immer wieder auf blender und besserwisser reinfällt.

Onkel sucht Wunderwuzzi

Jetzt müsste Erwin Pröll übernehmen -wenn auch nur für 2-3 Jahre und die Partei grundlegend umbauen, er hat die nötige Brutalität und den Machtinstinkt dafür. Schliesslich hat er auch zur schwierigen Lage der ÖVP seinen Beitrag geleistet und sollte jetzt fairerweise auch zur Lösung beitragen.
Pröll bleibt als Parteichef auch LH (Doppelmühle!), ein neuer (Finanz-)Minister macht den Vizekanzler, ein neue Organisation und ein neues Programm muss her, und dann sucht man einen "Wunderwuzzi" für die nächsten Wahlen, der mit den Grausamkeiten nichts zu tun hat und glaubwürdig einen Neuanfang verkörpert.
Also weder Spindelegger, Mitterlehner oder Fekter, sondern die "schwedische" Lösung, ein österreichischer Reinfeldt.
Entweder das gelingt oder die ÖVP wird beliebig, belanglos und löst sich langsam auf. Denn auch als Steigbügelhalter der Sozialisten wird sie dann zu schwach sein und alle Macht, Einfluss, Posten und Pfründe verlieren.
Wenn das keine Motivation für alle bisherigen Logenkeppler ist - was dann?

Mitterlehner ? Nein Danke !

Ich denke das Mitterlehner zu stark auf die Wirtschaft fixiert ist und ihm das Gefühl für die Sozialen Aspekte fehlen und das ist nicht Gut.

Spindelegger hat bewiesen das Mann sich in einer Funktion zu recht finden kann ,wenn nicht sogar ! Richtig wohl fühlen kann , im Positiven sinne und das zum Wohle eines ganzen Volkes.( Für mich der Richtige ! Vorweg ich bin ein Parteiloser und Wechselwähler )

Antworten Gast: djflsdjfoewjoi 111
14.04.2011 09:38
0

Re: Mitterlehner ? Nein Danke !

Und wonach beurteilt das ein "heini2060" ???

Gast: mysterium
14.04.2011 07:34
0

Anstand kann man nicht kaufen,

da schließt man wohl eher Menschen als Krebsgeschwüre aus, nur damit Sie weiter von der EU versorgt werden.

Gast: gerechtiker
14.04.2011 01:07
0

schlussstrich

wenigstens setzt pröll einen konsequenten schlussstrich und liegt nicht noch zusätzlich als abgeordneter dem steuerzahler auf der tasche wie der schüssel!

Gast: Name des Gastes
13.04.2011 23:51
1

Seine Überschrift

Wenn die tatsächlich den Leitl in Erwägung ziehen, können sie gleich mit der SPÖ fusionieren.


Antworten Gast: über
14.04.2011 04:30
0

Re: Seine Überschrift

sie übersehen dabei, dass der leitl (meistens) recht hat und er beste werte bei volk und wirtschaft hat.
nur kläffen ohne zu denken ist nicht einmal beim posten hilfreich!

Gast: Ernst Holt
13.04.2011 23:33
5

Es geht nur mehr abwärts

Leider hat die ÖVP den Punkt längst überschritten, an dem die Richtung noch zu ändern wäre. Das liegt vor allem an den Personen. Wenn man so schaut, wer da aller so aus der zweiten, dritten Reihe nachrücken könnte, wendet man sich mit Grausen. Es liegt in de Natur mediokrer Persönlichkeiten, dass sie eifrig darauf bedacht sind, dass ihnen keine Besseren und Gescheiteren den Weg versperren. Daher fördern sie nach Leibeskräften Dümmere als sie es sind, die dann unter Umständen wieder nachrücken. So bleibt die Spirale nach unten beständig in Schwung. Irgendwann ist dann der besagte Punkt erreicht und die Mittelmässigkeit bis Inferiorität der Personen kann keine Wähler mehr ansprechen. Der Punkt ist bei der ÖVP längst erreicht! Ohne ein Hellseher zu sein, kann man voraussagen, dass es nicht aufwärts gehen wird. Leider! Die Partei hat das denen zu danken, die nur auf das eigene Fortkommen bedacht sind und nicht das Gesamte im Auge haben. Wenn sich die ÖVP feiert, dann feiert sich die Mittelmässigkeit und das kann nicht gut gehen.

Antworten Gast: radius
14.04.2011 07:27
0

Ein wahres Wort.


Gast: Lukas
13.04.2011 22:23
8

den letzten Wunderwuzzi der ÖVP

ein Mann namens Wolfgang Schüssel, haben die eigenen Parteigranden gekonnt abgeschossen nachdem sie um ihre Machtgründe gefürchtet haben. Jetzt sollte die Partei eigentlich SPÖVP heißen, nachdem sie sich als Steigbügelhalter für einen Kanzler Faymann nicht zu schade ist. Die ÖVP braucht keinen Wunderwuzzi sondern eine Gehirnwäsche um sich an die "Werte einer Volkspartei" zu erinnern.

Antworten Gast: G.Gast
14.04.2011 01:03
0

Letzter Wunderwuzzi

Hoffentlich werden wir von Wuderwuzzis à la Schüssel verschont!
Dann gibts ja wieder freiheitliche Infrastruktur - und Gesundheitsminister/innen! Finanzminister, die sich um ihre eigenen und die Finanzen ihrer Freunde kümmern u.v.a.m. Da darf dann noch mehr gelogen werden ("als Dritte gehen wir in Opposition" usw.), Hauptsache dem politischen Mitbewerber wird das "Hack´l ins Kreuz" gehauit.

Kammerbeamter

Mitterlehner sagte in einem Interview bei Amtsantritt auf die Frage ob er sich für eine weiter Liberalisierung der Gewerbeordnung einsetzen wird, 'er werde sich das sicher nicht antun'. Dazu ist nichts mehr hinzuzufügen (außer viellicht ein paar lästige Stichwörter wie Reformbedarf, Reformwillen, Mut zum Anecken ... ).

Das er sich, wie manche ÖVP Politiker, dabei intellektuell vorkommt wenn er sich bei den Linken anbiedert ist vielleicht für einige Journalisten aufregend, für potentielle ÖVP Wähler eher abschreckend.

Schüssel war in den letzen drei Jahrzehnten wirklich der einzige ÖVP Obmann der den Mut und den Willen zum Gestalten hatte.

Gast: Schnuff
13.04.2011 20:17
0

Glaubwürdigkeit

Für mich ist Otmar Karas der einzige Politiker, der so etwas wie Anstand ausstrahlt - schätze, er hat es nicht leicht in seiner Partei!

Gast: Schauferl
13.04.2011 20:15
0

Ab in die Sandkiste

Da muss man dem Herrn Karas recht geben - die Landeskaiser sollen sich in Sandkisten zurück ziehen, dort können sie weniger Schaden anrichten.

Gast: thurnhofer.cc
13.04.2011 19:37
1

Spekulationen

In einer AG gibt es immer noch einen AR, da kannst nicht einfach auf Zuruf einen neuen Vorstand installieren. Irgendwo wird er schon unterkommen, das ist klar und sei ihm auch gegönnt. Immerhin muss man Pröll dafür respektieren, dass er einen radikalen Schluss-Strich gezogen hat und nicht noch ein paar Perioden im Parlament zum Nachsitzen bleibt, wie viel zu viele andere Ex-Minister.

Vizekanzler in spe eines ausländerfeinlichen

Volkes, wie er selber 2007 in einer Diskussion sagte. Da wrden ja der ÖVP wieder die Wähler zufließen, ein richtiges Fest für den HC . Einfach zum Nachlesen:Kritik an der Migrations- und Integrationspolitik der eigenen Partei übte Mitterlehner: Die ÖVP habe das Thema in der Vergangenheit zu sehr aus der Sicherheitsperspektive diskutiert. Die Übergangsfristen auf dem Arbeitsmarkt seien betont worden, um sich abzuschotten. "Österreich ist ein Zuwanderungsland", stellte er klar. Es brauche einen Zuzug mit klaren Spielregeln. Jene 800 Fräser, Dreher und Schweißer, die gebraucht werden, könne man kaum finden, weil auch andere Länder einen Mangel an Facharbeitern hätten und "Österreich von vielen als ausländerfeindlich gesehen wird". Das müsse sich ändern.

Gast: Gelernter Österreicher
13.04.2011 19:16
1

Klar kommt er bei Raiffeisen unter,

genau wie sein Onkel war er sowieso nur deren Marionette.

Gast: doppi
13.04.2011 19:08
2

Der gesundheitliche Zustand von Pröll

ist Grund für seinen Rücktritt?!
Ist ein Führungsjob in einen Konzernbetrieb gesundheitlich weniger belastend?

Gast: Letzter Aufruf
13.04.2011 18:56
2

sorry,bericht nicht ganz richtig ---> richtig wäre....

österreich gehört mehrheitlich der raiffeisen staatshilfe-holding...was die die roten k. nicht geschafft haben ,erledigen jetzt die schwarzen k. .......ich schäme mich für den wirtschaftsstandort österreich....wenn solche "unternehmungen" im sinne der eu sind dann kann mich europa kreuzweise.....wo ist hier der freie wettbewerbsgedanke,der gedanke zum freien unternehmertum,medienfreiheit uvm.,wie gesagt..... kreuzweise......

Antworten Gast: @Letzter Aufruf
13.04.2011 19:12
2

Re: sorry,bericht nicht ganz richtig ---> richtig wäre....

in Libyen heists halt "Gaddafi-clan" der schon seit 42 Jahren an der Macht ist.
Bei uns heists "Raifeisen", und ist ncoh länger an der Macht....

Gast: 1. Parteiloser
13.04.2011 18:50
0

Wunderwuzzi Bartenstein?

Der war so perfekt im Geldverteilen und Abkassieren, dass er die Bünde einfach gleich kaufen würde. Das hat auch der Dr. Schüssel damals so gemacht das würde auch wieder funktionieren, auch wenn das Land in Armut versinken würde.

Der Bartenstein war auch so schlau, sich bei "seinen Geschäften" (zB. Pharmavit) nicht erwischen zu lassen und wurde deshalb auch in der Öffentlichkeit nicht durch den Kakao gezogen. Der hat sich während der Regierungszeit sogar zu den Top 10 der reichsten Österreicher emporgearbeitet, obwohl seine Lannacher noch Anfang der 90er an der Insolvenzgrenze spazieren gegangen ist.

Der Bartenstein würde den Kanzler auch gerne machen, weil ein so tolle Gelegenheit zur Nr. 1 der reichsten Österreicher auszusteigen wird ihm nie wieder geboten.

Der Bartenstein könnte das Image der ÖVP sicher in den Griff bekommen. Wenn die ÖVP das nicht will, dann bleibt als Alternative nur das Eingeständnis zur Beamtenpartei verkommen zu sein und kann gleich den Neugebauer zum Chef machen.

Es schaut aber alles nach "noch 3 Bier" aus, wo dann der Scheuch mit dem Verkauf von Staatsbürgerschaften und Erpressungen die Kohle zum Bezahlen besorgt.

Stan Laurel - "werde mich nicht einmischen"

Muss sich die Oliver Hardy Partei jetzt dafür bedanken, oder ist das eigentlich eh klar ?

 
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